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Vor zwei Wochen habe ich mich hier mal im Bloggen probiert und war ganz (positiv) erschrocken vom tollen Feedback aus der Community. Ihr seid also schuld, dass ich mich hiermit ein weiteres Mal probiere...

Vor zwei Wochen habe ich geschrieben, wie ich in Berlin den HM in 1:29 gefinished habe und damit für mich eine Leistung gebracht habe, die ich mir nicht zugetraut hätte. Ich hatte danach aber ein wenig das Problem zu überlegen, wie es weitergehen soll - ich traute mir eine vergleichbare Leistung so auf die schnelle nicht nochmal zu. Bis ich heute am Braunschweiger Campuslauf teilnahm - aber dazu nach einem Zwischenabsatz mehr.

Insbesondere die letzte Woche war fast traumatisch. Da ich mich parallel auch ein wenig im Rennradeln ausprobiere, nahm ich Ostermontag an den 126,4km "Rund-um-Köln" teil. Hier in JOGmap ist nicht der Platz für lange Rennradstorys, aber zur Beschreibung der "Vorbereitung" (die ich nicht als solche bezeichnen würde) brauche ich die Überleitung. Das Rennen fand bei strömenden Regen und 2 Grad Celsius statt und nach 4:24h überquerte ich völlig fertig die Ziellinie (es sei noch erwähnt, dass mir bei km78 auf einer kurvigen Abfahrt der Vorderreifen platzte - jetzt aber genug Radstories). Ich brauchte 4 Tage um wieder Teil dieser Welt zu werden. Montag war das Rennen, Dienstag hatte ich Schüttelfrost, Mittwoch/Donnerstag furchtbaren Durchfall (allein in dieser Woche 4kg Gewicht verloren) und meine Lust wieder in die HH-Marathonvorbereitung einzusteigen war bei satten 0%. Freitag quälte ich mich zu einem Regenerationslauf wieder in die Laufschuhe und gestern absolvierte ich einen 17,7km-Lauf, der aber eher ein übler Kampf war.

Jetzt zurück zum heutigen Campuslauf. Vor einem Jahr war dies der erste Wettkampf, nachdem ich mich von 124,5kg Körpergewicht in 4 Monaten in den Laufsport gekämpft hatte. Also war allein die Nostalgie an dieses für mich wichtige Ereignis der Treiber auch in diesem Jahr wieder teilzunehmen. Heute war also quasi mein einjähriges "Laufjubiläum".

Zweimal bin ich in der Zwischenzeit völlig naiv in einen 10er gegangen und die Zielsetzung sub40 verfolgt. Zweimal bin ich viel zu schnell angegangen und schon nach 3-5km böse eingebrochen. Nach meiner Sport-Horrorwoche bin ich völlig ohne Erwartung ins Rennen gegangen und habe allen, die mich gefragt haben, eine Zielzeit von ca. 42/43 Minuten angekündigt (und war mir damit selbst nicht sicher).

Nach dem Start habe ich mich gleich an der aktuellen W25-Langdistanz-Triathlonweltmeisterin orientiert. Sie nimmt jährlich an dem Lauf teil und aus einem Erfahrungsbericht aus dem letzten Jahr weiß ich, dass sie rund um die 40 Minuten läuft. Also wollte ich ihr Tempogefühl nutzen um nicht wieder zu schnell anzugehen. Nach ca. 500m kam mir das Tempo aber recht langsam vor und ich überholte. Ich dachte vllt. ist sie schlecht im Training oder geht es nur als lockeren Trainingslauf an. Nach 800m aber die Skepsis bei mir: "Warum hast Du sie nur überholt...nicht schon wieder zu schnell angehen und ein Opfer der eigenen Laktatproduktion werden. Streckenmarkierung km1: 3:48Min...puuh, nicht VIEL zu schnell. Die nächsten km alle so zwischen 3:55 und 4:08. Kurz vor Ende der ersten 5km-Schleife überholte ich einen Teilnehmer, von dem ich dachte er sei eingebrochen und wird durchgereicht. Aber er blieb mir auf den Fersen und lief bis km7 in meinem Windschatten. Meine Zeiten blieben konstant, er überholte mich und war verärgert, dass ich nicht das Loch zur Gruppe ca. 50m vor uns zulaufen wollte. Ich kenne mich - brauche ein konstantes Tempo...Zwischenspurt könnte mich aus dem Rhythmus bringen. Er lief vor, bei km8 hatte ich die Gruppe eingeholt - die hatten ihre Körnchen offensichtlich verbraucht. Wieder kam ein Zwischenspurt des Mitläufers - es gab aber keine Gruppe vor uns. War mir egal - ich lauf mein Tempo. Bei km9,5 hatte ich ihn wieder und animierte ihn beim Überholen, dass er nochmal an mir dran bleiben solle...dann würden wir beide die 40-Minuten knacken. Ich lief durchs Ziel in 39:35...ein Jubelschrei. Ein weiterer "Haken" auf der Liste - die Zeit habe ich schwarz auf weiß. Ich muss nun nicht mehr meinem Spiegelbild erzählen, dass ich gemäß Trainingsleistungen unter 40 laufen kann, Wettkämpfe aber immer zwischen 42 und 43 Minten absolviere ;-).

