Im September 2011 musste ich den Berlin Marathon bei km 32 beenden. Der Schmerz im rechten Fuß wurde zu stark. Ermüdungsbruch, stellte sich dann nach einem MRT heraus. Jetzt laufe ich seit Anfang Februar wieder. Aber natürlich will ich an die Ursachen des Bruches des 3. Mittelfußknochens ran. Vordergründig war es so, dass ich einige Wochen vor dem Marathon versehendlich ohne Innenpolster in den Laufschuhen gelaufen war (nachdem ich sie nach einem Regenlauf zum Trocknen herausgenommen und vergessen hatte, sie wieder reinzutun). Dabei muss es wohl zum ersten Mal knacks gemacht haben. Habe ich aber nicht sofort bemerkt. Das kam erst 2 Wochen später beim Halbmarathontest nach ca. 16 km, da bekam ich erstmals heftige Schmerzen im Fuß, lief aber trotzdem zu Ende, allerdings recht langsam am Schluss.
Habe dann auch noch weiter trainiert, denn dass es schon hier ein zumindest leicht angeknackster) Ermüdungsbruch war, wusste ich nicht, wollte es auch nicht wissen. Beim Training (jetzt wieder mit Polstereinlagen) verschwand der Schmerz immer nach einigen hundert Metern wieder).
Aber wie konnte es zu dem Bruch kommen? Offenbar sind meine Schuh- und Polsterverwöhnten Füße nicht darauf eingerichtet, auch mal ohne Polsterung und Dämpfung klarzukommen. Ich habe - wie viele Zeitgenossen - einen Spreizfuß, d.h. die natürliche Stoßdämpfung durch das Quergewölbe im Vorfuß fällt aus. Grund ist wahrscheinlich das Jahre lange Tragen von Schuhen.
Außerdem meint mein Haus- und Sportarzt, ich hätte einen Knickfuß. Hat er tatsächlich anhand einer Videoanalyse diagnostiziert.Allerdings musste ich dabei mit dem Fuß über eine leicht erhöhte Platte laufen, was die Statik verfälscht haben könnte. Ich habe mir daher zu Hause selbst nochmal ein Video gebastelt. Steht hier bei Youtube.
.
So und jetzt bin ich gespannt, was Ihr dazu meint. Ist das nun tatsächlich ein Knickfuß (links) oder ein Normalfuß? Ich sage jetzt mal nicht meine Bewertung.

Jedenfalls will ich jetzt versuchen,durch Fußgymnastik und demnächst auch durch Barfußlaufen und Laufen mit Schuhen ohne Dämpfung (zB mit meinen Huaraches; siehe siehe hier.
Hat einer Erfahrungen damit, ob das geht? Oder hat jemand sonstwo etwas Glaubhaftes dazu gelesen?
Gruß aus Berlin - Scott

Großes Thema

über das vor allem im Moment viel geschrieben, diskutiert und publiziert wird. Im Moment ist es ja eher Stand des Wissens, dass der Fuss durch reduzierte Laufschuhe á la Nike Free wieder dazu aufgefordert wird selbst zu arbeiten und sich somit selbst zu stärken und zu einem gesünderen Laufen beizutragen. Außerdem sollen flachere Schuhe den Laufstil positiv beeinflussen. Grundsätzlich finde ich das auch nachvollziehbar und gut. Ich versuche mich selbst auf Schuhe mit niedrigerer Sprengung umzustellen. Das ganze birgt aber auch Gefahren. Bei mir ist es z.B. ebenfalls so, dass ich einen Knickfuss rechts, d.h. eine Überpronation am rechten Fuß habe, die mir u.a. durch die Umstellung auf die neuen Schuhe sehr große Probleme und eine lange Verletzungsgeschichte eingebracht hat.
Mein Orthopädietechniker hat mir dazu folgendes erklärt: Füße moderner Menschen sind oftmals stark degeneriert und haben sich in abertausenden von Bewegungsabläufen der vergangenen Lebensjahre eine evtl. Fehlhaltung so stark eingeschliffen, dass der Fuß bzw. das Hirn welches ihn ansteuert ohne stützende Schuhe gar nicht mehr weiß welches der richtige Bewegungslablauf ist. Soll heißen mit einem Umstieg von gestützten und gedämpften Schuhen auf Minimalmodelle kann man ganz schön auf die Nase fallen (So wie du mit deiner Innenpolstergeschichte auch schon erfahren musstest). Wenn du schon einen Verdacht auf einen Spreiz- und Knickfuss hast, würde ich dem auf jeden Fall erst mal nachgehen bevor du auf andere Schuhe umstellst. Auch wenn ich grundsätzlich kein Einlagenfreund bin aber heutzutage gibt es auch sehr gute Einlagen, die, zeitlich begrenzt eingesetzt, durchaus Sinn machen können.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich glaube, dass man seinen Füßen durch Barfußlaufen und reduzierte Schuhe langfristig gutes tut. Kurzfristig sollte man da jedoch sehr vorsichtig damit umgehen, wir sind nicht mehr die Urzeitlebewesen, die sofort ohne Schuhe losrennen können ;)

