06.Mai 2012 Hannover, mein zweiter Marathon überhaupt und, wenn man so will, mein erster Richtiger - gemessen an der Kulisse und der Teilnehmerzahl.
Nach meinem Debüt im letzten Jahr in 3:15 wollte ich, auch wegen der Fortschritte auf den Unterdistanzen, die SUB 3 angehen. Meinen 21 wöchigen Trainingsplan hatte ich hier auf Jogmap, vor allen Dingen für mich zur Selbstkontrolle, eingestellt und insgesamt konnte ich schon entsprechende Fortschritte feststellen. In den letzten Wochen kam jedoch vermehrt beruflicher Stress auf, so dass ich bei Beibehaltung der Wochenumfänge eine in der Form noch nie dagewesene Doppelbelastung mit mir rum trug. Im Ergebnis fiel es mir unwahrscheinlich schwer, den Fokus auf Hannover zu richten oder gar so etwas wie Vorfreude zu entwickeln. Das sollte sich zum Glück ändern, als ich bereits am vergangenen Freitag die Startunterlagen abholte und mich noch etwas auf der Messe umsah. Zwei erholsame Nächte, vor allen Dingen von Freitag auf Samstag, sorgten zudem für eine mentale und körperliche Entspannung, so dass meine Skepsis doch mehr und mehr wich. Früh am Sonntag ging es dann mit der Bahn nach Hannover. Bei Außentemperaturen von max. 8 Grad beim Start war die Frage nach der passenden Kleidung nicht so einfach zu beantworten. Ich entschied mich für kurz/kurz, wobei ich oben noch ein kurzes Funktionsunterhemd unterzog. Mit meiner gemeldeten Zeit reichte es in Hannover tatsächlich für den Block direkt hinter der Elite und ich habe mich, weil ich noch ein paar Bekannte Läufer aus der Heimat antraf, relativ weit vorne wiedergefunden.
Mein Ziel war es, möglichst lange möglichst konstant eine Pace von 4:12 zu laufen, um hinten raus etwas Puffer zu haben. Die ersten beiden Kilometer ging ich ganz bewusst in 4:15 an, gefühlt wurde ich von einer Hundertschaft überholt, höchstwahrscheinlich begleitet von dem Einen oder Anderen Fluch, warum sich wieder jemand so weit vorne eingereiht hat. Dann ging es am Maschsee entlang und ich hatte mein Tempo gefunden. Meine Frau, die mich immer bei meinen Läufen begleitet, wollte mich entsprechend der avisierten Zwischenzeiten von 42 min pro 10 Kilometer eben all jene 10 Kilometer lautstark unterstützen.
Erste Grüppchen fanden sich und lösten sich wieder auf und ich versuchte, möglichst wenig im Wind zu arbeiten.
Die magische Grenze von drei Stunden lässt doch relativ viele Mitläufer mit einer ähnlichen Taktik laufen, so dass ich meine Geschwindigkeit weniger durch meine Uhr, sondern mehr durch meine Vorderleute kontrollieren konnte.
Die Zwischenzeit nach 10 KM betrug 41:55 und bestätigte mich hierzu.

Zwischenzeitlich fielen doch mehr und mehr Leute zurück, so dass ich immer mal wieder zu den vor mir liegenden Läufern aufschließen musste. Die Zwischenzeit beim HM lag bei 1:28:20 – perfekt. Hier war die Stimmung von den Zuschauern auch einfach grandios. Von weitem schal mir schon AC/DC aus den Boxen entgegen und die zahlreichen Kinder wollten ja auch erst einmal alle abgeklatscht werden. Danke Hannover hierfür!!
Bei Kilometer 25 schloss nach langer Zeit mal wieder eine Gruppe zu mir auf und das stellte sich letztendlich als Glücksfall heraus, da meine Mitläufer zu dem Zeitpunkt eine kleine Schwächeperiode durchliefen und uns nicht weiter folgen konnten. Den KM 30 passierten wir in 2:05:51 – wie ein Uhrwerk. „Meine“ neue Gruppe stellte sich als ungeheuer stark heraus. Sehr diszipliniert hatte man sich das Rennen zurecht gelegt und konnte nunmehr sogar noch zulegen. Ich beschloss dranzubleiben, was meinen zeitlichen Puffer weiter ausbaute. Die KM 30 – 38 gingen in ca. 4:09 weg. Hier war ich mir auch das erste Mal sicher, dass ich mein Ziel erreichen würde. Die letzten Kilometer waren zwar schon etwas zäh, aber letztendlich sollte sich der KM 2 zu Beginn des Rennens als mein langsamster herausstellen.
Kurz vor dem Abbiegen auf die Zielgerade drehte ich mich noch einmal um und sah, dass ich sowohl nach hinten als auch nach vorne sehr viel Platz zum nächsten Läufer hatte. Ein unbeschreibliches Gefühl, die vielen Anfeuerungen und Zurufe zumindest für einen kleinen Moment nur für sich zu haben.
Mit ganz viel Gänsehaut und einem ungeheuren Glücksgefühl lief ich bei 2:57:07 über den Zielstrich.
Die Zeit sollte noch eine größere Bedeutung bekommen. Denn als wir später im Zug nach Hause saßen und ich mein Handy raus holte, waren dort einige Nachrichten von Freunden und Bekannten, die das Rennen per Internet und/oder bei NDR 2 verfolgt hatten und mir zu meinem Rennen gratulierten. Aber nicht nur dazu, sondern dass der NDR meinen Zieleinlauf im Rücken der Moderatorin als Schlussakkord der dreistündigen Übertragung in die Haushalte übertrug.
Was für ein Glück, dass ich die Sendung aufgezeichnet habe...

Bleibt gesund,

Berti

5
Gesamtwertung: 5 (6 Wertungen)

Fernsehstar

zurecht, bei DER Zeit :-)
Herzlichen Glückwunsch !

Viele Grüße

Wow, sehr schön. Ein

Wow, sehr schön. Ein Vorbild für Läufer, die mit "die ersten 10 Marathons läuft man nicht auf Zeit" nicht viel anfangen können. Daran können sich viele ein Beispiel nehmen, ich zumindest sehe es als Ansporn. Sehr gerne wäre ich in 2 Wochen meinen ersten M in 3:15 bis 3:20 gelaufen und hätte evtl auch im Herbst oder nächstes Frühjahr die 3h Schallmauer angepeilt. Aber Verletzung durch Überlastung. Vielleicht ist mein Körper noch nicht soweit, auch wenn die Zeiten auf HM und 10km für 3:10 oder so reichen sollten...

Respekt

Mit so einer Leistung gehörst du in der Jogmap Gemeinde ja zu den Halbgöttern.
Wir anderen sind ja meist auf der Streckefrühstücker...

Herzlichen Glückwunsch. Das

Herzlichen Glückwunsch. Das macht Spass so einen Blog zu lesen. Ist ja wirklich super gelaufen. Und trotz beruflichen Stress hart dran zu bleiben, hat sich hier ausgezahlt.

Ich hoffe, deine Frau hat auch eine Menge Spass gehabt. Und was ist dein nächstes Ziel?


Komm Schweinehund - wir gehen laufen.

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