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Nach dem ich letzte Woche so einen netten Rocklauf mit viel Natur absolviert hatte, wollte ich diese Woche eigentlich an einem Rundenlauf teilnehmen. Nachdem ich mit dietzrun telefoniert hatte und er erzählte was er am Wochenende vorhabe, erschien mir die Rundendreherei plötzlich farblos und so fragte ich kurzerhand, ob ich auch mitlaufen dürfe. Netterweise (jetzt wahrscheinlich nicht mehr-aber dazu später) konnte ich mitmachen. Da es keine Verpflegung geben würde, musste man alles selbst mitschleppen und darauf hoffen, auf dem Weg nachtanken zu können. Da allerdings noch niemand vorher den Weg belaufen hatte, gab es dazu keine Angaben und ich wollte mich auch nicht darauf verlassen. Ich versuchte maximal viel Flüssigkeit in meinen Rucksack zu quetschen. Immer wieder kombinierte ich verschiedene Flaschengrößen aber mehr als 700ml, 600ml und 330ml konnte ich nicht unterbringen. Eigentlich wollte ich min. 2l Getränke mitnehmen. Des weiteren wollte ich auch noch 3 Brötchen, 2 Kartoffeln, Salz, Datteln, Telefon, Blasenpflaster und Tape einpacken. Mit dem kleinen Kalenji würde das echt schwierig werden und so machte ich mich am Freitag noch mal in die Großstadt auf, um mir einen neuen Rucksack zuzulegen. Ich wollte hemmungslos Geld ausgeben! Über einen Euro für den Parkautomaten kam ich allerdings nicht hinaus, denn es gab schlicht und einfach in 4 großen Geschäften und 2 kleinen NIX. Ich war in jeder Radabteilung, Sportabteilung und beim Outdoorshop, im Laufladen,...NIX. Es war deprimierend vor allem weil ich die Zeit, die ich mit der Suche verplempert habe, zu hause gut hätte gebrauchen können. Egal. Also musste ich mir was einfallen lassen. Mit Sicherheitsnadeln befestigte ich zwei weitere Taschen am Kalenji-Rucksack, eine vorne an der Brust und eine hinten und auch wenn es eng war, bekam ich 700ml+600ml Bier, 330ml Wasser verpackt und konnte sogar noch eine MiniDose Cola mitnehmen. Dazu die Kartoffeln, ein Käsebrötchen, 2 Laugenbrötchen, 4 Cocktailtomaten und 3 von diesen MinininininiGurken und fertig war das Marschgepäck. Schwer! Wir trafen uns Samstagmorgen auf einem Parkplatz am Zielort. Bis dorthin sollten es lt. Veranstalter 'nur' 63km sein. Dietzrun hatte sich allerdings intensiver mit der zu laufenden Strecke beschäftigt und wusste, dass es bis dorthin 80km sein würden. Nach allgemeiner Umfrage waren wir uns einig, das 80km zu viel seien, um sie bis zum Sonnenuntergang bewältigen zu können. Wir parkten also noch mal um und verkürzten die Strecke auf ca 70km +- ein paar Kilometer und fuhren mit dem Taxi zum Start nach Freudenberg am Fuße der Freudenburg.Das 'N' (die Kennzeichnung des Wanderweges)was wir die nächsten 70km verfolgen, suchen und verfluchen wollten, war schon von weitem zu erkennen. Burgen liegen bekanntlich auf einer Erhebung und diese erklommen wir sogleich. Treppe um Treppe ging es hoch über den Main. Die Aussicht war frisch wie die Außentemperaturen und die weite Sicht ließ einen erahnen warum die Rittersleute ihr Burg dort errichteten. Wir liefen ca 5km durch den Wald bergauf, um uns dann ins Tal nach Bürgstadt zu stürzen. Nach wenigen Kilometern waren wir Miltenberg und wir liefen am Main entlang. Es wurde langsam richtig warm und wir machten uns durch die kleinen Altstadtgassen wieder auf, in Richtung Wald. Steil gings wieder hoch- dieses mal nur 3km und erneut