Benutzerbild von klada

Wie gerne würde ich jetzt auch tapern, mich auf den Rennsteig freuen, auf die vielen jogmap-Nasen, die Schmalzstullen, den Schleim und die Party nach dem Rennen.

Aber es deutete sich ja schon im letzten Herbst an, dass es 2012 terminlich nicht passen würde mit dem Auf und Ab zwischen Eisenach und Schmiedefeld. Statt dessen werde ich eine Woche später mit dem Hollenlauf im Sauerland Vorlieb nehmen müssen. 67 Kilometer, je 1.500 Höhenmeter in Auf- und Abstieg und eine Pendelstrecke über den Rothaarsteig, bei der u.a. zweimal die Hunau (815 m) und zweimal der Kahle Asten (841 m) überwunden werden muss. Immerhin, ein kleines Trostpflaster.

Ich werde zusammen mit meiner Vereinskollegin Anke dort sein, mit der ich 2011 auf dem Rennsteig unterwegs war. Mal sehen, ob ich ihr ein bisschen helfen kann, eine gute AK-Platzierung bei der Ultratrail-DM zu erreichen. Der Hollenlauf war übrigens mein erster Ultralauf. In 2008, ein Jahr nachdem ich mit dem Laufen anfing, lief ich dort schon einmal die 67 km. Ich hatte mich einfach mal überreden lassen ...

Also ist extremes Tapern jetzt noch nicht angesagt. Und so machte ich mich gestern zu einer Trainingseinheit auf, die mich bis zum Trans Alpine Run im September nahezu wöchentlich begleiten soll: Treppensteigen. Laut offiziellem TAR-Plan dauert so eine Einheit 60 Minuten. Um mich nicht gleich beim ersten Mal komplett wegzuschießen, wollte ich aber erst mal kürzer treten.

Während der von mir laufmäßig bevorzugte Südrand des Ruhrgebiets jede Menge Hügel, Trails und Grün zu bieten hat, ist der Norden deutlich industrieller geprägt. Genau dort liegt die Halde Hoheward, im Zangengriff zwischen der denkmalgeschützten Zeche Recklinghausen und der ebenfalls stillgelegten Zeche Ewald. 152 Meter hoch ist der Hügel, oben auf dem Plateau, dass mich ein wenig an den Brocken in Miniversion erinnert, findet sich ein Horizontalobservatorium. Und einer der Wege, der nach oben führt, ist über die Himmelsstiege möglich, einer Treppe mit 529 Stufen. Da wollte ich hin und Treppentraining machen. Also rein in die S-Bahn und los.

Ich erreiche die S-Bahnstation Recklinghausen-Süd und versuche mich zu orientieren. Doof, kein Schild, das zur Halde weist, dabei dürften es von hier kaum mehr als zwei Kilometer sein. Okay, ich hatte mir zuhause die Verortung der Halde auf der Karte angesehen und lief in die vermutete Richtung. Und tatsächlich dauerte es nicht lang, bis sich die Halde vor mir auftat. Ähem, ja, doch etwas höher als ich dachte.

Also gut, ich lief über die Drachenbrücke zum Fuße der Halde hinüber und fragte drei Rentner, wo's denn zur Treppe ging. Sie wiesen nach links und ich lief erstmal leicht bergan. Ich lief und lief, aber eine Treppe? Fehlanzeige. Also nutzte ich einen offensichtlichen MTB-Downhill, um auf direktem Weg nach oben zu kommen und von dort aus die Treppe zu suchen.

Scheiße, ist der Weg steil. Aber jammer' nicht klada, du hast es nicht anders gewollt. Oben zieht's, und die bedrohliche Wolkenkulisse macht ernst. Es kübelt. Ich versuche trotzdem ein wenig den unfassbaren Ausblick über das gesamte Ruhrgebiet zu genießen. Aber wo ist die Treppe? Ich finde sie nicht und laufe eine Straße hinunter, die mich an die Brockenstraße erinnert. Nur nicht so steil. Nun war ich auf der anderen Seite der Halde unten angekommen mit Blick auf den Förderturm von Zeche Ewald. Ich beschließe, von hier aus eine Umrundung zu starten, irgendwo würde die Treppe schon auftauchen.

