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... Keine Frage, das war scheixe gestern. Aber wer ist auch schon so doof und läuft mit einer noch nicht abgeklungenen Bänderdehnung? Also ich kenn' da einen, und der kommt aus Bochum.

Wie schon berichtet, hatte ich mir vergangenen Sonntag mit einer 1-A-Bewegungslegastheniker-Aktion in meiner Küche eine Bänderdehnung im Fuß zugezogen. Das war so bescheuert, dass ich sogar selbst darüber lachen musste. Mein Doc legte mir einen festen Tapeverband an, den ich bis Samstag tragen sollte. Damit würde die Teilnahme am Hermannslauf also eine Last-Minute-Entscheidung werden.

Wie geplant fuhr ich schon am Freitag zu meinem Bruder nach Löhne, holte am Samstag meine Startunterlagen in Bielefeld ab und sollte bei der Gelegenheit meine voraussichtliche TAR-Partnerin kennenlernen. Soweit so gut. Am Samstag zeigt das Thermometer allerdings stolze 28° Celsius, und ich war komplett durchgegart als ich am frühen Abend meinen Testlauf starten wollte.

Der Verband am Fuß hatte bleibende Wirkung hinterlassen und eine fiese Scheuerstelle seitlich der Ferse produziert. Kein ernsthaftes Problem, wenn denn die Hauptwirkung erzielt wurde, eine Milderung der Überdehnung. Ich laufe also los, und es zieht ein bisschen. Nach einem Kilometer spüre ich aber kaum noch etwas, nach zweien mache ich dann vorsichtshalber Feierabend. Tut kaum weh, also kann ich auch starten.

Da ich meine Läufe gerne unter ein Motto stelle, hieß das Zauberwort dieses Mal: Krisenmanagement. Dahinter steckte der Gedanke, dass es mir beim TAR auch passieren kann, dass ich mit einer Bänderdehnung in die nächste Etappe muss. Wenn ich weiß, wie ich ein derartiges Problem bewältigt bekomme, kann ich im Ernstfall auf entsprechende Erfahrung zurückgreifen. Ein guter Plan. Dachte ich.

Der Renntag. Ich erreiche Bielefeld und treffe meine Vereinskollegen. Mathias war leider nur in Zivil. Sein Plan, die 2:05 von seiner Premiere aus dem Vorjahr zu unterbieten, fiel einer fies ausstrahlenden Rückenverletzung zum Opfer. Der Arme! Aber klasse, dass er den weiten Weg aus Bochum trotzdem gemacht hat, um Friederike, Detlef und mich zu unterstützen.

Wir nehmen den definitiv allerletzten Bus, der zum Denkmal hochfährt und kommen um 10:45 Uhr oben an. Kleidersack abgegeben und ab in den Startblock B. Von den vielen Jogmappern habe ich bis dahin noch niemanden getroffen.

Der Startschuss. Es rollt. Abwärts. Vier Kilometer. Schon beim zweiten Kilometer höre ich eine vertraute Stimme von hinten. "Hey klada, was macht der Fuß?" Super, Marathan-Jan überholt mich in einem Affenzahn. Beim Harzen waren wir am Samstag gemeinsam den Brocken und den Poppenberg hochgelaufen, während die anderen kyfften. Eine großartige Tour. Ursprünglich wollte Jan eine 2:45 laufen, aber sein Höllentempo downhill verrät mir, dass er längst anders geplant hatte. Ja, was machte eigentlich mein Fuß? Bis jetzt verhielt er sich ruhig, dabei war ich auf den ersten vier km bergab nicht wirklich langsam unterwegs gewesen. 4:44 / 4:30 / 4:33 / 4:58. Puls 126. Alles gut.

Der erste Anstieg. Den ursprünglichen Plan, unter 2:40 zu laufen, hatte ich schon vor dem Start ob der Fußbeschwerden gecancelt. Dafür hatte ich mir aber vorgenommen, alle Steigungen zu laufen. Die erste Steigung komme ich gut hoch. Die Uhr zeigt exakt 24 Minuten nach 5 Kilometern. Klada, du bist zu schnell, sage ich mir. Puls war zwar okay, pendelte um 130, also im oberen GA1-Bereich, aber der Fuß? Was würde der Fuß sagen, wenn ich weiter so drauf bliebe? Ich muss an ein Zitat des alten Abwehrhaudegens Andy Brehme denken: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß."

