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Meine Meinung zum Thema Marathon dürfte bekannt sein, aber für den geneigten Leser nochmal die Kurzform: zu lang und zu langweilig!

Wenn aber nun der Freund, den man am allerlängsten kennt, sprich seid über 30 Jahren, einen Marathon organisiert und das noch auf der Insel Föhr, kann/darf man dann Nein sagen?!
Eben!!
Also bereits im Dezember langsam mit Vorbereitung begonnen, Grundlagenausdauer muss ja eh sein und ohne Plan angefangen die KM zu sammeln, die man wahrscheinlich so braucht; wobei weniger und strukturierter wahrscheinlich mehr gewesen wäre und das Schwimmen mit min. 2x pro Woche auch nicht vergessen werden wollte.
Anfang März musste ich mir dann eingestehen, daß, wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, ich nahe an einem Übertrainingsphänomen war; mein Akku war leer, die Motivation weg, die Stimmung depressionsnah und und und
Aber gebucht ist gebucht, Training runtergefahren und versucht den Trend umzukehren, Regeneration, bzw. Tapering beachtet - mal schau'n.

Letztes Wochenende dann Anreise, nettes Wiedersehen und Pastabuffet; alles nett und gut. Nur der Wind, der schon auf dem Festland nicht ohne war und auch die Überfahrt dominierte, bereitete mir in Kombination mit den Außentemperaturen etwas Unbehagen - und zu Recht, wie der nächste Tag zeigen sollte:

Der Raceday begann nach gutem Schlaf mit der langen Überlegung, welche Kleidung denn gut wäre. Wind zwischen 7 und 9 Beaufort aus Westen umlaufend, Temperatur max. 4-5°C, gefühlt um die "0"...
Nach dem Start ging es erstmal runter zum Südstrand, fast windstill, sonnig und ich wußte ich hätte ne Schicht Oberkleidung weglassen können. Die angezeigte Pace stand Richtung PB (obwohl im Vorfeld garnicht angestrebt) und alles war gut!
Tolle Strandaussicht, super Stimmung auf der Promenade...
Bis wir dann nach KM 9 am Hafen um die Ecke bogen um auf dem Außendeich Richtung Norden zu laufen. Schlagartig änderte sich alles, da der Wind uns voll von der Seite erwischte und unglaublich kraftraubend und kalt war. Es bildeten sich sofort vereinzelte Rudel von Läufern, die versuchten so eng es irgend ging Windschattengruppen zu bilden. Sieht doof aus und bringt auch nichts, aber die Verzweiflung läßt nichts unversucht...
Am Windpark änderte sich die Lage dann erneut, weil die Strecke nach Westen abbog und wir jetzt plötzlich voll im Wind von Vorn standen und gefühlte 100km nur geradeaus dagegen gelaufen sind. Und das sollte sich auch nicht wirklich für den Rest der Strecke ändern.
Bei der HM-Marke lag übrigens meine Unterkunft direkt an der Strecke und rief meinen Name, ich solle doch einfach reinkommen und duschen... aber wer a sagt...
Bei Km 25 wußte ich, daß ein HM auch gereicht hätte und der Tag echt lang werden würde. Die Zeiten wurden immer langsamer, die Beine immer härter, der Kopf immer weinerlicher und über allem stand die bekannte Grundregel, daß Marathon ja erst bei KM 30 beginnt!!
Um es kurz zu machen, ich habe gelitten wie noch nie, mich von KM 35 an nur noch von KM-Punkt zu KM-Punkt und, ja, ich mußte Gehpausen einlegen.
Der Wind und die Kälte hatten soviel Kraft gekostet und mich mental so zermürbt, es war einfach nur noch eklig. Zwischendurch hatten wir dann auch noch so'ne galante Mischung aus Hagel und Eisregen, was zwar kalt war, aber auch vom Wind ablenkte! Auch von der tollen Landschaft und den netten Orten, sowie den super Leuten an den Verpflegungsstellen habe ich nur noch rudimentär etwas mitbekommen, ich war nur noch mit mir selbst beschäftigt :(
Und genau bei KM 42 hat sich dann li. mein Oberschenkel dermaßen schmerzhaft verkrampft, daß mir zum ersten Mal nachvollziehbar wurde, warum es schon Läufer gab, die an so einer Stelle ausgestiegen sind. Nach kurzer Pause und Humpeleinlage, hab ich mich dann doch noch irgendwie aufgerafft die letzten Meter zu "laufen"; ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht mehr daran, auch nicht daran, daß mir jemand ne Medaille umhing; das hab ich vor Schmerz ausgeblendet.
Resultat: Angekommen!! Ich war davon ausgegangen unter 4h zu bleiben, aber nach der Nummer bin ich mit den erreichten 04:11:xx absolut zufrieden und Stolz gefinished zu haben.
Der Föhr-Marathon selbst ist eine tolle Veranstaltung, super organisiert, in herrlicher Umgebung, mit netten Leuten - selbst wenn ich wollte gäbe es nicht zu meckern (für das Wetter kann ja niemand was; es stimmte ansonsten alles: Abläufe, Stimmung, Versorgung, AfterRaceParty,Location...
Eine runde Sache, der man das Herzblut der Veranstalter anmerkt. Wer also doof genug ist, so früh im Jahr Marathon zu Laufen und das Besondere liebt:
Auf nach Föhr!!!!! (und wer glaubt Fritze sagt das nur wg. seinem Kumpel im Orgateam, der möge bitte die Berichte auf "Laufen-in-Dortmund" (sehenswertes Video), "Marathon4you" oder "MC100" oder "Runnerworld" lesen, alle sind absolut angetan begeistert.
Ich hätte gerne noch Fotos eingefügt, bin aber dazu zu dumm!