folgte ein steiler Abstieg. Die Pfade waren zum großen Teil ziemlich halsbrecherisch zu belaufen, steinig, rinnig (gibt’s das?) oder komplett unter Laub verschwunden. Bei km23 und einem erneuten laaaangen Anstieg machten wir Rast an einem verlassenen Kloster und labten uns ausgiebig. Nach 20 Minuten gings dann mal wieder in Serpentinen um den Berg herum nach Amorbach. Dort wollte ein Teil der Gruppe noch einen Kaffee trinken. Mir war das im Hinblick auf die restlichen Kilometer, die zu erwartende Dunkelheit und die unbekannte Streckenbeschaffenheit nicht so recht und dietzrun und ich liefen weiter. Im Hinterkopf auch die Tatsache, dass die anderen alle samt sehr viel schnellere Läufer, uns bald wieder eingeholt haben würden. Wir liefen also weiter an einem kleinen plätschernden Bach entlang und folgten dem 'N'. Der Weg führte uns direkt durch eine Tankstelle und wir füllten unsere Getränke nach. Dietzrun kaufte Wasser und ich nahm 0.5l Bier, das ich zur Hälfte trank und die andere Hälfte in meine Flasche füllte. So gerüstet liefen wir weiter am Bach entlang, tatsächlich konnte man jetzt mal ganz befreit laufen. Leicht wellig führte der Weg nach bis km 30. Dann kam wieder ein knackiger Anstieg bis nach Reuschen. Da hatte ich dietzrun schon verloren und war allein. Von Reuschen gings nach rauf und runter. Wieder ein heftiger Anstieg über völlig zerfurchte Wege hinauf zu einer Burg hinab nach Preunschen. Es war sehr warm und ich hielt nach Brunnen Ausschau, um mich wenigstens bisschen zu kühlen, doch da war nichts. Meine Vorräte dezimierten sich langsam. Ein Brötchen hatte ich schon beim Kloster gegessen, gefolgt von einer Gurke und einer Tomate und einem Stück Kartoffel. Irgendwann kribbelten die Finger und ich nahm eine Salztablette. Bei km 43 kam ich nach Ottorfszell und lief an einer Wirtschaft vorbei. Ich machte halt und hoffte es sei geöffnet und netterweise war tatsächlich offen. Ein Mann saß in der Kneipe und eine nette Oma bediente ihn. Sie war bisschen verwirrt als ich reinkam und ein Bier bestellte, die eine Hälfte schluckte ich direkt hinunter, die andere fand wieder den Weg in die Trinkflasche. Ich bat darum meine Wasserflasche zu füllen und die nette Oma schlurfte in ihre Wohnküche zum Auffüllen. Fließendes Wasser gabs in ihrer Kneipe nicht. Als ich mich wieder auf den Weg machte war ich überzeugt, dietzrun und die anderen hätten mich mittlerweile überholt. Ich lief weiter und knusperte mein Käsebrötchen, nahm eine Gurke und begoss alles mit Bier. Irgendwann kam ich durch Breitenbach und bei km 48 überquerte ich die Grenzlinie von Bayern nach Hessen. Irgendwo dort habe ich mal kurz die Orientierung verloren und irrte hin und her. Eine gefühlte Ewigkeit später hatte der Forerunner wieder Empfang und ich das 'N' wieder gefunden, leider war es hinter einem 2,2m hohen Wildzaun. Den lief ich entlang, in der Hoffnung NICHT drüberklettern zu müssen. Dem war dann aber leider so, ich hoffte der Zaun würde mein Gewicht halten und stieg todesmutig in die Metallschlaufen. Rauf rüber runter, puh. Und immer noch kein anderer Läufer in Sicht. Ich machte mir Gedanken über alles mögliche und versuchte per Telefon Kontakt aufzunehmen. Doch nix wars, keine Empfang, nicht mal Notruf war möglich. Langsam wurde es mir mulmig. Sonnenuntergang schätzte ich auf 18.15Uhr, dann noch den Wald mit einkalkuliert—ich musste auf die Tube drücken, um die anderen