Ich nehme etwas raus. Kilometer 10 geht bei rund 52 Minuten vorbei. Der Puls bleibt brav bei 130-132. Die Berge machen noch Spaß, ich laufe schön rhythmisch hoch. Die langen Brocken- und Poppenberganstiege vom Harzen zeigen positive Wirkung. Leider wird es bergab jetzt schmerzhaft, der Fuß mault. Was nun?

Ich entscheide mich, runter nur noch locker zu joggen und dafür an den Anstiegen ein bisschen mehr Tempo zu machen. Im Grunde eine Scheißtaktik, wenn man eine gute Zeit laufen will, aber wie lautet mein Motto für den Lauftag? Genau, Krisenmanagement. Kilometer 15 bei etwa 1:20 Stunden. Puls 132.

Und so laufe ich pulsmäßig weiter meistens im Wohlfühlbereich, während mir der Fuß immer deutlicher zu verstehen gibt, dass ihm mein Laufmotto des Tages absolut missfällt. Ab Kilometer 20 macht das Laufen dann überhaupt keinen Spaß mehr. Also gehe ich erst mal in Ruhe pinkeln, gönne mir geruhsame Getränkeaufnahmen an den Verpflegungsstellen und hangele mich so durch.

Nachdem ich bei meinen ersten beiden Hermannteilnahmen unterwegs nur Läufer traf, die zum Lachen scheinbar in den Keller gehen, sind jetzt deutlich mehr unterhaltsame Gestalten unterwegs. "Mist, ich werde immer langsamer. Meine Frau fährt bestimmt gleich nach Hause, und meckert dann, weil ich so spät komme." - "Hauptsache, Sie meckert nicht, wenn du zu früh kommst", ulkt sein Kumpel zurück. Uuuaahhh, unterste Schublade. Aber egal, ich bin abgelenkt. Und beginne, mich auf meine nächste Aufgabe zu konzentrieren.

Die Lämershagener Treppen hochlaufen. Direkt vorher kommt die Verpflegung. Also Wasser in den Schlund und über den Kopp, und dann zu den Stufen hoch. Alle gehen. Und dann kommen auch noch Wanderer da runter. Na toll. Trotzdem bekomme ich es irgendwie hin, weitgehend irgendwie laufend hochzukommen.

Es warten die letzten 5 Kilometer. Ich muntere einen von Oberschenkelkrämpfen geplagten Läufer auf und jogge weiter. Anders kann man das nennen. Während die anderen Läufer das lange Flachstück und die sanften Abwärtspassagen nutzen, um noch mal Zeit gutzumachen, hadere ich mit den inzwischen grenzwertigen Schmerzen. Lass es einfach zu Ende sein, denke ich. Und so kam ich eher missgelaunt ins Ziel.

Aber dann stehen da plötzlich Jan, Carla und Thor und begrüßen mich freudestrahlend. Super, endlich lerne ich auch mal Carla livehaftig kennen, wow! Für einige Minuten denke ich nicht mehr an die Schmerzen und genieße die Gesellschaft der drei. Aber schon bald heißt es leider wieder Abschied nehmen, denn ich muss meinen Zug bekommen. Ich treffe noch meine Vereinskollegen, freue mich, dass Detlev eine blitzsaubere Hermannpremiere abgeliefert hat und höre, dass Jan Fitschen leider bei km 24 in Düsseldorf raus musste. Und als ich dann auch noch meinem Kumpel Markus begegne, der erst am letzten WE von einem 245-km-Lauf in Japan zurückkam, und hier gleich mal eine 2:18 hinlegt, bin ich schon wieder so von meinem unerfreulichen Lauferlebnis abgelenkt, dass ich den Fußweg zum Bahnhof klaglos auf mich nehme.

Fazit: Ich gelernt, dass man auch mit Bänderdehnung laufen kann. Aber schön ist das nicht. Die 2:50:28 auf meiner Uhr waren unter diesen Vorzeichen und einem Durchschnittspuls von 132 (im Grenzbereich zwischen GA1 und GA 2) okay, aber am Ende nur von dokumentarischer Bedeutung. Ich muss allerdings zugeben, dass es nicht so einfach ist, sich von seinem ursprünglichen Ziel (der Hermann als einziger Tempolauf im Jahr 2012) zu verabschieden und ein neues zu verinnerlichen.

Wie gut, dass es zum TAR noch vier Monate hin sind. Bis dahin laufe ich hoffentlich wieder rund.

