Benutzerbild von cocobolo

Nachdem ich hier schon einige Berichte vom Celler-Wasa-Lauf gelesen habe, schiebe ich meinen mal schnell hinterher:

Als Celler Innenstadt-Bewohner kenne ich die Wasa-Lauf-Strecke schon von ganz verschiedenen Seiten. 2003 habe ich hier meinen allerersten reinen Lauf-Wettkampf, damals über 10km, bestritten ("als Celler muß man mal in Celle gelaufen sein"), zwei Jahre lang war ich mit weniger leistungs- als stimmungsfördernden Getränken erst morgens auf der Wanderstrecke, später an der Bierbude aktiv, letztes Jahr lief ich den letzten 20-km-Läufern aus Richtung Bahnhof von einer tollen Reise von ganz weit weg entgegen, jedes Jahr gehe ich die Strecke (ok, im Juli zu anderer aber ähnlich volksfestartiger Gelegenheit…) mehrfach mit der Trompete ab (Atemtraining, auch nicht ohne), und zu den Kilometern, die man als Frau auf seiner vor der Haustür beginnenden Heim-Shopping-Meile im Jahr so ableistet, muß ich wohl nichts sagen.

In diesem Jahr habe ich mich etwas spät-spontan für 15 km angemeldet. Irgendwie fiel mir beim Intervalltraining für den HH-Marathon im Februar ein, daß ein Wettkampf vorher vielleicht nicht schlecht wäre… und als eher heimatverbundener Bequem-Läufer mit viel zu wenig freien Wochenend-Tagen kam mir schnell das Laufevent vor der Haustür in den Sinn. Ich gebe zu, die Anmeldung für 15 Kilometer war halbherzig, aber ich hatte vor der Anmeldung per email geklärt, daß eine Ummeldung auf die 20 km am Vortag des Laufs kein Problem wäre. Was mich schreckte, waren die Runden. 4 Runden durch die Stadt… in jeder Runde denken müssen: "Hier muß ich noch 3mal vorbei"… das spricht wohl nicht für eine optimistische Laufeinstellung, waren aber meine Bedenken und die Motivation für nur 3 Runden.

Ok, das Training für Hamburg lief weiter gut, ich bin von allen Winterviren verschont geblieben, und vor einer Woche war klar: Eine einigermaßen aussagekräftige Standortbestimmung für den Plan für Hamburg muß noch einmal her. Also: Ummelden auf 20km, sprich 4 Runden… ja, ich mache es.

Am Vortag des Wasa-Laufs kann man seine Startnummern schon in einer Celler Sporthalle abholen, und dieses Event wird zunehmend zu einer kleinen lokalen Mini-Marathon-Messe ausgebaut und von vielen Läufern genutzt. Das Ummelden war dort für mich kein Problem, kostete 2€, und am nächsten Morgen bin ich per Kickboard vor Beginn der Laufevents schnell vor das Celler Schloß gerollert, um meine frisch und neu gedruckte Startnummer jetzt für den 20km-Lauf in Empfang zu nehmen. Schon zu dieser Zeit war die Stadt vom Autoverkehr abgeriegelt, viele Helfer hatten bereits in Leuchtwesten ihre Positionen bezogen, und die Stechbahn (die "Ziel-Einlauf-Meile") sah schon sehr nach sportlichem Großevent aus. Ich bekam Lust, mitzumachen!

Leider mußte ich dann noch ein paar Stunden zuhause warten, mein Lauf begann erst um 13.15 Uhr (die 15-km-Läufer starten gemeinsam mit den 20ern), und ich wollte nicht zu lange vorher im doch frischen Wind draußen stehen. Mit Frühstück und Renneinteilungs-Überlegungen ging die Zeit dann aber rum. Ja, die Renneinteilung… ich war in der Woche zuvor ganz normal gelaufen, es war die dritte aufeinanderfolgende Woche mit mehr als 60 Wochenkilometern, und der Wasa-Lauf ersetzte den 3. langen Lauf vor der Ruhewoche. In dieser Woche war ich Dienstag 4*3000er Intervalle in 5:05-5:10 min/km gelaufen… für mich als Intervall-Angsthase schon recht gut, besser als gewohnt, und das war irgendwie richtungsweisend, es mit einer mutigen 5:15er Pace auf den 20 Kilometern zu versuchen. Als PB stand der Hannover-HM 2011 mit einer Durchschnitts-Pace von ca. 5:25 zu Buche, aber das ist ein Jahr her, hatte sich im zweiten Teil mehr als mühsam angefühlt und hatte kein gutes Laufgefühl bei mir hinterlassen. Egal, es sollte ein Testlauf werden, also Mut zum Risiko.

