Benutzerbild von Laufzicke

Hamburg – Marathon Nr. 10 oder Wer nicht hören will muss fühlen ..

Wenn man es genau betrachtet begann es vor langer Zeit mit der Gründung der Gruppe „Hamburg-2009-04-26“, richtig heftig spannend wurde es aber erst vor etwa zwei Wochen, als der Countdown lief. Jeden Tag durften wir miterleben wie die Zeit(bombe) tickte und die Blogs dazu taten ihr Übriges, um die Nervosität zu steigern.

Auch bei uns, den Bornies, wurden alle zunehmend von der Aufregung gepackt, außer tommit vielleicht, der mal gerade am Vortag der Reise beschloss, sich zu erkundigen, wie wir denn nach Hamburg kämen und ob im Auto noch ein Plätzchen frei sei. Auch Lachgas hatte wohl die Ruhe weg, denn (fast) in letzter Minute noch mal eben die Startunterlagen abzuholen und dann bei der Nudelparty zu erscheinen, als die ersten Teilnehmer schon fast satt waren, zeugt von „niedrigem Puls“.

Ja, die Pasta-Party : Genial organisiert, danke allen noch einmal – mit Namensaufklebern, damit sich auch beim zweiten Blick spätestens der Aha-Effekt einstellen konnte. Und wir lernten, dass selbst diejenigen, die ihren Blog oder Kommentar unsigniert lassen noch einen „richtigen“ Namen haben.
Allerdings möchte ich ein wenig kritisch die Wahl des Lokals beurteilen – der Name „Jogmap“ sollte selbst Nichtläufer an einem Marathon-Wochenende vermuten lassen, dass es sich um Teilnehmer dieses Events handeln könnte .. Und ein geschäftstüchtiger Inhaber hätte den Einkauf weiterer Kisten alkoholfreien Weizenbieres angeordnet. So saßen die Liebhaber dieses Getränks nach der ersten Runde auf dem Trockenen. So ein Fauxpas soll aber selbst in Vereinslokalen neben Sportstätten passieren, gell Crema ?? Und zu dem bereits ansatzweise kritisierten, offensichtlich sternfreien Koch lässt sich nur sagen, dass ich von Pasta-Parties meist keine kulinarischen Höhepunkte gewöhnt bin. Oder sollten die Nachwirkungen am nächsten Tag Schuld gewesen sein ? Dazu später … Zum Abschied ein Foto von der BORN-Truppe (genau die Hälfte von uns war anwesend, zählt mal nach), die besten Wünsche für den großen Tag und heim- bzw. hotelwärts ging es mit der S-Bahn.

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass die Ruhe in der vorletzten Nacht vor einem Marathon die wichtigste sei, und damit beruhigte ich mich, als ich mich schlaflos von einer Seite auf die andere wälzte. Mal war es zu kalt, dann war ich wieder schweißgebadet. Was wenn ich den Mund zu voll genommen hatte bei meiner Verabredung mit turbosnail die 3:30 in Angriff zu nehmen ? Vor dem Weckerklingeln bzw. der Handymusik war ich wach und lugte durch die Gardine auf einen rosarot angehauchten Morgenhimmel – der Marathontag war da !

Zum Frühstück hatten sich bereits, unverkennbar in Sportklamotten, einige Mitstreiter versammelt und saßen paarweise oder in Gruppen an den Tischen. Ein Brötchen, etwas Rührei und ein bisschen Obst , Saft und Kaffee – das sollte für 42 Kilometer genug Kraft geben ? Nun gut, mehr ging jedenfalls nicht rein. Wieder oben im Zimmer angelangt zog auch ich mir das bereits am Vortag zurecht gelegte Wettkampfdress an und warme Sachen darüber. Kontrolle des Kleiderbeutels (Ich hatte meine Kamera dabei wie ich später beim Auspacken feststellte !!) und dann wurde es langsam Zeit das Hotel zu Verlassen. Am Hauptbahnhof war es nicht schwer, den Zugang zu U-Bahn zu finden, man musste nur den Leuten folgen, die unverkennbar mit Sportsachen und Kleidersäcken dem Eingang zustrebten. Kein Wunder, dass auf dem Bahnsteig kaum noch Platz war ! Die erste Bahn war schon nahezu voll, dennoch drängten die Läufer hinein und nachdem die Übrigen durch eine Ansage beruhigt waren, dass in zwei Minuten die nächste Bahn käme, konnte der Zug abfahren. Glücklicherweise kam auch ich mit hinein und wir fuhren los, an einige anderen Stationen standen weitere Läufer, die keine Chance hatten zuzusteigen …
Bei „St.Pauli“ wurde es dann leer, eine weitere Läuferin hatte sich ebenfalls an der Feldstraße verabredet (Danke laufastra !!) und blieb sitzen und gemeinsam sahen wir die Menge sich die Treppe hinaufschieben, als der Zug weiterfuhr. Natürlich war ich zu spät am Treffpunkt und wurde mittels Handy („Wie du siehst den Bunker nicht !?“) weitergelotst, sodass ich nach kurzer Zeit auf die „Hasenrunde“ um Marco stieß.
Wer jetzt noch ruhig war wurde unweigerlich angesteckt, so verschwand einer nach dem Anderen, um sich an den Dixi-Schlangen anzustellen, den Kleiderbeutel abzugeben, Sachen an– oder auszuziehen oder was einem noch so vor einem Lauf einfällt.

