Ich habe prima geschlafen, trotz aller Nervosität. Es ist der 1. Wettkampf über 10 km und ich habe noch nie an einer so großen Veranstaltung teilgenommen. Wow, Marathonluft schnuppern …

Erstes Problem: was esse ich und vor allen Dingen, wann esse ich etwas? Der 10er startet um 13:00 Uhr, also ein spätes Frühstück, damit ich nachher nicht hungrig bin oder … oder … ?

Als Fan von „Born to Run“ habe ich natürlich Chia im Haus, also gibt es nach dem Frühstück noch ein leckeres Chia-Gel. Hannover kann kommen! Ich habe die Waffe der Tarahumara im Magen.

9:00 Uhr geht es an den Fernseher, schon mal zur Einstimmung. DA werde ich nachher auch sein – Waaahnsinn! Ich freue mich, ein bisschen Bammel habe ich aber auch.

Nun muss ich los, meine Freundin und ihre Tochter einsammeln. Beide laufen mit, für uns alle ist es die 10km-Premiere. In die Innenstadt geht es mit der Bahn, unterwegs schon viele „Marathon-Tüten“. Wir wollen erst gleich unsere Startunterlagen abholen. Hoffentlich geht das gut. Vielleicht hätten wir doch gestern … ?

Laute Musik, Marktstände, Zuschauer, ein Helikopter über uns – wir sind da. Wo müssen wir nun hin? Und Rina braucht noch ihren Chip … Alles problemlos, nun können wir noch beim Marathon zuschauen, dort sind grade die ersten im Ziel. Grandiose Atmosphäre, ich bin ein wenig gerührt, dass ich dabei bin, so richtig live. Allerdings ist es ganz schön frisch und ich fange an zu frösteln. Habe mir heute Morgen schon die Laufklamotten angezogen; leider habe ich noch keine so schicke Überziehhose wie viele hier und die langen Tights sind wohl etwas zu dünn, zumindest wenn man sich nicht bewegt. Also tripple und wippe ich zur Musik, macht auch mehr Spaß so.

Wo können wir nachher die Klamotten abgeben? Im großen Zelt? Dahinter? Nein, das sind … Dixie-Klos. Auch gut zu wissen. Zwar war ich bereits zuhause, dann bei meiner Freundin, als nächstes dann im Bahnhof – aber ich muss bestimmt noch mal. Hätte mir doch neulich bei Lidl so eine Camping-Toilette mitnehmen sollen … und in `nen Rucksack packen. Hier sind LKWs mit Schildern dran. Marathon Männer, Startnummern. Aha, so läuft das also. Bestimmt sind „Frauen 10 km“ dann am Ende der Reihe. Wir laufen einen gefühlten Marathon an das Ende der LKW-Schlange. Mist, nur „Männer 10 km“. Haben wir etwas übersehen? Oder hat mal wieder „Murphys Gesetz“ zugeschlagen? Natürlich, der 1. LKW gleich an der Laufstrecke wär es, also klassisch die falsche Richtung eingeschlagen.

Uns ist kalt, also besser noch nichts abgeben. Noch mal ins Warme, auf die Marathonmesse. Rina findet bei den Marathonreisen einen Prospekt über Kapstadt. In Südafrika wird sie in wenigen Wochen ein Praktikum absolvieren. Der Standbetreiber ist sehr nett und interessiert, scheint die Gegend zu kennen, in der sie wohnen wird - und wir werden ein wenig abgelenkt. So, nun sollten wir aber langsam … Was lassen wir an, was ziehen wir aus? Nehmen die auch unseren Rucksack oder nur die Marathontüte?

Auf geht es zum Start! Leider haben nicht nur wir die Idee … Es stockt bereit vor der Unterführung zur anderen Seite. Zunächst mache ich mir keine Gedanken, da wir von Läufern umgeben sind. Es sind nur noch wenige Minuten. Neben mir fragt eine, ob wir von hier starten. Kann doch nicht sein, so zwischen Blumenbeet und Zeltrückwand. Hilfe! So, nun sind wir auf der richtigen Seite, aber Absperrgitter zwischen uns und der Läufermasse. Klettern? Nee, das nennt sich dann ja „Strongmen Run“ … Juhu, hier ist ein Tor und wir können rein. Wir waren wieder am falschen Ende, Murphy halt …

Start-Countdown. Wir schlurfen, aber das kenne ich ja schon vom 5km-Nachtlauf. IRGENDWANN kommen wir noch zum Laufen. Schwierig, zu dritt zusammen zu bleiben. Das ist unsere Losung, alle oder keiner. Rina ist hinter uns. Sie hat kaum trainiert, kaum Zeit dafür gehabt. Außerdem hat sie grad ihre Impfungen für Südafrika. Arzt hat O.K. zum Lauf gegeben, aber … Wir drehen uns ständig nach ihr um. Rina ist genervt. „Lauft! Ich möchte alleine laufen!“ O.K., O.K., das war deutlich. Wir drehen uns nicht mehr um, lassen sie in Frieden.

Wir traben. Ungläubiger Blick auf den Garmin. Hey, wir sind schnell! Fühlt sich gar nicht so an, geht so leicht. Ob wir das durchhalten können? Und es macht Spaß!

„Just married“ haben die zwei da vorne über ihrem Allerwertesten hängen. Wie niedlich, da muss ich erst einmal hin und gratulieren. Ja, wenn einer den Anfang macht, gratulieren die anderen auch …

Ein Pärchen, in blau gehalten. Er:“ Mensch, unser Plan war doch, schnell zu laufen, wenn Platz genug ist …“.