So, eigentlich war ich danach sportlich gesehen komplett für 2012 durch, aber gestern war ich dann regenerativ schwimmen und habe mir im Sonderangebot ein paar neue Asics geschossen... die Saisonplanung 2012 wird wohl doch durchgezogen; evtl. sogar wieder mit dem Abschluss "Oldenburg-Marathon" - doof genug wär ich ;-)

Hoffe ihr seid alle gut drauf und müßt weniger Leiden, wenn doch, denkt an die weisen Worte meiner Frau, Du hast das so gewollt!
Bis dann Fritze

PS: 05.04.2012: Radkilomter 2012 Fritze: "0" (NULL)
Außentemperatur NordWest: 3°C
Fritzes Räder: Dachboden
Fritzes erster Wettkampf: 03.06.2012 MD (!?!?!)
Wie das gehen soll, weiß ich selbst noch nicht... ;-)

Wie das gehen soll?

Also Laufen brauchst du nach dem Einstieg in die Saison ja gar nicht mehr zu trainieren. Das ist der Vorteil eines Frühjahrsmarathon. Herzlichen Glückwunsch zum Finish. Das war ja echt ein hartes Stück Arbeit. Marathon sowieso und dann noch an einem windstarkem Tag an der Nordsee nötigt mir echt Respekt ab. Ich habe schon viele Kilometer auf Nordseeinseln gesammelt und weiß, was es für einen Unterschied macht, ob man von dem Wind nur liest oder schreibt oder ob man ihn wirklich laufend spürt! Da ist mir eine knackige Steigung beizeiten lieber als steter Wind von vorn. Bei der Steigung sieht man wenigstens ein Ende.
Mein favorisiertes Kleidungsstück für die Nordseeläufe ist im übrigen eine Windstoperweste. Bei Rückenwind lässt man sie auf und bei Gegenwind hält sie zumindest den Rumpf einigermaßen warm.
Danke für den BEricht und alles Gute für den Rest der Saison...

Ach Fritze,

Du hast es geschafft! Den Wind besiegt! Und Dich selbst - und ja: Du hast es so gewollt :grins: Muss ja mal Deiner Frau Recht geben.

Bei dem Wetter und so früh Marathon - da brauchst Du jetzt nur noch radeln und die MD kann kommen.