wieder einzuholen bzw vor der Dunkelheit anzukommen. Wie lange der Weg bis zum Auto sein würde, wusste ich auch nicht genau. Bei km 59 hatte ich dann endlich Empfang und rief Herrn mainrenner an und schilderte ihm meine Situation und bat ihn mal bei GPSIES nachzusehen, wie weit es noch ungefähr sein würde und die anderen mal anzurufen. Mein Forerunner piepte km60 war erreicht. Ich war wieder im Funkloch aber endlich endlich war ich bei diesem Punkt angekommen - überglücklich! Warum? Genau bei diesem Punkt wollte ich meine kleine Dose Cola trinken. Mhhhh, war die lecker. Als Zeichen stellte ich sie mitten auf den Weg, falls doch noch jemand hinter mir wäre, würde er wissen, dass ich hier war und machte mich weiter. Einem bisschen Waldgeschlängel folgte ein Abschnitt Felsenmeer runter, Stolper- und Sturzgefahr inklusive. Die Sonne verschwand hinter den Hügeln und ich war froh nur noch wenige Kilometer vor mir zu haben. Von den anderen immer noch keine Spur. Irgendwann klingelte mein Telefon und Herr mainrenner war dran. Er hatte hatte den restlichen Weg 'vermessen' und meinte es wären nur noch 7-8km. Mir fiel ein Stein vom Herzen, die würde ich bevor es dunkel wäre noch schaffen. Außerdem hatte er mit Frau dietzrun gesprochen und dietzun und die anderen waren noch nicht im Ziel, wie befürchtet, sondern hinter mir!!! Sie hatten zwar dietzrun irgendwann eingeholt aber dadurch das sie noch mehrere kleine Pausen gemacht hatten, kamen sie nicht so schnell an mich heran, wie ich gedacht hatte. Nach 10:10h stand ich am Auto und es war schon sehr duster und sehr kalt. Ich zog meine Armlinge wieder an und machte mich auf die Suche nach einer Kneipe wo ich warten könnte. Im ehemaligen Schulhaus von Ebersbach, im Keller hat sich die Freiwillige Feuerwehr eine Wirtschaft eingerichtet, klein und schön warm und das allerbeste—offen und nicht weit vom Auto entfernt, fragte ich, ob ich auf ein Bier hereinkommen dürfe. Na klar, durfte ich und trank ein alkoholfreies Bier im Kreis der Ebersbacher Männer. Irgendwann klingelte mein Telefon und dietzrun war dran. Draußen war es in der Zwischenzeit tiefdunkel geworden und mit den zwei Stirnlampen, die sie hatten, war nur gehen möglich. Der Alkoholpegel in der Kneipe stieg und ich wartete. Es dauerte noch 1:20h bis wir uns wieder sahen. Die Stimmung war nicht besonders gut, denn ich hatte mich von der Truppe entfernt und natürlich war man besorgt, mir könne was passiert sein...ich hatte natürlich ein ganz schlechtes Gewissen. Aber nie und nimmer hätte ich damit gerechnet, nicht eingeholt zu werden . Ich war davon ausgegangen, ich laufe hinter her. Selbstverständlich habe ich mich entschuldigt, aber die Stimmung ist wohl im Eimer. Jetzt hoffe ich, dass es sich wieder legt und ich trailjunkie,der ich mittlerweile bin, wieder mal mitlaufen darf. Ich gelobe Besserung. Außerdem habe ich mir heute gleich drei verschieden Rucksäcke bestellt - alle mit größerem Fassungsvermögen, denn in Zukunft werde ich neben Proviant und Erster Hilfe auch noch was zum Anziehen mitschleppen. Knapp 70km, 2200Hm und 10:10h Laufzeit- es war toll, schöne Landschaft, kein Hammermann, auch keine Kopfprobleme, keine Blasen (ich krem mir nie wieder die Füße ein!)-bis auf die Sache mit dem Alleinlaufen- wars echt geixx. Der Nibelungestieg, den wir belaufen haben, führt noch viel weiter und eigentlich würde ich gern den Rest auch noch ablaufen.

