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Samstag, 4.3., Husum...
In der Stadt an der Nordsee, in einer Gegend in der jeder zweite Junge die Namen Hauke oder Sönke trägt, dessen berühmtester Sohn Hans Theoder Woldsen Storm heißt und man in dunklen, stürmischen Nächten den Schimmelreiter fürchtet, fand mein erster Marathon dieses Jahres statt. Beziehungsweise hatte dort Start und Ziel. Doch im Gegensatz zur berühmtesten nordfriesischen Novelle spielen Deiche bei diesem Lauf überhaupt keine Rolle und von der Nordsee - keine Spur. Stattdessen Landstraßen in plattem Land und Wind, ungebremst und störrisch.

Ein Blick aus dem Fenster bestätigte die zuvor vernommene Wettervorhersage. Nur den angekündigten Ost- bis Südostwind konnte ich am morgen schwer einschätzen, so daß ich in weiser Voraussicht auch Handschuhe und Mütze einpackte.
Die Fahrt durch Dithmarschen verlief ereignislos und in Husum wurde ich gleich freundlich von einem Eingeborenen, Ralph Uncle Haderlomp in Empfang genommen, welcher mich mit seinem Krabbenkutterfahrzeug zum noch nicht dicht bevölkerten Start und Zielbereich

mitnahm. Daß in der Nacht das örtliche Windrad alle seine Flügel verlor und die Zahl der Einheimischen gleich um die Hälfte dezimierte, schien nur mir aufzufallen...

(Foto: Ralph Daimler©®™)
Mit dem in der Zwischenzeit ebenfalls eingetroffenen glycerin7 noch schnell die Anzahl der verbliebenen Gehirnzellen verglichen und schon ging es los.

Eine Wendepunktstrecke auf Fuß- und Radwegen neben mehr oder weniger befahrenen Bundesstraßen galt es zu bewältigen. Durch Husum heraus ging es Richtung Norden, erstes zu durchlaufendes Dorf hieß

Wer dieser ominöse Horst Edt ist oder war, konnte ich trotz (oder gerade wegen) hartnäckigster Ausfragerei der Einheimischen nicht herausbekommen.
Da auch dieser Marathon "lediglich" ein Vorbereitungsmarathon für den Rennsteig bedeutete, war mir meine Zielzeit relativ Wurst. Eine entsprechende Frage von glycerin7 beantwortete ich mit: "4 Stunden oder 4h15 oder so oder auch nicht". Ah ja.
Zwischen Husum und Horst Edt kam ich mit einem der Veranstalter des Föhr-Marathons ins Gespräch, der auch mitlief und der mir beichtete, daß seine Frau die Idee zu dem Föhr-Marathon hatte. Ich empfahl ihm einen guten Scheidungsanwalt...
In Horstedt selbst schloß eine Gruppe von knapp 10 Leuten auf, die ob ihrer Ge- und Entschlossenheit den Eindruck machten, als hätten sie was vor. Bingo, es handelte sich um eine spontan zusammengewürfelte sub4-Gruppe.

Ich hing mich dran. Nächstes Dorf war das wattlose Arlewatt, es wurde die Arlau überquert.

Durch das langgezogene Ahrenshöft bröckelte die Gruppe gewaltig und übrig blieben 3 Mädels der nordfriesischen Triathlonvereinigung Fri Ööwingsfloose. Dieser Verein stellte auch den Großteil der Zuschauer an der Strecke. In Gruppen waren diese unermüdlich per VW Bus und Fahrrädern unterwegs, stellten sich alle paar km an die Strecke, versorgten ihre angehörigen LäuferInnen mit Getränken und auch alle anderen mit lautstarker und freudiger Anfeuerung. Großartig.
Nächste Dorfdurchquerung: Bohmstedt und in Drelsdorf wurde achter de Kark
links abgebogen. Genau an dieser Stelle begegnete mir der führende Läufer und spätere Sieger, bzw. begegnete er mir nicht, sondern kniete auf dem Weg um sich unter lautem Gefluche den Schnürsenkel wieder zu binden. Zum Sieg hat es trotzdem klar gereicht...
In Breklum war die Wendestelle (kurz vorher kamen mir noch diese beiden merkwürdigen Gestalten entgegen:

und dort zerbröckelte die 4hGruppe endgültig, so daß sie auf dem Rückweg nur noch aus einer Person bestand, der dieses Ziel überhaupt relativ egal war, nämlich mir..;-)! Nun ging es meist in südöstliche bis südliche Richtung wieder zurück und das bedeutete ständig strammen Gegenwind. Ab und zu konnte die aufkeimende heimische Flora und pittoreske Wolkenformationen für mentale Erleichterung sorgen,

aber am schönsten war immer wieder das lustige Zusammentreffen mit der Supportcrew der Triathleten.
Da auch der örtliche Fahrradverleih geschlossen hatte und auch kein Bus fuhr

entschloß ich mich weiterzulaufen. An dem einsamem Verpflegungsstand in Ahrenshöft, dessen ebenso einsamer Betreiber vor dem Wind schutzsuchend Zuflucht in einem Bushaltestellenhäuschen gefunden hatte, konnte ich nicht so einfach hartherzig vorbei laufen, so daß ich etwas mit ihm schnackte (und auch froh war, mal ne Minute aus dem Wind raus zu sein) und auch am letzten Verpflegungsstand, an dem die Laufsupporter für Spaß und Remmidemmi sorgten, verbot es meine gute Erziehung (sic!) mich nicht für die Unterstützung zu bedanken.
Erst auf den letzen 1,5km packte mich der Entschluß es doch noch unter 4 Stunden zu versuchen, doch das kam etwas zu spät. Mit einer 4:01:00 auf der Uhr bekam ich freudedebilgrinsend meine getöpferte Medaille um den Hals gehungen.
Ralph Dith Haderlomp kredenzte noch ein Nachlaufbierchen, welches wir auf seine neue PB tranken, bei schmackhaftem Labskaus und noch schmackhafterem Flens wohnten glycerin und ich nich der Siegerehrung bei und nach einer verpennten Zugfahrt kam ich abend wieder in der Hansestadt an.
Und brachte auch einige Fotos mit.

5.3. Hamburg...
Respekt. Vor einem Marathon kann man nicht genug Respekt haben, wer keinen hat sollte gar nicht erst antreten. Fast genau so viel Respekt hatte ich aber vor den 25km, die ich einen Tag später absolvieren wollte. Clevererererweise hatte ich mich als Streckenguide für den sonntäglichen langen Lauf des Lauftreffs der Fc St. Pauli Marathonabteilung angeboten, das hieß: kneifen war unmöglich. Die Jungs waren auf mich angewiesen. So lotste ich 5 Abteilungsläufer auf meiner Lieblingsstrecke 25 km um dem Hamburger Flughafen. Und wo ich schon bei mir Heulen, Zähneklappern und unmenschlich schmerzende Beine erwartete, war...nichts. Es war ein gansz normaler langer Lauf. Sicher, auf den letzten 5 Kilometern wurden die Beine etwas schwerer, aber nichts, was sich zu dramatisieren lohnt.
Somit hatte ich dieses Rennsteig-Level erfolgreich gemeistert und konnte erstmal beruhigt abspeichern.
Das nächste Level ist ein Auslandslevel und führt mich ins Rom der Vergangenheit und Gegenwart. Mal sehen, wie und ob ich dieses meistern werde. Auf dem Weg zum Bosskampf mit der thüringischen Krampfwachtel...;-).

Gruß, Marco
You'll never vonlevelzulevel alone

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Schön, ...

dass Du auf der Strecke so aufmerksam warst. Danke für die Fotos. Beim Föhren werd ich dann auch etwas gemütlicher laufen.

UncleDaimlerBonifatiusLomp

schönes Shirt

dass du da bei deinem Regenerationsläufchen ausgeführt hast *grinsunwech*

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

wieso hattest du am Sonntag ...

... irgendwelche Probleme erwartet? war doch Samstag nur ldl.
;-)

Erzähl Du mir noch mal watt von Geschlossene!;o)

Solche Doppelspielchen sind mindestens genauso bekloppt im Vergleich zu unserem kleinen kaiserlichen Kreiselspielraum!
Immer schön ein Level höher, dann klappts auch mit dem Finale!;o)

Total verspielt grüßt Carla :o)

Oh man,

alles Rennsteigbekloppte hier, die die Marathons uns Ultras aneinander reihen wie Perlen auf der Schnur.

