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Gestern war ich in einer Vorstellung des Bejart Balletts aus Lausanne. Ein grandioser Abend. Ein Potpourri aus Klassik und Moderne in Musik und Tanz. 30 Top Tänzerinnen und Tänzer tanzten Geschichten und Bilder zu einer atemberaubenden Choreografie. Immer wieder ergreifend, manchmal witzig und teilweise verstörend. Aber immer voller Eleganz und schierer Kraft.

Ich bewundere in solchen Veranstaltungen neben der Kunst auch die Körperbeherrschung und Athletik der Tänzer. Da kam mir gestern ein Thread auf Jogmap in den Sinn, den ich beim Stöbern nach Tibialis Posterior (meinem neuesten Sorgenkind) entdeckt habe. Es ging um Sinn und Unsinn des Dehnens. Die einen schwören drauf. Die anderen meinen, dass die Wirkung des Dehnens jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Auch wurde Dehnen und Krafttraining gegeneinander abgewogen. Die Tendenz ging deutlich stärker in Richtung Krafttraining.

Bei der Frage nach dem Dehnen kommt es vermutlich darauf an, wen ich frage… und wie genau die Frage lautet. Frage ich einen Läufer, ob er durch Dehnen weniger Verletzungen hat, wird er es vielleicht anzweifeln. Frage ich die Tänzer des Bejart Balletts nach dem Sinn des Dehnens für sie, werden sie mir vermutlich einen Vogel zeigen. Ohne Dehnung könnten sie nie die volle Beweglichkeit und Kraft ausspielen, die sie für ihren Beruf brauchen. Und das kann man in der Vorstellung deutlich sehen.

Bei dieser Überlegung angekommen, fällt mir die Antwort eines Trainers im Fitness Studio ein. Auf die Frage, ob Dehnen vor oder nach dem Krafttraining richtig sei war er sehr irritiert. „Dehnen ist nur eine andere Art des Krafttrainings.“ Er meinte, nur in der Kombination kann ein Muskel Kraft über die volle Bewegungsamplitude aufbauen. Dehnen und Krafttraining also zwei Seiten der gleichen Medaille? Klingt vernünftig.

Ob deswegen ein liebloses Herumgezerre an irgendwelchen Körperteilen nach dem Lauf– meist nur zur Gewissensberuhigung – irgendeinen positiven Zweck für den Läufer erfüllt, bleibt dabei natürlich dahin gestellt. Wie viel Dehnung jemand braucht und ihm gut tut, muss wohl jeder ganz alleine für sich entscheiden. Aber die Erkenntnis, dass sich Kraft ohne Beweglichkeit nicht wirklich entfalten kann, nehme ich für mich mit und genieße weiterhin den getanzten Beweis auf der Bühne.

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Krafttraining ...

... habe ich früher mal gemacht. Daher mal etwas Senf von mir dazu:

Wenn ich einen Muskel trainiere, wird er sich verkürzen. Anderntags fühlt man sich steifer im trainierten Körperteil. Was macht man dagegen? Da könnte man jetzt zum Beispiel den trainierten Muskel dehnen ... oder den Gegenspieler ebenso intensiv trainieren. Beispiel (wie könnte es anders sein) Armtraining. Hantel schwingen und den Bizeps trainieren. Mit dem Bizeps kann man den Arm beugen, dann ist der Bizeps angespannt oder den Arm strecken (gerade machen). Dann wird auch der Bizeps gestreckt. Durch das Training verkürzt der Bizeps, mit der Folge, dass der Arm temporär nicht mehr ganz gestreckt werden kann. (Wer mal heftig Muskelkater im Bizeps hatte, kann das bestätigen). Um die Beweglichkeit wieder rein zu bekommen, könnte man jetzt also immer den Bizeps dehnen ... oder wie oben schon angedeutet, den Gegenspieler (hier der Trizeps) trainieren. Der Trizeps befindet sich auf der Oberarmrückseite und ist für die Oberarmstreckung zuständig. Immer wenn der Trizeps angespannt wird, streckt sich der Arm und der Bizeps wird gedehnt. Immer wenn der Oberarm gebeugt wird, wird der Trizeps gestreckt.

Worauf ich mit diesem Beispiel hinaus will ist folgendes: Bewegungen werden durch Muskeln ermöglicht. Zu jeder Bewegung gibt es immer eine Gegenbewegung. Wie in dem Beispiel oben (Arm beugen, strecken). Wenn nicht einseitig trainiert wird, also auch immer die an der Gegenbewegung beteiligten Muskeln, dann beinhaltet Muskeltraining immer auch eine Dehnung. Wenn man also steif ist bzw eine Bewegungseinschränkung hat, ist die Frage sinnvoll, ob das Training der Muskeln ausgewogen ist. So vernachlässigen Läufer beispielsweise gerne die Beinrückseite (Beinbizeps). Die dann anfällig für Zerrungen ist. (Oberschenkelvorderseite - Quadrizeps = Bein strecken, Oberschenkelrückseite - Beinbizeps = Bein beugen)

Tempo macht man durch Schrittfrequenz und Schrittlänge. Verkürzt sich zum Beispiel der Hüftbeuger, ist man nicht mehr in der Lage das Bein maximal nach hinten zu bewegen. Der Schritt wird kürzer, das Tempo langsamer.

Ich hoffe das war einigermaßen verständlich ausgedrückt.

So kann man es auch ausdrücken

Ja, so kann man es auch ausdrücken.
Das Prinzip von Kraft und Dehnung, Spieler und Gegenspieler kenne ich auch vom Yoga (da steckt mehr Krafttraining drin, als man gemeinhin denkt), Pilates (was richtig gemacht auch intensives Krafttraining ist) oder dem Kiesertraining.

Ich persönlich bin allerdings der Meinung, dass außer dem Krafttraining des Gegenspielers auch die schiere Dehnung der Muskeln und Sehnen wichtig ist. Das liegt aber weniger an meinem paar Stunden Sport die Woche, als an meinem Job. Als Schreibtischtäter können sich Muskeln und Sehnen verkürzen, von denen man erst erfährt, wenn sie steif sind und weh tun.

Du hast es schon richtig geschrieben. Die Ausgewogenheit macht es. Und das konnte man bei den Ballett Tänzern in Vollendung sehen *schwärm*.

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