
Vom Groessenwahn geschuettelt.
Na und? Dann geh ich eben!
Bog snorkeling im New Forest
Lost and found
Warum ich meinen "Knieseopathen" knutschen koennte
Timing ins Verderben
Das Sammeln von km in der Ultravorbereitung wird voellig ueberbew....
Ach, Du schon wieder?!
Wer schnell ist hat noch lange nicht recht.
To be continued
Aller guten Tage sind zwei
....
Ich bin zurueck von meinem Abenteuer im New Forest und wuerde ja gern das Erlebte zusammenfassen, aber weil ich mich noch nichtmal auf einen Titel festlegen kann, geschweige denn alle Eindruecke die so munter in meinem Kopf purzeln, wird dieser Lauf wohl erstmal ohne Bericht auskommen muessen.
Nur in Kuerze: Das war bisher das absolut ABGEFAHRENSTE was ich je getan habe. Mit Abstand. Fuer die Neugierigen: Nehmt meine Titelauswahl und strickt Euch damit eine Geschichte. Es war besser.
cour-i-euse
Edit am 12. Mai: Jetzt, wo der Thread so weit nach unten gerutscht ist dass ihn sowieso keiner mehr liest (was mir irgendwie ganz lieb ist), werde ich den Bericht in den naechsten Tagen (Wochen) nach und nach unten dran haengen. Beim Schreiben erlebe ich alles noch einmal.
Es war phantastisch!
:-)
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Ich hab schon ganz gespannt auf Deinen Bericht gewartet...
...nun spann uns nicht so auf die Folter, liebste Buddyline! ;-)
Liebe Grüße
Renate
27.05. TorTour de Ruhr 100 M
Da stimme ich rhinfo aus
Da stimme ich rhinfo aus vollem Herzen zu: lass´ uns nicht so lange am Computer sitzen und auf Deinen Bericht warten.
Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden
das ist jetzt nicht Dein Ernst?!!
Nun schreib schon!!
Los jetzt!
Neugierigste Grüße überhaupt, KS
liebste, guteste kuriöse...
...nee gezz, also wirklich! dat kannze nich mach'n. denk an mein alta...dat hält mein kleines bubberherzchen nich aus, so ne spannung...
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laufend WILL EINZELHEITEN, auch wennse durcheinander sind: happy
Das ist der absolute
Das ist der absolute Wahnsinn! Ich habe da etwas bei den Streakern gelesen. Cour-i-euse, ist alles gut bei Dir? Die Beinchen sind in Ordnung? Atmest Du noch?
Ich glaube, ich gehe mal zum Abkühlen ins Schwimmbad. Es ist unglaublich, nicht zu fassen...
Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden
Ja was sollen wir dazu sagen???
Zwar keine Born aber oberbekloppt;-)))
Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!
So geht das nicht!
Erst solch unvorstellbare km-Zahlen an zwei Tagen nacheinander eintragen und dann nichts davon berichten? Lass dir alle Zeit der Welt (so vielleicht eine Woche?). Aber bitte erzählt uns vom Abgefahrensten, das du je getan hast! BITTE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!
Nur ein Wuuuuaaaaah
zählt nicht... Wir wollen mehr...
11 potenzielle Titel ...
... ergeben eine Story in 11 Teilen.
cherry65
Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient
Vom Groessenwahn
Vom Groessenwahn geschuettelt

Das sind meine gelaufenen km pro Woche seit Anfang des Jahres.
Mal ehrlich jetzt: Wer da sagen wuerde "klar, ein zweitaegiger Ultratrail mit 30 Meilen (48 km), teilweise cross country, pro Tag ist ne prima Idee", der haette doch 'n Rad ab. Deshalb hab ich gar nicht erst gefragt :-b
Die Strecke komplett zu laufen - das hatte ich mir schon vor Wochen abgeschminkt. Selbst unter Einfluss von Groessenwahn waere das mehr als eine Nummer zu gross gewesen. na und? Dann geh ich eben! Ich wollte eigentlich zum Schluss nichts weiter als zwei Tage an der frischen Luft verbringen. Bei den Ponies im New Forest. Der New Forest ist ein wahnsinnig schoener Nationalpark, leicht huegelig, mit tollen Aussichten und entgegen des Namens mit relativ wenig Wald sondern eher Steppe, Heide, gelb bluehendem Stechginster. So wie ich es mag. Und Ponies. Die New Forest Ponies laufen ueberwiegend frei herum und stiften allerhand Unsinn. Kuehe und Esel ebenso.
Ein riesiger Streichelzoo 570 km2 gross, nur dass sich die Biester nicht wirklcih streicheln lassen. Immerhin hatte ich schon alles geplant, mich gefreut..... so hab ich mich also trotz des nicht vorhandenen Trainings "dafuer" entschieden.
Am Donnerstag war ich noch einmal beim Osteopathen gewesen, nach einem Lauf an jenem Morgen (mit 9 km am Stueck der laengste seit 5 Wochen) war mein Knie zwar in Ordnung, mein unterer Ruecken aber irgendwie "zu" Und er mobilisierte mir noch einmal das Becken, und lobte mich weil ich meine von ihm aufgebenen Uebungen so fleissig gemacht hatte.
"Und was machst Du so am Wochenende" fragte er waehrend ich auf der Liege lag und er mir die "Hampelbeine langzog"
Ich: "och, ich fahre in den New Forest, ich geh da ein bisschen spazieren. So zwischen Brockenhurst und Ringwood"
Er "Und die Laufschuhe, die nimmst Du doch sicher auch mit"
Ich: "klaro"
Er: "Na dann mal viel Spass, lass es ruhig angehen und mach Deine Uebungen brav weiter"
Soweit so gut. Aber auf der Zugfahrt zum Startort wurde ich dann doch nervoes. Aber so richtig. Mit Haendezittern und so. 48 km sind verdammt weit. Und wenn man sie geht, dauern die auch verdammt lange. 10 Stunden oder so?
Mein Plan fuer Tag 1: Schmerzfrei durchkommen, die Umgebung und die Weite des New Forest geniessen. Falls ich das Knie spuere: Mithilfe am Streckenrand an Tag 2.
Einen andren Plan fuer Tag 2 gab es irgendwie nicht.
Tag 1 hatte wollte ich in drei Portionen a 10 Meilen, also 16 km einteilen. Das erste Drittel wollte ich im Rhythmus 9:1 laufen:gehen bewaeltigen.
Danach, je nachdem wie es sich anfuehlt den Rhythmus graduell auf 6:1, 4:1 veraendern, und auf dem letzten Drittel? Mal sehen.