Alles richtig gemacht - war doch ein Trainingslauf. Da kommt es auf 'ne Minute nicht an. Und ich glaub beim Rennsteig auch nicht. Das Durchkommen zählt!

Tief beeindruckte Glückwünsche - und danke für die Fotos.

Pass mal auf,

den Rennsteig nimmste genauso gelassen!!! Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Trainings-Mara!!!
Trotzdem hättest Du Dich bissl mehr anstrengen können, um diesen Trainingsmara in sub4h nach Hause zu bringen. Aber nein, stattdessen turtelst Du ja lieber mit den Triathletinnen rum, nimmst eine Scheidung Deines Mitläufers in Kauf und wartest eine Minute (das war DIE Minute) vergeblich auf den Bus! ;-))

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

Gegenwind ist...

...ist wie Berglauf, also ideales Traing für den Lauf in der Grünen Hölle.
Was lernt man noch?
Eine Gruppe besteht mindestens aus einer Person.
Und was kümmert mich mein Mara von gestern heute noch´n 25er hinterher mit den Totenköpfen im Schlepptau.

Schöne Fotos

und alleine das Wort Trainingsmarathon ist irre ;-)

Danke

Danke für den schönen Bericht, so langsam glaube ich, das ich da auch mal hin muss. :-)

Gruß, Michael


Du bist schon eine witzige 1-Mann-Gruppe ;-)

Als echter Hamburger Jung kennst Du Dich mit ungebremsten, störrischen Wind doch bestens aus. Was sich für die "Südländer" anfühlt, als würden sie gegen eine unsichtbare Wand laufen, das belächelst Du nur milde.

Vielen Dank für den Bericht und die Fotos. Besonders gut gefallen hat mir Foto: Ralph Daimler©®™. Herr Daimler ist ein ausgesprochen lauferprobter Fotograph. Wenn niemand mehr in der Lage ist, eine Veranstaltung zu dokumentieren, ist auf ihn einfach Verlass. Das weiß nicht nur ich sehr zu schätzen und freue mich über die optischen Erinnerungen.

Viel Spaß in Rom, bringe uns ein wenig Sonne und Wärme mit.
Übrigens: wer schon VOR dem Frühstück einen Marathon laufen kann bzw. im März einen Plattland-Wind-Mara, gefolgt von 25km läuft, für den ist der Rennsteig doch nur ein Kinderspiel.

Grüße von der anderen Seite des Geheges.

Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

zweites morgendliches Hailait ...

da komme ich heute früh von meinem Lauf nach Hause; super gestimmt, nachdem ich einen glutroten Ball am Horizont hatte aufgehen sehen ...

... und dann hatte ich noch das außergewöhnliche Vergnügen, deinen Bericht lesen zu dürfen!

Positiver kann ein Tag nicht beginnen! - Danke für die Beschreibung deines ganz besonderen Laufevents und die Bilder dazu!

Volker



Jogmap Schleswig-Holstein - neongelb beflügelt

Wie immer Astra gut!

Du sollst unterwegs nicht Gänseblümchen pflücken, du sollst laufen!

Hättest mal dem Veranstalter des Föhr Marathons noch einen Startplatz (HM) für mich aus den Rippen leiern können.

Was für ein ehrgeiziges

Trainingsprogramm. Ich bin tief beeindruckt. Der nächste Mara dann in Rom? Cool, beneide dich!

Das wird ein Rennsteig-Lauf!!

freut sich der Riggoo

So'n schöner Bericht!

bin immer wieder von der Leichtigkeit beeindruckt, mit der andere das in den Asphalt rammen, was ich mir zwar schon allzu bald vorgenommen habe, aber immer noch nicht vorstellen kann.... Lauf, Astra, lauf... vielleicht treff ich dich ja in St. Pauli im April???

zausel

>

Aströse Heimatkunde

Danke für diese Lektion nordfriesischer Heimatkunde.
So'n betreuter langer Lauf hat immer was. Schön entspannt und kurzweilig.

Aber wenigstens hättest Du Deine Kamerauhr mit der Turmuhr synchroniseren können. Oder ging der Lauf etwa durch mehrere Zeitzonen? ;-)

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

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