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Du kannst das aber gut verstecken....

nach dem Motto, ein Ruhrie kennt keinen Schmerz!;o)
Hey, war mir auch eine Ehre, Dich endlich mal in Natura zu sehen und soooo unzufrieden hast Du gar nicht ausgesehen!;o)
Auch solche Läufe sind was wert, zumindest die Erfahrung und Schlüsse, die man draus ziehen kann.
Pass auf Deinen Fuß auf und Tempo kannste auch später noch mal einschieben, macht gar nix!;o)

Gute Besserung und viel Erfolg auf dem Weg zum TAR!

Lieben Gruß Carla

Carla, das war ...

... wirklich nur die pure Freude, euch zu begegnen. Und okay, vielleicht auch ein klitzekleines bisschen die Erleichterung darüber, dass es endlich vorbei war ;-). Ich hoffe, wir sehen uns schon bald wieder und haben dann mal ein bisschen mehr Zeit zu plaudern.

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Du musst nicht immer so drängeln

beim Zipperleinverteilen. Stell Dich einfach mal ganz hinten an:-)
Mönsch, dafür lief das Ganze doch wirklich gut!!! Deine Zeit kann sich sehen lassen und mit Fuß noch viel mehr!!! Ich wusste, Du läufst;-) Noch 4 Monate bis zum TAR? Und Du willst, dass bis dahin alles gut ist? Also meine Oma pflegte immer zu sagen: "Kind, bis Du heiratest ist alles wieder heil" ...*kicher!*
Den Hermann mit GA1 bis Anfang GA2 in dem Tempo zu laufen, ist einfach klasse!!!

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

Ein klada kennt keinen Schmerz!

So hätte die Überschrift auch lauten können. Mannomann, Du bist mir ja einer :mitdemfingerwackel:. Tape einfach ab und dann los. Ja klar - nach einer ausgewachsenen Bänderdehnung noch weit unter 3 h beim Hermann. Auch klar. So etwas macht nur ein klada, der nie und nimmer die BMI-Wertung gewinnen wird!

Glückwunsch zum Durchbeíßen und Durchhalten. Und mehr Glück beim TAR und anderen Aktivitäten.

Der Klada ...

...ist und bleibt ein Kämpfer!!

Großartige Laufleistung!! Und vor allem mal wieder toll geschrieben!

glückwunsch zum Finish und um den TAR mach ich mir keine Sorgen! Ok, ich lauf da ja auch nicht, aber auch Du solltest ruhig bleiben!

Alles wird gut und Scheiße fällt ab, wennsse trocken ist :-)!!

ZüperOli

"Der Wein wirkt stärkend auf den Geisteszustand, den er vorfindet: Er macht die Dummen dümmer, die Klugen klüger!"

Und eine entscheidende Schlußfolgerung fehlt...

... Den Brustgurt kannst du bei Bergläufen getrost daheim lassen.
Bergauf ist es besser nach Gefühl zu laufen, um nicht zu viel Kraft zu verknallen - Das ist noch weit unterhalb des überpacen - und runterwärts kannst du selbst mit gesundem Fuß nicht schnell genug laufen, um den Puls außerhalb des Ruhebereichs zu bringen. Und je weiter der Ultra wird, desto weniger bist du in der Lage über einen ldl-Puls hinaus zu laufen - selbst im Flachen. ;-)
Ich wünsche dir, dass du in den nächsten zwei Wochen Ruhe wieder auf den Damm kommst und so ein dämliches Motto nicht das "Rennsteigmotto" wird. Jetzt ist Tapern und bei dem Fuß kann man die gezielten Belastungen ruhig gegen Regeneration vollständig (!) ersetzten. Angenehmes Hardcorechillen und keine weiteren aus dem Chillen hervorgehende Kollateralverletzungen wünscht dir
der Schalk!
;-)
PS: Und deine TAR-Begleitung? Da hast du nix gar nichts noch weniger von erzählt. So geht das nicht!

wer schon so doof ist?

Ich kenne da schon zwei, nur dass bei mir schon bei km 13 flach finito war...

Hast dich tapfer durchgebissen, hoffe, der Knöchel ist bald wieder ok!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Missgelaunt???

Kannst du das überhaupt? Anscheinend wohl doch, denn anders lässt sich dein missgelauntes Laufmotto allerdings nicht deuten! ;-))

Mit Fuß eine solche Zeit herauszuhauen, zeugt davon, dass du ganz schon was drauf hast und Entschleunigung eher nicht dein Ding zu sein scheint! Eine < 3 beim Hermann zu erreichen, dürfte m.E. selbst in unverletztem Zustand nur schwer zu erreichen sein!

:-)

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