Benutzerbild von mainrenner

Brrrrr. Die Nacht war durchwachsen. Regen wechselte sich mit Hagel und Schnee ab. Sehr lustig. Beim viel zu frühen Aufstehen scheint erst die Sonne und dann fängt es in dicken Flocken an zu schneien. Die bleiben nicht liegen, der Starkwind treibt sie fort. Ich trinke meinen Kaffee und denke mir zum ersten Mal, ob ich heute beim Oster-Marathon der Ultrafriesen die richtige Bekleidung dabei habe. Wie immer habe ich beim Taschepacken einen unerschütterlichen Optimismus an den Tag gelegt und nur dünnes Zeugs und als Zugeständnis an die Küste eine ¾ Hose eingepackt. Mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, Sturmwinden und eisigem Regen habe ich blöderweise mal wieder nicht gerechnet. Die letzten zwei Wochen war ja schon Sommer. Gestern war ich noch mal schnell bei Aldi und habe mir eine Laufjacke gekauft, vorgestern eine winddichte Laufhose im Sportladen ergattert. Beides erweist sich als eine Nummer zu groß, das werde ich aber erst während des Laufes feststellen. Naja, ich sitze also beim Frühstück und lasse die letzten Tage Revue passieren. Am meisten beeindrucken mich die Camper, die am Vorabend der Öffnung des Campingplatzes schon den Parkplatz belegt habe, um sich die besten Plätze zu sichern. Am Morgen schau ich mir dann an, wie sie sich alle auf die Schollen verteilen und dort ihr Lager beziehen. Mit Wohnanhänger, Pferdeanhänger, gefüllt mit Bodendielen, Spülbecken, Schrankwänden, Zaunpfählen und dem obligatorischen Windschutzzaun. Wasserschläuche werden verlegt und es sieht mehr nach Sperrmüll aus, als nach Urbanisierung. Wie immer habe ich von Camping eine völlig falsche Vorstellung gehabt. Dachte an zurück zur Natur und basic-living. Aber jetzt weiß ich Bescheid ...luxus-trash...woll? Um 9.00 Uhr ist Start in Neuenburg und ich mache mich gegen 8.00 Uhr auf den Weg. Vom letzten Jahr weiß ich noch ungefähr wie ich hinkomme. Pünktlich gegen 8.45 Uhr finde ich den Torfschuppen und eine große Läuferschar ist schon anwesend. Es gibt sogar Startnummern heute! Während wir uns noch vorbereiten, geht wieder ein Hagelschauer auf uns nieder und man fragt sich, was das Wetter wohl in den nächsten Stunden, in denen wir 8 Runden a 5,3km drehen werden, für Kapriolen mit uns treiben wird. Über mein langes Unterhemd ziehe ich meine Windjacke und darüber sicherheitshalber noch die Aldijacke. Kurzes Fotoshooting am Start und unspektakulär gehts los. Eine Gruppe sprintet voran und ich laufe hinter her. Es ist windig und kalt aber zumindest ist es trocken. Nach einer Runde werfe ich die erste Jacke ab, nach 2 Runden fängt die Hose an zu scheuern. Meine Nase läuft wie wild und ich charlottenburgere mal herzhaft. Irgendwie hörts nicht auf und ich stelle fest: Blut fliest. Natürlich habe ich kein Taschentuch griffbereit und an meine weiße Jacke mag ich es auch nicht schmieren. So habe ich schließlich beide Hände voll und bähhh, es klebt und riecht sooooo metallisch. Die zweite Runde ist zu Ende und ich mach einen Einkehrschwung und mache mich erst mal bisschen frisch. Händewaschen, Lidstrich nachziehen (kleiner Scherz) und einen Schluck Wasser. Aus Versehen verschlucke ich noch zwei kleine Salzbrezelchen. Scheixxe, eigentlich wollte ich doch einen Fettverbrennungsaktivierungslauf machen! Nach dem das mit der Fettverbrennung nun doch wieder nichts wird, gönne ich mir 2 Runden später einen Schluck Bier und etwas Cola an zwei weiteren Brezelchen. Deliziös. Was mich an die Attraktivitierungsarbeiten --- das Wort muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen ---hier gleich noch mal – Attraktivitierungsarbeiten in unserem Schwimmbad erinnert. Nach fünf Runden kommt die Sonne raus und es wird warm. Zumindest an den Stellen wo man keinen Gegenwind hat. Zu gucken gibt’s mannigfaltig. Ponys, Pferde, Osterfeuerhaufen, Traktoren, Hunde, viel Landschaft. In jeder Runde höre ich ein lautes Knallen und geiferndes Gebell. Nach der sechsten Runde erkenne ich den Schäferhund, der immer wieder laut bellend gegen die Scheibe springt und hoffe, die Scheibe hält noch zwei Runden durch. Ich laufe immer noch allein! Pah, da macht man schon so einen Rundenlauf und dann hat man nicht mal bisschen Gesellschaft. Eigentlich wollte ich mit Schneewittchen (sie heißt in Wirklichkeit Patricia) quatschen und endlich mal ihre Biel-Geschichte hören. Aber nach einer Runde hat sie mit ihren drei Kindern im Schlepptau wieder die Heimfahrt angetreten - sie rief mir noch kurz zu, sie sei wieder schwanger und verschwand. Also allein. Im Wald vor zwei Wochen wars mir irgendwie nicht so einsam. Nachdem ich nun mit Runde sechs fertig bin gönne ich mir noch mal Bier und Cola und zwei Brezelchen und der Kopf hat gar keine Lust auf die letzten zwei Runden. Ich denke an meine Schuhe. Trailschuhe und hier ist nur Asphalt (die Verkäuferin warnte meine Freundin bei ihrem letzten Schuhkauf ausdrücklich davor mit Trailschuhen auf der Strasse zu laufen:)). Nicht das es irgendwas ausmachen würde. Die Schuhe sind so bequem aber das löst nicht mein Problem mit meinen anderen Schuhe. Neuerdings bekomme ich nämlich immer Achillessehnenschmerzen (sind wohl zu hoch) wenn ich mein normalen Defyance anziehe. Deshalb habe ich sie auch schon zu meinem Schuhmacher geschleppt aber er kann sie nicht tiefer legen. Muss mir einen Orthopädieschuhmacher suchen. So grübel ich vor mich hin und dingdingding letzte Runde, nochmal rum und Ende. Nicht nass geworden, Eierlikör (selbstgemacht!!!) und Osternest bekommen. Danach noch bisschen gequatscht und ab nach Hause. Kinder vom Ponyhof geholt und jetzt Ferienprogramm. Das heißt erst mal Kinder vom Stallgeruch befreien, die wurden nämlich nicht wie sonst im Schwimmbad tiefengereinigt (wegen Attraktivitierungsarbeiten) zur Abholung fertig gemacht. Sehr aromatisch...

