Nach 10 Wochen intensiver Vorbereitung ist es soweit, heute entscheidet sich ob der Aufwand der letzten Wochen das gewünschte Ergebnis bringt. Im dritten Anlauf
soll meine persönliche Bestzeit von 2:56:04 h aus meinem "Debüt-Marathon" in Düsseldorf 2010 deutlich unterboten werden, ein bereits im Vorjahr gestarter Versuch, ebenfalls in Düsseldorf, war aufgrund der Wetterbedingungen gescheitert.

Nachdem im letzten Jahr der Düsseldorf-Marathon aufgrund hoher Temperaturen (bis 26 ° C und starker Wind) "nur" zu 3:05:18 h gereicht hatte, habe ich mich dieses Jahr für eine "neue" Strecke entschieden. Der Tag startet morgens um 6:15 Uhr, nach einer schnellen Tasse Kaffe mache ich mich mit der bereits gepackten Tasche auf dem Weg zu Rita und Georg. Georg hat sich für heute als Fahrer zur Verfügung gestellt,ich kann mich daher voll auf meinen Wettkampf konzentrieren. Wir holen zunächst noch Christiane ab und dann geht`s auch schon ich Richtung Bonn. Um Punkt 7:30 Uhr gibt es Frühstück, 2 x Marmeladenbrötchen und dazu Wasser. Christiane frühstückt neben mir, es ist heute Ihr erster Marathon, Ihr Ziel ist es einfach unter 4 Stunden ins Ziel zu kommen. Um ca. 8:15 Uhr erreichen wir den Zubringer-Parkplatz, von hier geht`s weiter mit dem Shuttle-Bus. Über den Bus-Transfer hatte ich mir als Beifahrer im Vorfeld gar keine Gedanken gemacht, jetzt kommen mir Zweifel, ob meine großzügig gepackte Lauftasche in den Wettkampfbeutel der deutschen Post passt, ich packe daher meine Laufsachen in eine Plastiktüte und sortiere einige Sachen aus. Das ich dabei meinen Lauf-Buff vergesse, wird sich später als 1. Panne an diesem Tag herausstellen. Nach ca. 15 - 20 Minuten Bustransfer und anschließendem Fussmarsch erhalten wir die Startunterlagen im Messezelt.

Im Messezelt wird`s hektisch, Startnummer anlegen, Funktions-Shirt abholen, "Zeit-Chip" abholen, Plastiktüte umpacken usw. Unsere Sachen packen wir dazu auf einen Tisch, ausgerechnet dieser wird während wir uns vorbereiten von fleißigen Helfern versetzt, meine Schuhe fallen dabei zu Boden, die im Schuh deponierten Sachen (Geld, Sicherheitsnadeln, Essensmarken, Traubenzucker, Autoschlüssel usw.) verteilen sich dabei schön auf dem Boden. Hektik pur....... Endlich sind wir alle fertig und wollen uns auf dem Weg zum Start machen, kaum haben wir das Zelt verlassen, da vermisse ich mein Wettkampfgetränk und sprinte zurück ins Messezelt. Auf Nachfrage sagt mir eine nette Helferin, die Flasche mit weißem Inhalt wäre entsorgt worden, Sie hätte mehrmals nachgefragt und niemand hätte sich gemeldet! Also mache ich mich auf dem Weg zum Müllcontainer, vorbei an einem Ordner, der mir miteilt "Hier gibt es keine Toiletten!" Ich antworte genervt "Das weiß ich" und lasse den Ordner stehen, der folgt mir, da ich mich anscheinend in eine "für Läufer verbotenen Zone" begebe. Hier finde ich den Müll,
gut verstaut in einem ca. 10 m3 großen Container, randvoll mit Flaschen, Papier und anderem Müll gefüllt. Der zwischenzeitlich "informierte" Ordner ist mir bei der Suche behilflich, nach etwa 5 Minuten will ich gerade aufgeben, da finde ich unter Papier versteckt mein Wettkampf-Getränk. Gott sei Dank!!!! Diese 2. Panne findet ein gutes Ende, schnell zurück zu meinen Manschaftskameraden.

Kurz vor dem Start gesellt sich noch Wolfgang zu uns, der ist gestern mit dem Fahrrad angereist und hat in der Jugendherberge genächtigt. Respekt, auf so eine Idee würde ich nie kommen :-), allerdings trainiert Wolfgang für einen Triathlon und betrachtet den Marathon als Trainingsvorebeitung. Vor dem Start trennen sich unsere Wege, es geht zu den zugewiesenen Startblöcken. Irgendwie verpasse ich es rechtzeitig Christiane viel Erfolg zu wünschen, ich laufe kurz zurück und wünsche Christiane auf Zuruf von Weitem "viel Erfolg", dies wird von einigen Läufern missverstanden und mit lautem Gelächter quittiert. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass Christiane sich in diesem Moment auf ein "Dixi-Klo" begab, die "johlenden Läufer" bildeten die Schlange hinter Ihr. Jetzt hatte Christiane Ihre eigenen "Fans" und wurde später im Marathon von diesen mehrfach mit dem Zuruf "Christiane, viel Erfolg" ermutigt :-).

