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Meine Winter-Trainingsplanung sah ein wenig anders als bei Anderen aus. Da ich von vornherein wenig Lust verspürte, im Dunkeln oder bei Scheixxwetter zu laufen (Weichei, ich weiß!), hatte ich meinen Trainingsumfang schon ab Mitte November auf eine Laufeinheit pro Woche heruntergefahren. Zwar werden die Meister des Sommers im Winter gemacht, wie das Sprichwort spricht, aber Meister bin ich nie geworden und ich habe ja noch Tischtennis und den täglichen Arbeitsweg mit dem Fahrrad (von wegen Weichei!).

Die Laufeinheit umfasste meist 16 – 18 km, wobei ich sie immer mit Tempoverschärfung oder gleich als Crescendolauf gestaltet hatte. Sie fand übrigens auch bei Scheixxwetter statt. Das ging auch alles ganz gut, obwohl ich mit Fortdauer des Winters merkte, dass es mit dem Tempomachen doch immer schwieriger wurde. Im Februar kam dann die 2. Laufeinheit pro Woche dazu und seit zwei Wochen laufe ich dreimal. Die darin enthaltenen Intervallläufe 4 x 2000m (in 4:40) und 6 x 1000m (in 4:15) verliefen überraschend gut.

Am letzten Wochenende stand ein kleiner Testwettkampf an, ein 10 km Crosslauf, gleichzeitig als Kreismeisterschaft ausgeschrieben, direkt vor unserer Haustür. Ich hatte keine Vorstellungen, welches Zeitziel ich angehen sollte. Im Vorjahr lief ich noch 45:18 min. Daran war aber wohl nicht zu denken. Und so beschloss ich, mit einer Pace von 4:45 zu beginnen und dann mal zu schauen was geht.

Es war birre kalt mit kräftigem Wind, aber immerhin trocken. Am Start waren nicht mehr als 20 LauferInnen, verteilt auf vier Wettbewerbe (2,5 / 5,0 / 7,5 / 10 km). Der Veranstalter hatte anscheinend nicht genug Werbung gemacht. Ich stellte mich also auf ein einsames Rennen ein. Das war schade, denn der Vier-Runden Kurs führte überwiegend auf Waldwegen entlang und war gut zu laufen. Lediglich ein 350m langes Teilstück führte über freies Feld frontal gegen den starken Wind.

Beim Start peitscht der Rückenwind die Läufer nach vorne. Obwohl ich schneller bin als ich wollte, finde ich mich an vorletzter Stelle im Feld wieder. Egal, ich lasse sie ziehen. Mein erster Kilometer geht in 4:35 min. vorbei. Ich fühle mich noch gut, halte die Pace und kann dann auch einige Mitläufer überholen, wobei das bei der Enge der Wege manchmal schwierig ist. Bei 200 Startern hätte das ganz schön nervig werden können.

Meine Pace pendelt sich zwischen 4:35 und 4:40 ein. Ich kann sie über 7 km halten. Nun beginnt die „Schaun-mer-mal“-Phase. Ich konzentriere mich besonders auf meine Körperspannung und gehe auf die letzte Runde. Im Wald macht mir ein älteres Ehepaar Platz. Ich bedanke mich. Er sagt zu ihr: „Ist das der Erste…“ (Wow, denke ich, ist mein Laufstil noch so überzeugend?) „… oder der Letzte?“ (Was? So schlimm kann das doch auch nicht sein.) Doch ich fühle mich gut, bedanke mich noch bei den Streckenposten, versichere Ihnen, dass ich nicht noch einmal vorbeikomme und laufe die letzten drei Km in 4:26, 4:30 und 4:23. Gesamtzeit: 45:30 min., nur 12 sec. langsamer als im Vorjahr. Die können ihre Ursache auch im fortgeschrittenen Alter haben. Fazit: Ich bin begeistert. Ab November gehe ich wieder in den Wintermodus.

Und die Krönung: Ich bin in der AK50 Kreismeister geworden. Ist mir noch nie passiert! Von den drei Teilnehmern war ich tatsächlich der Schnellste. Ich hätt' mich fast totgelacht. Wie lautete noch das Sprichwort von den Meistern? Ich wüsste ein neues: Wenn du Meister werden willst, suche dir ein Rennen aus, von dem sonst keiner weiß.

Gruß

Meister Sirius
… der jetzt im Sommermodus rennt.

4.923075
Gesamtwertung: 4.9 (13 Wertungen)

was fuer eine Geschichte!!

Was fuer eine Geschichte, und so meisterhaft erzaehlt!
eine tiefe Verbeugung fuer den Herrn Crosskreismeister. Oder Kreiscrossmeister?

cour-i-euse

Echt krass, eh!

Oder auch Krassmeister!

siehste mal

sauber wieder auftrainiert, das ist ne belohnung wert :)

aber mich interessiert ja , was für dich mehr zählt : dieser kreismeistertitel oder
das ereignis von 1978: Schütze des Siegtores zum 10:9 im Klassenspiel gegen die Gy 8b (Fußball)
;)))
gc

Klare Sache:

Einmal ein richtiger Held sein, den überschwänglichen Jubel der Mannschaftskollegen zu erfahren, die bewundernden Blicke der Mädels zu spüren – es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen. :-)

Cool gelaufen...

...und ein schöner Bericht, Gratulation!

Mal interessiert gefragt: Was hast Du zwischen 2006 und 2008 trainiert? Ich frage, weil ich in meinem 1.HM 2011 in etwa Deine Zeit (1:56) hatte, und Deine Mara-Zeit von 2008 wäre jetzt für HH genau mein Ziel...

LG Britta

:)))

hab´s mir fast gedacht :))
gc

Ich hatte in erster Linie

Ich hatte in erster Linie darauf trainiert meine 10km- und HM-Zeit zu verbessern. So richtig, mit Tempo-Intervallen auf der Bahn, auch im Winter bei 0°C (irre!). 2008 lag meine HM-Bestzeit bei 1:41 h.

Vielleicht ein kleiner Tipp ohne klugscheißerisch klingen zu wollen: Beim Marathon-Debüt sollte man vorab einen kleinen Zeitaufschlag mit einplanen. Das hatte ich damals auch gemacht und nach einem 3:45er Plan trainiert, wobei ich noch mehr lange Läufe und noch etwas längere als vorgesehen absolviert hatte. Ich bin dann trotzdem mit einer Zielzeit von 4 h an den Start gegangen. Und es war bis heute mein schönster Marathon.

Viel Glück und vor allem viel Spaß in HH!

Schön

geschrieben und gelaufen!

Traumzeiten, werden für mich unerreicht bleiben...

Glückwunsch!

Danke für die Auskunft...

... zu Deinem Marathon-Debüt. Und natürlich auch für den Hinweis... ja, ich trainiere so in etwa auf 3:45 hin, weiß aber auch schon vom HM (es war warm), daß es gerade beim ersten Mal doch etwas anders kommen kann. Respekt bleibt, und ich werde nicht über eine 4:15 jammern, jawoll!

LG Britta

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