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Im internet fand ich die Ausschreibung zum 'Only for women'- trail Lauf. Einzige Teilnahmebedingung war es, im Rock zu laufen. So ein Teil ist schnell genäht und da es spaßig klang, meldete ich mich an. Besser gesagt ich fragt an, ob noch einer von den 17 Plätzen frei sei und ob ich gegebenenfalls mitlaufen dürfte, denn die Schnellste bin ich freilich nicht. Alles per Postkarte denn die Veranstalterin hat gern Post in ihrem Kasten. Zwei Wochen vor dem Lauf bekam ich zwei dicht beschriebene Seiten geschickt 'Roadbook' only for women 50 Meilen Traillauf. Als Streckenbeschreibung gab es den Verweis auf den KuSuH-Lauf counterclockwise (gegen den Uhrzeigersinn) und die Angabe von 3 Verpflegungspunkten bei 9,5mi, 22,7 mi und 44 miles. Rucksack mitschleppen war zwingend angesagt. In Runners World wurden gerade Rucksäcke zum Testen angeboten. Dorthin Bewerbung per email gesandt, allerdings sollte man einen Facebook-Account vorweisen können. Das kann ich nicht und deshalb vermute ich, bekam ich natürlich auch keine Chance zum Testen! Der Lauf hätte sich wirklich angeboten. So musste der kleine Kalenji-Rucksack herhalten. Mit kleinen Seitentaschen erweitert, bot er genug Platz für 2 große gekochte Kartoffeln, 1,2l alkoholfreies Bier, 20 gesalzene Datteln und 3 Salztabletten. Bei 22,7 Meilen konnte man Eigenverpflegung/Klamotten aufnehmen/abgeben und ich liess dort noch eine Flasche Bier deponieren. Mit dem Laugengebäck, Cola und Wasser das es an den Vps geben sollte, war meine Verpflegung dann komplett. Start war für 7.00 Uhr geplant, Anfahrt ca.150km, d.h. aufstehen um 3.15 Uhr, Abfahrt 4.30 Uhr. Nach kurzer Suche den Sportplatz in Oberderdingen in der Nähe von Karlsruhe gefunden, auf dem Weg zum Clubheim erste Begegnung mit einer Läuferin: Sag mal warst du auch beim SH? fragte sie mich...Ja...Ha! Da begibt man sich in so ein kleines Örtchen zu einem Miniläufchen und trifft gleich beim ersten Einheimischenkontakt jemanden mit dem man schon ein paar Kilometer zusammen gelaufen hat. Luschtig, luschtig. Die Welt ist wirklich klein. Im Clubheim waren schon 3 andere Mädels und die Veranstalter, alle im Rock. Wir frühstückten noch bisschen was und bekamen noch eine kurze Erklärung zur Streckenmarkierung. Quadratische Metallplättchen auf die ein rotes reflektierendes Rechteck geklebt war, standen rechts des Weges und Richtungsänderungen sollten per Mehlpfeil angezeigt sein. Wenn keine Markierung vorhanden, einfach weiter gerade aus. Als alles besprochen war, waren auch die anderen Mädels eingetroffen und zu neunt gings los. Außentemperatur lag bei 1 Grad Celsius und ich holte noch schnell meine dünne Regenjacke und Armlinge. Verpasste fast den Fototermin und hepphepp machten wir uns auf den Weg. Gegen den Uhrzeigersinn eine Runde auf der Tartanbahn und ab in die Natur. Die Wege oder besser dort wo wir laufen sollten, waren ordentlich gekennzeichnet. So wirklich wusste ich nicht was mich erwartete, denn ich hatte kein Höhenprofil und auch aus dem Roadbook wurde ich nicht schlau. Es hieß für mich den Anschluss nicht verlieren und immer schön auf die Markierungen achten. Zu meinem Glück wollten Sigrid, die ich vom SH kannte und ihre Freundin einen langsamen Trainingslauf (hahaha, glaubt niemals einem Ultra wenn er von einem langsamen Trainingslauf spricht) absolvieren. Ich hängte mich an ihre Fersen und so galoppierten wir durch die Hügellandschaft des Kraichgaus in Richtung des ersten VP Weckerlesbrünnle. Mal steil rauf, wieder runter, einen richtigen Weg hab ich selten gesehen. Vielmehr stapften wir durchs Dickicht, durch tiefes Laub und über Holzrückwege. Man sah selten wo genau man seine Füße aufsetzte und die Gefahr umzuknicken war hoch. Der erste Punkt war schnell erreicht und wir labten uns an Cola und Wasser. Ich nahm ein Stück Kartoffel und zwei Datteln. Die Mädels