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Diese Frage beschäftigt mich jetzt seit knapp zwei Wochen. Nachdem ich am 29.4. mit dem Hamburg Marathon meinen Frühjahrs-Höhepunkt absolviert habe, stehen jetzt bei mir so ein paar just for fun Läufe an. Ganz gespannt war ich dabei auf den StrongmanRun am Nürburgring am 5.Mai.

20km laufen mit ein paar Hindernissen, die man vorher schon im Internet anschauen konnte. Da es ja keine offizielle Streckenentfernung war und durch die Hindernisse sowieso eine ganz andere Form vom Wettkampf war, jagdte ich also keiner Bestzeit hinterher und wollte es locker angehen.

Die Tage vor dem Event waren schon ein Wechselbad der Gefühle. Habe ich Lust freiwillig durch Schlamm und Matsch zu robben? Dann wieder "Ja, beim Laufen willst Du doch auch Deine Grenzen erfahren...dies sind halt andere". Auf der Hinfahrt dann aber siegte das Teufelchen: Es waren 6 Grad und es regnete. Was habe ich in diesem Jahr schon bei Wettkämpfen gefroren...und dann noch die Perspektive zweimal in eiskaltes Wasser zu springen und je 40m zu schwimmen. Na gut, jetzt war ich ja da...da musste ich dann auch laufen.

Damit ich nicht allzu sehr auskühle, bin ich erst 5 Minuten vor Start in den Startblock - genau in dem Moment als der Sprecher durch das Mikro verkündete, dass man den Start um 30 Minuten verschiebt, da noch lange Schlangen an der Kleiderbeutelabgabe waren (kleiner Tipp an die Veranstalter: einfach größere Aufkleber mit der Startnummer verteilen und Kleiderbeutel-drop-off statt kompliziertes Theater-Garderobenprozedere. Während des Laufes sind 2-5 Stunden Zeit um das Kleiderbeutelchaos zu sortieren).

Als es dann losging, kamen 3-4km meines Hometurf...einfach Laufen. Also überholte ich so viele Teilnehmer wie möglich um vorne mit dabei zu sein. Auf der Grand Prix-Strecke des Nürburgring ging das auch ganz gut. Dann verließen wir aber die Strecke und ich realisierte, das es noch ein weiteres zu den 15 Hindernissen gab. Es war "die Strecke". Ab sofort ging es durch künstlich herbeigeführten Schlamm und Matsch weiter. Zwischendurch mal durch die Kiesbetten der Rennstrecke - naja und dann waren da ja noch die Hindernisse. Aber die erste Runde machte insgesamt Spaß. Auch das eiskalte Wasser der Hindernisse merkte man nicht, weil man damit beschäftigt war im Wettkampf Platz um Platz gut zu machen. Auch die Erkenntnis, dass eine Runde nicht wie angekündigt 10, sondern 10,8km hatte (nach der 10km-Markierung kamen noch 4 Hindernisse) schreckte mich nicht ab, da für mich beim Laufen "je länger, desto besser" gilt.

Nach 1:01Std. lief ich in die zweite Runde ein. Eigentlich ein schlechter km-Pace, aber ich wusste vorher ja auch nicht, wie die Hindernisse die Laufzeit verändern. Es gab aber noch einige Teilnehmer vor mir - wie viele konnte ich nicht so recht einschätzen.

Auf der zweiten Runde wurde es etwas chaotischer. Erst bin ich im Matsch übel gestürzt, habe mir Hand und linkes Bein blutig aufgerissen. Dann bei den Hindernissen plötzlich ganz viele Leute vor mir und Wartezeiten. Mein Wettkampfgedanke war im Eimer...es kann doch nicht sein, dass die Platzierung eines Laufes davon abhängt, wie lange man an den Hindernissen warten muss? Naja, aber wenn jeder gleich lang wartet, dann geht es wieder. Ich reihte mich artig in die Warteschlangen ein, stoppte an einer Sani-Station um mir vor dem zweiten Schlammkrabbeln zumindest die Hand verbinden zu lassen. Einmal gestoppt, konnte ich auch nochmal in die Büsche verschwinden um ein wenig Balast loszuwerden. Doch dann - irgendwo bei km17 - realisierte ich durch die Gespräche vor den Hindernissen, dass die ganzen Leute auf ihrer ersten Runde waren. Ich war bei Überrundungen...so ab km14 eines 22km-Rennens überrundete ich Teilnehmer. Was war denn hier los? Also bemühte ich mich etwas mehr an den Warteschlagen vorbei zu kommen - denn da die anderen ja in anderen Zeitdimensionen unterwegs waren, verschaffte ich mir so keinen unfairen Vorteil.

Also joggte ich ins Ziel - mein Puls war längts im Regenerationsbereich angekommen und ich war mehr damit beschäftigt, wie ich mich jetzt schnell aufwärme, als um die letzte Sekunde auf der Strecke zu kämpfen. In der Dusche stand dann plötzlich ein guter Freund neben mir. Hätten wir besser vorher mal gequatscht, dann hätten wir vllt. gewusst, dass wir am gleichen Wettkampf teilnehmen. Er erklärte mir dann, wie es richtig funktionierte. Er lief die erste Runde in der gleichen Zeit wie ich, aber er realisierte schneller, dass er überrundete und hat einfach jeweils gerufen "zweite Runde" und wurde durch eine Gasse durchgelassen.

Wenig später standen wir an den Ergebnissen. Er war irgendwo um Platz 40, ich mit 2:23h auf Rang 306. Wenn ich unterwegs gewusst hätte, dass ich im Bereich bestes-1% des 11.000-Teilnehmerlaufes unterwegs war, dann hätte ich mir sicher den Sani- und Büschestop gespart. Aber ok, war halt so...ist ja auch so ein ganz brauchbares Ergebnis.

Zurück zur Eingangsfrage: direkt nach dem Lauf war ich mir sicher "ok, StrongmanRun absolviert, Haken dran, nie wieder". Auch die Stunden danach auf der Heimfahrt hielt sich die Meinung. Jetzt tat auch mein komplett offenes linkes Schienbein weh. Doch als das dann ein paar Tage später besser wurde, ich meine Fotos vom Lauf bekam, da kam dann auch der Gedanke "hat Spaß gemacht". Und da ich mich darüber ärgere das Prozedere auf der zweiten Runde nicht verstanden zu haben, habe ich jetzt erst recht den Ehrgeiz es mit dieser Erkenntnis nochmal zu probieren. Vielleicht gehe ich es so an. "Nochmal wieder...und dann schau ma mal". Ich werde wohl für das nächste Jahr melden und es mit den zu spät gewonnenen Erkenntnissen versuchen besser zu machen und dann neu entscheiden, ob es ein fixer Termin in meinem Wettkampfkalender wird oder ich dann endgültig die Nase voll habe.

3.5
Gesamtwertung: 3.5 (2 Wertungen)

Cool das auch mal aus der

Cool das auch mal aus der anderen Perspektive geschildert zu bekommen. Bislang gabs hier nur Berichte derer, die stundenlang warten durften - anscheinend musste man da anfangs echt fix weg sein um da nicht hängenzubleiben. :-)

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