Ich biege nach links, und schon nach 150 Metern ist sie da. Die Treppe. Bingo! Durch die Sucherei war mein Zeitplan schon arg ins Wanken geraten, und ich nahm sogleich das Ding in Angriff. Nur einmal kurz durchatmen und Puls auf unter 100 bringen. 99 und los! Die Stufen der ersten beiden Absätze sind schmal und eng. Ich versuche gleichmäßig hochzukommen. Geht ganz gut. Dann die nächsten Absätze. Hier sind die Stufen ganz anders. Breiter, wuchtiger. Optisch ganz gut gemacht in dem man Steinhaufen mit engen Metallgittern umschlossen hat. Plötzlich bin ich schon oben. Ende der Treppen. Was ist das denn für ein lahmer Zock! Beschiss! Nie und nimmer sind das über 500 Stufen. Außerdem bin ich noch lange nicht oben. Ich laufe also wieder runter und zähle mit. 249! Na, da würde ich gleich zuhause mal den Wikipediaeintrag ausbessern müssen. Diese Angeber, diese Großkotze - den Beitrag hat wahrscheinlich der Eigentümer der Halde ins Lexikon geschrieben. Und alle Doofen glauben das, keiner hat's je überprüft, außer klada. Jawoll, ich bin der investigative Skandalenthüller.

Schon die zweite Runde rauf bringt mich auf der Hälfte der Treppe an meine Grenzen. Puls 152, die Beine brennen. Ach du Scheiße! Nach dem vierten Mal rauf und runter lass' ich's gut sein und biege auf den Umrundungsweg der Halde ab. Nach einem knappen Kilometer treffe ich eine Großmutter mit Enkelkind im Kinderwagen. Ich bedanke mich fürs Platzmachen und entschließe mich, noch ein paar Sätze nachzuschieben: "Entschuldigung, kennen Sie sich hier aus? Wissen Sie vielleicht, ob diese Treppe nach oben noch irgendwann fertiggebaut wird?" Die Dame schaut mich verwundert an. "Wieso, die führt doch bis nach oben." Klar, auch wieder so eine die keine Ahnung hat. Nur hier unten mit dem Enkelkind rumjuckeln und glauben, dass die Treppe bis nach ganz oben führen würde, weil man's ja irgendwo gelesen hat. "Also ich war gerade da. Die hat nicht mal die Hälfte Anzahl der Stufen, die sie eigentlich haben soll." In ihrem Gesicht ein leichtes Grinsen. "Na, aus der Richtung, aus der Sie kommen, werden Sie vermutlich an der kleinen Treppe gegenüber von Zeche Ewald gewesen sein." - "Ähem, ja, Zeche, ähem ja, da war ich." – "Also, dann laufen Sie jetzt mal hier schön weiter, biegen vor dem Tunnel links ab und dann kommt schon bald die Himmelsstiege rechts hoch. Aber erholen Sie sich auf dem Stück. Hoch iss kein Spass."