Letztendlich war es irgendwann soweit, wir begaben uns in Richtung Startplatz. Buchstaben auf der Startnummer sollten einem die Suche nach der richtigen Einordnung erleichtern – nur hatte Stephan H und ich F. Wir einigten uns spontan auf G, als die Ordner des betreffenden Blocks gerade nicht hinsahen und dann hieß es warten. Der Lokalmatador kannte natürlich wieder die Hälfte der Umstehenden, Unterhaltung und T-Shirt-Aufdrucke im Umfeld trugen zur Ablenkung bei aber plötzlich war es soweit, es wurde von Zehn heruntergezählt. Wenn man nicht gerade auf der Startlinie steht ist das nicht spektakulär, gemütlich schlendert man bis zur Matte, aber dann geht es wirklich los …

Natürlich war der Ansatz völlig verkehrt gewesen, um uns herum wurde eher locker getrabt und so begann der Zickzack-Lauf durch die Menge. Nach drei Minuten tauchten plötzlich Hasenohren vor uns auf und wir wünschten uns, geblendet von der orangefarbenen Helligkeit der BORN-Shirts eine Sonnenbrille. Warum waren die vor uns ? Egal – ein kurzes Hallo, Wünsche für die Strecke und weiter ging es. Natürlich läuft man so nicht das konstanteste Tempo, muss auf Füße und Ellenbogen achten und abstoppen und ausweichen, besonders zu Zweit. Zusätzlich der ständige Blick auf die Pace – zu schnell, zu langsam, na was denn nun ? So konnte es nicht weitergehen und schließlich sprintete ich noch einmal, um den orangefarbenen Schopf einzuholen. Ich kündigte an, dass ich in meinem Tempo weiterliefe und so kam ich nach fast zehn Kilometern ein wenig zur Ruhe. Bei Kilometer 15 war es damit nicht mehr weit her, ich fühlte mich bereits total schlapp und musste auch nach einem weiteren Kilometer das erste Mal Toilettenpause machen. Gerade verließ jemand das bereitgestellte Häuschen und ich schlüpfte hinein mit dem Gedanken, dass ich nun die Aufholjagd neu starten musste. Tatsächlich kam ich wieder an einigen bereits bekannten Rückenansichten vorbei. Mein erstes Energie-Gel kam zum Einsatz, und leicht gestärkt lief ich zur nächsten Wasserstelle. Bei der Halbmarathonmarke wäre ich am liebsten ausgestiegen, aber es gelang mir kleine Ziele zu formulieren und anzupeilen, der nächste Kilometer, die nächste Verpflegungsstation, wieder einen Fünferabschnitt geschafft, ach wäre der 26. Kilometer bloß die Strecke in Meilen !! Eine weitere Dixi-Pause später versuchte ich den Beginn der „Geh-Einheiten“ herauszuschieben : „Ab Kilometer dreißig, vorher nicht“, und dann „Nur kurz beim Trinken und Erfrischen“. Es war hart, aber immer wieder gab es Abschnitte, wo die Menge fast die Straße versperrte, so drängten sich die Leute, jubelten und machten Stimmung. Und eine weitere Motivation war, dass jeder Teilnehmer durch den Namen auf der Startnummer persönlich angefeuert werden konnte und so hörte ich immer wieder „Simone lauf“, „Toll Simone, du schaffst es“. Obendrein schauten sich einige Zuschauer die Trikots genauer an und so tönte es einmal kurz hinter mir vernehmlich aus einer Clique Jugendlicher : „Laufzicke – wie geil ist das denn?“ und mehrfach wurden Andere aufmerksam gemacht „Hast du das gesehen- Laufzicke !“ Die Kommentare zu unserem besonderen Rückenaufdruck habe ich dann leider nicht mehr mitbekommen – aber ich bin sicher, Einige, die mich überholten wollten mich nur mal von vorne sehen !
Näher und näher kam das Ziel, schon hieß es auf der Seite, es sei die letzte Steigung, dann ginge es bergab (Berge ?? Wir waren schon noch in Hamburg ?) und auch hier stellte ich fest, dass mir die letzten beiden Kilometer noch nie so lang vorgekommen waren. Zum Glück sah man schon von weitem das Ziel und wider Erwarten reichte die Kraft doch noch für einen kurzen Spurt auf den letzten 195 Metern ! Geschafft ..
Und wenn ich an die vielen Mitläufer denke, die ich unterwegs überholt habe mit blutigen Oberschenkelinnenseiten (Kilometer 24) oder ihre Waden dehnend, mit schmerzverzerrtem Gesicht und einem Krampf im Oberschenkel (Kilometer 39) oder leider auch schon in der Schocklage in Betreuung von Sanitätern kurz vor oder hinter dem Ziel – dann schimpfe ich mich in Gedanken „Weichei“.
Zumal ich gestehen muss, dass ich heute nicht mal einen Muskelkater habe, Treppen vorwärts rauf- und runtergehen kann und höchstens meinen Hüftbeuger so ganz leicht spüre. Und dann denke ich : Beim nächsten Event bin ich wieder dabei !! Es darf exotisch sein (Rom, Kapstadt, Honolulu) oder verrückt (24-Stunden-Lauf ohne Zeitziel und mit Pausen), denn mit euch macht es echt Spaß !!

