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Schon seit ein paar Jahren –ich hatte meinen ersten Ultra noch vor mir– geisterte ein Lauf in meinem Hinterkopf herum. Damals sah ich bei einem Lauf in der Pfalz einen Mitstreiter mit einem Finishershirt vom „Grand Défi des Vosges“. „Was heißt ‚Défi’ und was verbirgt sich dahinter?“ fragte ich mich. Dass es „Herausforderung“ heißt war schnell geknackt und einen ersten Eindruck holte ich mir auf der damals noch spartanischeren Homepage der Vosgirunners. Heutzutage informiert sie umfassend in französischer und deutscher Sprache.

Bisher kollidierten immer wieder andere Veranstaltungen mit diesem Lauf.
Gerade vor einer Woche schwärmte ein anderer Läufer vom „Défi“ und rief ihn wieder in meine Erinnerung. Das war der Auslöser zur Recherche, wann die diesjährige Ausgabe sei. Upps, schon in einer Woche.
Über das Osterwochenende bekam ich von meiner "Terminverwalterin" die Genehmigung zur Teilnahme, da war die Online-Anmeldung gerade geschlossen. Aber für diesen Lauf sollten Nachmeldungen vor Ort möglich sein.
Da ich ja aus familiären Gründen die aufwändigen Laufreisen etwas reduzieren möchte, ist so ein Lauf im nur gut 60 km entfernten elsässischen Niederbronn-les-Bains noch kompatibel.

Die Vosgirunners haben neuerdings aus ihrer Veranstaltung ein ganzes Laufwochenende gemacht. Vor dem sonntäglichen Défi mit seinen 54 Kilometern und 1850 Höhenmetern und dem 25er ist nun samstags noch ein 72er mit etwa 2200 Höhenmetern.
Die klassische „große Herausforderung“ ist nun also nur noch Mitteldistanz!
Eine Sonderwertung gibt es für die Läufer, die am Samstag den 72er und am Sonntag den 25er gemacht haben. Die Cracks, die sich das angetan haben, bekamen satte 3 Punkte für den UTMB, so viel wie man für den gesamten Transalpine Run erhält.

Das Höhenprofil des „Défi“ sieht recht zackig aus, mit zwei hohen Ausschlägen zu Beginn direkt hintereinander, dann etwas Geplänkel und kurz vor Schluss der höchste Punkt der Strecke. Da sich die ganze Show auf Höhenlagen zwischen 210 und 590 Metern abspielt, wird’s schon nicht zu heftig werden, war der Gedanke.

Auf dem Parkplatz bekam ich die Pole-Position zugewiesen, obwohl ich nur 40 Minuten vor dem Start aufkreuzte. Nur 50 Meter bis zur Anmeldung, wo alles so was von relaxed ablief. Zur Stippvisite auf der Toilette hatte ich Startplatz 3 und bekam schon den Hinweis, dass an der anderen Hallenseite weitere Toiletten seien. Dass beim Lauf solche Top-Platzierungen nicht zu halten sein würden, war sicher.

Nach einer 7/8-Runde im Stadion und ein paar Metern auf den Straßen durch das Sportzentrum wurden wir in den Naturpark Nordvogesen entlassen und es ging gleich ordentlich den Berg hoch. Uff, das war ganz schön anstrengend. Nach dem Erreichen der ersten Kuppe war ich einigermaßen auf Betriebstemperatur, die leichte Laufjacke war längst im Rucksack verschwunden.

