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Gelungenes Wettkampf-Debut von Jan beim HM in Bonn am 22. April

Jan hat beim 1. Wettkampf seiner Lauf-Karriere gestern in Bonn den HM in 2:18:44 Stunden absolviert.

Und so ging´s los:

Anfangs 2010 äußerte mein Chorkumpel und Freund Jan, Tenor mit deutlich über 100 kg, den Wunsch, Trainingsläufe mit mir zu machen. Gleich beim ersten Mal haben wir uns bei Eis und Schnee am vereinbarten Treffpunkt verfehlt – ein schwacher Auftakt. Verteilt über das ganze Jahr, hat es Jan auf 10 Läufe gebracht mit gerade mal 120 km – alles nur langsame Dauerläufe, durchsetzt mit Gehphasen à la Jeff Galloway in einem Durchschnittstempo von ca. 8 Minuten pro km. Über eine Wettkampfteilnahme haben wir damals nicht gesprochen.

Diesen Wunsch äußerte Jan erst im Januar 2011 im Hinblick auf den Halbmarathon in Bonn Ende April. Da er nach wie vor wegen Beruf, anderer Sport-Aktivitäten (Tischtennis und Squash), Chorproben und Rücksicht auf die Familie nur einen Lauftermin pro Woche anbieten konnte, blieb dies ein unrealistisches Ziel. Im gesamten Jahr 2011 kamen gerade einmal 16 Läufe mit 190 km zusammen, immerhin mit einer Steigerung des maximalen Lauftempos auf 7:30 Mi./km.

2012 hat Jan den unbedingten Wunsch geäußert, in Bonn am 22. April zu starten. Ich als sein Coach habe zugestimmt unter der Bedingung, dass die wöchentlichen Läufe regelmäßig stattfinden müssten und – im Falle unabweisbarer Verhinderungen – durch Verlegung auf das nächste Wochenende nachgeholt werden müssten. Das hat nicht immer geklappt, aber Jans guter Wille und sein Organisationstalent in allen Bereichen ermöglichten es, bis 22. März immerhin 7 Läufe mit 90 km zusammen zu bekommen, darunter ein längerer Lauf mit 17 km (pace: 6:50) und sogar den "Ansatz eines Tempolaufes“ (8 km mit pace 6:23). Alles schien den geplanten Gang zu gehen, und so haben wir für Samstag, den 31. März, einen kompletten HM-Test über 21,1 km geplant – mit Brückenüberquerung am Anfang wie in Bonn wegen der Steigung; mit etlichen Kilometern unmittelbar am Rhein wegen des Windes; und frühmorgens um 8:45 Uhr – also eine regelrechte „Simulation“ der Bedingungen beim Bonn-HM. Am Tag zuvor der Schock: Jan hatte sich einen hartnäckigen Grippe-Virus eingefangen, und das Simulationsprojekt fiel ins Wasser. Die erforderliche Lauf-Pause dauerte ungefähr 10 Tage. Dann bekam ich seine Nachricht, dass er allein 18 km in 2:10 Stunden gelaufen war. Wir haben in der Folge – neben kleineren Läufen – noch einen Härtetest unternommen, wieder mit Brückenüberquerungen und Rhein-Kilometern, über 15 km, und der ging mit 1:38 Stunden (statt geplanter 1:45) überaus positiv zu Ende.

Also war alles für Bonn bereitet!

Ich stellte einen Plan für das Rennen zusammen, der auf eine Endzeit von 2:19:20 Stunden hinauslief (mit eingebauten Gehphasen bei allen Verpflegungsstellen und auch noch drei weiteren dazwischen: insgesamt 9 waren im Plan vorgesehen). Unter Berücksichtigung der Streckencharakteristik wollten wir die ersten 5km in 34, die zweiten und dritten jeweils in 33 und die vierten in 32 Minuten schaffen ("Prinzig des negativen Splits"). Den letzten Kilometer (bzw. natürlich 1,1) wollten wir dann so schnell laufen, wie es gerade eben noch so ging.

Bekanntlich hat das Wetter wunderbar mitgespielt: kein Tropfen Regen; Temperaturen um 10 Grad; Westwind, der nur auf ganz kurzen Streckenabschnitten von vorn kam – ideal!

