Benutzerbild von Semjon Zelotes

Nach einer hässlichen Wadenverhärtung am Montag war klar, dass ich am heutigen Samstag keine Höchstleistungen erzielen würde. Insofern wurde der Lauf unter "Ganz entspannt mitnehmen und Atmosphäre genießen" eingebucht.

Frisch nach Köln gezogen und ohne Vehikel ausgestattet beschloss ich mir für diesen Lauf einen Mietwagen der Firma Sechst zu holen. Alleine fahren ist doof und so wurde eine Mitfahrgelegenheit inseriert. Es fanden sich drei Mitstreiter und wir fuhren heute morgen um 8.30 gen Nürburgring. Leider leider hatte Sechst keine Golfklasse mehr da und so bekam ich ein Upgrade auf einen schönen geräumigen Geländewagen. Wie der Zufall so will, ist dann noch einer meiner Mitfahrer der Freund einer Mitarbeiterin des Veranstalters und spendiert uns einen VIP Parkausweis. Das hieß im Klartext: an der Kilometer langen Autoschlange vorbeidüsen und ins Parkhaus direkt am Boulevard, von dem aus es mit dem Fahrstuhl direkt in die Eventhalle ging.

Es war kalt, verregnet und neblig. Ideale Voraussetzungen (wie ich finde) - bis auf den Regen vielleicht. Realtiv flux ziehen wir uns um und bringen unsere Taschen zur Verwahrung. Gerade rechtzeitig, denn nach uns kam ein riesiger Mop angeströmt und es bildete sich eine sehr lange Schlange. Glück gehabt. Wir verweilten unter dem LKW-Anhänger im Trockenen bis 11:30 und machten uns dann auf den Weg in die Startbox zum Warmlaufen. Perfekt aufgewärmt fiebern wie 20 Minuten vor dem Start dem Lauf entgegen, bis der Moderator ankündigt, dass der Start um 30 Minuten verschoben wird und wir uns doch bitte warmhalten sollen. Die Rettungstaucher könnten in dem Nebel die Leute nicht gut genug sehen.

Zum Startschuss donnert die Herde los und es bleibt gemütlich auf den ersten Kilometern; viel Matsch, ein bisschen Kies und viel Gefälle. Soll sich aber später noch ändern. Die böseste Stelle in diesem Jahr: Unter einem ca. 70cm hohen Gitter etwa 20 Meter durch etwa 70cm tiefen Matsch robben und direkt im Anschluss einen ordentlichen Anstieg hoch, bei dem zum Schluss Heuballen überwunden werden mussten. Dazu kam die berühmte Schlange vor diesem Hidnerniss, die mich gute 8 Minuten in der Kälte warten lies. Alles was nach diesem Berg kam war sehr spaßig. Vor allem das lange Wasserbecken war eine hervorragende Erfrischung und Abwechslung. Die Leute super freundlich und Teamwork wurde groß geschrieben. Jeder hilft dem anderen.
Zum Ende hin bin ich leider wieder auf das Läufer-Ende der ersten Runde gestoßen und der nächste Stau vor den großen zwei Mauern aus Stroh zehrte am Körper. (Nicht laufen ist noch viel anstrengender bei den Rahmenbedingungen als laufen). Letztendlich tuckerte ich mit etwas unter drei Stunden im Ziel ein und fühlte mich absolut blendend. Die Medaille ist noch dazu ein schönes Souvenir.

Ich holte mein Finisher-Shirt und machte mich zur Kleiderausgabe. Dort war ich etwas irritiert, weil nicht die Mitarbeiter die Säcke ausgaben, sondern man einfach in die Zelte gehen konnte um sich seine Sachen zu holen. Drin angekommen stellte ich schnell fest, dass das alles andere als geplant war. Die jungen Helferleins waren restlos überfordert mit der Situation. Die Leute liefen kreuz unt quer, stiegen über und auf die Taschen anderer Leute, die fast den kompletten Boden zwischen den Nummer-Abschnitts-Pazellen bedeckten. Das Zelt war schlicht zu klein und die Kleidermenschen haben zum Schluss einfach nur noch die Säcke reingeschmissen und gestapelt. Noch dazu stand das ganze Zelt unter Wasser und die Taschen waren größtenteils durchnässt. Ich hatte Glück - da ich so früh meine Sachen abgegeben hatte, fand ich meinen Rucksack sicher an der Wand hängend. Puh. Ich nahm ihn ab und kämpfte mich raus. Niemand kontrollierte meine Startnummer. Finde ich unschön! Nun wieder die gleiche Situation: Nach mir die Sintflut. Ich bin fast nicht mehr rausgekommen, weil die Meute in das Zelt stürmte. Dennoch war ich erfolgreich und zog mich im Regen vor eben diesem Zelt um. Wenige Minuten später war auch hier eine Schlange über gut 15 Meter aber es passierte nichts. Die Leute drinnen suchten ihre Sachen oder zogen sich dreisterweise direkt dort um. Die anderen sind gar nicht erst reingekommen und die Stimmung kippte. Eine Frau heulte, weil ihre Sachen weg waren (oder sie diese nicht finden konnte). Ein anderer wurde aggresiv, weil sein Handy durch die unsachgemäße Aufbewarhung nass geworden ist und kaputt ging. Ein unschönes Bild aber wie gesagt, mich betraf es in dem Moment nicht - Mitfühlen konnte ich dennoch.