Jetzt aber zum Wettkampf!

Im 1. Block treffe ich dann auch Eva, wie immer macht Sie einen nervösen Eindruck, bei Ihren bisherigen Leistungen könnte Sie eigentlich viel lockerer sein! Auch Eva hat sich viel vorgenommen, Angriff der persönlichen Bestzeit mit einem Ergebnis unter 3:10 h. Ihr Freund Sascha wird Sie Unterwegs vom Rad aus anfeuern, auch den Rest von unserer Truppe. Anstelle des vergessenen Buffs trage ich meine warme "Wintermütze".

Dann der Start, die schnellen, afrikanischen Jungs preschen vor, der Rest läuft hinterher. Jetzt nicht zu schnell angehen, der anvisierte konstante Schnitt von 3:57 min/km unterbiete ich auf km 1 trotz mehrfacher Ermahnung an mich selber, nur nicht zu schnell angehen. Die ersten Kilometer laufen gut, jetzt gilt es eine passende Gruppe zu finden. Bei ca. km 8 werde ich fündig, ca. 5 Läufer laufen hier im 4:00-er Schnitt, leider für mich ein wenig zu langsam. Trotzdem tausche ich mich mit den Jungs aus und bekomme von Moritz eine klare Ansage: Anfangs 4:00-er Schnitt, dann ab km 15 Tempo forcieren auf 3:55/km und am Ende gucken was geht! Moritz macht einen selbstbewussten Eindruck, er kennt die Strecke, sein Ziel liegt bei unter 2:50 h. Spontan bleib ich bei dieser Gruppe und passe meine Rennstrategie an, den Vorteil einer Gruppe mit einem "Streckenkenner" will ich mir nicht entgehen lassen.

Von nun an laufe ich mit Moritz gemeinsam, die restlichen Läufer der Gruppe
verlieren wir schnell auf den kommenden langen Gegenwindpassagen. Moritz stoppt den Kilometerschnitt und sagt mir die Zeiten an, leider hat meine Forerunner 310 xt eine ungenaue Kilometer-Messung und beendet die Kilometermessung deutlich zu früh. Dank Moritz kein Problem, ich revanchiere mich einer Runde "Gel-Chips"
bei ca. km 29. als ich kurzzeitig den Eindruck habe, mein Team-Kollege hat Probleme. Moritz hat Bedenken bezgl. meiner Gel-Chips aufgrund fehlender Erfahrungswerte, schließlich kann ich Ihn überzeugen, dass die Dinger wirklich gut verträglich sind. Moritz hält das Tempo, entweder wirkt der Chip oder mein Eindruck hat mich getäuscht.

Bis ca. km 37 hält unser Zwei-Mann-Team, die von uns zwischenzeitlich überholte führende Frau hat sich wieder an uns rangelaufen und überholt. Unser Schnitt ist zwischenzeitlich auf ca. 4:00 - 4:05 abgefallen und Moritz fordert mich auf, das Tempo der führenden Frau mitzugehen, wenn ich kann. Ich überlege kurz und gehe mit, da geht noch was und meine persönlichen Ziele sind noch nicht erreicht (Die Daten meiner Uhr, hier habe ich schon ca. 400 m mehr gelaufen, geben mir keine realistischen Werte vor, ich muss das Tempo halten um sicher zu sein, dass es am Ende reicht, auch wenn ich wirklich mit meiner Entscheidung gezögert habe und lieber mit Moritz zusammen über die Ziellinie gelaufen wäre!. Das Tempo der Frau kann ich dann aber doch nicht mitgehen, doch den 4:00 er Schnitt unterbiete ich auf den letzten Kilometern.

Der letzte Kilometer :-(

Die führende Frau ist weg und ich laufe "alleine". Auf dem letzten Kilometer gibt es eine Art "Vorzielbereich" mit viel Musik und Moderation, aber wann kommt endlich das Ziel. Ich nähere mich der Streckengablung, die ich auf der Hinrunde bereits durchlaufen bin um auf die 2. Runde zu gehen, die andere Möglichkeit wäre das Abbiegen auf die ausgewiesenen Halbmarathonstrecke. Das entsprechende Schild weist aus "links 2. Runde Marathon" und rechts Halbmaraton! Und wo muss ich lang??? Im Renntempo und mit leichtem Sauerstoff-Defizit im Hirn rufe ich einem Ordner zu, der zu diesem Zeitpunkt mit dem Rücken zu Renngeschehen steht, dieser fragt mich ob ich auf die 2. te Runde muss und ich erwidere, dass ich bereits die zweite Runde gelaufen bin. Die junge Dame versteht mich anscheinend falsch und schickt mich auf eine dritte Runde!!!! (Klar, ich komme hier mit 15 km/h und 67kg Kampfgewicht bei 1,83 Körpergröß an und Sie denkt, der hat noch etwa 21 km vor sich) Leider stehen an der 3. Runde auch noch Zuschauer und meine panischen Rufe mit der Frage "Wo ist das Ziel" werden beantwortet, in dem man mich weiter in die falsche Richtung schickt.