Und so sind wir 33 (1 Minute zu schnell wegen von mir gestrichener erster Gehphase bei km 2 – ein schwerer taktischer Fehler, wie sich herausstellte, aber es lief so gut!), 33, nochmals 33 und 32 Minuten für die vier 5-km-Abschnitte gelaufen; das angestrebte „Crescendo“ war (in Maßen, aber immerhin!) realisiert. Für den Rest haben wir noch mal gut 7 Minuten gebraucht. So standen am Schluss nach eigener Messung 2:18:42 Stunden (offizielle Zeitmessung: 2:18:44 – wo wir die zwei Sekunden verloren haben, darüber grübele ich jetzt noch nach; ich habe sie bislang nicht gefunden).

Jan war glücklich und stolz und packte kurz vor dem Ziel meinen Arm, um mit triumphierender Geste zu finishen – so ganz und gar nicht mein Ding, aber angesichts seiner Begeisterung verständlich.

Und ich muss zugeben: Jan hätte mich ab km 18 locker abhängen können, so gut war er drauf; ich habe es ihm auch angeboten, allein schneller weiter zu laufen, aber er hat – rücksichtsvoll – abgelehnt. Ich war wieder einmal am Ende eines von mir gecoachten HM´s – ungefähr wie vor gut vier Wochen in Rodenkirchen. Irgendwie fordert offensichtlich das Alter unerbittlich seinen Tribut.

Wenigstens bin ich nicht den Gefahren des letzten Kilometers erlegen – mit tückischem Kopfsteinpflaster, den lauernden Ausstellfüßen der Absperrgitter und den Falten des Einlaufteppichs – und ohne Sturz über die Zielmatte gelangt – ganz im Gegensatz zu meinem Walking-HM 2008 in Bonn, bei dem ich auf den letzten 500 Metern zweimal Vertikale und Horizontale vertauschen musste.

Fast hätte mich eine andere Gefahrenquelle zur Strecke gebracht. Bei km 20 – ab dort bis zum Ziel wird die Strecke ziemlich eng - kam von hinten die Spitzengruppe der Marathonis, bestehend aus vier Kenianern, schmal wie Handtücher und daher ungefährlich, eskortiert von drei Polizeimotorrädern (auch schmal), einem ganzen Rudel post-gelber Radfahrer, die uns anwiesen, rechts zu laufen, anschließend kamen e PKW´s; ein Smart mit Werbung (schmal), das Zeitnahme-Auto (auch ein Kleinwagen). Und dann rauschte – gefühlt eine Handbreit (wahrscheinlich waren es objektiv ein paar Zentimeter mehr) ein schwarzer Lieferwagen (so ungefähr im Volumen eines typischen Handwerker-Autos)an mir und dem verbliebenen Rest-Läuferfeld der Halbmarathonis vorbei.

Wenn einer der Läufer eine ungeschickte Bewegung gemacht hätte auf dem Kopfsteinpflaster oder gar gestürzt wäre, das hätte schlimm ausgehen können. Die Funktion dieses schwarzen Lieferwagens war nicht ersichtlich. Ein Arzt- oder Sanitätswagen war es offensichtlich nicht; der „Besenwagen“ konnte es noch nicht sein. Was sich die Veranstalter dabei gedacht haben? Wäre ein Unfall passiert, hätte man wahrscheinlich den angefahrenen Läufer beschuldigt, zu weit links gelaufen zu sein ...

Während des Laufs ist mir diese Gefahrensituation gar nicht so bewusst geworden. Am Nachmittag hat mich mein Sohn darauf angesprochen, der den HM schon lange beendet hatte (in 1:38 Stunden) und zufällig beim Warten auf Kollegen die Gefahrenszene mitbekam. Er hat gemeint, das habe er bei all seinen vielen Läufen noch nie gesehen, dass ein solch großes und breites Auto ganz nah am Läuferfeld vorbeigefahren sei.

„Hakuna matata“ – alles gut, keine Probleme, letztendlich!

