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Das was mir vor vier Jahren (damals noch starker Raucher und konditionell so ziemlich am Ende) noch wie entfernteste Utopie erschien ist tatsächlich eingetreten! Ich habe meinen ersten Marathon gefinisht! In Hamburg, und bin deutlich unter meiner anvisierten Zeit von 04:30 geblieben (04:16:56 Netto).

Laufe jetzt seit ca. vier Jahren regelmäßig (Wettkämpfe erst seit ca. 1Jahr) und habe mich vor ca. 4 Monaten dazu entschlossen, dass es jetzt so langsam an der Zeit sein könnte sich auf eine Veranstaltung jenseits der von mir vorher gelaufenen 10 KM Rennen vorzubereiten. Also ging ich es an.
Ich trainierte nach einem 12 Wochen Trainingsplan für genannte Zielzeit.
Die längsten Läufe im Training lagen bei 30 Km und kamen mir schon ziemlich heftig vor, da man ja den Motivationsfaktor der zuschauer die einen Pushen nicht hat und so blieb mir nur mein Mp3 Player. Jedenfalls fürchtete ich am Ende des letzten 30 km lauf drei wochen vor Tag X, dass ich den Marathon nicht schaffen würde, da die Schmerzen da doch schon ziemlich heftig waren.

Am 29.04. war es dann so weit.
Saß schon um 6 Uhr im Zug nach Hamburg (Wohne nur ca. 40 Km entfernt, hätt ja auch laufen können.:)), da ich Sorge hatte den ganzen Kram (Umziehen, Klamotten abgeben etc.) nicht rechtzeitig gebacken bekommen würde, da dass ja meine erste Veranstaltung dieser Größenordnung war und ich nicht wußte wie sehr sich das ziehen könnte.
Hat dann aber alles gut geklappt, so dass ich um 8:45 im Startefeld stand.
Ca. Zehn Minuten nach dem Startschuss überquerte ich die Startlinie (Wahnsinn wie viele Leute da unterwegs sind).
Ich nahm mir vor die Geschichte lieber zu langsam angehen zu lassen als zu schnell und so lief ich die ersten Zehn Km gaanz langsam und schielte bei jeder Kilometrierung auf meine Uhr um im Bereich um 6:30/Km zu bleiben.
Bei Km 10 zog ich das Tempo etwas an (auf 6:00/Km). Hatte geplant dieses Tempo bis zu Km 30 zu halten was auch super klappte. Ich kam bei jeder Kilometrierung fast sekundengenau an als würde ich meinen Zug von Bahnhof zu Bahnhof fahren (Bin Lokomotivführer im Personennahverkehr).
Bei Km 30 übekam mich plötzlich ein Motivationsschub (Den ich dem Talent der Zuschauer zuschreibe, einen zu Motivieren, selbst nach 30 km noch, danke vielmals dafür!) und ich erhöhte das Tempo abermals (auf 5:30 Km), was für mich aber ab Km 36 absolut zu viel war.
Ab jetzt wurde das ganze echt zur Marter!
Ich beschloss nun auf das einhalten der Pace zu sch.....n (weils nur unter echter quälerei noch 1-2 km möglich gewesen wäre und ich nicht einschätzen konnte, was dann passiert wäre, bezüglich weiterlaufen oder stehen bleiben) und mich nur noch aufs durchkommen zu konzentrieren.
Ich war ab jetzt nur noch mit mir selbst beschäftigt und hielt einen ständigen inneren Monolog um mich abzulenken, die Zuschauer am Rand waren jetzt sehr weit weg (kam mir zumindest so vor in der Situation). Zwei Teilnehmer, an denen ich vorbeilief mussten von Sanis betreut werden.
Ich versuchte zu vermeiden bei jedem Kilometerschild (Die gefühlte dauer zwischen Zweien wurde immer länger und länger "Haben die vielleicht eins ausgelassen? Bestimmt! NEIN! Das kann nicht sein! Doch nur wieder einer! Verdammte Sch...e!), nachzurechnen konnte es aber nicht ganz lassen. Bei den letzten 3 Km dachte ich immer wenn ein neues Km-Schild kam an die Entfernungen zwischen zwei Punkten innerhalb meines Wohnortes ("Noch von zu Hause bis zur Tanke!!!" "Noch bis zum Aldi!!" "Nur noch die Straße runter! Das ist NICHT VIEL!!!!REIß DICH ZUSAMMEN!!"). Es ist schon heftig was da im Kopf abgeht.
Dann die letzte Kurve. Das Ziel in Sicht. Es ist ca. 200 m weit weg und kommt langsam (LANGSAM!!!) näher. Natürlich werden die Beine jetzt Taub, der Schmerz wird erträglicher und der Körper mobilisiert noch mal alles. Alle um mich rum werden schneller und auch ich lasse mich davon anstecken und renne was die Stelzen noch hergeben.
Nachdem ich ins Ziel gelaufen bin und ein Stück weiter meine Medaille in Empfang genommen habe gehe ich zur seite und beginne tatsächlich damit mich zu dehnen (auch wenn ich dabei fast hinfalle weil ich das Gleichgewicht drohe zu verlieren). Ich merke dass die Nerven wohl ziemlich beansprucht wurden, denn ich merke, wenn ich mich jetzt gehen lassen würde, würde ich das weinen anfangen. Es ist zwar nicht so dass ich mich mit aller kraft zusammenreissen muss es nicht zu tun, aber ich könnte problemlos auf Kommando.
Nachdem ich mich etwas erholt hatte und ein alkoholfreies Bierchen gekippt hatte begab ich mich zum Duschzelt und stieg nach Dusche und umziehen stolz wie Oskar in die Bahn nach Hause. Fix und alle fiel ich ins Bett und schlief zehn Stunden bis mein Wecker klingelte. Trotz der Zehn Stunden hatte ich das Gefühl bei weitem nicht genug gepennt zu haben....