4.5
Gesamtwertung: 4.5 (4 Wertungen)

Gelitten - geschafft - Blick nach vorn!

Hallo Laufzicke,
JETZT kann ich Deine Quälerei nachfühlen. Du hast Dich durchgebissen bis zum Schluss. Aufgeben ist keine Option.
Find ich gut!
Beste Grüße, WWConny

Und noch mal....

Gänsepelle! Haste schön geschrieben...

Und ich muss immer noch grinsen, dass ich fast ohne Shirt bezahlen abgedampft wäre. Wie gut, dass ich Dich vorgewarnt hatte! *gg*

Von der Lokalität war ich auch nicht wirklich überzeugt. 3 PastaGerichte für 'ne Pastaparty und kaum Getränkenachschub... die wollten wohl nichts verdienen... oder haben das über die Flaschenpreise für Wasser wieder reingeholt... ;)

...gar nicht verrückt, ist auch nicht normal...

RUHR vs. BORN

Schulterklopf

Da ich dich auf der strecke gar nicht gesehen habe, weiß ich jetzt wenigstens wie es dir mit der Hitze so ergangen ist. Hast du toll gemacht!
----------------------------------
LG Inumi
Wenn nicht jetzt, wann dann?

Mylady...

...es war mir eine Ehre, mit Ihnen das Hitzeschlachtfeld teilen zu dürfen!

---
Wir sind BORN. Verstand ist zwecklos. Sie werden bekloppt.

Der Gruppenwettstreit: RUHR vs. BORN

Voll der Bewunderung

Wie ich ja schon schrieb... Hab Dich "beobachtet" so gut es ging ueber Mika-Timing und war sowas von begeistert. Fuer mich ein schier unglaubliches Tempo. Irgendwann mach ich's Dir nach. :) Ich empfinde Deine Leistung als Ansporn.

Bin begeistert von Deinem Lauf und dem ueberaus anschaulichen Bericht. Zum Mitleiden und Mitfeiern! :)

s:)

Wie geil ist das denn?

Nicht nur laufen kann unsere Laufzicke, sie kann auch tolle Berichte schreiben :-) Welche Zeit bist du denn jetzt eigentlich gelaufen?
Die brauch ich ja anscheinend keine gute Erholung wünschen, scheinst ja schon den nächsten Marathon heute laufen zu können :-)

Gut Lauf
Sascha - überBORNiert bekloppter Ruhri
--------------------------------------------------------------
Jogmap Ruhr - DIE GEILSTE GRUPPE DER WELT

Kämpferin vor allen!

liebe Laufzicke,

dein Lauf war echt grandios! Super gekämpft und dann noch Dixi- (äh, Hanse-Baustahl???) Stopps eingelegt. Respekt! Wenn ich groß bin, will ich auch mal so schnell laufen können wie du! Klasse! Und beim nächsten (hoffentlich gemeinsamen) Triathlon kannst du mich dann auch (wieder) in Grund und Boden schwimmen, radeln, laufen! Von so jemand wie dir überholt zu werden, ist mir immer eine Ehre!!!!

Und deinen Spruch "Einlaufen? Das mache ich auf dem ersten km, dann ist es nicht mehr so lang" war ein echter Höhepunkt des letzen Wochenendes!!!

cc

Gruppenduell BORN vs. Ruhr
Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos!

Herzlichen Dank

.. euch ALLEN !!

Unterwegs habe ich echt gedacht "Zehnter Marathon, naja schöne Zahl, das muss ich glaube ich nicht nochmal haben .. Das war's dann !"
Aber jetzt merke ich - ich kann gar nicht aufhören !!
Bloß die langen Läufe, die lasst mich bitte nicht immer allein machen müssen, ich laufe auch langsamer, versprochen !!

Äh - die Zeiten, das habe ich irgendwie ganz vergessen, die waren dann nicht mehr so wichtig ..
Die ersten Fünf weiß ich noch 25:36 und danach waren es offenbar 23:55 (Bergab runter zum Fischmarkt bin ich wohl geflogen !!), der Halbe mit 1:45:19 hat mir auch wieder Mut gemacht und danach - schweigen wir lieber. Gesamtergebnis immerhin 3:39:26 noch eben gerade die angestrebte Drei erwischt ;-)

Noch mal ein großes Danke - und auf ein Neues !!

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links