Die Wettervorhersage war relativ schlecht. 9-11 Grad, leichter Regen am Samstag, aehnlich aber ueberwiegend trocken am Sonntag – alles paletti.
Das Startfeld war in drei Gruppen unterteilt die abhaengig von ihrer erwarteten Zielzeit im 1h Abstand starteten. Ich war mit etwa 50 andren Startern in der mittleren Gruppe. Damit hatte ich die 15-20 Walker vor mir. Eine Zeitlang hatte ich mir ueberlegt mit den Walkern zu starten, allerdings fuhr fuer deren Start noch kein Zug in die Richtung, dann haette ich mit dem Auto fahren muessen - das wollte ich nicht. Also blieb es bei der mittleren Startzeit.
Abgesehen vom gesund bleiben, hoffte ich unterwegs ein paar Walker einzusammeln um nicht die Letzte an den Checkpunkten zu sein. Ich kann es nicht ausstehen wenn wer auf mich warten muss, schon gar nicht wenn das an meinem Groessenwahn liegt.
Der Veranstalter hatte uns .gpx Daten mit der Strecke zur Verfuegung gestellt und uns auch Kartenmaterial mit auf den Weg gegeben. Irgendwo hatte sich ein Fluss auf der Strecke breitgemacht und es gab eine Umleitung. Irgendwie machte ich mir nicht die Muehe das auszuchecken, ich hatte ja GPS dabei und wuerde das dann schon mitkriegen.
Dachte ich. Beim Briefing unserer Startgruppe erwaehnte der Veranstalter Neill (ein unglaublich sympathischer Kerl, uebrigends) mehrmals, dass es keinen Zielschluss gaebe. Take all the time you need, we will be here, waiting for you, hoping you enjoy the course that we chose for you. Meine Nervoesitaet sprang waehrend des Briefings in eine unbaendige Vorfreude um.
Kurz vor dem Start gaben es Anzeichen davon was spaeter das HAUPTPROBLEM des gesamten Tages sein wuerde: Auf dem Forerunner 305 laesst sich die Anzeige der Strecke nicht mit einem Intervall verbinden. Oder ich weiss nicht wie. Ich hatte also die Wahl entweder zu wissen wo es langgeht, oder alle 9 min an meine Gehpause erinnert zu werden. Angesichts des Kartenmaterials im Rucksack und nicht wissend wie Belastungsfaehig mein Knie sein wuerde, habe ich mich fuer die Intervalle entschieden. Im Nachhinein ist man immer schlauer.....
Dann ging es los.
Ich fand es bemerkenswert wie lange meine gesamte Startgruppe als Gruppe beisammenblieb. This is not a race, this is not a race. Das wurde mein Mantra fuer die naechsten Stunden, Allerdings nervte mich ein Dreiergrueppchen knapp hinter mir mit ihrem pausenlosen Gequatsche. Also lief ich einen Schritt schneller, nur um schon kurz darauf durch das piep-piep-piep-tuedeluedelueh des Garmins daran erinnert zu werden dass es Zeit fuer die erste Gehpause war. So ueberholten mich die drei Schnatterer, nur um wenige Minuten spaeter wieder von mir ueberholt zu werden, bevor sie wenig spaeter wieder mich bei meiner naechsten Gehpause ueberholten, usw.Langsam aber sicher setzte ich mich aber nach vorne von ihnen ab. Fand ich gut so. Ich blieb in einem losen Grueppchen, auf Rufweite von mir entfernt vor mir ein paar, aber jeder in seinem Lauf. Auf Gespraeche hatte ich keine Lust, wollte die Gegend und ihre Weite und Ruhe geniessen.
Irgendwann, noch keine Stunde unterwegs, lief ich auf meine Vorlaeufer auf. Bald gesellten sich auch die Laeufer hinter mir dazu: Wir standen vor einer Eisenbahnunterfuehrung, mit vielen Hufspuren am zermatschten Rand, eine Viehpassage. Unter Wasser!!! Fragende Blicke unter den Mitlaeufern... Der beherzteste von uns sprang hinein und stand knietief in der Bracke!!!! Ein paar weitere Laeufer folgen ihm ohne zu zoegern. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Lust auf nasse Fuesse. Der anhaltende Nieselregen war schon aergerlich genug. Die zu erwartenden Hinterlassenschaften von Paar-und Einhufern in der Unterfuehrung fand ich weniger bedrohlich als nasse Fuesse. Noch waehrend ich mir meine Schuhe auszog hoerten wir Rufe von hinten, eine Gruppe Laeufer bog nach rechts ab, wir hatten eine Abzweigung verpasst! Also Schuhe schnell wieder an und in die richtige Richtung, leider war die Gegend hier, abseits des Weges sehr tief und pfuetzig, ja, es war ein Moor. Und schon bald waren die Fuesse triefnass. Naja, kann man nix machen.
Kurz drauf stolperte ich ueber eine Baumwurzel und schlug mir mein "gesundes" Knie auf. Das hat auf den folgenden 20 km ziemlich weh getan, danach hab ich es irgendwie vergessen und im Tagesziel gab es ein tolles riesengrosses Pflaster fuer mich, die Sanitaeterin wollte mir sogar noch ein Nilpferd draufmalen weil ich die Steinchen schon unter der Dusche alle rausgewaschen hatte und ihr damit die Arbeit erleichtert hatte.
Dann kam auch schon der erste Verpflegungspunkt und es gab Marshmellows, Verschiedene Sorten Kekse mit und ohne Schoko (ich hab alle Jaffa cakes rausgefischt, mmhh...) und andre Leckereien, aber auch herzhaftes wie sausage rolls, Chipse und so. Ich hatte noch einen Bagel in der Tasche von dem ich gelegent Die Helfer an den Verpflegungsstellen waren einfach spitze.
Irgendwann kurz nach km 16 fiel mir auf dass ich 16 Intervalle a 9 min/1 min eingegeben hatte, und dass das am Ende mehr als 16 km ergeben wuerde weil ich ja nicht 10 min pro km brauchte! Sollte ich trotzdem meinen Plan beibehalten? Ich fuehlte mich noch sehr frisch, also hab ich beschlossen diese 16 Intervalle, also 160 Min zuende zu laufen. Als diese 160 Minuten dann um waren hatte ich bereits 23 km hinter mir. Das ist eine pace von 7:00, trotz der Gehpausen. Ich fand das mehr als akzeptabel, This is not a race! This is not a race! Mein Knie spuerte ich noch immer nicht, dafuer wurden meine Beine aber, wie bei meinem “Trainings”-Levelzu erwarten gewesen war, nun schwer. Ich war guter Dinge. Niemals haette ich damit gerechnet dass ich fuer die verbleibenden 25 km ueber 4 Stunden, sehr demoralisierende Stunden brauchen wuerde....
