Benutzerbild von Tigerkätzle67

Das es heiß werden sollte wussten wir alle, denn es wurde ja früh genug angekündigt. Aber das der Halbmarathon in Ingolstadt eine solche Herausforderung für jeden von uns werden wird, damit hätte man sicher nicht gerechnet.
Morgens ging ich noch unbesorgt meine restlichen Einkäufe machen und da hatten wir um 10 Uhr schon 25°c in unserer Stadt Memmingen. Da dachte ich mir schon, wenn es noch heißer wird, dann werden wir alle heute noch zu kämpfen haben. Als ich dann alles erledigt hatte, packte ich meinen Rucksack mit Duschzeug und Wechselkleidung und eine große Flasche Wasser und ging zum Bahnhof. Mit dem Zug ging es dann nach Ingolstadt. Dort angekommen, fragte ich erst einmal nach dem Weg zur Saturn Arena, nicht das man gleich am Anfang sich verläuft. In der Arena angekommen holte ich mir meine Startunterlagen und schaute mich um. Tolle Organisation, alle schön beschildert – Duschen und Umkleide, Pastaparty, Sportlermesse mit tollen Angeboten, Kleiderbeutelabgabe, Verpflegungsdorf im Zielbereich, Massagen, Erste-Hilfe-Station usw. So machte ich gleich mal ein paar Bilder über die ganze Situation und war von vornherein begeistert. Zwar merkte man schon die Sonne am Horizont brennen und ich nahm mir gleich am Anfang vor nicht zu schnell zu starten. Endlich, 2 Stunden Wartezeit waren vergangen und ich gab meinen Rucksack ab und ging zur Startzone. Dort traf ich einen Läufer, der im letzten Jahr auch in Kempten den HM lief und ich unterhielt mich mit ihm. Es war recht entspannt, denn auch andere Läufer erkannten mich an meine Bildberichten in FB und sprachen mich gleich darauf an. Dann – nach 5 Minuten Startzeitüberziehung – sollte es losgehen und der Startschuss fiel. Es ging am Anfang noch glücklicherweise schön langsam voran, denn der Engpass durch die Innenstadt lies doch nicht so viele Läufer auf einmal zu. So konnte man erst einmal seinen Schritt finden und es war gut so. Die Kids-Staffel-Läufer rannten, als ob es um ihr Leben ginge und schon nach 2 km mussten sie einsehen das es zu heiß war für dieses Tempo und gingen auf einmal nur noch. Aber nicht nur die Kids, sondern auch einige von den HM-Läufern gingen nach den ersten 2 km. Ich dachte mir noch „na prima, was für eine Motivation“. Ich achtete drauf, das ich mich nicht davon anstecken lies, obwohl auch mir gleich mal die Hitze etwas zusetzte. Hinzu kam noch die schlechte körperliche Verfassung durch meinen grippalen Infekt, den ich gerade mal eine Woche beschwerdefrei überstanden hatte und den dadurch 3 Wochen ausfallendem Training. Aber mir ging es nur um dabei zu sein und ins Ziel zu kommen. Klar, man will nicht ganz so schlecht da stehen und peilt zumindest eine Zeit von noch unter 2 Stunden an, aber bis dahin wusste ich nicht wie es mir zum ersten Mal in meiner ganzen Laufkarriere geschehen wird. Nach den ersten erreichten 3 km schaute ich auf die Uhr und sah das ich sicher schon mal zu schnell angegangen war – 16 Minuten. Ich musste mein Tempo drosseln, wenn es mir nicht so ergehen soll wie vielen anderen die nach und nach dann kamen. Denn schon nach 5 km gingen immer mehr Läufer und einige hat es doch tatsächlich geschmissen. Sanitäter und Ersthelfer waren sofort zur Stelle und kümmerten sich um den Kollabierten. Wir kamen auf eine Strecke die eine Wende bei 5,5 km hat und ich sah schon die anderen Läufer weit vor mir auf der parallel Strecke zurück kommen. Es war ein toller Anblick und ich überlegte mir wie viele wohl noch hinter mir sind. Aber bis zu der besagten Wende war es beinahe ein Höllentrip, denn die Sonne wollte einfach nicht kühler werden. Kein Hauch an Wind ging und wenn es mal eine ganz kleine Böe gegeben hat, dann war diese viel zu warm. Endlich erreichten wir die Wende und ich sah die Läufer hinter mir auf der ersten Geraden vor der Wende laufen. Doch so viele dachte ich mir. Die Hitze wurde langsam auch für mich zur Qual und ich versuchte meinen Schritt so anzupassen, das es noch angenehm erschien. Einige Läufer überholte ich immer mehr und mehr, denn sie waren fertig, ihnen machte die Hitze so sehr zu schaffen wie jedem von uns. Da ist es nur vernünftig wenn man merkt es geht nicht mehr, da ein paar Meter zu gehen. Nach weitere 4 km lagen weitere Läufer erschöpft auf der Seite und ich dachte mir nur noch „oh je“. Es war für mich gleich mal eine Warnung, um dann auch mein Tempo den gegebenen Umständen anzupassen. Pfeif auf die angepeilte Zeit, ins Ziel zu kommen ist nun nur noch wichtig. Dann werden es eben 2,5 Std. dachte ich mir. Endlich die Schleife durch die Innenstadt geschafft und wir erreichen KM 11. Ich sah die große Uhr mit der Zeitaufschrift 59 Minuten und ich war stolz diese Zeit schon mal erreicht zu haben. Nur noch 10 km – das müsste doch zu schaffen sein. Ich lief weiter und errechnete mir eine Zeit von 1:59:..aus, das müsste