Den 10-Km-Lauf haben wir größtenteils noch einlaufen gesehen und auf der Zielgeraden nach Bekannten durchsucht, während ich mich mit ein paar Runden ums Celler Schloß warmgelaufen habe, und dann war es auch schon Zeit, via öffentlicher Toilette (man weiß ja nie… auch wenn man 500m vom Start entfernt wohnt… besser ist das) zum Start zu gehen. Hier wurde noch das disziplinierte Aufstellen gelobt (im Vergleich wohl zu den 10er-Läufern, die aber auch mit 1800 Läufern zahlenmäßig gut doppelt so viele waren und sich vor dem alten Celler Rathaus bestimmt sehr zusammendrängeln mußten), und dann ging es los.

Ich bin eher hinten gestartet, habe beim Startschuß Frau Garmine gestartet (in Celle läuft man noch brutto und chipfrei) und hatte auf dem ersten Kilometer auch, wie viele schon berichtet haben, mit leichten Stauungen zu kämpfen. Eine 5:20er Pace war zunächste nicht machbar, es wurde 5:30, auch gut. Dann habe ich den Fehler gemacht, das Garmine-Display nicht vom Gesamtdurchschnitt auf das 1km-Runden-Display umzuschalten…, warum war das bloß so mühsam, auf dem zweiten Kilometer eine 5:15 zu laufen? Naja, mit einer 5:00er Pace auf dem zweiten Kilometer habe ich die Durchschnittspace dann wohl in den angepeilten Bereich befördert und konnte auf dem dritten Kilometer deutlich Tempo rausnehmen. Anfängerfehler… fehlende Wettkampf-Praxis… jahaaaa, alles meins!

Die ersten beiden Runden kann ich dann einfach zusammenfassen: Es lief sich recht gut und locker in meist knapp unter 5:15 min/km, ich habe mir die Zuschauer angesehen, hin und wieder Bekannte gegrüßt, und auch meine eigene kleine Fangruppe hat alle Abkürzungen in Höchstgeschwindigkeit genommen, um mich pro Runde 3-4mal anzufeuern. Haaach, es war immer wunderbar, sie zu sehen. Mein kleines Patenkind konnte mit seinen 13 Monaten kaum von seinem Vater festgehalten und am auf die Strecke-Laufen gehindert werden, und Schatzi imitierte hörenswert die in der Woche oft im TV gehörten Fischerschen Biathlon-Anfeuerungsrufe (jawoll, auf geht's, hoppa, hoppa, sehr schön, komm zieh' drüber…). Danke Euch!

In der zweiten Runde habe ich trotz ausreichender Vor-Bewässerung mit Wassertrinken an den beiden Stationen beginnen müssen, ich hatte plötzlich Durst. Ansonsten laufe ich auch als Vielschwitzer und -trinker bei 10 Grad Außentemperatur Läufe bis 20 km ohne Getränk, aber Wettkämpfe sind wohl etwas anderes.

Die dritte Runde war dann ja die letzte für die 15km-Läufer hier mußte ich aufpassen, zusammen mit ihnen nicht zu schnell zu werden. Und jetzt erst kamen sie, die befürchteten "Runden"-Gedanken, aber sie waren nicht, wie erwartet, pessimistisch sondern *staun* optimistisch: "Hier komme ich nur noch einmal vorbei, und das ist dann schon auf dem Weg ins Ziel…" Das war ein tolles Gefühl, und als ich das spätere Ziel zum dritten Mal durchlaufen habe, war ich sogar stolz, zu denen zu gehören, die noch eine Runde dranhängten.

Was am Ende der dritten Runde noch querkam, waren leichte Hungergefühle. Ts ts, ich hatte doch läuferkorrekt gefrühstückt…? Gels teste ich zwar momentan auf meinen langen Läufen wegen der Verträglichkeit für mich, hatte aber keins dabei. Eigentlich dachte ich, es würde locker ohne gehen. Aber Abhilfe war zu schaffen, ich habe meine Fangruppe mit dem Rest Maltodextrin-Salz-Tee und einem Stück Banane an die 15,5-km-Marke dirigiert und dort ein kleines zweites Frühstück genossen. Ok, es war wohl von der Aufnahme-Zeit her nur noch etwas für "den Kopf", aber irgendwie hat es geholfen, und auch die letzte Runde verging. Km 17 wurde noch mühsam (zumal die Strecke jetzt sowohl von den verbliebenen Läufern her als auch von den langsam frierend nach Hause gehenden Zuschauern her leerer wurde), aber den letzten Kilometer ins Ziel habe ich dann wieder in 5:00er Pace geschafft.

So ist meine Zielzeit 1:44:24 h geworden, eine 5:13er Pace im Durchschnitt. Ich zähle das mal als PB, einen weiteren Kilometer für den Halbmarathon hätte ich wohl (hoffentlich) in dieser Zeit auch noch geschafft. Damit bin ich sehr, sehr zufrieden!