lg
Rosenbloom

kann man, ja

aber langsam! Als ich vor 6 Jahren mit dem Laufen anfing, ging nichts ohne Fußschmerzen. Bis ein Orthopädietechniker und Läufer einen üblen Spreizfuß bei mir feststellte und Einlagen PLUS gestützte Schuhe verschrieb. Ab da war schmerzfreies Laufen möglich. Vor einem Jahr begann ich beides etwas runterzufahren: erstmal leichtere Schuhe mit Einlagen, dann flachere Schuhe mit Einlagen. Parallel dazu mit den Vibrams Fivefingers immer mal wieder "Barfuß"einheiten im Wald. Als ich meine Kinvara holte und da meine Einlagen nicht reinpassten, bin ich diese Schuhe ohne Einlagen gelaufen, die anderen noch mit. Inzwischen laufe ich ganz ohne Einlagen und ausschließlich ziemlich flache Modelle. Beim letzten Laufbandcheck wurde festgestellt, dass ich inzwischen erheblich mehr Vorfuß laufe. Dass ich schneller geworden bin merke ich selbst ;-))

Aber das ist ein Prozess über Jahre! Da wirst du nichts in ein paar Wochen ändern. Grundsätzlich sind Spreizfüße übrigens meistens genetisch veranlagt (meine Kinder haben sie auch, und die haben noch kein falsches Schuhwerk getragen, ich bin übrigens auch keine Highheels Trägerin ;-) und ein eingebrochenes Quergewölbe kannst du nicht wieder "aufrichten".

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Ein guter Orthopädietechniker ...

scheint das zu sein, Rosenbloom. Was Du schreibst was er sagt entspricht auch dem, was ich mir aus etlichen Stunden Recheche in Büchern und Internet bisher zusammengereimt habe. Es war ja bei mir auch nicht nur das Laufen ohne Innenpolster, was eine ungewöhnliche Belastung für die ungefederten Mittelfußknöchelchen mit sich brachte, sondern ich habe einige Wochen vorher angefangen, zwischendurch bis zu 3 km in simpelsten Indianersandalen ("Huaraches") zu laufen, die eigentlich lediglich einen Schutz der Fußsohle bringen. Ich dachte mir, wenn die Tarahumara-Indianer in Mexiko damit hunderte Kilomenter verletzunngsfrei laufen können (siehe das lesenswerte Buch "Born to run" von Christopher Mc Dougle), dann sollte das für Mitteleuropäer ein ernst zu nehmender Fingerzeig sein, dass wir mit dem jüngsten High-Tech-Dämpfungshype bei Laufschuhen auf einem Holzweg sind. Allerdings scheint die Umstellung in der Tat viel Zeit zu benötigen. Und darum will ich das jetzt durchaus ernst nehmen, wie Du ja auch empfielst, und erst mal den Schwerpunkt auf Fußmuskelaufbau legen. Das heißt, ich laufe erstmal standardmäßig mit meinen alten gedämften Polsterschuhen - bin da auch schon wieder bei 13 km Distanz angekommen - will aber jetzt auch parallel vorsichtig mit Kurzstrecken auf Barfuß bzw. Minimal-Schuhen (Huaraches und simple Surfschuhe) beginnen. Werde dazu demnächst mal auch in meinem Blog regelmäßig berichten.
Was meinst Du übrigens mit "sehr gute Einlagen, die zeitlich begrenzt eingesetzt, durchaus Sinn machen können" ? Welche sind das und was unterscheidet sie grundsätzlich von den typischen Einlagen, die dem Körper die eigene Arbeit abnehmen und ihn genau deshalb schwächen?
Grüße aus Berlin - Scott