Kurz darauf bleibe ich stehen und weiß nicht wohin, da hat endlich ein Passant Ahnung vom Zielstandort und verweist mich auf die Parallelstr., ich will mich schon auf dem Rückweg machen, da verweist dieser "rettende Engel" auf eine Stichstr., welche geradewegs auf die Zielgerade führt. Mit vollem Adrenalin laufe ich los und biege auf die Zielgerade ein, hier war zum Glück ein Lücke im Absperrgitter, ein weiterer Ordner macht an dieser Stelle Platz für mich, als ich ihn anschnautze "Ich bin falsch eingewiesen worden". Dann überquere ich die Zielinie!!

Die Zielzeit habe ich nicht gesehen, meine Uhr habe ich vergessen zu stoppen.
Ich bin am Ende und könnte "losheulen". Moritz kommt mir mit einem Blick entgegen, der sagt "Wo kommst Du denn her!?") Ich erkläre ihm mein Missgeschick und er leistet psychische "Team-Arbeit". Ich könne Ihn als Zeugen benennen falls ich nicht gewertet werde, ich bin mir zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, ob ich trotz Umweg alle Zeiterfassungsmatten überquert habe!! Bin ich gewertet?????

Nach ca. 2 h die Erlösung, die Zielzeiten hängen im Messezelt, hier wird für mich eine 2:48:54 h ausgewiesen, ich bin erleichtert. Persönliche Bestzeit und knapp den anvisierten 2. Platz in der vereinsinternen ewigen Bestenliste. Moritz hat eine 2:48:17 h, auch sein Ziel ist in Erfüllung gegangen!

Meine Mannschaftskameraden sind ebenfalls sehr zufrieden, für Eva wird es persönliche Bestzeit (3:05:03 h) und Platz. 1 in der ewigen Bestenliste unseres Vereins DJK Jung Siegfried Herzogenrath. Ebenfalls Platz 1 in der internen Mannschaftswertung zusammen mit Rita (3:21:27 h)und Christiane (3:48:41 h). Georg beendet seinen Trainingslauf zusammen mit seiner Frau Rita und Wolfgang schafft respektable 3:28:47 h, an dieser Stelle nochmals der Hinweis auf die Anreise mit dem Fahrrad!

Nachtrag: Den Streckenposten habe ich nach dem Wettkampf angesprochen, die Dame wäre nur für die Zuschauer zuständig, die die Strecke queren wollen, ein "Einweiser" wäre laut Organisationsleitung an dieser Stelle nicht vorgesehen.
Im übrigen arbeite Sie ehrenamtlich und schließlich müsste man sich bei einer Autofahrt auch im Vorfeld über die Streckenführung informieren! Das lasse ich hier unkommentiert!)

Ende gut alles gut, Danke schön an meine Teamkameraden, an mein Wettkampf-Team Moritz, an den "Streckenengel"-Zuschauer und an meine marathongestresste Familie.

Beim nächsten Wettkampf weiss ich vorher wo das Ziel ist ;-)

Karomut

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Respekt...

... zollt Oliver aus Aachen


"Wenn Du eines Tages vor den großen Schiedsrichter trittst, so wird er Dich nicht fragen, ob Du gewonnen hast, sondern wie Du gespielt hast."

Hey... Du auch hier??? :)

Hey... Du bist ja auch hier vetreten. Ich habe auch schon hier berichtet.

Nochmal Glückwunsch deinem Lauf und ich war auch echt froh über unsere gute Teamarbeit.

Gruß,

Moritz

Hallo Moritz, schön dich

Hallo Moritz,

schön dich hier "anzutreffen".

Deinen Bericht habe ich gelesen, währenddessen hatte ich
"Wettkampffeeling ;-). Hat wirklich Spaß gemacht mit Dir zu Laufen!

Vielleicht machen wir ja nochmal einen gemeinsamen Wettkampf? Meine Frau
hat mir zwar vorerst "Wettkampf-Verbot" erteilt, aber nächstes Jahr werde ich nochmal einen raushauen.

Entweder im Herbst einen schnellen Marathon oder einen Ultra-Marathon,
da hast Du ja bereits eine "Marke" gesetzt, Respekt!!!!!

Gruß

Michael

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