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Oft liefen wir auf Forstwegen, hatten aber immer wieder wunderbare Trails zu belaufen. Statt dem prognostizierten ganztägigen Schmuddelwetter hatten wir angenehme 10 Grad, zeitweise schafften es sogar ein paar Sonnenstrahlen die Wolkendecke zu durchbrechen. Durch die Bäume oder an exponierten Stellen wurden wir mit herrlichen Ausblicken über die Nordvogesen verwöhnt. Dort oben im Wald der Vogesen war allerdings noch deutlich weniger junges Grün gesprossen, als zu Hause in der Rheinebene.
An der ersten von drei Verpflegungsstellen in Windstein, bei ca. km 18 gab es neben dem üblichen üppigen Angebot auch frischen Flammkuchen. Darauf verzichtete ich während des Laufs dann doch lieber.
Durch ein kleines Zwischentief musste ich mich um km 25/28 kämpfen. War ich zu schnell losgelaufen? Eher nicht. Es schien, dass im Wettstreit zwischen Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern das Teufelchen die Oberhand gewinnen wollte. Es wurde dann doch erfolgreich in Schach gehalten.

Nach einer der Stellen, an der flottes Gehen sinnvoll war (sofern man nicht den Schalk doubeln möchte) zog es mich sogar -fast wie von einem unsichtbaren Gummiband gezogen- in den Laufschritt, obwohl es kurz darauf wieder gehtemposteil wurde. Vielleicht wird ja doch noch ein richtiger Läufer aus mir ;-)

Mehrere Felsenburgen und Formationen aus rotem Buntsandstein passierten wir, in den Tälern kamen wir mehrmals an Fischweihern vorbei.
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Chateau du Vieux Windstein

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Chateau Wineck

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Chateau de Schoeneck

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Alles klar?

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Auf dem langen Stück zwischen Berg Nr. 2 und Berg Nr. 3 waren mehrere ewig lange, moderat ansteigende Passagen. Die fand ich teilweise nicht wirklich prickelnd. So einschläfernd, dass ich die Wegmarkierungen übersehen hätte, waren sie auch nicht. Immerhin habe ich es geschafft, zwei französische Läufer vor dem Verlaufen zu bewahren.

Teilweise waren Relikte der Forstarbeiten an und auf der Strecke. Mal hier und da ein kleinerer Ast, ein Stück Kaminholz oder ab und an etwas Reisig auf der Strecke. Es muss ja wirklich nicht sein, dass der Wald für unseren Lauf gefegt wird (ernst gemeint, nicht ironisch).
Man hat sogar daran gedacht, dass die Läufer zwischendurch ihre Gräten etwas auflockern sollten (ok, hier ist ein kleiner Schuss Ironie drin):
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An der zweiten Verpflegungsstelle in Dambach bei km 37 wälzten einige Läufer ihre Streckenpläne und Höhenprofile. Aus einem Gespräch zwischen einer Helferin und einem Läufer filterte ich heraus, es kommt „nur“ noch „la montée du Grand Wintersberg“, der Aufstieg zum Grand Wintersberg, nicht zu verwechseln mit dem benachbarten Petit Wintersberg.
Dort hoch ging es in mehreren Stufen. Es wechselten sich immer wieder steilere Stücke und flachere ab. Auf der Strecke war es längst ziemlich einsam geworden. Ein richtiger Serpentinentrail hievte uns die letzten Meter auf den Gipfel hoch. Dort fiel mir auf, dass auf den meisten Streckenmarkierungen kleine Reflektorstreifen aufgeklebt waren. Wann werden denn hier die letzten Läufer erwartet??? Auf dem Gipfel steht ein Aussichts- und ein Funkturm und für uns die letzte Verpflegungsstelle.
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An dieser Verpflegungsstelle mimte ein Helfer den Bullen, das Maskottchen der Vosgirunners.

Auf den letzten 8 km ging es zunächst rasant wieder runter, ehe sich der Weg wieder auf Niederbronn zuschlängelte.

Mit meiner Laufzeit von 6:32:xx fand ich mich im vorderen Mittelfeld wieder.

Nach der Zielverpflegung und der lauwarmen Dusche stürzte ich mich noch auf das vom Bürgermeister gestiftete Kuchenbuffet. Den Wein ließ ich kurz nach dem Lauf sicherheitshalber weg. Eine Nachlauf-Merguez genehmigte ich mir natürlich noch.