Meine erste is eine Woche später - aber verkürzt. Und vorhr will ich noch was laufen. Jetzt hab ich noch mehr Respekt davor. War heute schon hart: kalt und windig heute früh beim Training. Grrrrr, gute mentale Schulung halt.

Blöder Wind!

Ich gebe dir sooo Recht! Marathon ist soooo dooooof! Bei Wind und Kalt gleich doppelt.

Für deine MD habe ich keine Bedenken, Laufen hast du genug geübt, Schwimmen geht doch auch und Radeln könntest doch schon immer, wird schon.

Hol die Räder vom Dachboden und leg los, Rolle geht auch oder ganz einfach Crosser, Trekkingrad oder Stadtschlampe, den Muskeln ist es egal auf welchem Rad sie spezifisch trainiert werden!

Wo startest du??

@Fairy

Ich starte in Hannover beim Wasserstadt-Tri.
Und wg. Rolle gibt es ne klare Ansage meiner Frau, in dem Moment, wo die Rolle ins Haus kommt, zieht meine Gattin aus! (und das war nicht im Spass gesagt...)
Also, müssen wohl 8 Bekleidungsschichten an und dann doch draußen fahren...
Gruß Fritze

"To finish, you have to start!!"

@Fritze:

Dann hol dir doch eine Rolle und trainiere VOR der Haustür. Es würde mich interessieren, wie lange die Gattin diesen Anblick ertragen könnte...

Außerdem solltest du bezüglich der Ehe dringend deine Prioritäten überdenken...;-)

@kaiserswerther

Hab Deinen Tipp beachtet und bin vor der Haustür gefahren;
Allerdings ohne Rolle - sondern in "echt"
Zwar nur 20km ums Dorf aber immerhin!
Und das mit der Gattin ist schon gut so wie es ist (und recht hat sie auch oft, aber nicht petzen)
;-)

"To finish, you have to start!!"

Insel der (Wind-)Stille

Moin mein Alter,

schön dass du dabei warst und wir dir ein so unföhrgessliches Erlebnis bieten konnten. Aber egal wie oft und wie lange du aufs Marathonlaufen schimpfst, in diese Schwimm-und-Fahrrad-Geschichte kriegst du mich nicht, never ever!

Aber vielleicht haben wir ja Glück und können bei deinem nächsten Besuch auf der Insel mal einen Trainingslauf bei richtigem Wind machen ;-)

Für die weitere Vorbereitung und die MD alles Gute und schöne Grüße von Föhr,

Mosche

"Gegenwindläufe sind die Bergläufe des Nordens"

Oh Fritze,

das ist ja mal ein Bericht. Klingt nach viel zuwenig Spaß und nach einem entschiedenen "warum mache ich das?".
Die Fraktion der Jogmap-Blogger, die keine ich-werde-von- Marathon-süchtig oder das-will-ich-immer-wieder oder je-länger-die-Distanz-desto-besser ist ja nicht sehr groß. Und das lese ich vor meinem Marathondebüt. Gut zu wissen, dass es nicht allen gleich viel Spaß macht. Das gibt ja Handlungsoptionen für die zukünftige Planung. Aber zunächst lasse ich deinen Bericht mal nicht so wirken, gell?

Dir viel Spaß bei den Mitteldistanzen, wo die einzelnen Streckenlängen noch das menschliche Maß haben (aber auch die Summe?)

Gruß Evchen

Endlich bin ich dazu

Endlich bin ich dazu gekommen, Deinen Bericht zu lesen. Ich gehöre, anders als Du, zu der Fraktion, die Marathonläufe liebt. Oder besser gesagt, die das Gefühl klasse findet, sich nach 42,195 km wieder selbst überlistet zu haben.
Die Strecke bei starkem Gegenwind zu beenden, dekoriert mit Eisregen und Hagelschauern, ist eine klasse Leisung. Über Deine Zielzeit würde ich mir auch ein großes Loch in den Bauch freuen.
Gute Erholung und lasse die Räder nicht auf dem Dachboden verhungern; sie müssen bestimmt ganz dringend an die frische Luft.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

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