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Ein Sonntag mit Frühlingswetter aber winterkaltem Wind. Ich kenne den Lauf seit Beginn meiner "lauffreude". 2006 bin ich das erste Mal gestartet. Hier ist alles sehr gut organisiert. Mit "sehr gut" meine ich -entspannt, strukturiert, freundlich-.
Der Start. Wie immer laufe ich zu schnell los. Das passiert mir hauptsächlich bei Läufen unter 21 Kilometern, da bekomme ich meine Angst nicht los, irgendwie Zeit zuverschenken. Also hilft nur Tempo weg- und Pulswerte ernst nehmen. Das ist schwer, zu bemerken, dass andere an mir vorbei ziehen. Ich möchte meine Laufziele heute erreichen. 1. Ein Rennen zu laufen nach einem Marathon vor 14 Tagen. 2. Meinen Pulswert bei max. 165 zu halten. 3. Körperhaltung zu kontrollieren.
Der erste Kilometer entlang am Waldrand, in Sonnenschein gehüllt, der kalte Wind stört gar nicht. Hinein in den Wald. Dass die Wege zwischen Asphalt- und Naturbelag wechseln ist für meine Füße angenehm. Als der See im Sonnenschein blinkend zwischen den Bäumen sichtbar wird, ist die Erinnerung an die vorher gehenden Läufe wieder da.
Die Strecke ist mit Sägemehl klar gekennzeichnet, an Kreuzungen stehen gelb bekittelte Helfer- oder sind es mehr Ordner, Kontrolleure? Aber was wird kontrolliert? dass keiner Abkürzungen nimmt, das wäre einfach, wenn jemand die Strecke kennt. Obwohl, auffallen würde es schon, wenn einsame benummerte Läufer Alternativwege nutzen.
Wir Laufteilnehmer sind nicht die Einzigen die so früh unterwegs sind. Läufer, Walker, Radler kommen entgegen, queren, überholen.
Kleine blühmutige, weiße Anemonen lassen der Kälte wegen die Köpfe hängen. Da bis auf wenige anfeuernde Menschen die Wege säumen, bekommen wir ein Gratiskonzert der Waldvögel.
Die Schnellstraße ist in der Nähe, Geräusche schnell fahrender Autos übertönen den Gesang.
Ein kleiner Bach begleitet uns. Überall ist der Frühling in Startposition, frische Grüntöne, Blühendes, kleine Blättchen an Zweigen trauen sich aus ihren braunden schützenden Gehäusen.
Der Puls stimmt noch, vorsichtig muss ich wieder Tempo rausnehmen, ich weiß ja nicht ob ich es schaffe, also lieber Gleichförmigkeit vor Geschwindigkeitsintervallen. Während ich das so denke, muss ich auch schmunzeln, was für mich Geschwindigkeitsintervalle bedeuten sind für andere untere Tempobereiche.
Der erste Läufer wird durch einen "Zur-Seite" rufenden Radfahrer angekündigt. Ich betrachte seine Körperhaltung und mir fällt die Ästhetik in der Abstimmung von Arm- und Beinbewegungen und dem Einhalten des Armwinkels, der in allen Laufbüchern propagiert wird, auf.
Immer mehr Entgegenkommende verdeutlichen die Geschwindigkeiten in welchen hier gelaufen wird. Jetzt kommt gleich die Abbiegung, ein kurzes Stück ist kein Gegenverkehr mehr, die Getränkestelle kommt näher. Es sind keine Bechereinsammelsäcke aufgestellt. Die Becher hier so am Waldwegrand liegen sehen, stört mich. Irgendjemand wird die einsammeln müssen. Auch die zertretenen Bechersplitter. Sicherlich ein Problem welches nicht in den Griff bekommen wird. Aber schön und umweltschonend fände ich es schon, wenn das Abfallsammelprinzip auch beim Freizetsport eingehalten werden würde.
So nach einer Arbeitswoche ist es wohltuend hier lang zu laufen, der Waldboden federt, aus Gewohnheit fühlen sich meine Beine auch auf Asphalt wohl. Ich möchte jetzt gerne Geschwindigkeit zulegen, auf einen Kick schneller werden, reagiert mein Puls mit sofortigem Anstieg. Ich werde nicht schneller werden. Atmung kontrollieren, entspannt atmen, weiterhin den Atemrhythmus ausgewogen halten.
Ok, dann werde ich halt überholt, ich will mich heute nicht überanstrengen. Als dann der Wald zu Ende ist, begrüßt mich der Gegenwind mit Kraft. Jetzt muss ich mich noch für 1,5 Kilometer mehr anstrengen um das Tempo zu halten, mein Puls steigt auf 170. Na ja, das darf auf den letzten Metern auch sein, Zugang zum Stadion. Sogar hier im roten Sand drängen kleine Pflanzen der Sonne entgegen und ich dem Ziel. Ich bin zufrieden. Ich habe es geschafft, mit kontinuierlichem Tempo, gleichmäßigem Pulswert (bis auf den letzten Kilometer), dem Gefühl noch weiter laufen zu können. Dritte in meiner Altersklasse bin ich auch und als Anerkennung bekomme ich ein Glas Honig, der Duft dieses Waldhonigs wird mich an die Gerüche des Waldes und den Lauf heute erinnern. Jetzt steht meinem ersten 50 Kilometerlauf nichts mehr im Wege. Nach dem heutigen Tag, dem Marathon vor 14 Tagen und der Trainingsführung der letzten 14 Tage bin ich mir jetzt ganz sicher, dass ich das schaffen werde.

2.5
Gesamtwertung: 2.5 (2 Wertungen)

Was für ein schöner Lauf!

Und der Frühling hat bei Euch eindeutig schon viel mehr Einzug gehalten als bei uns im Norden! Buschwindröschen lassen die Köpfe hängen? Bei uns trauen sie sich noch nicht mal hervor, überlassen es immer noch den Schneeglöckchen, die Erde weiß zu zaubern! Heute ist so schreckliches, kaltes Regenwetter, da ist an das Erwachen linder Lüfte gar nicht zu denken...
Viele schöne Frühlingsläufe bei Dir da unten, fast auf der Südhalbkugel!! Rica
PS: pace 6:06 bei 15 km? Da kann ich ja nur von träumen. Gut gemacht, trotz "Bummelei"!

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