Toll!
Das wäre glaube ich was für mich. Und fürs Pferdchen. Vielleicht als Ersatz für den London Marathon. Ich glaube, der Lauf würde mich den Marathon vergessen machen... :-)
Liebe Grüße
Renate
27.05. TorTour de Ruhr 100 M
Wow, du erzählst doch! Danke!
Und ich hoffe doch: Fortsetzung folgt?!
Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!
2. Teil
This is not a race! This is not a race! Mein Knie spuerte ich noch immer nicht, dafuer wurden meine Beine aber, wie bei meinem “Trainings”-Level zu erwarten gewesen war nun, bei km 23, schwer. Ich war guter Dinge. Tuedeluedelue, 160 min um. Und habe bereits mehrere Gruppen Wanderer ueberholt. Alles im gruenen Bereich.
Der timer geht aus denn die Aktivitaet ist beendet.
NEIN! IST SIE NICHT!!! Jetzt wird es doch erst spannend!!! Ich mache eine Gehpause, fange erst jetzt (!warum erst jetzt?!) an zu ueberlegen wie es weitergeht. Stelle die Intervalle auf 4:1. Nein. Ich kann doch mehr! Stelle sie auf 6:1. Weniger laufen kann ich immer noch, auf dem letzten Drittel. Ich vergesse den Timer zu starten, denn der Boden hier verlangt gerade echt alles an Konzentration. Pfuetzen huepfen. Schlamm springen. Laufe. Gehe. Laufe. Gehe. Irgendwann faellt mir auf dass die Uhr nicht laeuft. Schalte sie ein. 6 Min laufen. Der Weg ist sehr uneben. Ist das ueberhaupt ein Weg? Hier zwischen den Ginsterbueschen? Oder da drueben wo die Hecke ist? Wird schon sein.
lost and found
Bei der ersten Gehpause hoere ich Rufe hinter mir. Drehe mich um und sehe wie eine Gruppe Leute (Spaziergaenger? Laeufer? Wanderer? Etwa 200-300m hinter mir nach rechts abbiegt. Ein Laeufer ist vor ihnen. Hat DER gerufen? Aber der ist doch nicht abgebogen? Wollte der mich warnen? Sch.... e. Timer der Uhr aus, Navigation ein. Wo ist der Course? Wozu habe ich das .gpx file muehselig bei GPSies erst in ein .tcx file umgewandelt das mein 305 auch versteht.... Ich sehe dass der “geplante course” parallel aber irgendwo rechts von mir verlaueft. Rechts ist aber Sumpf. 300m zur Abzweigung zuruecklaufen? Nein, ich waehle den Sumpf, irgendwo werde ich da schon auf den Weg kommen.
Komme ich auch, und zwar nach etwa 10 Minuten unter-Bueschen-durchkriechen-und-dabei versuchen-vom-Knie aufwaerts-trocken-zu-bleiben. Nicht so einfach. Nur hat sich jetzt aber mein Weltbild ein paarmal gedreht und ich weiss nicht in welche Richtung ich nun auf dem Kurs laufen muss. Von der rechten Seite her sehe ich durchs Dickicht Laeufer vorbeihuschen.
Hae?? Wieso da hinten? Der Kurs ist HIER?
Also erstmal dahin gestiefelt.
Nun stehe ich da wo sie gerade liefen, und die ganze Gegend kommt mir so bekannt vor! Das ist genau der Abzweig den ich vorhin verpasst habe und die Lauefer verschwinden gerade an dem Horizont auf den ich mich vor 20 Minuten ebenfalls hinbewegt habe. Aber das ist doch der falsche!!! Ein neues Laeuferrudel kommt heran. Leichtfuessig wie eine Horde Rehe. Das muessen die “Elite Laeufer” sein, die eine STunde nach mir gestartet sind. Und genau wie die andre Gruppe laufen sie schnurstracks an mir vorbei, an mir, die ich mit offenem Mund am “Weg”rand stehe. Die laufen ganz klar in die falsche Richtung.
“HEY!!! I am not sure you are on the right way”
“But yes, this is the right way” kriege ich zur Antwort.
Und was mache ich? Ich renne ihnen hinterher, obwohl ich genau hier vor 20 Minuten schon mal genau da gewesen bin wo die gerade hinrennen. Hallo?? Ist da jemand *mit Knoechel gegen den Kopf klopf*Und wo sind eigentlich die Walker? Sind die etwa schon wieder durch???? Haben mich erst auf eine falsche Faehrte gelockt nur um sich an mir vorbei zu schleichen?????
Irgendwo hier merke ich dass die Uhr schon wieder nicht laeuft. Klar, die hatte ich als ich auf die Navi Funktion geschaltet habe nicht angemacht. Schoen doof. So werde ich am Ende nicht mehr wissen wie weit ich ueberhaupt gelaufen bin.
Aber das ist jetzt erstmal gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass ich, etwa 1 km nachdem ich an der Stelle wo ich vorhin schon durch den Sumpf bin, vorbei war.... meinen Augen nicht trauen kann. DA kommt ein riesiges Rudel Lauefer aus dem Gebuesch gebrochen. AUF MICH ZU. Und das sind genau die Leute die sich vorhin noch so sicher waren auf dem richtgien Weg zu sein!!!
Aber wer schnell ist hat noch lange nicht recht “It WAS the wrong way” geben sie zu. Aber es rennen nicht nur die Lauefer wie Hasen bei einer Treibjagd, mit ihnen rennen etwa 20 Ponies-aller-Groessen, Kuehe und Kaelber. Irgendwie ein tolles Bild. Fast koennte ich drueber lachen.
Ja bin ich denn hier im Zoo??????
Spaeter wird sich herausstellen dass sich wohl irgendwer einen Scherz erlaubt hat und das Flatterband was den Weg markierte mal ein bisschen woanders hingehaengt hat......
Jetzt erst mal den gleichen Weg zurueckrennen. Dabei kommen uns Leute entgegen die in meiner Gruppe gestartet sind. Und die sind sich verdammt sicher auf dem richtigen Weg zu sein. Konfusion. Navigation wieder eingeschaltet. Karte rausgekramt. Keine Ahnung wo wir sind. Keiner hat. Aber wir sind uns alle einig, es muss irgendwo kurz vor Checkpunkt 2 sein. Mein Navi gibt ganz klare Anweisung dahin zurueckzugehen wo ich vorhin schon stand. Keiner glaubt mir. Einer will sogar nach links abbiegen. Falscher gehts nicht. Aber soll er doch. Ich hab die Nase voll und mache jetzt mein Ding. Basta. Das ganze hin und her dauert mir viel zu lange, ich bin maechtig angenervt. Um sechs Uhr gibt es schliesslich Abendessen im Uebernachtungsquartier. Das zu verpassen, dazu hab ich nur wenig Lust.
