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Um 5:30 klingelt der Wecker und reißt mich unvermittelt aus dem Tiefschlaf. Meine innere Schweinehündin Lisa knurrt einmal kurz, als ich aus dem Bett springe. Dann schläft sie wieder ein und ich kann mein Vorhaben in die Tat umsetzen. Eine Morgenradtour durch die Hirschau.

Als ich das Hotel verlasse, geht die Sonne bereits als glutroter Ball am Horizont auf. Es ist empfindlich kalt. Handschuhe vergessen. Mütze vergessen. Macht nichts. Ich werde mich schon warm radeln… denke ich.

Die Stadt entfaltet zögerlich ihre Geschäftigkeit. Die Zufahrt zur Hirschau führt über die Autobahn. Die ersten Eiligen versuchen vor dem Verkehrsinfarkt an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Vorbei am Friedhof fahre ich in die Hirschau ein. Und bin fast alleine. Ruhe umgibt mich. Nur das Vogelkonzert erfüllt den Park. Gedämpft hört man die Autobahn im Hintergrund.

Normalerweise halte ich mich in der Hirschau an die Fahrradwege. Aber so wenig heute los ist… da suche ich mir doch die kleinen Fußwege für meine Tour aus. Und entdecke immer mehr wundschöne Ecken im Park. Die Wiesen sind übersäht mit weißen Wattebäuschen der verblühten Löwenzähne. Ab und an sieht man ein Eichhörnchen aus dem Gras auftauchen, das in weiten Sprüngen zum nächsten Baum hetzt. Tiefer Nebel liegt über der Wiese. Die Sonne hat es noch nicht über die Baumgipfel geschafft. Auf der zweiten Runde aber… so hoffe ich… wird sie den Bodennebel in goldenes Licht tauchen. Ich soll mich täuschen.

Auf der weiteren Tour komme ich wieder an der Schafherde vorbei. Diesmal höre ich sie nicht. Sie liegen noch friedlich auf ihrer Weide und blinzeln müde in die ersten zarten Sonnenstrahlen. Riechen kann man sie aber schon kräftig. Ich schlängele mich zwischen Teichen und kleinen Wasserwegen hindurch. Dann erreiche ich den Stadtring, den höre ich bevor ich ihn sehe. Die Hauptverkehrsader der Stadt schneidet den Park in zwei Teile. Ich drehe um, weg vom Lärm.

Auf der zweiten Runde dann bricht die Sonne zwischen den Bäumen durch und taucht sie in goldenes Licht.

Aber nicht den Bodennebel. Nein, die Sonne zieht den Bodennebel langsam wie ein Tischtuch nach oben. Zurück bleibt nur das Glitzern der Tautropfen auf den Grashalmen. Ich bin ganz geflasht von dem Anblick.

Auf dem Rückweg ist die Stadt schon deutlich voller. Auf der Brücke wieder ein Blick auf die Autobahn. Der Verkehr stockt bereits. Zurück im Hotel mache ich noch einmal einen kurzen Check. Ich bin durchgefroren, hellwach, gut durchblutet und hervorragend mit Sauerstoff versorgt. Und ich kann immer noch nicht fassen wie schön das war, zwischen Autobahn und Stadtring.

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