Ich mache mich auf den Weg, und schon bald sehe ich dieses Treppenmonster. Okay, dass sind mindestens 500 Stufen. Glaube ich sofort. Nur doof, dass meine S-Bahn gleich kommt. Egal, nehme ich halt eine später. Wenigstens einmal muss ich hier rauf und runter. Ich drücke auf meiner Garmin die alte Aufzeichnung weg und starte hoch. Die ersten Stufen sind klein und erfordern Tippelschritte. Nach dem ersten großen Absatz ändert sich die Stufenhöhe in flache, breite Gitterhubbel. Angenehm. Der nächste Absatz wieder steiler. Das ist ja wunderbar hier, abwechslungsreich. Und wumms, irgendwie bleibe ich mit dem Fuß im Gitter hängen, kann mich aber im letzten Moment noch abfangen. Adrenalinpegel am Anschlag. Aber ich bin noch nicht oben. Als ich endlich oben ankomme, sehe ich auf der Uhr, dass ich exakt 300 Meter Streckenlänge und 101 Höhenmeter zurückgelegt hatte. Hin- und zurück gerechnet also 600 Meter mit 101 Höhenmetern. Das macht einen Quälixfaktor von 168! Pace, inklusive ruhigem Runterlaufen: 14:28. Ich hoffe, dass das irgendwann auch deutlich schneller geht. Noch bin ich ein echter Stufenstümper.

Fazit: An dieser Treppe werde ich mich für den TAR prima abarbeiten können. Mal sehen, was es am Ende bringt.

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Aua!

Renn' da aber bloß nicht mit Stöckelschuhen hoch! ;-)

Rechts lieber klada, rechts...

...musst Du abbiegen, wenn Du über die Drachenbrücke gekommen bist.

Mönsch, frag' das nächste mal vorher den Holgi ;-))))) Dann nimmste das nächste Mal auch sofort die den richtigen Anstieg - aber nu kennste Dich ja dort aus.

Werde mal mit dem Deti vorbei kommen und Dich ein bissken anfeuern und ggf. aufmuntern...

Herzlichst,
der Holgi



12.05. Rennsteig SM
26./27.05. TTdR-Support
30.06. Himmelgeist HM

Holgi, wenn ihr schon mal da seid ...

... dann könnt ihr doch auch gleich mitlaufen. Und wenn ich gewusst hätte, dass du Haldenexperte bist, hätte ich natürlich erst mal bei dir nachgefragt. Immerhin habe ich jetzt einen kompletten Eindruck von diesem Ding gewinnen können. Und weiß nun, dass es noch eine Hintertreppe gibt ;-).

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Keine Sorge MC, weder mit Stöckelschuhen ...

... noch mit diesen unsäglichen Hokas, die im Moment so in Mode sind, werde ich da jemals hochrennen. Aber wahrscheinlich das eine oder andere Mal in Fivefingers.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Geiler Bericht!

Und danke fürs Mitnehmen.

Den Brocken hab ich ja vor der Haustür. Zum Glück ohne Treppen! ;-)

Hätt mich auch gewundert,

wenn Du ohne Schock über die Stufen kommst;-) Ich bin tatsächlich mal mit Stöckelschühchen in solch einem Gitter hängengeblieben. Das ist ewig her und war Anfang und Ende von hohen Schuhen bei mir;-)
Toller Bericht!!!
Und toi, toi, toi!!!

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

Die Treppe ist

echt geil. Da habe ich mir schon ein blutiges Knie geholt:-(
Wir haben eine zeitlang vom Verein aus dort einmal die Woche trainiert. Und als Hardcore-Variante hast du noch folgende Option:-)

http://treppen-pflastersteinlauf.jimdo.com/presse/

VG, Karen

....Nur wer sich auf den Weg macht, wird etwas Neues entdecken.....

Mensch Waxl ...

... ganz falsch. Du hättest ihn jetzt noch viel größer machen müssen, den Berg. Oder gefährlicher: Dank an Vic97 ;-) !

Serpentinen hab ich wahrlich genug und steiler wie auch technischer bei mir vor der Haustür, die sind an der Halde vergleichsweise harmlos, da hast du recht. Dafür würde ich auch niemals vom Südrand Bochums nach Herten fahren. Was ich brauche sind Stufen, Stufen, Stufen.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Hardcore

Das willst Du Dir wirklich öfters geben?

Vor dem TAR habe ich exakt ein Mal Treppentraining gemacht. Dann habe ich eine MTB-Downhillstrecke im Wald entdeckt, die mir viel besser gefiel. Dort bin ich öfters hoch- und runter gependelt.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links