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„Durch Buchen Fichten Tannen, so schreit ich durch den Tag,
begegne vielen Freunden, sie sind von meinem Schlag.“

Der erste Teil der zweiten Strophe des Rennsteiglieds kommt dem Lauf noch am nächsten. Weiter geht’s mit „Ich jodle kräftig in das Tal“. Dass ich mir dies verkneifen konnte, kam mit Sicherheit der Begegnung mit Freunden zu Gute.

Relativ spät habe ich mich zum 40. Rennsteig-SM angemeldet und habe ihn mehr als locker auf mich zukommen lassen. Außer der negativ beschiedenen Anfrage nach einem Plätzchen im Massenquartier bemühte ich mich zunächst auch nicht weiter um eine Massenunterkunft. Für diese Passivität durfte ich das Wochenende sehr gut gepampert verbringen.

Vexillum bot mir seinen Platz im Massenquartier an, das er von MagnumClassic reservieren lassen hatte. Das nahm ich dankend an, auch wenn ich ihn stattdessen lieber auf den Höhen des Thüringer Waldes gesehen hätte. MC hat überdies gemanagt, dass ich beim Schwabenexpress von Läufer74 aufspringen konnte. Darin war auch der Transfer zur Kloßparty und zum Start sowie der Support auf der Strecke und der Fotodienst. Der Rundum-Service war zwar klasse, doch auch Läufer74 hätte ich lieber auf der Strecke gesehen.

Das große „Hallo“ am Brunnen vor dem (Start-)Tore in Eisenach mit den anderen Jogmappern darf man einfach nicht verpassen. Allein dafür hätte sich die Anreise schon gelohnt.
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Bis auf die Raketen, die sich ihre gute Startposition sichern mussten, trudelten die Jogmapper fast einträchtig durch das Starttor. In der Wartburgallee waren wir allerdings schon vom großen Läuferbandwurm absorbiert.
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Ich lief immer wieder in der Nähe von MC, HenryIIX und Laufastra.
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Das Tempo passte zu meinem Training, das zwar quantitativ passte, jedoch qualitativ besonders in Sachen Höhenmeter Verbesserungspotenzial aufwies.

Bald war es an der Zeit, Waldbrandprävention zu betreiben. Bei der „Aufholjagd“ zu meiner Einheit traf ich einen Kollegen und wir schwatzten. Dabei muss ich vollkommen übersehen und überhört haben, dass wir MC überholten. Ich lief mit Henry weiter, in der felsenfesten Überzeugung, MC würde vor uns laufen und –da ich sie nie entdecken konnte- den Lauf ihres Lebens machen.
Als Wiederholungstäter hatte ich den legendären Schleim schon kennengelernt. Dennoch löste der erste Becher fast einen Würgereiz aus. Der Schleim war so zäh, dass er im trockenen Rachen stecken blieb und ich ihn mit Tee runterspülen musste. An den anderen Stationen war er trinkfreundlicher, wenn er auch manchmal beim Wegnehmen des Bechers Fäden zog.
Auch Wurst- und Schmalzbrote und Obst sorgte dafür, dass ich nicht unbedingt leichter finishte, als ich losgelaufen bin.
Wenn ich es noch richtig weiß, ist dies die Verpflegungsstelle Ebertswiese:
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Einen besonderen Eindruck hinterließ bei Henry und mir ein Paar. Er hatte das Blindensymbol auf dem Rückenteil seiner Weste, (s)eine Frau guidete ihn. Auf dem steilen Asphaltstück den Inselsberg herunter zur Grenzwiese, wo jeder auf der Bremse stand, schossen sie mit einem Affenzahn an uns und den anderen Läufern vorbei. Wir sahen sie noch mehrmals, wie sie flink und sicher über den Rennsteig sausten. Ich habe allergrößten Respekt, sowohl vor dem blinden Läufer als auch seine Führerin. Sie haben einen super Job gemacht.

Bei einer solchen Distanz wird es meist irgendwann zäh. Gerade beim wieder Antraben nach Gehpassagen dauerte es einige Schritte, bis das Fahrgestell wieder rund lief. Echte Schmerzen oder ähnliche Probleme stellten sich mir nicht in den Weg. Die bis zum Rennsteig im Training sparsam dosierten Höhenmeter doch ausreichend – zumindest für unsere Geschwindigkeit.
Allerdings sprang etwa bei km 44 auf einem viel zu gut ausgebauten Weg eine Wurzel hoch, just in dem Moment, in dem ich darüber laufen wollte. Ich stolperte. Weil ich meine Gedanken gerade sonstwo schweifen ließ, konnte ich mich nur noch mit den Handballen auffangen. Zum Glück ist nichts weiter passiert, es floss nicht mal Blut.

Während wir auf den breiten Wegen im Ultraschlappschritt dahin trabten, hob ich auf den wurzligen, felsigen oder sonstwie trailigen Passagen meine Füße höher, was mich gefühlt etwas schneller machte. Keine Ahnung, ob es mich wirklich schneller machte oder ob auf diesen Stücken nur die Mitläufer etwas langsamer wurden. Mehr Spaß hat es dort auf jeden Fall gemacht.

