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War ja klar: Zum ersten Mal nach 'zig Jahren die alte Strecke Richtung Grunewaldsee gelaufen, kaum am Ende der Waldstraße angekommen und auf den autofreien Weg - da warteten sie.

Ungefähr 15 Hunde, die alle zu einer Frau gehörten und mit ein paar anderen Streunern durch die Gegend wuselten. Die Misses hatte mein halblautes "Oh, Mann" aufgeschnappt und entgegnete fröhlich und nicht ohne Genugtuung: "So ist das eben im Hundeauslaufgebiet." (Du blöder Jogger!) Ach mein Berlin: Schön, dass es auch so etwas in der Hauptstadt gibt. Gut, dass es auch Auslaufgebiete für unsereiner gibt.

Wenn ich aus der Tür rauskomme, atme ich jetzt wieder die gute Berliner Luft ein. War ich wirklich acht Jahre weg aus meiner Heimatgegend, oben am idyllischen Nordrand? Ich habe ja immer in Berlin gearbeitet und bin fast jeden Tag reingefahren oder reingelaufen oder auch öfters rausgelaufen.

Trotzdem, hier in dieser Ecke wäre ich nicht der Läufer geworden, der ich jetzt bin, obwohl ich hier meine ersten Marathon-Läufe Mitte der 80er Jahre vorbereitet habe. Immerhin liegen noch ein paar nette Reviere in Reichweite. Und ich habe jetzt eine, ach was, mehrere Tartanbahnen für die Intervalle zur Verfügung. Nicht weit weg ist der legendäre Platz am Wilden Eber, den Ihr mit seiner Riesenstimmung vom Berlin-Marathon kennt, von da ist es nicht mehr weit zum Grunewald, wo es nicht überall nur Hunde und ihre Besitzer gibt.

Obwohl - heute früh um acht lässt doch einer seinen Riesenköter gerade von der Leine, als ich am Eingang zum Wald vorbeikomme. Ich hatte schon damit gerechnet. Zum Glück war der Duft am nächsten Baum interessanter als mein in diesem Moment noch nicht so ausgeprägter Schweißgeruch.

Nachmittags habe ich mich noch zum Kauf von neuen Temposchuhen aufgerafft, denn die monatelangen Oberschenkelbeschwerden nach dem schweren vorigen Jahr verschwinden langsam, und die Form kommt trotz oder wegen nicht allzu viel Training im Winter wundersamerweise schneller wieder als gedacht.

Also auf zum Ku'Damm, jetzt mit der U-Bahn wieder nur ein paar Minuten weg. Himmel und Menschen, das macht mich Einzelkämpfer immer ein wenig einsam, außer im Läuferkreis. Und irgendwo wohl auch meine Tochter mit den Freundinnen unterwegs. Das macht mich glücklich.

Schließlich doch in einem bewährten Laden gelandet, der andere davor schloss am Samstag um 16.00 Uhr und hat scheinbar längere Öffnungszeiten nicht nötig. Und kompetentere Verkäufer habe ich auch schon erlebt.

Es sollte so sein, denn im zweiten Geschäft strahlte er in hässlichem gelb und blau - der bewährte Mythos Axeler von Diadora. Er hat mich zu allen Bestzeiten getragen, zu 10 Kilometern unter 40 Minuten, Halbmarathon unter 1:30, Marathon unter drei Stunden. Doch es gibt ihn wohl wirklich nicht mehr in meiner Größe. Er ist bereits seit längerem ein Auslaufmodell. Das vierte Paar, das ich schon gute 1000 Kilometer und damit zu lange trage, ist mein letztes. Ich verabschiede es am kommenden Sonntag beim Halbmarathon, denn zum Wettkampf zieht man keine neuen Schuhe an. Danach werde ich zum Puma - oder wenn das nicht läuft, zum Wilden Eber, der nicht nur böse Hunde auf die Hörner nimmt.

Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: Die meisten Hunde lassen sich gern von mir streicheln. Bei den Frauchen habe ich so meine Zweifel. Dafür liebe ich meine drei Paar Laufschuhe, und da steht der nächste schmerzliche Abschied bevor.

Schöne Grüße an alle,
Docrob

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Marathon unter drei Stunden?

Dann müssen an Deinen Schuhen hinten so kleine Flügelchen dran sein, denke ich. So wie bei Hermes (aka Merkur).

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