Sehr interessant, Strider

Du scheinst also schon so einen Umstellprozess gemacht zu haben. Wie lang hat er denn bei Dir gedauert? Was Deine Aussagen betrifft, dass Spreizfüße meistens genetisch veranlagt sind, bin ich skeptisch. Wie will man das nachweisen? Dass Deine Kinder auch welche haben, könnte ja auch schlicht daran liegen, dass sie genau wie Du meistens in Schuhen gehen, wie heutzutage ja fast alle. Und Deine These ein eingebrochenes Quergewölbe kannst du nicht wieder "aufrichten" ist ja wohl auch nicht in Stein gemeißelt, oder hat das jemand bewiesen? Ich versuche jedenfalls gerade, den Gegenbeweis anzutreten. Würde mich nur interessieren, ob das schon jemandem gelungen ist. Ich gehe jedenfalls bis auf weiteres davon aus, das die Muskulatur, die für das Aufrichten des Quergewölbes zuständig ist, wie alle anderen Muskeln im Körper wieder so trainiert und aktiviert werden können, dass sie aus Ihrem Dornröschenschlaf erwachen und wieder den Job mit dem Quergewölbe voll übernehmen. Ich habe vor einigen Wochen auch schon mit viel versprechenden Übungen begonnen, dabei auch schon deutlich sichtbare Verbesserungen in der Beweglichkeit der Fuß- und Zehenmuskulatur erreicht. Und heute morgen bin ich erstmals mit meinen neu gekauften Aqua Sphere Beachwalker XP Wassersportschuhen 2 km gelaufen. Ging prima. Kosten übrigens nur 22,50 € bei amazon und eignen sich m.E. genau so gut zum geschützten Barfußlaufen wie Five Fingers (bei denen mich die "Einzelverpackung" der Zehen nicht überzeugt- und schon gar nicht der Preis). Damit ich dieses Forum hier nicht mit diesen Berichten überlaste, will ich darüber demnächst in meinem Blog schreiben.

Christian Larsen

Kennst Du die Buecher von Christian Larsen? Die haben bessere Antworten parat als jeder Laie hier.

Den Patientenratgeber "Gut zu Fuß ein Leben lang"
und ein Buch fuer den der sich ein bisschen tiefer in die Materie einarbeiten möchte: "Füße in guten Händen"

incognita

Ja Scottberlin

ich halte ihn für einen sehr guten Orthopädietechniker. Vor allem deshalb, weil er mir mit sensomotorischen Einlagen ein Laufgefühl beschert hat, wie ich es seit 5 Jahren nicht mehr kannte. Ich hatte ständige Probleme mit der rechten Hüfte (Blockaden, stechen, ziehen, usw.). Nachdem in einer Laufanalyse die Überpronation rechts festgestellt wurde, bekam ich die besagten sensomotorischen Einlagen. Und es ist jetzt keine Übertreibung aber sobald ich mit den Dingern laufe ist nach ca. 1-2km meine Hüfte komplett frei, kein Ziehen, kein Stechen, keine Bewegungseinschränkung mehr. Damit hat er das geschafft, woran in den Jahren davor Ärzte und Orthopäden gescheitert sind.

Sensomotorische Einlagen sollen entgegen den klassischen Stützeinlagen keine reine Stützfunktion übernehmen sondern durch Druck auf bestimmte Punkte am Fuß dem Hirn signalisieren "Hier muss der Muskeltonus erhöht werden". Ziel der Aktion ist, dass man nach einem Zeitraum X (vermutl. mehrere Jahre) wieder ohne Einlagen laufen kann, weil die Fussmuskulatur zum Einen wieder gestärkt ist und zum anderen der richtige Bewegungsablauf wieder drin ist. Eine erste tolle Wirkung haben sie zumindest bei mir auf jeden Fall, ob langfristig alles so weiter geht werden wir sehen. Nachteil: Die Dinger sind ziemlich teuer.