stopften Doppelkekse und Cracker in die Backen und weiter gings. Es war mittlerweile richtig heiß geworden und Schatten gab es selten, denn in den Gebieten wo wir unterwegs waren gab es zwar viele Bäume aber das waren alles Laubbäume und so liefen wir zwar im Wald aber trotzdem in der prallen Sonne. Hatte ich nicht mit gerechnet. Wir liefen immer weiter durch den Wald über Wiesen und Felder, durchquerten eine Stadt und kamen schließlich beim VP2 Köhlerwiese an. Wir hatten alle Hunger und so verschlagen wir Laugenstangen, Kartoffeln und Datteln. Dazu Bier und Cola. Die Mädels an denen ich versuchte dran zu bleiben genossen Linzertörtchen und Gummibärchen. Bald machten wir uns wieder auf den Weg, kamen an einem Wildpark vorbei, liefen durch einen winzigen Tunnel. Dann gings wieder steil in die Höhe, tausende von Maiglöckchen um mich herum. Ab und an wickelten sich mal ein paar Brombeerranken um meine Beine oder ich trat ins Leere weil sich unter dem Laub nur Löcher befanden. Irgendwann kamen wir auf asphaltierten Wegen zum Aalkistensee und dann zum VP3. Dort füllte ich meinen Biervorrat wieder auf und trank in kleinen Schlücken Cola und Wasser, aß Kartoffel, Laugenstange und Datteln. Hinter der Verpflegung gings wieder lange aufwärts und ich machte mich mit strammem Schritt in Richtung Derdinger Horn zum letzten VP auf. Bevor ich dort ankommen sollte gabs noch reichlich lustige Wege zu belaufen. Steil rauf, dann noch höher quer durch den Wald, rechts ein Drahtzaun und links ein Abhang. Dazu ein paar kleine Holzbrücken die den Weg nach unten freigaben. Erwähnte ich, ich habe Höhenangst? Irgendwann gings mal wieder abwärts und dann ganz hinunter durchs Gebüsch. Ich stehe vor einem tiefen Graben, es fließt ein Bach zu meinen Füßen. Da steht ein Marker. Das muss das Flußbett sein. Ich höre Stimmen und sehe meine Mitläuferinnen wieder, die sich vorsichtig über die glitschigen Schieferplatten tasten, über dicke Baumstämme steigen oder unten drunter durch kriechen. Manchmal brechen die Hölzer einfach unvermittelt ab und man steht im Nichts. Wir alle halten den Atem an und sind froh als wir nach einer gefühlten Unendlichkeit wieder den Hang raufsteigen. Im Bachbett treffen wir noch auf eine schnellere Läuferin deren Wasservorräte frühzeitig aufgebraucht waren und die deshalb langsamer gemacht hat. Ich biete ihr von meinem Bier an, denn ich habe noch genügend Reserven. Sie nimmt ein paar Schlücke und bis zum nächsten VP laufen wir gemeinsam. Als kleinen Leckerbissen haben wir jetzt hübsche Natursteintreppen und einen steilen Weinberg vor uns. Um zum Rebenweg zu gelangen dürfen wir erst mal durch die Brombeeren steigen, es gibt nichts woran man sich festhalten kann außer kleinen mit Dornen besetzten Büschen. Autsch. Noch eine Schleife durch den Wald und schon erreichen wir den letzten VP. Er liegt weit oben und wir haben eine tolle Aussicht. Leider weht auch ein heftiger Wind und ich ziehe meine Armlinge wieder an. Sigrid hat bei ihrem Mann noch ein Bier bestellt und ich trinke einen Schluck vom kühlen Bierchen. Mhhhh, das schmeckt. Dazu Kartoffel, Laugenstange und eine Dattel. Ich füll mir bisschen Cola in meine Bierflasche und mache mich wieder auf den Weg. Noch 6 Meilen bis ins Ziel. Nochmal geht es steil hoch und genauso wieder runter, querfeldein über Streuobstwiesen und wieder in den Wald. Hoch und höher und irgendwann gehts dann tatsächlich gefühlt runter und aus dem Wald raus. Ein Strauss schaut mich durch den Zaun an. Am Horizont sehe ich noch meine Mitläuferinnen. Netterweise drehen sie sich ab und zu mal nach mir um, ob ich auch noch auf dem richtigen Weg wandele. Es wird städtisch und nach 11:11h, 50 Meilen und 1600 Höhenmetern erreiche ich das Ziel. Es war ein toller Lauf, ich freue mich, dass ich die Möglichkeit hatte, die eine Hälfte des KuSuH bei Tageslicht zu laufen. Nachts wäre das nix für mich.