Es war mir eine Freude, fast den gesamten Lauf mit Henry zu bestreiten und gemeinsam in Schmiedefeld ins Ziel einzulaufen. Hier zelebrierte er allerdings erst die Ankunft am Grenzadler:
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Mit 8:24 Stunden war ich zwar 40 Minuten langsamer als zwei Jahre zuvor, bin damit aber absolut zufrieden.

Vor lauter „Buchen, Fichten, Tannen“ hat man vom Rennsteig selten eine Aussicht auf das Umland, diesbezüglich ist bei vielen anderen Läufen mehr geboten. Dennoch ist es der Rennsteig wert, mehrmals gelaufen zu werden.

Trotz zum Schluss sonniger Abschnitte wurde es mir im Laufdress bald zu kühl. Bis ich vom Duschen zurück war, T-Shirt und Urkunde abgeholt hatte, passte es gerade, den Zieleinlauf der Debütantin Jaren zu würdigen, die locker aussah und mit einem Lächeln auf das Ziel zulief.

Die Party im Festzelt muss man selbst mitgemacht haben ;-)

cherry65

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Schleimtrinken

will gelernt sein! Da musste noch a bissle üben! ;-)

Der Lauf meines Lebens? Schön wär's gewesen, aber ich arbeite noch dran! Was die Landschaftskomponente angeht, gebe ich dir recht! Bis zum Tannenkoller hatte auch dieses Mal bei mir nicht allzu viel gefehlt. Doch was einem immer wieder zum Rennsteig zieht, ist das ganze Drumherum: die Kloßparty, das Wiedersehen bekannter Läufer, die supernetten Helfer an den Verpflegungsständen und last but not least die mega Party! Du hast recht, die Party ist absolutes Pflichtprogramm! Dagegen ist der Cannstadter Wasen ein Witz! Kurzum, den Rennsteiglauf macht man immer wieder gerne!

Das meint zumindest eine MC, die selbst im Büro die Rennsteighymne immer noch nicht aus dem Kopf kriegt! Ebenso wie den Floh, denn du mir schon wieder in den Pelz gesetzt hast! ;-))

Also

MC übersehen, kann ja vorkommen..., aber überhören? ;-))
Es gab 2 Blinde mit Begleitern auf der SM Strecke. Was für eine Leistung! Unvorstellbar!
Es war mir eine Freude auch Dich kennenzulernen und anschreien zu dürfen.
LG, KS

Ach Cherry

beim Betrachten der Bilder möchte ich sofort vor die Tür und loslaufen!

Toll, dass ich Dich nicht nur endlich kennen lernen durfte, sondern Dich durch Deinen Bericht auch noch nachträglich beim Lauf begleiten konnte.

Herzliche Grüße,
Holger



25.05.2013 Rennsteig SM

Da

lässt man mal andere zu Wort kommen und prompt ist das nix! Menno!

Es grüßt die stille MC ;-))

nee, Du siehst das falsch

kaum lässt Du andere zu Wort kommen, wirst Du übersehen ;-))
Nee Kleene, red Du ruhig, passt scho :-)
LG, KS

War mir eine Freude

Dich live und in Farbe bei der Party kennenzulernen. Schließlich sind (nicht nur, aber auch) Deine bebilderten Blogs Schuld an meinen Laufzielen.

Ich habe auch einen Blinden mit Führerin gesehen. Er hatte ein Seil in der Hand, aber in dem Moment gerade die Hand auf ihrer Schulter. Sie erklärte ihm die Wegbeschaffenheit. War ziemlich kurz hinterm Start bei den Serpentinen.

Danke für die Bilder!

Deine Blogs sind wirklich immer sehr schön zu lesen, denn Bilder sagen ja bekanntlich mehr als 1000 Worte.

Was mir die Bilder aber nicht sagen:
Wie kann man bitte was weiß ich wie viele Marathons und dann gar noch Super-Marathons in ner Lederhose runterreißen?
Ich mein: Scheuert's einem da nicht alles weg? Und was ist mit dem Schweiß? Der bildet doch auf dem Leder Salzkrusten, oder?

Mit offenen Fragen zurückbleibend,
Christian

Hihihiiiii :o))

Der Henry ist nen ganz harter Bursche!
Datt is bestimmt nur son Alcantaralederimitatpolyesterzeug, da kann man datt Blut abwaschen!;o))

Lieben Gruß Carla

Du auch...

...40 min.langsamer?
Aber doch in einem ganz anderen Bereich, und im nächsten Jahr dann wieder auf höherem Niveau.
Übrigens Jodeln, das müsste ja wohl Henry übernehmen.

Mit deiner Vermutung ...

... des Verpflegungspunktes lagst du völlig richtig. An der Ebertswiese gibts den besten Heidelbeerschleim!
Die Wurzel hatte ich extra runtergetreten. Und die Zeit, bis sie wieder hochkommt war auch eingestellt... Nicht ganz verstehe ich da wieso die bei dir hoch kam. Da solltest du dort doch längst durch sein.
Aber schön wars und jeeeezzzz, jezz kommt noch eine viel größere Vorfreude auf. Bald gehts los und da bist du auch wieder mit im Boot Und Besuch bringst du auch mit. Super!
War schön! Und wird schön!
Ick freu mir!
;-)

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