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Habe im Internet (unter Steppenhahn) gelesen, dass (in diesem Fall amerikanische) Ultraläufer gar nicht den Ehrgeiz haben , die Strecke (in dem erwähnten Fall 100km) durchlaufen zu wollen, sondern sich eine Art Intervall festlegen: alle so und so viele Meilen bzw. Meilen eine so und so lange Geh"pause" einlegen (auf 1 Meile 2min gehen, glaube ich mich zu erinnern), um die Kräfte zu schonen. Das soll daher auch im Training schon so geübt werden.

Wie sind die Erfahrungen der Damen und Herren von der Ultrafront?

Gehpausen beim 100er

Gehpausen bei meinen 100ern waren eher unfreiwillig. Gerade bei meinem ersten fehlte mir die Erfahrung, da kam es schon mal zu Gehpausen, und nach ein paar Stunden gar eine gaaaaanz lange Gehpause, weil ich mich am Kreuzband verletzt hatte.
Bei den beiden anderen 100er bin ich weitestgehend (bis auf eine Pi...pause) durchgelaufen. Ganz ehrlich, das würde ich auch jedem raten, wenn es geht. Denn nach, sagen wir mal 80 km, nach einer Gehpause wieder ins Laufen zu kommen ist verdammt schwer.

Liebe Grüße
Renate

Der Weg ist das Ziel

Gehpausen

Hallo Ulrike,

ich hab den Müritz-Lauf letztes Jahr so vorbereitet. Während des Rennens bin ich die ersten 5 Std. durchgelaufen, dann mit Gehpausen, nach dem Muster 5:1, also 5 Min Laufen 1 Min Gehen. Meiner Meinung nach bringt das erheblich was, zumindest für Leute in meiner Leistungsklasse. Und die Gehpause ist kurz genug, um das Wieder-Reinkommen-Problem gar nicht erst entstehen zu lassen. Schau mal in meinen Laufbericht von damals für mehr gefühlte Einzelheiten hier

Klugheit ist der vergebliche Versuch, das wahre bekloppte Leben zu vermeiden

angelrunners@CMOB

Sehe ich ähnlich

Ja, das werde ich dieses Jahr bei meinem ersten Ultra (auch der Müritz-Lauf) auch so handhaben. Auf dieser Seite gibt es Hinweise zur "Running/ Walking-Strategie": HOW TO RUN YOUR FIRST 50-MILER. Viel Spaß damit ;-)))

Grüße und guten Lauf
fnord

vollkommen normal

Hallo,

bin letztes Jahr den Fidelitas Nachtlauf (80km) in Karlsruhe gelaufen, mein erster längerer Lauf und mit einem Trainingsaufwand von ca. 50km die Woche und einem bescheidenen Zeitziel (unter 10 Stunden). Die meisten Teilnehmer gingen den Lauf ähnlich entspannt an. Und da er leicht profiliert ist, bin ich die Anstige immer konsequent gegangen. Denke mal, ich bin insgesamt 7 Stunden gelaufen und 1,5 Stunden gegangen, gegen Ende natürlich vermehrt.
Bei den weniger ambitionierten Hobbyläufern ist gelegentliches Gehen vollkommen normal, man erholt sich wunderbar, wenn man ein paar Minuten geht und sammelt somit kraft für die nächste "gelaufene Etappe".

Hallo zusammen, die Variante

Hallo zusammen,
die Variante mit den Gehpausen wird im Allgemeinen für nicht effektiv gehalten. Ich kenne auch niemanden der dies praktiziert. Die Gehpausen stellen sich zum Teil auch von alleine ein wie z.B. nach den Verpflegungsstellen oder an Steigungen an denen ein Joggen keinen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber dem Gehen bringt. Es ist besser den ersten Teil etwas langsamer anzugehen um dann für den Rest noch die notwendige Ausdauer zu haben. Das muss aber jeder für sich selbst herausfinden. Mehr Infos findest Du in www.laufreport.de . Dort gibt es genügend Tipps für die 100 von Biel.
Laufende Grüße
Stefan

100 KM - Tolle Idee - Individuelle Angelegenheit -

Hallo Ulrike, hier ein netter Bericht.