5
Gesamtwertung: 5 (4 Wertungen)

Klingt nach jeder Menge Spass

wenns nur nicht so weit zu laufen wäre :-)
Allen Respekt !!!!!

GENIAL....

.... hört sich das mal wieder an! Genau nach meinem Geschmack, doch meine Knochen (eigentlich die schleimigen Beutelchen) wollen gerade pausieren. Wieder ein Lauf, den ich auf meine "Da will ich auch mal rennen"-Liste setze! Du und Deine Abenteuerläufe - einfach klasse!

Hab gerade den

Hab gerade den Taschenrechner rausgezogen. Glaube ne Meile sind 1,6 Kiolometerchen. Aaaalso 5o meilen x 1,6 sind gleichhhhhhhhhh wauh 80 km Spaß im gelände.
Mädel du bist der Hammer. Ich glaub für den Lauf wär ich zu langsam unterwegs. Mein problem ist zudem, ich komm zwar fast überall hoch, aber schlecht wieder runter :-)

Helden gesucht!!!

Hey! Das hört sich echt

Hey!

Das hört sich echt spannend an ^^

Dein Text liest sich auch eigentlich ganz nett, für das nächste Mal empfehle ich dir allerdings, dass du ein paar Absätze reinhaust, damits noch angenehmer zum Lesen ist.

LG
Jaimy

Und das alles mal eben

nach der Pause wegen Verletzungen, etc.? Boah, Du bist der Hammer!

Hört sich richtig nett und familiär an - man könnte fast auf dumme Gedanken kommen. Aber im Rock mag ich nicht laufen - ich bevorzuge kurze Hosen, sonst scheuer ich mir die Oberschenkel wund :grins - Elefantenbeine halt:

@Jaimy

wieso? Der Text ist wie der beschriebene Lauf. Immer weiter immer weiter, nicht stehenbleiben.

Absätze im Text wären ja als würde man beim Lauf Gehpausen machen!

incognita

Wahnsinnsleistung - Respekt!

Warum läufst du im Rock 80km mit 1600 Höhenmetern?
Weil du es kannst. Herzliche Glückwünsche zu dieser grandiosen Leistung!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Ja die Gela weiß wie man Strecken legt!

Von wem Sie das wohl hat? Beim VP 3 Derendinger Horn hat es mich letztes Jahr auch etwas vom Weg abgetrieben. Und Gela zog locker flockig am VP 3 an mir vorbei. Bis dahin ist es auch noch hell, es dämmerte gerade.
Frag doch mal an, ob Du nicht mitlaufen darfst im September. ich glaube diese Jahr gibt es auch escort-service für die Damen ;-))))

50 Meilen, Ober Hammer. we will rock you!

Uusi

laufen - essen - laufen - essen

Wahnsinn, das klingt so locker - ein Verpflegungsstand nach dem nächsten, aber dass dazwischen unglaublich viele Meilen und noch viel mehr Kilometer liegen, liest man deinem Bericht kaum an. Gut, dass Du es am Ende nochmal erwähnt hast.
Grandios auch der niedliche kleine Schlusssatz "Nachts wäre das nix für mich" - das klingt so bescheiden, aber für mich wäre das auch tagsüber absolut unvorstellbar! Herzlichen Glückwunsch, bin zutiefst beeindruckt. Aber sag mal, wo kriegt man denn salzige Datteln her? Das klingt nämlich echt interessant und lecker.

Nochmals Glückwunsch und schreib uns bald wieder was
yazi

Da ist es wieder

DAS VERRÜCKTE HUHN !!

