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„Das werden wir in aller Ruhe analysieren und in den Gremien eine Bewertung abgeben.“, sagen die Politiker auf diese Fragen meist im Anschluss an die Zahlen. So will ich es jetzt auch halten. Und das Gremium ist hier….
Es lag noch Eis auf der Frontscheibe, als ich um halb Sieben mein Rad ins Auto bugsierte. Natürlich war ich wieder eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln wach. Wie bei jedem Wettkampf. Dabei war ich nicht wirklich aufgeregt heute. Im Gegenteil. Als Fan der Düsseldorfer Fortuna befindet man sich in den letzten Tage in einem Zustand permanenten Dauerstresses der einhergeht mit nervösem Augenzucken und periodisch auftretenden Panikattacken. Da ist ein Kurztriathlon wirklich Balsam für die geschundene Seele und eine willkommene Ablenkung von den wirklich existentiellen Fragen im Leben eines leidgeprüften und dauerpessimistischen Anhänger des hiesigen Fußballvereins.
Nachdem die Scheibe frei und der Navi programmiert war, ging es auf nach Gladbeck. Noch zeigte die Anzeige 0 Grad Celsius an, aber blauer Himmel und die aufgehende Sonne verhießen für den Tag zumindest Regenfreiheit. Wie jedes Jahr habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Mutter mit einem Sportwettkampf zu ehren. Mal ein Marathon, diesmal halt die Kombination vom Schwimmen, Radfahren, Laufen um ihr meinen Dank zu zeigen.
Das erste Missgeschick widerfuhr mir auf dem Parkplatz. Das Vorderrad reagierte auf die Druckerhöhung auf 8 bar mit einem spontanen Riss am Ventil. „Besser jetzt als beim Wettkampf…“, dachte ich. Schlauch wechsel, einchecken und einen neuen Ersatzschlauch zu nachtschlafener Zeit gekauft. Dann bewies ich, dass man innerhalb von dreißig Minuten zwei Powergels entsorgen kann, ohne die angedachten Energiereserven dorthin gebracht zu haben, wo sie eigentlich hin sollten. Das erste gekauft, und dann am Kaffeestand liegengelassen, wo sich anscheinend der nächste über den kostenfreien Kraftlieferanten freute. Wieder einen gekauft. Den dann sicherheitshalber direkt in der Rückentasche verstaut, aus der er sich beim Schwimmen selbst verabschiedete…
A pro pos Schwimmen! A pro pos Wettkampf.
Fürs Schwimmen hatte ich eigentlich nichts Gutes erwartet. Permanente Unlust zum Üben der ersten Disziplin hat mich in diesem Jahr bisher erst auf magere fünfzehn Trainingskilometer kommen lassen. Da schien mir ein Verlassen des Beckens nach zwanzig Minuten durchaus realistisch zu sein, was ich in besserer Form schon mal 150 Sekunden früher erreicht habe. Die Vorabsprache auf der Bahn ergab, dass fast alle um die neunzehn Minuten schwimmen wollten. Ich hing mich hintendran und hatte ein wunderbares Erlebnis: Wasserschatten spart tatsächlich Kraft und Zeit. Die häufigen Berührungen meiner Hände an den Füßen des Vordermanns mögen zwar seine Nerven strapaziert haben, aber mir bescherten sie einen unerwartet frühen Schwimmausstieg. Nach 18.33min hatte ich die tausend Meter hinter mir. Und jetzt wartete das, was ich am meisten trainiert habe.
Radfahren. Es war zwar schon etwas wärmer geworden (Start war 9.35 Uhr), aber dennoch habe ich mir eine Premiere gegönnt. Dickes Radjacke über dem nassen Anzug. Mag zwar fünfzehn Sekunden gekostet haben, aber ich habe es nie bereut auf den folgenden 38,5 Kilometern.
Trainingszustand und ein etwas schwächeres Schwimmen ließen mich entgegen sonstiger Gewohnheiten sogar gelegentlich überholen. Sieben Runden à 5.5km auf einem Rundkurs, der zum Ende ein seltenes Wetterphänomen zeigte: Permanent gefühlter Gegenwind! Wahrscheinlich ein rechtsdrehender Wirbel direkt über dem Wittringer Schlosspark ….