Ok, you can go where you want, but I go that way. Sag ich, und zeige in eine Himmelsrichtung, die allen andren voellig random erscheint, glaube ich. Und ein Einziger aus der Gruppe der Gazellen stimmt mir zu. Der hat sogar ne ungefaehre Ahnung davon wo wir wohl falsch gelaufen sind. “There should be a house, somewhere around here, but I cannot see any” Tuschelt er mir zu. “Behind the bushes over there, there is one, I saw it when I went through the bog over there, earlier”. Bog. boggy. Ohne diese Woerter kommt man hier heute nicht klar.
Bog snorkeling in the new forest
Alle andren laufen also irgendwohin (wo es falsch ist), wir zwei laufen durch eine Kuhwiese (Caution! Bull on field!) zu einem Gatter wo ein Kieselweg ist, der nach dem heftigen Regen der vergangenen Wochen ein Flussbett ist. “Are you alright with this” fragt mein Mitlaeufer. “Do you see a chicken when you look at me”. Und mit Todesverachtung laufen- ja laufen, nicht waten- wir durch das knietiefe Wasser, das mir bis ins Gesicht spritzt. Irgendwo hier muss ein Weidezaun gewesen sein, ich habe keinen gesehen. Aber mit meinem rechten Arm muss ich ihn beruehrt haben, denn da faehrt ein Stromschlag durch, sowas hab ich noch nicht erlebt. Jetzt steh ich aber auch nicht haeufig mit beiden Beinen im Wasser wenn ein Weidezaun in der Naehe ist. Es dauert mehrere km bis ich wieder Gefuehl in den Fingern habe.
Wir kommen an eine Strasse, hier muesste eigentlich eine Kirche zu sehen sein. Und tatsaechlich! Wir wissen wieder wo wir sind, wir haben den CP2 noch nicht verpasst, und meine Uhr hab ich natuerlich vergessen wieder einzuschalten. Zwei tiefe Blicke in meine Augen, und er fragt die Frage, die ich ihm schon gern vor 10 Minuten beantwortet haette: “Wann bist Du gestartet”. “Eine Stunde vor Dir, also mach dass Du wegkommst, ich komm ab hier alleine klar”. Und ich denke “Ich waere von fast von Anfang an alleine klar gekommen, ich haette mich nie nie nie auf einen von Euch verlassen sollen” Er bedankt sich artig dass ich ihn begleitet habe, ohne mich haette er sich nicht getraut und waere den anderen hinterhergelaufen. Offensichtlich in die falsche Richtung. BAH!!!! BAH!!!!! SHEEP!!!!
So. Fuesse nass. Km auf der Uhr nicht mehr vollstaendig. Ueber eine Stunde spaeter. Noch immer 5 km bis zum Checkpunkt. Der inzwischen sicher laengst abgebaut ist. (Einen CP duerfen wir verpassen, beim zweiten Verpassen wird uns nahegelegt werden das Rennen zu beenden und uns abholen zu lassen). Aber es laueft. Ob ich meine Gehpausen noch regelmaessig gemacht habe weiss ich nicht mehr. Meine Uhr zeigt einen aufgezeichnete Strecke von 5 km an als ich mich wieder auf dem richtigen, markierten, Weg befinde. Ich gehe einen Huegel hoch und ueberhole dabei zwei Frauen die ihre Fahrraeder schieben. “Hast Du Dich auch verlaufen?” fragen sie. Ja, von uns gibt es hier heute mehrere. “Ja, hatte ich, aber jetzt bin ich auf dem richtigen Weg. Wann habt Ihr die andren gesehen? Schon lange her?” “Nein, vielleicht 20 Minuten”. Also doch.......
Ich erreiche CP2 auf einem Stimmungstief. Aber wow, die sind noch da!!! Ich wuerde gern meine Geschichte erzaehlen, aber obwohl mir vesichert wird dass ich
A) noch etwa 20 Laeufer hinter mir habe (ich vermute dass diese alle laengst am Knusperhaueschen von der Hexe zum Abendessen verspeist werden, also den CP2 nicht mehr anlaufen werden)
B) mir keine wirklcihen Sorgen zu machen habe CP3 zu verpassen
Werde ich ein bisschen von den Helfern dort vorangetrieben. “Tell me your story tonight. First finish the race! Go with the lady over there, than you won’t be lost on your own”
Die Lady war mir aber ein bisschen zu langsam. Zu viele Gehpausen. Also hab ich sie zurueckgelassen. Und kurz danach eine Gruppe der Wanderer ueberholt die ich vor dem grossen Verlauf schon einmal ueberholt hatte. An einer Weggabelung kurz nicht gewusst wo es langgeht, auf die Walker gewartet, die wussten wo es lang ging, und ich dann auch bald wieder.
So lief ich dahin. Die Uhr war wieder auf Intervalle eingestellt, aber das Gelaende passte nicht zu den Gehpausen. Gehpausen kamen immer da wo es etwas staerker bergauf, und vor allem bergab ging. Dafuer brauchte ich keine Uhr. Ich merkte meine vorderen Oberschenkel inzwischen sehr deutlich. Hatte Angst vor morgen. Immer wenn mich so ein Angstgedanke erwischte machte ich auch auf den ebenen STrecken eine Gehpause. Aber mein default Modus war auf Laufen ausgerichtet. Immer wieder erwischte ich mich dabei wie ich lief anstatt zu gehen. Beim Thames Trot im Februar war es gegen Ende genau anders herum gewesen. Aber das Ende war ja noch weit. Das war mir aber egal, denn ich lief meinen Lauf, dachte an gar nichts, fotographierte hier und da ein Pony (die Bilder sind leider alle verwackelt und schlecht). Philosophierte darueber ob es einen zweiten Tag geben wuerde, wie die Nacht werden wuerde, ob ich Hunger haette (nein), ob ich am CP3 meine Trinkblase auffuellen wuerde (ja).
Und ploetzlich ging es steil bergab. Im Gelaende. Haeh? Der Karte nach gibt es zwar ueberall keine Huegelchen, aber die staerkeren Anstiege/Gefaelle kommen doch erst wieder nach CP3??!! Ein Blick auf die Karte genuegte: Ich war vom Weg abgekommen. SCH,..... hatte auch schon laenger keine Wegmarkierungen mehr gesehen. Ka£$%$e. ARRRRRGGHH!!
Die Uhr wieder auf Navigation gestellt
SCH!!!!!! Die richtige STrecke war mindestens 4 km Luftlinie entfernt. VERD....... Mir gingen die Schimpfworte aus, und das obwohl sie wie ein Feuerwerk durch den Kopf schossen.