Fazit: Trotz aller Schmerzen immer wieder. Affengeil. Das Gefühl von dem man danach zehrt entschädigt für alles. Und bis es hart wird ist es einfach ein schönes Laufen in einer Hammer Atmosphäre und guter Stimmmung.

4.75
Gesamtwertung: 4.8 (4 Wertungen)

Toller Bericht,

gefällt mir gut.

Für den ersten M eine super Zeit. Gratuliere.

lg us de Schwiiz, Ute

Laufen berührt die Sinne, verwöhnt unsere Seele und macht uns stark, das Leben in allen Situationen anzunehmen.

Glückwunsch, so von

Debütantin zu Debütant! Schade, dass man sich nicht kennen gelernt hat...

zausel

>

Auch von mir herzlichen

Auch von mir herzlichen Glückwunsch zu dem gelugenen Lauf... ein schöner Bericht :-)

Glückwunsch zum Debüt

und ein wirklich schöner Bericht. Erhalte dir dieses große Gefühl für die langen Strecken durch die "dröge" Heide..

Nachbarschaftliche Grüße vom Lurch

Regenfetischisten = die "normalste" Laufgruppe im Universum
wird nur noch von NEONGELB getoppt

Hasenkostüm

Ach du warst der in dem Hasenkostüm. Hab da so einen gesehen kurz nachm Start, glaub ich. Soviele werden da ja nicht rumgelaufen sein. Kleine Welt.
Dir auch herzlichen Glückwunsch.

nein, ich war NEONGELB

angehaucht
um zu "hasieren" sozusagen "Zug- und Bremsläufer"

Regenfetischisten = die "normalste" Laufgruppe im Universum
wird nur von NEONGELB getoppt!

upps

Hatte das wor "Hase" etwas wötlich genommen und nicht dran gedacht, dass man das auch als synonym für Schrittmacher verwendet...

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