Wieder trockenen Klamotten machte ich mich zurück auf den Weg zur Tiefgarage, wo ich die anderen treffen sollte, um den Heimweg anzutreten. Auch hier wieder der Vorteil, dass wir nicht in der Schlange der Autos standen, die vom Hauptparkplatz kamen, sondern einfach aus dem Parkhaus auf die Landstraße fahren konnten. So komfortabel und stressfrei habe ich noch keine Laufveranstaltung in meinem Leben besucht. Eine Verkettung von Zufällen und Timing, die den Tag wahnsinnig entspannt gestalteten - vom Lauf abgesehen. ;)

Zu Hause angekommen gab' es dann einen schönen Bananeshake, ein Bier, eine gepflegte Dusche und jetzt geht's ins Bettchen.

Alles in allem ein wunderbarer Tag, dem es an nichts fehlte. Ich ziehe meinen Hut vor den Veranstaltern für diese große Leistung, auch wenn es hier und da berechtigte Kritik gibt, sind es doch eher "Kleinigkeiten". Der Lauf kann auch nächstes Jahr wieder mit mir rechnen. Schä wars g'wese!!!

Gute Nacht!

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Strongman

Hi, ich kann dir größtenteils zustimmen. Hatte aber alles in allem großen Spass.

Ich bin im zweiten Drittel gestartet und stand am Durchgang vor dem ersten offiziellen Hindernis: Schwimmalaya gestoppte > 25 Min !!! an. Das gleiche passierte dann auch an Hindernis 4: Die schwarze Witwe. Wartezeit hier wieder über > 20 Minuten !!! Die anderen Wartezeiten hielten sich aber in Grenzen (ein bis drei Minuten).

Auch Deine Einschätzung der schwersten, bzw. gemeinsten Hindernisse decken sich mit meiner. Am Hindernis 4: Die schwarze Witwe, habe ich mir in jeder Runde die Knie aufgeschnitten und bin dann in der zweiten Runde förmlich im Matsch eingesunken/versunken. Das Hindernis fand ich sehr anstrengend. Als sehr unschön habe ich es empfunden, das ziemlich viele Läufer einfach am Hindernis vorbeigelaufen sind, bzw. links und rechts neben dem Hindernis zwei weitere Bahnen eröffnet haben.

Weiterhin hatte ich mit den Steigungen und dem Untergrund zu kämpfen.

Die Kleiderausgabe war echt grenzwertig. Bei der Wiederkehr habe ich meine Sachen zunächst nicht auffinden können. Denn leider hat sie jemand in den falschen Gang mit den falschen Nummern gehangen. Gott sei dank konnte ich sie letztendlich doch noch finden. Ich hätte aber auch wirklich jede beliebige, andere Tasche mit aus dem Zelt nehmen können, denn es hat niemanden wirklich interessiert.

Im Gegensatz zu Weeze war das Parken am Ring aber super. Hinlaufen, einsteigen, losfahren.... kein Stau. In Weeze waren wir fast 2,5 Std auf dem Acker (Parkplatz) gefangen, da es nur eine Ausfahrt gab.

Auch ich komme gerne wieder zum Ring, würde mir aber folgendes wünschen:

- das die Organisatoren in mehreren Blöcken starten lassen
- es zu keinen Staus an den Hindernissen mehr kommt
- die Kleiderausgabe gründlicher überwacht wird
- wir mal besseres Wetter haben ( Wunschdenken ! )

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