Gehen sie zurueck zum Start. Gehen sie nicht ueber Los. Ziehen sie nicht Checkpunkt 3 ein.
Da stand ich nun, an der letzten Wegmarkierung, und ich war ganz klar in die richtige Richtung gelaufen. Wenn die Markierung stimmen wuerde. Das Navi zeigte aber ne voellig andre Richtung an. Die Karte ebenfalls.
Ich hatte keine Idee was ich tun sollte. Am liebsten haette ich mich hingesetzt und einfach nur geweint. Das mit dem Hinsetzen hab ich gelassen. Da stand ich nun. Eine weiter halbe Stunde mindestens vertroedelt. Selbst der letzte Wanderer wird nun ueber alle Berge sein. Und waerend ich in der Tasche nach dem Handy kramte um beim Veranstalter um Abholung zu winseln sah ich am Horizont - wie eine Erscheinung des Engels Gabriel (oder so) - zwei Laeufer auftauchen!!!!! Denen hab ich mich erstmal vor die Fuesse geworfen. Gemeinsam haben wir dann nach viel hin und her den richtigen Weg gefunden (ich hatte einen Pfeil uebersehen, der war so gross wie ein Hubschrauberpropeller, die Jungs konnten kaum glauben dass den uebersehen haben sollte, ich bin mir sicher da stand grad eineHerde Kuehe drauf als ich vorher dran vorbei gelaufen war). Im Schlepptau hatten die beiden Jungs noch zwei Damen, durch as hin-und-her hatten die die Jungs eingeholt, aber die waren mir am Ende zu langsam.
Die Jungs waren jedenfalls nett. Die waren schneller als ich, warteten aber an jeder schwierigen Abzweigung so lange bis sie mir von weitem signalisiert hatten wo es lang ging......Ich hatte schon laengst aufgegeben die Strecke die wir liefen mit dem Navi zu vergleichen. Das passte vorne und hinten nichtUnd kurz vor dem Einschlafen fiel es mir am Abend wie Schuppen von den Augen: Das war die Umleitung gewesen die wir wegen der Ueberflutung hatten machen muessen........ aaaaahhh!!!!! *Licht aufgeh*
Egal. Meine Laune war immr noch am Tiefpunkt. Aber inzwischen war ich am CP3 angekommen. Wo ich auf die Wanderer traf die ich inzwischen ja schon zweimal ueberholt hatte. Denen fiel die Kinnlade runter als sie mich zum dritten Mal um die Ecke biegen sahen. Fragten die mich doch allen Ernstes was ich unterwegs die ganze Zeit machen wuerde, dass ich schon zum dritten Mal von hinten komme.
Die beiden Jungs hatten eine Ehefrau an diesem Checkpunkt postiert, und die war echt spitze. So ging meine Laune tatsaechlich wieder nach oben wie eine Fieberkurve kurz vor der Krise. Leider verliessen mich die beiden hier, sie waehnten mich in der Gesellschaft der Wanderer und setzten ihren Lauf fort.
Den Checkpunkt hinter mir lassend waren wir nun in der schoensten Gegend des New Forest, in der Naehe von Ringwood. Hier ist es ziemlich huegelig und weil ja nur wenig Baeume stehen hat man von oben eine tolle Sicht. Es wurde allerdings auch ziemlich kalt, auf den Huegelkaemmen wehte ein bitterer Wind. Ich ging hier zunaechst fast ausschliesslich, aber als wir oben waren wurde es mir zu kalt und ich begann wieder zu laufen. Noch etwa 6 km vom Ziel entfernt haette ich mich noch einmal fast verlaufen, aber das ging dann gerade nochmal gut. Ich zaehlte inzwischen die Schritte um mir klar zu machen dass mich jeder Schritt dem Ziel naeher bringen wuerde. An den naechsten Tag durfte ich gar nicht denken..... aber dann war da die Einfahrt zu der Schule in der wir uebernachten wuerden. Ich musste noch einmal anhalten und meinen Schuh oeffnen, auf langen STrecken schwellen meine Fuesse manchmal so stark an dass die Schnuerung stark drueckt. Erst dann konnte ich die verbleibenden 100m ins Ziel hoppeln. Neill stand da und rief anerkennende Sachen.
Im Ziel wurde ich sofort mit Kuchen und warmen Getraenken versorgt. Gebeten die Schuhe auszuziehen bevor ich in die Halle ginge. Aber die Socken sahen genauso schlammig aus.
;-)
Fast alle waren schon da, es wimmelte in der Turnhalle wie in einem Bienenstock. Mein Rucksack stand an einer Wand gelehnt, dort breitete ich dann auch meine Isomatte und den Schlafsack aus. Die Nachbarn sahen friedlich aus ;-)
Der Garmin hatte Hunger, genau wie ich. Ich scannte die Halle nach Steckdosen und als ich eine gefunden hatte wo noch kein Ladegeraet drin steckte sprintete ich zureuck zu meinem Lager um den Garmin zu holen. Das gab ein paar neckische Kommentare a la "wer jetzt noch so rennen kann wird morgen vorne mitmischen". Ich war mir da aber nicht so sicher und buchte mir gleich einen Physiotermin fuer nach dem Abendessen.
Eine lange heisse Dusche und ein warmes, einfaches, aber gutes Essen spaeter (Nudelauflauf, Lachs, Haehnchenschenekl, Erbesen, Moehren, Salat, Kartoffeln), zusammen mit den Ueberlebensgeschichten einiger andrer, lag ich auf der Liege und fragte den Physio, der scheinbar auf allen Events dieses Veranstalters dabei ist, wie viele der Starter den zweiten oder dritten Tag sausen lassen. Ich dachte ernsthaft drueber nach. Nach seiner Erfahrung etwa 5% am zweiten Tag, keiner am dritten Tag (bei dreitaegigen Veranstaltungen). Ich konnte das kaum glauben. Die Leute in der Halle humpelten eigentlich alle irgendwie. ALLE. Und die meisten schienen steifere Muskeln zu haben als ich. Aber ich solle mal bis morgen warten, sagte der Physio. Morgen frueh wuerde ich glauben ich waere mitten im Ministry of silly walks. Aber die wuerden alle an den Start gehen. Und die allermeisten wuerden finishen. Ich sah mich um. Da war ein Typ, der war schon 5 Minuten unterwegs um die Halle zu durchqueren. Und die sollten alle morgen finishen? 48 km? Dann kann ich das auch. Dachte ich. Aber erstmal bis morgen warten.