Mein Mitbewerber kam gleich im Ziel zu mir. Ich bedankte mich für die animierende Tempoarbeit. Er sah es aber anders und war verärgert, dass er mich mit seiner "Attacke" bei km 8 nicht abgehängt hat. Wie seht ihr das? Lauft ihr im Wettkampf in der großen Masse auf Platzierung? Ich hätte mich für ihn sehr gefreut, wenn er mich auf der Zielgeraden nochmal überholt hätte. Ich meine...es ging um Platz 23 oder 24. Das macht doch auf der Urkunde nichts mehr aus, oder? Mir geht es um die Zeit...ich laufe gegen mich selbst - das ist mein härtester Gegner.

Und den habe ich diesmal wieder völlig unerwartet besiegt. Ich bin wieder im Glückshormonrausch. 2 der 3 großen Ziele für dieses Jahr (HM < 1:30; 10km < 40Min) habe ich jetzt schon erreicht. Jetzt bleibt die Qualizeit für den Boston-Marathon (3:10). Vor der habe ich Respekt - letztes Jahr war der Marathon meine Stärke, jetzt habe ich den Eindruck zum Mittelstreckler zu werden. Diese Woche nochmal ein ganz langer Lauf und ein paar mittellange (sollte in meinen Endorphinen schwebend kein Problem sein ;-). Dann runterfahren und den Kopf auf Hamburg vorbereiten.

Ich melde mich spätestens nach Hamburg wieder...bis dahin: Tschüss!

3.166665
Gesamtwertung: 3.2 (6 Wertungen)

Super!

finde es eine schöne Laufstory.

Beim Wettkampf laufe ich vorwiegend auf Zielzeit und dann Zweitrangig auf Platzierung.

Ich hatte letzten Freitag 40 Minuten schnelle lange Einheit, habe es in 10 km schnell umgebaut. Wäre fast eine Rekordjagt geworden, hätte ich mir Selbst nicht einhalt geboten. Zielzeit war dann ne 40:55 für 10 km, hätten aber irgendwas gegen 39:00 sein können...
Die Ziele die du für dieses Jahr schon fertig hast stehen mir noch bevor. Nächsten Samstag HM (hoffentlich) unter 1:30 h laufen und dann irgendwann gegen sich selbst 10 km in unter 40 ig und dann im Herbst 15 km in ca. 57 min, mal sehen...

Viel Glück für die Boston Quali!

Danke für deinen neuen sehr

Danke für deinen neuen sehr guten Bericht. Den fand ich wieder sehr spannend, so was lese ich gerne und fiebere sogar als "Mitläufer" mit (bei dir besonders, weil ich mich auch in deiner "Tempokategorie" bewege, da kann ich alles sehr gut nachvollziehen -bis auf die damaligen 124kg:)). Ich hätte eine kl. Bitte für nächste Berichte. Es war schade, dass du diesmal das Ergebnis gleich in der Überschrift verraten hast. Da hat man vom Anfang an das Ergebnis gewusst, was so einem guten Bericht die ganze Spannung wegnimmt. Ich fände gut, wenn bei zufünftigen WK-Berichten das Ergebnis erst nach Überqueren der Ziellinie dem Leser bekannt wird:) Ansonsten wirklich klasse Bericht und Gratulation zu deiner super Leistung.

Vorderfußlauf und Bloggertechnik

@Laufloser, vielen Dank für den Hinweis. Dann werde ich mit weiterem Techniktraining für den Vorderfußlauf (ok Scherz...soweit bin ich bislang noch nicht gekommen...kann mir gar nicht vorstellen, wie man so laufen soll) und der optimalen Bloggertechnik weitertrainieren.

Spätestens nach Hamburg...entweder mit "Endorphinwolke III" oder "Knallharte Landung in der Realität" ;-).

Hemm...

von den Zeitzielen liegen wir alle drei gleich, wir sollten Buddies werden!
Wer weiss vielleicht lernt man dabei noch was(habe mal angefragt)

@J.D.Rune: Ich finde Deine

@J.D.Rune: Ich finde Deine 15km in 57Min ganz schön heftig - da bräuchte ich noch ein paar Tempoeinheiten für. Ich finde es eh schwierig jetzt neue Ziele zu definieren. Mein jetziges Tempo ist eher einer Stammtischparole entsprungen. Mein Nachbar hatte mich für den Braunschweiger Nachtlauf (12,2km) gemeldet und gesagt, dass wir eine 50:xx-Zeit laufen wollen (zum dem Zeitpunkt hatte ich noch über 100kg und keine Ahnung, wie sich Laufen unter einer 6:00-Pace anfühlt. Jetzt scheine ich die 4er-Pace halbwegs im Griff zu haben und überlege, was realistisch möglich ist. Fest steht, dass ich meine Intervall-Tempi erhöhen muss. Das wird spannend...und neuen Muskelkater hervorrufen.

In den nächsten beiden Wochen brauche ich die 4:30-Pace, aber gefühlt über ewig lange 42,195km. Über 3 Stunden lang "Druck" machen...wie schon im Blog geschrieben...habe ich derzeit einen Höllen-Respekt vor.

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