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Ohne Worte!

Fürs nächste mal, vereinbart an dem N (der Beschilderung)ab und an ein Zeichen zu hinter lassen.

Bewundernde Grüße,
Karen

...Nur wer sich auf den Weg macht, wird etwas Neues entdecken.....

Ich wäre allein schon unter der Last des Rucksacks...

...zusammengebrochen. Ein typisches Wochenende des Gespanns dietzrun/mainrenner würde ich sagen. Aber bitte warte das nächstemal auf Herrn dietzrun, gell! ;-)

Liebe Grüße
Renate

"Not Because It Is Easy, But Because It Is Hard" JFK

07.04. Osterlauf Paderborn 10 km

Mann Mädel du bist der

Mann Mädel du bist der Hammer, und du willst wirklich mit mir kleinem Licht in Karlruhe laufen? Bei vielen hat so ein gemütliches Sonntagsläufchen mal so etwa 8 bis 10km. Wenn du sagst du machst ein Sonntagsläufchen dan sind es mindestens 80km
Mir machtes nichts aus wenn ich mich hier in meiner Umgebung mal verlaufe. Aber in einer völlig fremden Gegend würde ich mir in die Hosen machen.
Gerade weil sie dich mörgen, hatten sie Angst um dich und waren dann halt sauer, als alles in Ordnung war. Ist halt blöd gelaufen. Aber was willst du machen? Du wolltest ja eigentlich die ganze Zeit zur Truppe zurück.
Drück dich mal kurz :-)

Helden gesucht!!!

Abenteuer pur

So ganz allein durch Wald und Flur. Danke fürs Erzählen!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Wo ist der Kuchen? Gibt es

Wo ist der Kuchen? Gibt es überhaupt einen Kuchen?

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Wie?

War das alles?
Keine fiesen Wunden, Magenprobleme, wilden Tiere...?
Was ich davon halten soll?
Ich überlege noch ein bisschen.
Du bist echt bekloppt, das weiß ich schon mal!
LG, KS

Bier?

Ich lese hier irgendwie immer Bier. Wahrscheinlich warste deswegen schneller. Wanderwege entlanglaufen ist eine sehr gute Idee! Find ich prima!
Gruß, Marco
You'll never einwegnamenswanda alone

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Pöhse!

Rennste denen einfach davon und läufst Bierchen trinken!:o(
Sie werdens Dir nicht übel nehmen, denn Du hast ja Reue gezeigt!
Schokokuchen kann bestimmt einiges wieder gut machen (auch bei Vex)!;o))

Der Lauf gefällt mir sehr sehr gut, wobei ich mir alleine mit solchen Beschilderungen immer wieder sehr unsicher wäre, auf dem richtigen Weg zu sein.
Für diese Sicherheit brauch ich wohl noch ein paar Kilometerchen mehr auf dem Tacho!;o)
Du verstehst es, Langstrecke und Natur inkl. Festschmaus zu genießen!
Schön, dass Du wieder fit bist!:o)

Lieben Gruß Carla

Senf dazugeben

Ja, das war ein uneingeschränkt toller Lauf.
Gerade diese Premiumwanderwege sind eindeutig beschildert, auch hinter Abzweigungen nach spätestens 50m erschien wieder das "N".
Neben den persönlichen Erlebnissen von mainrenner hier noch ein paar Bemerkungen:

1)Ich hätte nie gedacht, dass es im mittelgebirgigen Odenwald, zumindest auf diesem Teilstück, solche wirklich steilen Bergauf- und Bergabpassagen gibt.

2)Kaum jemand von uns 8 Läufern glaubte, dass wir in die Dunkelheit geraten könnten, deshalb auch nur 2 Stirnlampen.

3)Das Mitnehmen des gesamten Proviants für 70 km ist schon recht anstrengend,
aber ohne Wasser (Bier) nachtanken zwischendurch gehts dann doch nicht.
2 Liter mitgenommen und 2 Liter nachgetankt.

4)Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass man sich kennt wenn man so einen Lauf unternimmt.

Auf jeden Fall werde ich den 2.Teil der Strecke noch laufen (5 Läufer hatten es gleich am Folgetag gemacht).
Dieser Teil ist etwas kürzer (60km) und soll nicht ganz so schwierig sein (Hm).

Vielleicht hat ja mainrenner Lust mitzulaufen, falls sie mein Rentnertempo akzeptiert.

@Carla

Du bist unsicher auf solchen ausgeschilderten Wanderwegen? Na ja, die GM Null kennste ja jetzt auswendig... ;-)

@dietzrun: 60 km, die machste doch an einem Vormittag zum Aufwärmen für Deinen Nachmittags-Trainingslauf... *duckundwech*

Liebe Grüße
Renate

"Not Because It Is Easy, But Because It Is Hard" JFK

07.04. Osterlauf Paderborn 10 km

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