Inzwischen war mir kalt geworden und ich pellte mich in meinen Schlafsack um dem Treiben noch ein bisschen zuzuschauen.
Das naechste was ich weiss war, dass es dunkel war und still - bis auf ein paar Schnarcher. Ich guckte auf die Uhr: viertel nach 10. Aha. Umgedreht, wieder eingeschlafen. Der morgige Tag wuerde hart werden. Ich war in die erste Startgruppe gerutscht, weil ich fuer den ersten Tag geschlagene 7 (sieben) Stunden und 50 (fuenfzig!) Minuten gebraucht hatte.
This is not a race.This is not a race.
Am Abend hatten mich mehrere Leute gefragt wie weit ich eigentlich gelaufen war. Das kann ich auch heute nicht sagen, da ich so haeufig vergessen hatte die Uhr neu zu starten. Die Uhr sagt, wenn ich all die einzelnen Stuecke zusammenzaehle, was von 54 km. Allerdings fehlen mir etwa 30 Minuten Aufzeichnungen.......
Der fruehe Start bedeutete: Bright eyed und bushy tailed um sieben Uhr in der Frueh am Start zu stehen. Fruehstueck ab 6 a.m. Aufstehen und Sachen packen um fuenf.
Gute Nacht...
Oha oha oha......
Mit mir hättest Du da noch viel größere Probleme (ich, als absolute Orientierungslegastenikerin!!) Ich hab noch nicht mal irgendeine Strecke in meinen Garmin gefüttert,...bin bisher immer nur hinter den anderen hergerannt!
Hab doch damals sogar in der zweiten Bottropper Herbstwaldlaufrunde die Samariter nach dem richtigen Weg gefragt...und gestern war ich mir auch ein paar Mal echt unsicher, als keine Wade mehr vor mir war!!
Boahhhh, liest sich das spannend und interessant und unvergesslich und einfach genial!!!
Erzähl noch mehr davon, dann komm ich auch!:o))
Lieben Gruß Carla
mehr...
...mehr...mehr davon *vorspannungfingernägelkau*
____________________
laufend wär rettungslos verloren gegangen, weil se null orientierung hat und für karten-garmin zu blond is: happy
Boah! Ein richtiger Erlebnislauf!
Hoffentlich finde ich übernächstes Wochenende den richtigen Weg. Bei der GM Null war ich ja auch einmal ziemlich orientierungslos, aber zum Glück mußte ich ja nicht durch eine Sumpf.
Bin echt schon auf weitere Abenteuer gespannt! ;-)
Liebe Grüße
Renate
27.05. TorTour de Ruhr 100 M
Letzter Teil des Fortsetzungsromans
Meinen Wecker habe ich auf 5:30 gestellt, rechne aber damit frueher wach zu werden.
Tu ich auch.
Katzenwaesche. Entscheiden was heute mit auf die Strecke kommt. Entgegen der Wettervorhersage regnet es Niesel. Sachen packen. Und zwar clever, so dass ich im Ziel mit einem Handgriff alles habe um flott-flott vom Ultra- Zombie zu einer frisch geduschten, sauber gekleideten, eisenbahnfaehigen cour-i-euse zu werden. Denn heute koennte es laenger dauern und mein Zug geht in weniger als 12 Stunden.
Fruehstueck um Punkt 6 Uhr. Es gibt cooked breakfast, so wie sich das gehoert fuer eine englische Prep School an einem Sonntag Morgen, aber es gibt auch continental choices.
Ich esse bacon (salzig und heute sowas von unglaublich genau das Richtige fuer mich, saulecker) und baked beans on Toast. Und ein hartgekochtes Ei. Dazu ein Kaffee der nach nichts schmeckt. Mir geht es saugut. Aber sowas von. Ich starte mit den Wanderern, und ich glaube ich werde mich heute nicht verlaufen. Denn
A) Beabsichtige ich bei ihnen zu bleiben
B) Die Lauf-Geh Intervalle brauch ich nicht, also folge ich heute dem Garmin Navi.
Laufbesprechung fuer unsere Gruppe ist um halb sieben.
Neill: “Wer hat gut geschlafen? ” Eine Frau mittleren Alters zeigt auf. Neill: “aha, dann warst Du eine von denen die so geschnarcht haben”.
Die Atmosphaere ist locker, froehlich. Einfach herrlich. Wir tauschen ein paar Anekdoten vom gestrigen Lauf aus. Koennen es kaum erwarten!! Ich glaube ich kann es schaffen, und mein Zug geht in 11 ½ Stunden.
Der Start. Keiner will vorne stehen, weil es naemlich bergauf geht.
Neill sagt “ready-steady – and- GO!!) und wir gehen (!!) los. Bis auf einen. Der laueft. Ein paar andre folgem ihm, nach und nach.
Ich spuere meine Oberschenkel deutlich, und auch meine rechten Adduktoren kurzzeitig ziemlich heftig, auch mein linker Fussknoechel meldet sich wenn ich unbedacht auftrete. Aber schon nach ein paar Minuten, als wir die erste Huegelkuppe erreicht haben, kann ich mich nicht mehr zurueck halten. Mal ausprobieren wie es sich laeuft. Es laeuft!!! Heute entscheide ich spontan wo ich gehe und wo ich laufe. Auf mein Knie brauche ich, so scheint es, keine Ruecksicht mehr zu nehmen, ich spuere es immer noch nicht. All meine Aufmerksamkeit gilt den Oberschenkeln. Ich laufe ruhig und gleichmaessig. Ueber Pfuetzen springen kann ich heute nicht mehr, bzw. Halte ich es fuer vernuenftiger das bleiben zu lassen. Aber heute kann man auch drumherum laufen. Alles passt. So habe ich nach ein paar km die Lauefergruppe mit den drei Schwaetzern von gestern (die quatschen IMMER NOCH!!!!!) eingeholt und ueberholt. Direkt vor mir ist ein Paerchen, von denen die Frau wunderbare gruene Schuhe traegt. Ein gruenes Stirnband, und eine gruene Jacke. Das laesst sich hier im grau-braun der regnerischen Hochheide gut sehen. Ich liebe gruen. Sie sind nach 5 km etwa 1-2 km vor mir, in diesem wunderschoenen offenen Gelaende kann man das gut ueberblicken. Hin und wieder drehe ich mich um: Der Abstand nach hinten vergroessert sich auf etwa die gleiche Distanz. Gut so.
Um diese Uhrzeit ist ausser uns noch kein andrer unterwegs, diese Gegend ist ein ein beliebtes Touri-Magnet, insbesondere von Mountainbikern und Wanderern, und wir haben Bank holiday weekend. Aber derzeit schlafen die noch alle.