Jan hat übrigens beim Erdinger alkoholfrei danach im Brustton der Überzeugung geäußert, 2013 den HM in Bonn unter 2:10 laufen zu wollen.

Da muss er sich wohl einen neuen Coach suchen?

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Super!

Scheint ein Naturtalent zu sein, "Dein" Jan. So wenig Training und dann so ein Auftakt - alle Achtung!
Mir scheint allerdings, dass Du eine Affinität zu "Beinahe"-Unfällen in letzten Drittel des Laufes hast ;-)
Viele Grüße, Conny

Mit minimalem Aufwand

das Maximum erreichen, ist wohl seine Devise. Warum laufen wir alle eigentlich so viel? Geht doch auch ganz anders;-) Toll!!! Glückwunsch an den Debütanten und natürlich an den Coach, auch für den schönen Bericht!!!;-)

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

Super gemacht

Hallo alterwalker!

Gratulation zu dem tollen Lauf und zu dem tollen Bericht!

War am So. auch ein Personal Trainer beim HM in Bonn, kann also durchaus nachvollziehen, wie es Dir ergangen ist.

Weiter so!

Gruß Reinhard

Toll gelaufen -

genießt den Erfolg! Ihr habt ihn euch redlich verdient!

5 Sterne von mir.


"Wenn Du eines Tages vor den großen Schiedsrichter trittst, so wird er Dich nicht fragen, ob Du gewonnen hast, sondern wie Du gespielt hast."

na der traut sich was

der Tenor. Mit den Trainingskm hätte ich mich vielleicht für einen 10er angemeldet.
Da hatte ich vor 7 Jahren für meinen ersten HM aber mehr trainiert.
Deutlich unter 100 kg und war trotzdem noch eine Minunte langsamer.
Hat er super gemacht, der Jan.
Aber bei dem Trainer, kein Wunder.
Er hätte das ohne Dich bestimmt nicht durchgezogen.
Ich finde es sehr anständig, dass er Dich mit ins Ziel genommen hat.
Und was Du mit ü70 schaffst finde ich großartig!
LG, ks

Hakuna matata - (fast) alles gut!

@WWConny: weniger Naturtalent, eher Durchsetzungsvermögen (andere sagen "Dickkopf); hoffentlich liest er nicht, was Du geschrieben hast, sonst wird er größenwahnsinnig; die "Sturz-Affinität" bekämpfe ich seit Februar durch verbesserten Kniehub, was sich in Bonn bestens bewährt hat (hat doch auch schon in Rodenkirchen das schlimmste verhindert)

@kniescheibe: Jan hätte das ohne mich genauso durchgezogen (vgl. Antwort an Conny oben); man könnte eher sagen: "trotz des Trainers"; und wenn ich bedenke, dass ich in Bonn 2006 2:14 gelaufen und 2008 2:23 gewalkt bin (letzteres war schrecklich wegen der nötigen Schrittfrequenz von mehr als 100 pro Minute), sind die 2:19 vom Sonntag grottenschlecht: halt eben "ü70-würdig"

@Tame: siehst Du! Du musst gar nicht so viel laufen, sondern kannst dafür mehr Krimis gucken! "Mit minimalem Aufwand das Maximum erreichen", wie Du formuliert hast, heißt dann z.B.: "Vor dem HH-Marathon überhaupt nicht trainieren und im Rennen unter vier Stunden bleiben." Mach mal!

@fazerBS: das haben wir unmittelbar gemacht nach dem Ziel mit "Erdinger alkoholfrei" (soll nach einer wissenschaftlichen Studie das Immunsystem von Läufern
stärken, wenn man täglich 1 bis 1 1/2 Liter zu sich nimmt - mindestens)

@Rudi007: man macht als Trainer schon was mit, aber Jan ist pflegeleicht, denn er ehrt die Alten; nur die Brücke runter, da hat er aufgemuckt und auf "walken" bestanden wegen seiner drückenden 100 Kilos.

@Eifelsteiger: Danke für die Bewertung - 5 Sterne von Dir wiegen mehr als
die HM-Medaille in Bonn! "Es war halt ein guter Tag in Bonn, um den Weizen trocken zu halten", um einen Weisen zu zitieren.

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