Einen wirklich tollen, empfehlenswerten Lauf haben die Vosgirunner mit ihrem „Grand Défi des Vosges“ im Programm. Der ruft nach Wiederholung. Oder soll’s 2013 statt dem Rennsteig der anreisefreundliche „Défi des Seigneurs“ sein? Teilweise sind die Strecken identisch, bei letzterem führt zusätzlich eine große Schleife bis nah an die deutsche Grenze heran und es sollen noch mehr Burgen an der Strecke sein, was zu seinem Namen führte.

cherry65

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Ein toller Lauf!

Danke für diesen großartigen Fotoblog!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Danke für den tollen Fotobericht!

Das ist garantiert ein empfehlenswerter Lauf.

Tolle Ecke da - muss man dafür auch ein "Certificat" haben?

Ja,

auch dort muss man das Certificat vorlegen.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Ganz grosser Lauf

Hallo Gerhard, ich habe Dich schon auf der Ergebnisliste entdeckt. Das war für mich Plan B, falls mein anderes Lauwochenende aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte. In der Zeit hätte ich das nicht hinbekommen. Hut ab! Die Laufstrecken in unmittelbarer Umgebung jenseits der Grenze sind wirklich alle nicht von schlechten Eltern. Danke, dass Du uns den Blick über den Tellerrand honaus ermöglichst.

irgendwie

kommen mir die Orte bekannt vor...

Wahnsinnsleistung wie immer. Macht Appetit! Aber dafür muss ich größer werden ;-))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Wow!!!

Was für ein ansprechender interessanter Lauf!!
Vermutlich hätte ich für sowas 10 h gebraucht, aber so ein Ding wäre
wirklich was für den waxl, Thor und mich!
Leider sind mir solche Perlen unter den schnuckeligen Trailläufen noch nicht so geläufig und bekannt, aber den Bildern nach und Deinem Bericht nach seeeeehr interessant!:o)
Naja, sooo grob, wie das Trailprofil teilweise war, muss es nicht unbedingt sein, andererseits hat sowas über unaufgeräumten Stock und Stein auch seinen Reiz!;o)

Lieben Gruß von Carla, bei der Du mit Deinen Berichten nicht ganz unschuldig bist, dass sie mittlerweile Trailläufe (auch die verrückten) ganz besonders mag!;o)

Hallo, schöne Bilder hast

Hallo, schöne Bilder hast du gemacht,

hab am Sa. + So. auch beide gemacht, Strecke war wirklich wunderschön nur das Wetter war am Samstag noch etwas schöner.
Der 25er am Sonntag fühlte sich aber an wie direkt an den 78er angehängt, puhhh.
Ich hab den Trail Petite Ballon vor ein paar Wochen auch gemacht und bin von den Franzosen-Trails echt begeistert, eigentlich schöner als der Rennsteig als Alternative.

Die Pole-Position

hast du doch auch bei uns - nicht zuletzt wegen der tollen Fotos!

Schade, dass es bei mir terminlich nicht gepasst hatte! Aber da bleiben wir dran, bzw. immerhin habe ich ja inzwischen auch wieder ein neues Certificat, so dass der Anfang schon mal gemacht ist!

:-)

Auch bekannt:-)

Zumindest die Gegend, nicht der Lauf...
Bin mal von Dahn auf der deutschen Seite über Niederbronn nach Haguenau gewandert. Da stehen soviele verwohnte Ruinen im Wald herum, daß ich jetzt nicht mehr sagen kann ob wir die Selben gesehen haben. Einen sehr interessanten Lauf hast Du uns hier in Deiner bewährt bildbehafteten Art schmackhaft gemacht und wenn ich den Rennsteig überstanden habe...mal sehen.
Gruß, Marco
You'll never interessant alone

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Tolle Fotos

schöner Bericht und ein traumhafter Lauf...
Leider werden für mich solche Läufe auch immer ein Traum bleiben aber schön wenn man dann so mitgenommen wird.

will auch sowas

wie Du
...and miles to go before I sleep...