Es ist Sonntag Morgen, irgendwas vor acht Uhr, und New Forest ist Meiner. WEr nicht weiss wie es im New Forest aussieht: Guckt Euch zB bei Wikipedia die Bilder des New Forest Nationalparks an. Nicht nur auf Deutsch, auch auf English. GENAUSO ist es da. Eher schoener, weil Panorama.
Er gehoerte mir, mir allein, und auch der Frau in gruen und ihrem Partner. Nur uns dreien. Ich koennte lachen, weinen, schreien vor Glueck. Tu ich auch. Sieht/hoert ja keiner. Die pace ist mir egal. Solange ich nicht verlorengehe oder mich verletze werde ich heute das Ziel und meinen Zug erreichen. Die Gegend ist atemberaubend. Unglaublich dramatisch, mit den tiefhaengenden Wolken aus denen jetzt kein Niesel mehr faellt. Atemberaubend. Oder wie kommt es dass ich zeitweise keine Luft bekomme? Bin total ueberwaeltigt.
In etwa bei km 10 bemerke ich dass der Abstand zu den Gruenen geringer wird, Bei km 14 hab ich sie eingeholt. “Drei km geradeaus und dann kommt bald der erste Checkpoint” sagt sie, waehrend sie an einem Gatter ihre Waden stretcht, und er ein Butterbrot isst. Dann bin ich vorbei.
Die Frau von einem der Jungs von gestern kommt mir etwa 1 km vor dem CP1 entgegengelaufen und begleitet mich dann bis zum CP. Ausser Atem, waehrend ich wirklich locker dahin jogge. Ich fuehle mich als koennte ich Baeume ausreissen. Wie viele sind denn schon durch? Frag ich, und sie zeigt auf zwei Maenner die vor uns laufen, erwaehnt einen dritten der etwas weiter vorne ist, “Und Du! Die erste Frau”. Wow!!! Vierte im Feld!!! Heute mische ich ganz vorne mit!!! Naja, zumindest in der Wandergruppe. Von den “echten Lauefern” hat mich noch keiner ueberholt. Und das bei Meile 10! Ich versuche mich zu erinnern wann ich gestern die ersten Walker ueberholt habe. Das muss so um diese Ecke herum gewesen sein. Am CP steht “mein” Physio und freut sich dass es mir dank seiner Massage gut geht.
Auf dem Weg zum CP2 ueberhole ich die beiden Lauefer vor mir. Einen nach dem andren. Wir wuenschen uns auch weiterhin viel Spass, und vor allem auch weiterhin verlauffreies Laufen. Kurz darauf hoere ich flotte leichte Schritte hinter mir: Der erste von den schnelleren zieht bei km 24 an mir vorbei. Als ich ihm sage dass er gut dabei aussieht, meine ich das auch so. Ich rechne aus dass er, wenn er eine Stunde nach mir gestartet ist, mit einer glatten 6er pace unterwegs ist. Mit ordentlichem Training koennte ich vielleicht auch fast so schnell sein. Vielleicht....... Aber nicht heute.
This is not a race, this is not a race.
An den weiteren Weg habe ich nicht mehr viele Erinnerungen. Es wird langsam voller in MEINEM New Forest. An vielen Stellen stehen und fahren Touris herum und machen Fotos von sich und/oder MEINEN Ponies die auf den Pfaden und Wegraendern herumliegen. Von vielen hoere ich Aufmunterndes. Irgendwo steht ein Eiscreme Wagen. Irgendwo ganz in der Naehe von da wo ich ein Foto von einem Wald voller Bluebells mache, das leider nicht schoen geworden ist, aber DAS DA (click) gezeigt haette steht auch eine Familie mit Fahrraedern an einer Weggabelung. Der Vater kramt in der Tasche herum und fragt seine Kinderschar ob jemand einen Brownie will. Als ich gerade vorbei komme. Ich werde langsamer und nicke, grinsend und hungrig, und ich bekomme tatsaechlich einen ab, der scheint frisch aus dem Backofen und ist in der Mitte schoen klebrig, und irgendwie der weltbeste Brownie den ich je gegessen habe. Ich werde darueber informiert dass da eine Handvoll Lauefer vor mir sind, und ich informiere dareuber dass da noch etwa 100 Lauefer HINTER mir sind. Worauf wir alle lachen. Eine schoene Begegnung die ein warmes Gefuehl in Bauch und Herz hinterlaesst.
Am CP2 steht der aeltere Mann wieder, derselbe der mich gestern am CP2 weiter getrieben hat damit ich mich nicht allein verlaufe. Ich nehme an er ist Neill’s Vater, aber ganz sicher bin ich nicht. "Heute" sagt er mir "siehst Du besser aus als gestern". Zufriedener (click).
Jaaaa.....ich koennte die die ganze Welt umarmen. Wir reden ein paar Minuten (click) darueber wie gluecklich ich bin, jetzt gerade im Augenblick, und auch im Allgemeinen, wie toll ich Oxford und England im allgemeinen und “meinen” New Forest im Besonderen finde, und er erzaehlt dass er in den 70ern fuer ein paar Jahre bei der Army in Deutschland stationiert war und wie gut ihm das gefallen haette, wie schoen er Deutschland faende, und die Leute so nett – und er spricht sogar noch sehr gut deutsch. Als ich sage dass ich jetzt besser weiterlaufen solle, weil wegen meinem Zug, nimmer er meine Hand und drueckt sie, dann meinen Arm und drueckt dann die ganze cour-i-euse. Wuenscht mir auch weiterhin viel Spass auf dem Weg und dass Begegnungen wie diese der Grund seien warum er an einem regnerischen Sonntag Mittag im New Forest hinter der “Verpflegungstheke” steht.
Ich laufe weiter und denke viel an meinen Vater, die beiden muessten etwa der gleiche Jahrgang sein, und ob die beiden sich wohl gemocht haetten wenn sie sich kennen gelernt haetten. Und bin traurig und gluecklich und weiss ueberhaupt nicht wohin mit all meinen Gefuehlen.
Als ich am CP3 ankomme, ist er scheinbar gerade erst aufgebaut worden. Ich halte mich nicht lange auf. Wenn es jetzt so weiter laeuft werde ich das Ziel ueber eine Stunde eher erreichen als gestern – bin ja aber auch gefuehlte 20 km weniger weit gelaufen, so ganz ohne zu verlaufen.... Aber das kann jetzt noch kommen, es wird naemlich eine Wiese ueberquert einen Weg gibt es nicht, nicht einmal einen Trampelpfad, und auch am Horizont sieht man nichts als Wiese, vielleicht ein paar Baeume, aber keinen Weg (click).