Abenteuer und Herausforderung

"100 Kilometer laufen, wie macht man das, ich kann ja nicht einmal 100 km am Stück Radfahren ?? ".

Dieses und ähnliches werde ich immer wieder gefragt.

Natürlich ist es nicht einfach, natürlich muss ich mich gewissenhaft darauf vorbereiten, natürlich erfordert es alle meine Kräfte, aber der Reiz, die Herausforderung, ich glaube, das ist es, was mich immer wieder dazu treibt 100 km, zu laufen, obgleich es nach jedem Lauf der letzte gewesen sein sollte !!

Wie es mir zumute war bei einem meiner vielen 100-Kilometer-Läufe, das habe ich kurz nach dem Lauf niedergeschrieben. Immer wieder, wenn ich diesen Bericht lese, dann kommt es mir vor, als sei es gestern gewesen Ich möchte diese Erfahrung, sich selbst immer wieder zu überwinden, zu kämpfen, wenn man meint, es geht gar nichts mehr, nicht mehr missen.

Hier mein Bericht über die 100-Kilometer World Challenge in Winschoten, Holland.

Bescheiden stelle ich mich ganz hinten an. 13. 59 Uhr, Countdown: 10, 9, 8, 7, 6, 5 , 4 , 3 , 2 , 1 – Schuss !! Die Menschen auf der Tribüne schicken uns mit kräftigem Applaus auf die lange, lange Strecke: 100 Kilometer – nur nicht daran denken !!! Jetzt ist es soweit. Der Applaus tut gut, man fliegt förmlich aus der Halle, die ersten Läufer sind kaum noch zu sehen. Viel Glück für unser Team ! Links und rechts - durch Gitter getrrennt – stehen Menschen dicht gedrängt an der Straße und klatschen, eine Riesenstimmung, die mich – wie so manchen anderen – dazu verleitet, schneller zu laufen als man es eigentlich sollte.“ Langsam „, du bist zu schnell“, geht es mir durch den Kpf, ich drossele das Tempo – schön von all’ diesen Begeisterten auf die lange Reise geschickt zu werden !

Wir laufen durch Winschoten, überall haben die Menschen Stühle und Tische an den Straßenrand gestellt und machen es sich bei Kaffee und Kuchen gemütlich. Die Kinder stellen sich an den Straßenrand, strecken die Hände vor, damit sie von den Läufern abgeklatscht werden. Immer wieder Applaus. Der Weg führt durch die Stadt, jeder Kilometer ist gekennzeichnet! Es macht Spaß zu laufen, man wird durch die Begeisterung der Menschen über die ersten Kilometer hinweg fast getragen.

Kilometer 2,5 - die erste Versorgungsstelle – hier gibt es Wasser und Schwämme. Fleissige junge Leute stehen mit Bechern und Schwämmen bereit und müssen so manches Wasserbad in Kauf nehmen, wenn ein allzu schneller Läufer mal daneben greift. Ich trinke gleich – es ist sehr warm, ich weiß, dass ich bei diesen Temperaturen trinken muss, auch wenn ich keinen Durst habe.

Weiter an Häusern und Menschen vorbei. Kilometer 3 – eine langgezogene Straße - ich schaue nicht nach dem Ende. Es geht mir gut. Alle Gedankenen, wie „ bist du eigentlich genug trainiert, wirst du durchhalten, wie wird es laufen", werden verdrängt. Kilometer 5 – hier die erste große Versorgungsstation – alle zwei Meter Versorgungsstände der einzelnen Nationen, deren Coachs, Trainer und Helfer die Wünsche ihrer Läufer auf Zuruf erfüllen und ihnen reichen, was immer sie möchten.

Dabei läuft der Betreuende neben seinem Läufer her, damit dieser auch nicht eine Sekunde durch Nahrungs- bzw. Getränkeaufnahme verliert. Ich habe keinen Betreuer, aber bei mir kommt es auch nicht auf die Minute an, hole Wasser und laufe trinkend weiter.