Kann man da dann auch ...

... Samstag die 72 und Sonntag die 54km Laufen? Oder gibts da dann die 3UTMB-Punkte nicht für?
Vielen Dank fürs Aufstöbern. Die Quali zum Streckenscout hast du längst!
Der Lauf klingt auf jeden Fall beherrschbar. ;-))
;-)
PS: Irgendwann begreife ich hoffentlich auch mal wie das geht in einem Wettkampf so viele Fotos zu machen. Ich bin darüber bei dir immer wieder ein Stückweit beeindruckt. (Keine Ironie!) Noch kann ich das irgendwie nicht. Das Kyffen hat das wieder sehr deutlich zu Tage gebracht.

Nix einfacher als das!

Edition 2013

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

@stachel

Die müssen kein Traum bleiben. Es müssen ja nicht unbedingt gleich die unendlich langen Distanzen sein.
Diese Landschaftsläufe sind viel gechillter als die hektischen Straßenläufe. ;-)

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

@Laufastra

Die Strecke, auf der Du unterwegs warst muss dort gewesen sein, wo ich mit einer gewissen Leichtigkeit gelaufen bin. Auf unbekannten Wegen und vertrauten Spuren ...

Ich setze darauf, dass Du den Rennsteig supertupergut überstehst. Siehe den letzten Satz in meiner Antwort auf Schalks Kommentar. ;-)

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Ich gehe davon aus,

dass sich der Floh im Pelz richtig festgebissen hat. hihihi :)

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

@Stoebbi

Wenn ich Deine Laufliste durchsehe entdecke ich einige Parallelen (ich müsste meine allerdings mal wieder updaten). Vielleicht sollten wir künftigen Projekte mal abgleichen.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

@Carla-Santana

Nur zu, es lohnt sich.
Eine Warnung: Wenn man mal auf einigen solcher Läufe war, schlägt das Interessanter-Lauf-Radar öfter aus, als Ottonormalläufer die To-Do-Liste abarbeiten kann. ;-)

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Du bist schon groß,

das hast Du oft und deutlich bewiesen.
Die Anfahrt wäre für Dich nur 10 km weiter, als für mich. ;-)

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

@Uusi

Nach der Begegnung am Ballon hätte es mich wirklich nicht überrascht, Dich auch in Niederbronn zu treffen.

cherry65

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@Socke

Ich bin mir sicher, dass auch Du das kannst.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Die 3 Punkte

gibt es -zumindest in diesem Jahr- nur in der Kombi 72 und 25, da nur die beiden Läufe zusammen die Sonderwertung der Challenge ergeben.

Die Autorin des Berichts auf Laufticker.de hat geschrieben, dass es die Veranstalter so gehandhabt haben, da die beiden Défis zusammen auch "nur" 3 Punkte ergeben würden. So bekommt man die Punkte billiger, eben mit weniger Aufwand. Allerdings sei in diesem Jahr der Défi um fast exakt so viele Läufer schwächer besetzt gewesen, wie Challenger gewertet wurden (knapp 80).
Ob es für nächstes Jahr geändert wird, bleibt abzuwarten.
Du kannst (wir können) immer noch die beiden Défis als Einzelläufe absolvieren. Das verbietet niemand und ergibt 2 Punkte für den Défi des Seigneurs und 1 Punkt für den Grand Défi des Vosges - dann eben mit zwei Wertungen.
7 Punkte aus drei Läufen hast Du doch ohnehin, die für 2013 noch gelten. Und als UTMB-Finisher 2013 bist Du für das Folgejahr ohnehin qualifiziert. ;-)

@Schalk & Laufastra: Ich richte schon mal das BORN-Basecamp ein. ;-)

@all: Danke für die lieben Kommentare.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Ein Bericht

der mal wieder unheimlich Lust aufs LaufenERLEBEN macht!!! Danke!!! Schmunzeln muss ich über den Kontrast der Burgruine und dem Verpflegungszelt;-)

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

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