“siehst Du die Gruppe Kuehe die da hinten liegt? Etwas rechts davon dahinter ist der Weg, wenn Du bei den Kuehen angekommen bist wirst Du ihn sehen”
Gut dass ich mit Navi laufe, nicht nur weil es mehr als eine Gruppe von Kuehen Kuehen (click) (click) gibt, aber auch weil ich so zwischendurch immer mal den Kurs korrigieren kann. Getroedelt wird hier nicht, allein schon weil ich Angst habe dass die Kuehe aufstehen und woanders wiederkaeuen. Ich muss zugeben dass ich an dieser STelle heut noch im Kreis laufen wuerde, haette der Garmin meinen Kurs nicht immer wieder korrigiert. Immerhin ist mein rechtes Bein mit meinem verschobenen Becken nen halben cm kuerzer als das linke.
Hatte der Osteopath am Donnerstag zuvor gesagt.
Ueberhaupt: Osteopath: den wuerd ich gerne knutschen. Von meinem Knie ist NOCH IMMER nichts zu spueren, von der STeife im unteren Ruecken die ich zuletzt noch hatte, auch nichts.
Dann ueberholt mich einer. Leichtfuessig. you look strong, keep it going like that sagt er, und ich grinse, lache, high five. Mein Lauftempo ist nicht mehr was es mal war, aber Gehpausen mache ich kaum noch. Jeder der mir entgegen kommt strahlt mich an. Wie man in den Wald hineinblickt, so guckt es hinaus.
Weil es so ganz ohne verlaufen natuerlich auch heute nicht geht, trotte ich – traeumend - an einer Abzweigung vorbei und piep erinnert mich der Garmin daran dass ich vom Kurs abgekommen bin. Ich drehe mich um und erlebe noch gerade wie eine schnelle Frau, etwa 100m hinter mir, die sich nun zwischen mir und das Ziel gedraengelt hat, und um die Ecke aus meinem Blickfeld verschwindet. “Die haette mich ja ruhig mal rufen koennen” denke ich, und bin belustigt ueber diesen Gedanken. Ist doch alles gut gegangen. Die hat mindestens 60 Min weniger auf dem Zaehler als ich, am Ende, die hatte es gar nicht noetig mich auszutricksen. Im Ziel gibt sie zu mich gar nicht gesehen zu haben, sie haette an der STelle vom Ankommen getraeumt, sagt sie
))
Ja, und dann ist da das Ziel nur noch 1 km entfernt und ich fuehle mich voellig euphorisch, und emotional wahnsinnig ueberfordert, ich bin im wahrsten Sinne des Wortes ueberwaeltigt als mir klar wird was ich in den vergangenen Tagen auf meine untrainierten Beine gestellt habe. 500 m vor dem Ziel gehe ich nochmal kurz um mich zu sammeln, dann jogge ich aufrecht, gluecklich, strahlend als Siegerin (ueber all meine Zweifel) durchs Ziel, wo ich von den andren Finishern empfangen werde. Eine Wolke von Anerkennung fuer die Leistung der andren schwebt ueber uns. Und ich habe 90 Minuten weniger gebraucht als am Tag zuvor –
Na wenn das mal kein negativer split ist
Mein Rennen ist zu Ende, die Veranstaltung noch lange nicht.
Nach dem Rennen, der Dusche, der Zielverpflegung, bleiben noch ueber zwei Stunden bis mein Zug faehrt. Zeit die ich brauche um “herunterzukommen”. In Erinnerung bleiben warme Gespraeche mit den andren, die nach und nach in die Turnhalle troepfeln. Alle mit diesem verstrahlten Ausdruck im Gesicht der von Endorphinen bis zum Anschlag hervorgerufen wird. Es hat einiges an Drama gegeben unterwegs, aber bei allen ging es gut aus. Gemeinsam mit ein paar andren gehen wir die 10 Minuten zum Bahnhof – spasseshalber rennen wir ein STueck. Ja, es geht IMMER NOCH. Erst nach der dreistuendigen Zugfahrt (Strecke gesperrt, Umleitung etc) merke ich dass ich morgen starken Muskelkater haben werde.
Einer der Augenblicke die ich nie vergessen moechte: Wie ich mit den beiden polnischen Laeufern am Gleis sitze, in der Sonne, die nun endlich herausgekommen ist, und nichts andres mehr denken und sagen kann als BOAH!! Und ihnen geht es genauso.
Am naechsten Tag: Starker Muskelkater in den Oberschenkeln und, was mir Sorgen macht: Achillessehne. Darum verbringe ich den gesamten freien Montag (bank holiday) in Sofanaehe.
Dienstag: Muskelkater fast weg, Achillessehne auf dem Weg zur Besserung, Schwimmen zur Regeneration
Mittwoch: Muskelkater ganz weg, Achillessehne fast weg. In beiden Knien ziept es leicht, Eine andre Sehne die wohl mit dem Fussheber am linken Fuss zusammenhaengt tut nun weh. Schwimmen zur Regeneration
Donnerstag: Achillessehne weg, Fuss schon wieder viel viel besser, Knie in Ordnung, mittleres Ziehen in der Wade. Beginn des taeglichen Stretchings
Dienstags drauf: 10 km Laufen am Stueck problemlos gemeistert, Muskeln zwar nachher wieder leicht steif, aber ein behutsamer Aufbau fuer meinen naechsten Marathon kann JETZT beginnen.
Und zwei Erkenntnisse die mich schon die ganze Woche begleiten:
1. Rennen wie diese: TO BE CONTINUED
2. Mit besserer Vorbereitung waere es weniger leichtsinnig gewesen diesen Wahnsinn mitzumachen. Bitte lieber Gott, lass meinen Groessenwahn nicht NOCH weiter wachsen. Das koennte irgendwann gefaehrlich werden.
*träum.*...
Ich möchte das auch! :o)
So fast ohne Verlaufen...
...war doch langweilig... *duckundwech*
Am Besten fand ich, dass die Knie gut gehalten haben, genau wie bei mir seit dem Seilersee. Toi, toi, toi für uns beide, dass es so bleibt!
Liebe Grüße
Renate
27.05. TorTour de Ruhr 100 M
*seufz*
...ich auch...
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laufend liebt ponys und forrests: happy
Das "Anstrahlen" ist hier angekommen;-)
Ich auch will, ich auch will!!! Was Du erlebst...*seufz!*
Tame:-)
Liebe cour-i-euse,
ich danke dir ganz ganz ganz ganz herzlich für diesen umwerfenden Fortsetzungsroman! Ich hatte wiederholt Tränen der Rührung in den Augen. Ich freue mich so sehr, dass du etwas so Berührendes und Gewaltiges erlebt hast.
Eine ganz fette Umarmung aus der Ferne schickt dir
Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!