Zum Schluß noch einmal zum Celler Wasa-Lauf an sich: Ein großes Lob gebührt den Organisatoren, abends waren die Ergebnisse auch ohne Chip-Zeitmessung im Internet (das hat in den letzten Jahren z.B. beim Airport-Run trotz Winner-Chip nicht geklappt), alle Helfer waren freundlich und hilfsbereit, und ich habe mich gut aufgehoben gefühlt. Ich denke, ich nehme auch im nächsten Jahr die weite Anreise von 500m in Kauf und werde wieder dabei sein.

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Die weite Anreise von 500m - hihi

Ein sehr schöner Wettkampfbericht, Britta! Und wenn du noch gar nicht so lange läufst, steckt da wohl noch einiges an Potential in dir, was die Wettkampfzeiten angeht.
Toi, toi, toi weiterhin für die Hamburg-Vorbereitung!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

Jetlag?

Kann bei dieser irre langen Anfahrt schon bekommen :-)

Ne, mal ganz im Ernst. Celle ist einfach einmalig toll, finde ich jedenfalls.
Vielleicht nicht für jeden PB-taublich durch die engen Wege, aber von der Stimmung, der Orga und dem ganzen Drumherum richtig toll.

Du hast ja eine richtig gute Zeit hingelegt. Da kann jetzt nix mehr schiefgehen.
Hamburg kann kommen. Ich wünsch dir weiterhin viel Spaß und viel Erfolg

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos
Bin nicht gestört und auch nicht schnell - nur verhaltensoriginell

PB war es auf jeden Fall!

Denn vermutlich war es Dein erster 20-km-Wettkampf :grins:. Da ist dann die PB sozusagen eingepreis.

Hehe, gut gelaufen, toller Bericht. Das macht Lust auf mehr! Dann stell Garmine nächstes Mal bitte anders ein, ja? Das hast Du ja jetzt zumindest gelernt. Aber bei so einer weiten Anreise kann man schon mal was vergessen.

Ganz fetten Glückwunsch!!!

Du bist eine Hammerzeit gelaufen, da kann der HH-Marathon kommen, keine Frage!!!
Sehr schöner Bericht! Der wird den einen oder anderen Jogmapper im nächsten Jahr nach Celle locken;-)
Das mit dem kleinen Frühstück war sehr gut. Vieles ist Kopfsache, aber es hilft.

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

Danke Euch,

inzwischen ist habe ich mich doch vom Reisestress (!) erholt, der für 20km merkwürdige Wettkampf-Nachhunger ist mit ausreichend Kohlehydraten gestillt (ich hatte echt 2 Tage Schmacht), und die PB ist als solche notiert und hinsichtlich des Plans für Hamburg bereits mehrfach kritisch beäugt worden. Am Garmine-Standard-Display werde ich noch arbeiten, es war nicht das erste Mal, daß ich die Gesamt-Pace fälschlich als Runden-Pace interpretiert habe... aber leider das erste Mal im Wettkampf.

An der Wettkampf-Erfahrung werde ich, was die Quantität betrifft, leider nicht so schnell arbeiten können, denn so lange viele meiner Wochenenden mit Musikmachen ausgefüllt sind, werde ich nicht auf so viele Teilnahmen kommen wie einige von Euch hier. Es bleibt also Zeit, mein Potenzial gaaaaanz langsam freizulegen.

Schön, daß so viele von Euch gerne in Celle waren bzw. wiederkommen wollen!
LG Britta

Hey, cooler Einstieg!!

Gratuliere zu diesem super Lauf mit top Zeit!
Ich erkenne mich da sehr gut wieder, denn so ähnlich war auch mein erster offizieller Lauf (HM).
Mit dem Essen und Trinken mußte Dich noch einpendeln und bei den Gels kann ich Dir die High5 empfehlen, da musste nicht nachtrinken und die sind nicht ekelig im Mund und sehr verträglich. Ich wollte am Anfang auch nie mit Gel laufen und im Training mach ich es auch nicht, da reicht Banane, aber wenn es Richtung Marathon oder Ultra geht, ist das schon hilfreich.
Die Uhr konnte ich Anfangs auch nie aus den Augen lassen, aber das Tempogefühl kommt mit der Zeit von alleine.
Wenn Du dran bleibst, ist da einiges drin bei Dir!
Viel Spaß und Erfolg bei weiteren vielen schönen Kilometern und Wettkämpfen.

Lieben Gruß Carla-Santana

Danke Carla

ja, an so ein paar Rahmenbedingungen muß ich wohl noch arbeiten. Oder "kann ich", immerhin, hier tut sich Potenzial auf! Danke für den Gel-Tipp, genau die High5-Gels habe ich auch gerade im Test, sowohl die Isos als auch die sommerfruchtig-normalen. Mein Tempogefühl ist echt eine Katastrophe, seit dem Wasa-Lauf laufe ich wieder auch im Training viel zu schnell, empfinde es aber nicht so. Bloß gut, daß es solche GPS-Technik-Tools gibt.

LG Britta

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links