klappen wenn ich mein Tempo so beibehalten kann und das momentane gute Wohlfühl-Aroma-Gefühl noch habe. Bei KM 12 kamen wieder einige Läufer die zusammengebrochen waren, ich zählte 8, 9, 10….. nun wurde es zuviel. Ich wollte nicht mehr weiter zählen, es war frustrierend. Ich war total überhitzt, ich kochte und kam mir vor als ob ich durch eine Feuerwand laufen würde. Eine Verpflegungsstation und die Helfer reichten uns bei KM 13 Bananen, die ich aber ablehnte. Ich hatte keinen Hunger sondern nur noch durst. Ich nahm einen Becher Wasser, denn an den vorherigen Wasserstellen nahm ich ISO. Das bekam mir irgendwie nicht wirklich so gut und von da an entschied ich mich nur noch für Wasser. Für die nötige Mineralstoffe sorgte mein Powergel Chip und ich hoffte das mir das Zeug wie sonst immer wieder die nötige Kraft gab. Auch lies ich mich von einem Wasserstrahl abkühlen, was keine so gute Idee im nachhinein war. Ich bekam eine Art Kälteschock und der Atem wollte plötzlich anhalten. Ich bekam keine Luft und rang nach jedem Atemzug. Endlich beruhigte sich das und ich trank noch einen Becher Wasser, doch auch da war durch den Schock noch alles verkrampft. Mir fiel jeder Schluck schwer. Ich ging die nächsten Meter, damit sich das beruhigte und lief dann erst wieder los als es wieder ok war. Das war für mich eine weitere Warnung, sich nicht so abrupt abkühlen zu lassen, aber man lernt mit jedem Lauf eben doch noch was dazu. Ich kämpfte mich Kilometer für Kilometer nach vorne, zählte rückwärts – nur noch 7 km, 6 km…. Es wurde mit jedem Kilometer zur Qual. Ab und zu verließen mich die Kräfte, der besagte Leistungseinbruch durch das mangelnde Aufbautraining kam wie ich schon vorher gedacht habe. Ich motivierte mich immer wieder an anderen Läufern und hing mich an sie ran, doch mein gewohnter Laufschritt war einfach zu schnell und den etwas langsameren Schritt konnte ich irgendwie nicht finden. So war es immer wieder ein gegenseitiges überholen – mal ich den einen und anderen Läufer, dann ging ich wieder und diese Läufer kamen an mir wieder vorbei. Ich erinnerte mich an den Panorama Allgäu Bergmarathon im letzten Jahr. Da waren es 36°c auf dem Berg bei 22 km. Da war ich auch total dehydriert, keine Wasserstellen und Planet Sonne zog auch alle auf was sie finden konnte. Endlich – das Schild mit KM 20 und ich sagte mir, da gehst du nicht, laufe! Und ich lief und lief, stellte mir nur noch die 1,1 km vor, gleich um die Ecke, halte durch, überhole eine Läuferin bei ca. 20,5 km, ich konnte nicht mehr und beschloss eben einfach ins Ziel zu gehen. Doch dann, ich ging so Schritt für Schritt, lies mich gerne überholen, da klopfte mir die Läuferin die ich zuerst sauber überholte auf meine Schulter und sagte: „komm´ du bist gut, lauf weiter, hast es doch gleich geschafft, lauf…“ und ich lief ihr hinterher. Es ging noch einmal um die Ecke und ich kannte diesen Weg. Eine Kerzengerade Zielgerade, ich laufe und laufe, überhole noch einmal die rettende Läuferin, die mir Mut machte, renne um mein Leben, sehe die Fotografen, ok – ich nahm die Arme in die Höhe und erreiche die Ziellinie. Geschafft, wollte mich am liebsten fallen lassen, hatte einen komplett ausgetrockneten Mund. Der Veranstalter mit dem Mikrofon sehe ich, ich gehe an ihm vorbei, Lächle noch gezwungen und dann der Spruch von ihm … „ V…, du hast es geschafft und siehst noch so entspannt aus“. Ich konnte ein ironisches Lächeln nicht verkneifen und schüttelte nur noch mit dem Kopf. Ich ging gleich an die Verpflegungsstelle, nahm mir Äpfel die ich mir nur noch so in den Mund steckte und die Wassermelonen hinter her. Dann stellte ich mich mit letzter Kraft an Erdinger Alkoholfrei an und nahm mir dann gleich mal zwei Becher zum trinken. Für mich und für viele anderen der Läufer war es der Höllentrip durch Ingolstadt. Mit einer Zieleinlaufzeit Netto 2:05:48 konnte ich mich doch noch zufrieden geben.

3
Gesamtwertung: 3 (2 Wertungen)

Ohja, die erste Wende und

Ohja, die erste Wende und die Sonne die einem in's Gesicht brannte und gleichzeitig vom Asphalt reflektiert wurde ... das war für mich das schlimmste an der Strecke! Wobei die Strecke an sich sehr gut gewählt war!

Höllentrip - *g*

time waits for no one ...

Boah,

das liest sich sehr, sehr heftig!!

Riesen Glückwunsch, dass du das durchgehalten hast!!

Liebe Grüße,
Koru

Boah,

da komme ich ja beim Lesen Deines Blogs ins Schwitzen! Manmanman welch Temperaturen. O.k., bin auch schon mehrmals bei subtropischen Temperaturen gelaufen. ABER, das fing das heiße Wetter schon Wochen früher an und man konnte sich wenigstens ein bissl daran gewöhnen. Aber von 5 auf 25° um 10 Uhr früh?, da wirst ja irre! Herzlichen Glückwunsch zum Durchhalten und zur wirklich guten Finisherzeit!!!

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

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