Du bist echt der Knaller - ehrfürchtige Grüsse,

Anja

Ich finde das gemein...

...dass nur die Mädels so eine schöne Strecke laufen dürfen :0(...

Aber, wieder eine beachtliche Leistung von Dir :0)...
Du schreibst, glaube niemals einem Ultra wenn er von einem langsamen Trainingsläufchen spricht!? Die laufen doch immer langsam ;0)))...

Du bekommst die maximalen 10Punkte von mir, für diese gemeisterte Tat!!

:0) Kaw.

Boah, ....

voll gerockt, das Teil!!
Sachma, packst Du alkfreies Weizen in Deine Trinkblase???
Explodiert die nicht???
Ich weiß immer noch nicht, wie ich die gekühlte Flasche mitbekomme, ohne, dass sich beim Öffnen die Hälfte in die Atmosphäre verflüchtigt! Muss man die vorher einfrieren???;o))
Ich brauch andere Stoßdämpfer, um erschütterungsfreier zu laufen!
Hey, genialer Lauf ganz nach meinem Geschmack, nur noch etwas zu lang für mich, aber ich arbeite dran!;o)
Mann ey, 50 Meilen durch die Blüsen, wie gxxl ist das denn?!?!!!:o)
Du bist ech ne Marke!!

Lieben Gruß Carla

Toller Lauf!

Für mich absolut nichts, aber ich lese Eure Berichte einfach zu gern!

Ganz arg verwundert bin ich aber doch über die Verpflegung. Bier und gekochte Kartoffeln im Rucksack, Linzertörtchen am VP. Ich glaube, das schaffen nur Ultraläufer.

Gruß Nicole

Du bist echt verrockt

äh, verrückt.
Danke für´s aufschreiben.
Würde ich Dich nicht persönlich kennen, könnte ich es kaum glauben!
LG, KS

ich muss gestehen...

mein Bier (ALKOHOLFREIES!!!) hat meistens nicht mehr viel Kohlensäure und kalt ists nach 5 Stunden auch nicht mehr. Aber es schmeckt trotzdem, bisschen herb, nicht so süß, ach wunderbar. UND wenn man wegen Allergien nix anderes mit Geschmack außer Cola trinken kann relativiert sich das. Außerdem ists isotonisch, d.h. die Flüssigkeit hat die selbe Anzahl gelöster Teilchen, wie Blut und enthält viele Mineralien etc..Ich schütte es am Vortag immer zuerst in einen großen Krug, quirl bissie die Kohlensäure raus und füll es dann in Plastikflaschen, lässt sich gut rumschleppen und im Gegensatz zur Trinkblase weiß ich genau wieviel ich noch habe und nix leckt. Die Kartoffeln schlepp ich mit weil ich auch kein Obst oÄ zu mir nehmen kann und Kartoffeln enthalten ganz viel Kalium, das hilft die Flüssigkeit im Darm zu binden und aufzunehmen. Die Datteln wiederum nehme ich weil da viele Aminosäuren drin sind, Magnesium und noch viel anderes Zeugs, das ich jetzt vergessen habe. Im Nachhinein finde ich meinen Bericht etwas unzulänglich, denn die Strecke war eigentlich viel schöner und man kann es gar nicht so richtig beschreiben. Man vergisst so viel und erst später fallen einem noch ganz wunderbare Sachen ein. Naja, die Stimmung ist eh schlecht wiederzugeben, im runners high scheints natürlich noch 'bunter'. Manchmal staunt man auch im Nachtrag, wo man wirklich echt raufgelaufen oder gekraxelt ist und wie man sich an die Bodenbeschaffenheit angepasst hat. Und auch das ohne Wege laufen war wirklich spannend. Ich habe die STrecke bei GPSIES unter dem Namen Oberderdingen gespeichert und man kann sie über guckel erde in 3D abfahren. Wer will kann ja mal...aber ich weiß schon heute, dass ich mit 50 Meilen ausreichend versorgt war und im September keine 100 MEILEN laufe, gell UUSI, des machsch nua du.:)

...and miles to go before I sleep...

Ladies first

Muss man auch einen Rock tragen, um den Bericht zu kommentieren? Dann halte ich mich zurück. ;-)
Dein Bericht klingt so locker nach einem Sonntagsausflug. Hast Du schön gemacht.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

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