Jetzt geht es an einem langen Kanaldamm entlang. Auch hier viele, viele Menschen, Applaus. Der Wind kommt von vorne, hoffentlich wird er nicht stärker, naja, es geht mir gut !!

Kilometer 7 Wasserstelle – immer wieder trinken – ich habe Durst. Die endlos erscheinende Strecke entlang des Kanals biegt bei Kilometer 8 rechts ab – vorbei an einer viel befahrenen Straße. Geradeaus im Schatten der Bäume bis zu Kilometer 9. Auch hier sitzen Menschen auf aufeinandergereihten, gut gepolsterten Gartenstühlen (die haben es gut !!) und ermutigen uns mit Zurufen und Applaus. Die letzte Versorgungsstelle – wieder Meter an Meter die internationalen Verpflegungstellen. Ein Italiener ruft mir zu „ molto bene ", lächelt mir zu – danke , das tut gut !

Ich trinke Wasser – laufe auf die Halle zu. Hier stehen die Menschen wie die Trauben an den Gittern gedrängt und wieder Applaus und Jubel – ich fühle mich wie ein Weltmeister – laufe an dem Sprecher vorbei, dessen Worte sich überschlagen wegen der vielen Läufer, die jetzt vor, hinter und neben mir in die Halle einlaufen. Leider verstehe ich nichts, dennoch die Stimmung hier in der Halle ist großartig, die Menge jubelt, jedem Läufer zu. Ich drücke meine 10-Kilometer-Zeit in meine Uhr ein. Nur noch 90 Kilometer, ich muss selbst innerlich ein wenig lächeln. Raus aus der Halle und flotten Schrittes weiter !!!!!!!!

Es läuft gut, das Wetter, die Menschen – es beflügelt mich, ich laufe schneller, was ich habe, das habe ich, langsamer werde ich sowieso! Kilometer 20, 30, 40 – Runde für Runde. Ich fühle mich noch ganz gut, esse bei Kilometer 30 einen Energieriegel, der Vernunft gehorchend und trinke jetzt einen Becher Cola und 1 Becher Wasser. Der Rest des Wassers dient der Erfrischung, ich schütte es mir über den Kopf, das tut gut. Immer wieder holen mich Motorräder auf, die den schnellsten Mann, einen Südamerikaner, ein kleiner, schmaler, fusselnder Mann, der an mir so schnell vorbeiflitzt, dass ich mich nur wundern kann, mit der Fernsehkamera verfolgen. Er will heute Weltrekord laufen, ich wünsche es ihm !!

Kilometer 50 – Gott sei Dank ! Die Hälfte ist geschafft, jetzt geht es abwärts!! Die Beine werden schwerer – es geht mir nicht besonders gut, irgendwo in der Wade verkrampft sich etwas – ich muss Magnesium nehmen. An der nächsten Versorgungsstelle bitte ich einen Helfer, mir meine Magnesiumtabelette aus der Verpackung herauszudrücken. Ich kann es alleine nicht, die Hände sind angeschwollen – ich trinke Wasser, schlucke Magnesium – und weiter.............

„ Warum mache ich das ??? Warum quälst du dich ??? „ Meine Beine sind schwer, die Moral am Boden. Ich beneide alle Zuschauer, die hier am Straßenrand in bequemen Stühlen bei Kaffee und Kuchen Platz genommen haben. Und ich ??? Weiter !!!, es wird schon wieder besser, es geht alles vorbei !!!!, tröste ich mich. Nach dem Lauf lasse ich mich schön massieren und dann nur noch ausruhen, essen, trinken, schlafen, Urlaub machen !! Es wird schon wieder !!!!

Thomas überrundet mich: „ Wie geht es dir , Margitta ? „ mmh, so lala und dir ??“ „ Es geht ", und weg ist er schnellen Schrittes, er hat schon 10 Kilometer mehr als ich, der Glückliche !!