An den Tarahumara Indianern ist bestimmt was dran allerdings hab ich durch einen naiven Sprung ins kalte Wasser schon viel Lehrgeld in Form von Knochenhautreizungen und -entzündungen bezahlen müssen, von daher machst du schon alles richtig wenn du es langsam angehen lässt ;)

beweisen kann ich nichts

bin kein Mediziner und nicht das Maß aller DInge ;-) Ich berichte nur von meinen Erfahrungen (Umstellung) und was mir Ärzte gesagt haben (zum Thema Spreizfüße, übrigens schon in der Generation meiner Eltern). Übrigens laufen wir alle viel barfuß, gerade meine Kinder, aber natürlich nicht mehr wie die Naturvölker, das ist schon klar.
Der Umstellungsprozess ging bei mir etwa über ein Jahr. Allerdings ist er bei mir eher zufällig erfolgt und nicht geplant oder trainiert worden. Barfuß laufe ich übrigens nach wie vor nicht auf Asphalt, das machen meine Spreizfüße dann doch nicht mit; Wald und Wiese sind hingegen ok. Was zum Barfußlaufen alles geeignet ist, da bin ich nicht markenbewusst. Ich komme mit den Vibrams gut klar.

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

sensomotorische Einlagen

Den von Dir beschriebenen Effekt kann ich bestätigen! Ein Traum! Aber dran gewöhnen musste ich mich dennoch erst daran.

Schöne Geschichte...

... genauso. begann auch mein Laufabenteuer. Identisch . Nur dassich später herausstellte, dass der vom Chirurgen. diagnostizierte Haarriss gar keiner war. was hilft, schreibst du selbst auch schon. Muskulatur des fussgewölbes kräftigen. Ich bewälltigte dies ausschliesslich mittels Fussgymnastik.. Acht Wochen und die Schmerzen waren weg und weitere sechs Monate später lief ich meinen ersten Marathon.
;-)

Spreizfuß

Ich habe mir nicht alle Kommentare durchgelesen, möchte aber trotzdem von meinen Erfahrungen berichten.
Bei mir wurde im letzten Jahr ein Spreizfuß festgestellt, bei dem die Nerven zwischen den Zehen drei und vier permanent gereizt wurden. Ich habe mir die Mittelfußknochen der Zehen zwei bis vier verkürzen lassen (waren zu lang, dadruch ist das Fußgewölbe abgesackt). Die OP (nennt sich OP nach Weil) war am 21.12.11. Seit Anfang Februar kann ich wieder normale Schuhe tragen und Speedhike seit Mitte Februar wieder (so der fuß sich fit fühlt).Es sitzt noch nicht alles wieder an seinem Platz, aber die Heilung verläuft stetig.
Die OP wurde ambulant durchgeführt. Mit einem Vorfußentlastungsschuh kann man mit Krücken sofort wieder auftreten und gehen. Begleitende Physio tut ihr übriges.
Ich kann die OP bei empfehlen, allerdings sollte da ein orthpädischer Chirurg ran, der sich mit Füßen wirklich auskennt.

Was war es denn?

Hallo Schalk, wenn´s kein Haarriss war, was war es denn?
Und welche Fußübungen hast Du gemacht?
Und haben sich Deine Füße verbessert etwa in dem Sinn, dass jetzt das Quergewölbe wieder aufgerichtet ist? Oder ein Knickfuß weg ist?
Scott

http://www.jogmap.net/laufstrecken/108947.jpg

Orthopäde in Berlin mit Expertise zu barefoot running gesucht!

Hallo,

ich bin mal so frei, das hier etwas wiederzubeleben.
Ich habe seit nunmehr einem Jahr die äußerst langsame Umstellung auf Vibrams mit bisher 300km vollzogen und bin seitdem endlich ohne Knie und Hüftprobleme.

Neuerdings habe ich nach dem Laufen allerdings Probleme mit einem Knöchel - in NORMALEN Schuhen, als würde dort etwas überspringen.
Ich würde deshab gerne bei einem Berliner Orthopäden vorstellig werden, der etwas von barefoot running versteht, und mich nicht wie ein ungläubiger ansieht, wenn ich ihm erkläre, dass ich in minimal shoes laufe.

Kennt jemand einen Orthopäden in Berlin, der hier Expertise besitzt?

Danke!

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links