0

es geht doch nicht´s über

es geht doch nicht´s über den Duft nach Pferd.:0)
es ist schon immer wieder eigenartig, man istim Wald alleine nie so einsam wie in einer Menschenmenge. Auf Landschaftsläufen laufe ich so gut wie nie alleine, bei Stadtmarathons schon.
Inzwischen schneits bei uns wieder. Menno wir haben Ostern nicht Weihnachten.

Helden gesucht!!!

Aha,

Aha, Attraktivierungsarbeiten also;)
Wie genau sahen die denn jetzt aus? Nach so vielen Runden alleine kann man ja schon mal leich desolat werden (grins). Aber alle Achtung, alleine Runden drehen in so einer "spannenden" Landschaft, da weißte, was du geschafft hast.
Sind die Kinder denn wieder tiefenrein und vorallem geruchsfrei geworden??
Und das Problem mit den Schuhen kenne ich...leider.
Ich komm da auch nicht weiter im Moment.
Na jetzt kannst du dich ja entspannt zurücklegen und chillen. Es sei dir gegönnt!!

Seit 2011:



"Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings" (Carl Einstein)

Alles dabei

beim mainrenner´schn Bericht.
Blut, Essen, Bier, falsche Klamotten, Schuhe, Wetter....
Danke für´s aufschreiben, jetzt weiß ich ja, wo Du Dich Ostern so rumtreibst.
Schönen Urlaub noch und viel Erfolg beim Stallausräuchern ;-)
LG, KS

na, da haste ja...

...einige attraktive runden gedreht *kicher*
____________________
laufend schlackert mit den ohren: happy

AttraktiviTierungsarbeiten

sollte ich auch mal an mir durchführen lassen. Statt dessen habe ich erstmal die Nase und die Lippe von Kind 2 attraktivitiert, die war nämlich blau und ganz platt (die Nase) die Lippe hässlich blutig und gespalten...das arme Kind hat nur gespielt...und sieht jetzt bisschen nach Opfer von häuslicher Gewalt aus...schluck...Aber der Geruch ist zumindest verschwunden...nur noch das Auto riecht...soooo streng...puh...

...and miles to go before I sleep...

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links