Kilometer 60 es geht wieder besser, dennoch ich spüre meine Beine, lasse die Arme kurz bambeln, versuche die Schultern zu entspannen. „ Locker bleiben , locker laufen" !!! Endlich die Halle. Kilometer 70. Ich bleibe mit der Fußspitze an einer Kabelüberdeckung hängen und fliege (verdammter Mist, wie kann dir so was passieren ??) in hohem Bogen in die Halle und lande auf dem Boden. „ na, Prost Mahlzeit, jetzt ist ales aus !! " . Ein Raunen in der Menschenmenge, Sanitäter eilen herbei, die Kamera rückt näher. Man hebt mich auf, ich checke kurz die Lage, bedanke mich bei den Helfern und beschließe, weiterzulaufen. Oje, wie wird das werden ?????? Beifall von den Rängen – und weiter, es sind noch 30 km zu laufen. Es ist dunkel – ich versuche mich ein wenig zu säubern, der linke Ellenbogen blutet, jaja, es wird schon gehen !!! Ich muss ankommen. Ich schaffe das. Noch 27 Kilometer – es wird mir elend übel, die Beine werden schwerer, die Schultern sind steif. Aussteigen ???? Nein, du schaffst das !! Die Wunde am Ellenbogen brennt, eine Blase am rechten Fuß macht sich bemerkbar. Oje !!! Weiter ! Ich halte länger an den Versorgungsstellen, weiß nicht, was ich essen oder trinken soll – mir ist es so schlecht. Es ist längst dunkel, auch die Zuschauer verziehen sich mehr und mehr in ihre Wohnzimmer, in die ich neidisch hineinsehe. Die haben es gut – und ich ????? mein Gott - wie kann man nur !!

80 Kilometer – die zwanzig schaffe ich locker – dennoch die Beine tun weh, der Schritt wird immer schlürfender. Nur nicht hinfallen – aufpassen !! Ich nehme mir ein Stück Orange, zuckle sie aus – eine kleine Erfrischung, aber nichts gegen die Übelkeit !!!

Auf der Strecke nur noch wenige Läufer, dennoch es gibt noch einige, die noch mehr Probleme haben als ich. Sie stehen irgendwo angelehnt. Ob sie noch die Kraft haben werden, weiterzulaufen ???

Noch 10 Kilometer – ich kann nicht mehr, mir tut alles weh, ich lasse die Arme links und rechts von mir hängen, auch den Kopf, aber es wird mir schwindlig, Kopf hoch !!! Noch 8 Kilometer, was sind schon 8 Kilometer ??? Mein Gott, wie lange ein Kilometer doch sein kann. Noch 7 Kilometer, von zu Hause bis zum Rhein- ein Klacks !!! Ich irre fast ganz alleine durch die Nacht, hinter mir ein schlapp, schlapp, schlapp, sieh einer guck !! – die kleine Japanerin, die ich vorhin überholt habe, hat sich wieder berappelt und zieht an mir vorbei.

6,5,4,3,2. Noch ein einziger kleiner, klitzekleiner Kilometer – mein Gott, ich danke dir !! Ich sehe die Halle - zum Glücklichsein bin ich zu kaputt.

Stehenbleiben 100 Kilometer – es ist geschafft !! – NIE WIEDER (das sage ich immer !). Ein Sanitäter legt mir eine Decke um, ich setze mich, was für ein Gefühl !!!! Alles ist vorbei – over – geschafft – durchgekommen !!!!

Thomas begleitet mich zur Dusche – herrlich das heiße Wasser. Frische Klamotten – es geht mir schon viel besser. Ich gehe zur Massage und lasse mich eine Stunde lang massieren, massieren, massieren – die Welt ist wieder in Ordnung.

Gefunden in laufspuren.de

Schöner Bericht

Ja, so ähnlich hab ich meine 100er auch erlebt. Wobei ich nur einmal auf einer 10-Km-Runde gelaufen bin (Rodenbach). Unna war eine 100-Km-Runde und Hamm waren 2 50-Km-Runden. Mal sehen, dieses und nächstes Jahr kommt noch kein 100er wieder in Frage, aber langfristig werde ich auch mal wieder einen ins Auge fassen. Vielleicht Biel. Oder auch Winschoten.

Liebe Grüße
Renate

Der Weg ist das Ziel

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