... braucht man keine Feinde mehr!
Das wird sich zumindest eine Freundin denken. Ihr hatte ich zum Geburtstag einen Startplatz für einen HM geschenkt. Sanfter Druck, sozusagen. Doch nicht nur auf sie, auch auf mich selbst hat es wirken sollen.
Jetzt war es endlich so weit! Unser erster HM!! Wir Landeier nähern uns wie immer planlos dem Veranstaltungsort. Parkplatzchaos. Damit hatten wir nicht gerechnet (Gut, im nachhinein etwas leichtsinnig, hatte doch der Veranstalter auf seine Homepage schon vorgewarnt). Also irgendwo am A... der Welt geparkt und zu Fuß weiter. Inzwischen waren wir schon etwas knapp in der Zeit, aber wir mussten einige km bis zum Start laufen und so war das Aufwärmen direkt mit erledigt. Wir näherten uns dem Startbereich und auch den Menschenmassen. Habe ich schon erwähnt, dass wir echte Landeier sind? Menschenmassen.... Dinge, die die Welt nicht braucht. Nun gut, wir könnens nicht ändern. Der Startschuss fällt, die Masse walzt los, irgendwann überschreiten auch wir die Startlinie. Wir mitten drin. Und das sollte sich während der ersten 5 km auch nicht ändern. Rhythmus finden schier unmöglich.
Nach ca. 5km die erste Verpflegungsstation. Nun bin ich nicht nur schweißnass, sondern auch noch klebrig. :-) Weiter geht's. Endlich mehr Platz. Nicht nur Füße und stramme Waden vor, neben und hinter einem. Lockeres Geplauder zwischen uns, die Zeit stimmt. Wir wollten bei unserer Premiere nicht übertreiben. Eine Zeit um 6 min/km, kontinuierlich durchgehalten, erschien uns realistisch. Sorgen machten uns die leichten Steigungen, die immer mal wieder zu bewältigen waren. Einige Läufer würden lachen, was wir als Steigungen bezeichnen. Doch wo's rauf geht muss es auch irgendwann wieder runter gehen. Während meine Freundin bergauf bergab immer ihren Rhythmus hält und auch die Schrittlänge Milimetergenau gleich bleibt, strecke ich ganz gerne mal die Beine. Beide wollten wir durchkommen, also haben wir uns irgendwann doch getrennt und jede ist ihren Lauf gelaufen.
Ich ließ es einfach laufen. 10km - keine Probleme. Versorgungsstationsgeschlabber. Weiter geht's. Ich überhole fleißig ein paar Leute ohne es wirklich mitzubekommen. 15km - hmmmm 01:22... dann sollte doch die 2h-Grenze möglich sein?! Doch wie so oft, der Geist ist willig, doch das Fleisch wird schwach. Als das 40km Schild für die Marathonis erscheint (2x Rundkurs)und ich entsprechend nur noch etwas über 2km vor mir hatte, wurde es bitter. Seeeehr bitter. Die Beine werden schwer, die Schritte kürzer. Leichte Anstiege. Fluch. Was mach ich eigentlich hier? Um eine Kurve - noch ein Anstieg. Vor mir läuft ein älterer Herr, der ein paar Schritte geht. Dankbar hänge ich mich an seine Fersen, gehe auch. "Los, lauf doch durch, sind nur ein paar Meter!" - "Ich kann nicht mehr!" - "Ich auch nicht, aber ich bin auch älter!". Tolles Argument. Er sprach's und lief wieder los. Ich versuchte mitzuhalten, ging aber nicht mehr.
Endlich, das Ziel vor Augen. Ich laufe durch, vergesse die Uhr zu stoppen. Ist auch völlig wurscht - hauptsache ich muss nicht mehr laufen. Umdrehen, auf die Freundin warten. Dauerte nur ein paar Minuten, dann hat auch sie es geschafft. Kollektives stöhnen. Warum tun wir uns das eigentlich an? "Na, weil Du mir's zum Geburtstag geschenkt hast! Ich wäre nie auf die Idee gekommen!!". Stimmt wohl.

Übrigens, ich in tatsächlich <2h geblieben. Und meine Freundin nur knapp drüber. Gelungene Premiere, zumal wenn man bedenkt, dass ich erst seit Nov. regelmäßig ein paar km laufe und meine weiteste Distanz bisher 16km war... Mut zur Lücke!!

P.S. Wenn meine Freundin wieder Geburtstag hat, gibt's den Startplatz für den Marathon. Bin mir allerdings nicht sicher, ob ich mich dann noch als "Freundin" bezeichnen darf.
;-)

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Gratulation!

Hast Dich durchgebissen!

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