Nächstes Pärchen. Er: „ So, nächstes Ziel ist die in hellblau dort vorne. Die kriegen wir!“

Es gibt so viel zu sehen! Ich gebe Christine immer mal Zeit oder Kilometer an, da ihre Pulsuhr streikt. Wie jetzt, mein Garmin zeigt über 6km und hier steht ein Schild mit 5km???? So viel Abweichung? Ach nein, das ist ja gar nicht unser Schild, für uns gelten ja die blauen Schilder.

Verpflegungsstände auch für uns? Wer kann denn jetzt trinken – oder gar essen? Das kennen wir beim Laufen noch nicht, schließlich sind unsere Laufdistanzen noch nicht so lang. Nein, kein Interesse. Gefährlich ist es aber, denn es fliegen Becher, der Weg klebt. Nur nicht stolpern!

Wie es wohl Rina geht? Sind nicht wirklich viele Sanitäter entlang unserer Strecke. Wir plagen uns mit schlechtem Gewissen. Wir haben sie allein gelassen … aber fürs Anhalten ist es jetzt eh zu spät. Und sie hat ein Handy. Wird schon!

Links Dixie-Klos. Nein, nein, ich muss nicht … ausnahmsweise. Langsam wird es doch etwas schwerer. Hinter uns keucht jemand sehr extrem. Bekommt die grade ein Kind? Hört sich echt grausig an, also beschleunigen. Oje, sie hat uns wieder eingeholt und Christine möchte nicht mehr beschleunigen. Sie hat immer mal wieder Knieprobleme, außerdem eine Schiene und einen künstlichen Wirbel im Rücken – blöder Reitunfall. Also langsamer traben.

Applaudierende Zuschauer, Samba-Rhythmen – das Leben ist toll! In diesen Abschnitten werden wir automatisch schneller. „Welche Zeit plant Ihr beiden?“ fragt jemand hinter uns. „Unter einer Stunde wäre traumhaft“. „Na, das schafft Ihr aber lässig!“ Wie nett, das motiviert. Sollten wir das wirklich schaffen?

Es ist nicht mehr weit … KNIE-ALARM! Christine schickt mich los, aber ich will nicht. Alleine über die Ziellinie – so habe ich mir das nicht vorgestellt. Los, Du schaffst es! Ich zähle die Meter runter … sehe in ihr schmerzverzerrtes Gesicht. Zielgerade, jubelnde Massen – durchhalten!

Wir sind im Ziel!!! Unter einer Stunde!!! Wahnsinn!!! Runners High! Ich grinse nur noch. Christine ist schlecht. Sie braucht erst einen Moment … dann doch: ALLES GUT!!!

Wo ist Rina? Hat sie durchgehalten? Wow, schon 3 Minuten später ist sie im Ziel!!! Tja, die Jugend …

Rina kreischt „Mein Freund!“ Ist der Kerl doch tatsächlich als Überraschung aus Wilhelmshafen angereist! Wir sind fast ein wenig neidisch, unsere GöGas sind zuhause geblieben … Gute Wahl, Rina! Beschwingt treten wir vier die Heimreise an.
TUI Marathon Hannover – wir lieben Dich!!!

P.S: Auch das Knie hat nur kurzfristig „gezickt“, alles wieder gut …

4.8
Gesamtwertung: 4.8 (5 Wertungen)

Ein schöner Bericht!

Herzlichste Glückwünsche zum tollen Finish unter einer Stunde! Und danke fürs Wachrufen von Erinnerungen: vor drei Jahren bin ich genau auf dieser Strecke auch erstmals die 10km unter einer Stunde gelaufen. Insofern kann ich total gut nachvollziehen, wie du dich jetzt fühlst :-)

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Herzlichen Glückwunsch


Ist geil, nee? Und der Bericht ist super Hammer. Hat Spass gemacht zu lesen.

Super Bericht! Und scheint

Super Bericht! Und scheint ja ein super Lauf gewesen zu sein ^^
Klasse gemacht! Unter einer Stunde, der Wahnsinn.

LG
Jaimy

Ich musste gerade lachen...

"Hinter uns keucht jemand sehr extrem. Bekommt die grade ein Kind? Hört sich echt grausig an, also beschleunigen." - genau das kenn ich - keuchende, am besten noch ganz krumm und schief laufende Menschen, bei denen man sich fragt, obs ihnen noch gut geht...aber oft sind die ja auch noch schneller als man selbst!
Ich freu mich dass ihr da so gut durchgekommen seid, auch Rina scheint ja dann noch eine gute Zeit mitgenommen zu haben. :-) Ich kriege grad Lust auch mal wieder nen hübschen Zehner zu machen...mein HM wird zwar sicher toll, aber halt ganz klein mit wenig Läufern, das ist einfach was anderes.

Leb dein Leben - bevor es zu spät ist.

Vielen Dank für deinen

Vielen Dank für deinen tollen Bericht:-)))
Genau so war es!
Freue mich schon auf Lindhorst und unseren Kurparklauf:-)))))
LG Christine

Unsere ersten 10 :)

Renate, du solltest Kolumnen für irgendeine Frauenzeitung schreiben!
War total gerührt!
Die 10km in Rinteln machen wir auch noch! Ich melde mich jetzt an :)

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