Im Ernst: Es war kaum Wind auf der Strecke, es fühlte sich nur wie so oft so an, als wenn die laue Luft ständig von Vorne kam. Am Ende hatte ich einen 34 er Schnitt auf dem Tacho, was mir umso respektabler erschien, da die lästige Schiebepassage durch die Wechselzone mit in die Zählung eingegangen war.
Laufen! Ich liebe die Gladbecker Kilometer. Vielleicht sollte ich dorthin ziehen. Zwischen 3.30min (!!!) und 4.30min pendelten sich die Zeitabstände ein, zwischen denen ich immer wieder beim passieren eines Kilometerschildes meinen Zwischenzeitenspeicher strapazieren durfte. Wie jedes Jahr verschafft mir der Gladbecker Triathlon für wenige Tage die Illusion, ein bärenstarker Läufer zu sein. Es gibt schlechteres im Leben! 43.35min standen am Ende auf der Ergebnisliste hinter meinem Namen für die Zehn Kilometer. So schnell laufe ich momentan anderswo nie, auch dann nicht, wenn ich auf den kraftraubenden Auftakt aus Schwimmen und Radfahren verzichte.
Bei 2.13.59min blieb für mich die Uhr stehen.
Und jetzt weiß ich nicht, ob das Ergebnis gut oder nur akzeptabel ist. Das liegt vor allem daran, dass die permanente Beständigkeit der Strecke in Gladbeck es zulässt, Ergebnisse zuverlässig miteinander zu vergleichen. 2007 war ich ganze zweieinhalb Minuten langsamer. 2006 gar fast drei Minuten. So weit so gut. Wenn ich nicht 2002 knappe sechzehn Sekunden und im Vorjahr achtzehn Sekunden schneller gewesen wäre. Und nach den vielen Radkilometern dieses Jahr hatte ich zumindest gehofft, in dieser Teildisziplin eine neue Bestmarke zu setzen. Hat aber leider nicht ganz gereicht. Dafür war das Laufen und das Schwimmen erstaunlich gut. War es also jetzt gut oder enttäuschend? Lag es gar am kalten Wetter, dass die groben Kolben nicht so rotierten, wie sie es vielleicht hätten tun können. Waren vielleicht alle anderen auch schwächer auf dem Rad?
Dafür spricht, dass die Gesamtplatzierung (77 von 166) mich ein wenig deutlicher in die vordere Hälfte des Feldes brachte als bei meiner Bestleistung vom Vorjahr, wo ich als 94 von 189 gerade noch ins Vorderfeld gerutscht war!
Unsinnige Fragen über unsinnige Fragen.
Doch! Am Ende bin ich mit mir, der Platzierung und der Form doch zufrieden. Und ab morgen geht sowieso das Zittern wieder los und für Dienstagabend dürft ihr mir gerne die Daumen drücken, wenn ich im Stadion einen permanenten WSA (Wettkampfspezifische Ausdauer)-Puls bei körperlicher Ruhe erleide….

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Ich möchte mal anmerken,

Ich möchte mal anmerken, dass ich das besagte Gel beim Schwimmen auf dem Grund des Schwimmbads liegen gesehen habe :-)

Du bist (Mit-)Schuld!

Erstmal Glückwunsch zu den tollen Zeiten!
Und dann noch ein Auftrag: bitte am Samstag, dem 2. Juni 2012, die Daumen drücken für meine erste Volksdistanz ;-) Ohne die Geschichten eines Kenianers wäre ich vielleicht nie auf die wahnwitzige Idee gekommen, mal einen Triathlon zu versuchen...

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Glückwunsch :O)

Ist es nicht schön, dass das Leben so wunderbar unberechenbar ist, aber als Erfolg würde ich es schon verbuchen! Ich meine, du bist ja auch nicht jünger geworden und deine Zeit nicht schlechter.

So viel älter bin ich im

So viel älter bin ich im letzten Jahr hoffentlich nicht geworden. Und im Vergleich zu der Zeit von 2002 würde ich sagen, dass ich Alter mit besserem Material kompensiert habe....

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