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Gehört und gelesen hatte ich schon viel von den Hill50(50km),Kill50(50mi nachts)
run2kill(100mi)-Läufen in den Hildesheimer Wäldern.
Dieses Jahr kam zum 100-meiler noch die halbe Strecke(only1kill) als Taglauf mit ins Programm.
Kill hat nichts mit töten zu tun (oder doch im weitesten Sinn?), sondern heisst lediglich: Kein Idyllischer LandschaftsLauf.

Die Ausschreibung kling auch wirklich nicht idyllisch:
Strecke:90% Waldwege und Single Trails

Markierung: Topogr. Karte und GPS-Track, da man die Reflektoren ausschliesslich im Dunkeln mit Stirnlampe sehen kann.
Eine Markierung für den Tag findet NICHT statt.

Verpflegung: Nimm Deinen Kram selber mit, nach 25/21/34km kannst du nachtanken.

Verlaufen: Wenn wir Zeit haben versuchen wir natürlich dich aus der Wildnis zu bergen.

Übernachtung: Du sollst laufen, nicht schlafen.

Die Startgebühr heisst Schmerzensgeld, und wenn man zum Lauf nicht erscheinen kann gibt es natürlich kein Geld zurück, da der "fiese" Veranstalter ja auch seine Kinder ernähren muss und mal wieder ordentlich Urlaub machen will

Die Regelauslegungen werden individuell und völlig willkürlich vom Veranstalter getroffen. Du bist uns völlig ausgeliefert...
Mit dem letzten Satz sagt er aber was einen wirklich erwartet:

ES HANDELT SICH UM EINEN LAUF UNTER FREUNDEN!!!

Mit zwei Freunden, Uwe und Torsten, machten wir uns am Fr. auf den Weg nach Hildesheim.
Die zwei wollten die 100 mi angehen, und starteten am Fr. um 18:00 Uhr zusammen mit 27 weiteren Läufern.
Es pieselte, war windig und kalt (~4°C).
In diesem Moment war ich wirklich froh nicht für den 100er gemeldet zu haben, und noch eine Nacht im Hotelbett verbringen zu können.
Ausgeschlafen und gestärkt erhielten die 8 (acht) 50 meiler am nächsten morgen um 6:00 ihr Briefing.
Das war wirklich wichtig, da man nochmals auf verschiedene Streckenpunkte aufmerksam gemacht wurde, wo ein Verlaufen nicht ausgeschlossen war....,
denn eine Tagesmarkierung gab es wirklich nicht!

Der erste 100meiler war bereits um 2:30 durch, hatte also für die ersten 80km 8,5 Std. benötigt, letzlich gewann er in 18:21 in neuer Streckenbestzeit.
Tief durchatmen....

Für uns also um 7:00 der unspektakuläre Start bei zwar kühlem , aber letztlich sehr gutem, trockenem Laufwetter.

Im Rucksack waren 1l Malzbier, einige Riegel, Salzbrezeln und Gele sowie die Pflichtausrüstung Handy, Wärmefolie und Trillerpfeife.
In der Hand die Karte, und die Garmin 310xt geladen mit der Laufroute.
Mein erster Lauf ohne Streckenmarkierung.
Bis ~km10 waren noch alle recht dicht beisammen Pärchen bildeten sich erst später.
Für mich völlig unbekanntes Gelände und ich vertraute noch den Leuten die sich sich hier auszukennen schienen.
Bis zum ersten wirklich nur kurzem Verlaufen (~300m), allerdings "verloren" wir hier einen Läufer der unser Brüllen nicht hörte, da er Musik auf den Ohren hatte.
Dies kostete ihn ~10km und über 2,5 Std. bis er wieder auf dem richtigen Weg war.
Ich glaube, dass ich aufgegeben hätte, aber auch Steve kam ins Ziel, allerdings lag ich da schon wieder im Bett.
Bis km25, wo Stärkung in Form von Kartoffeln/Suppe/Brot/Kekskram/Riegeln/Getränken angesagt war ging es sehr abwechslungsreich, mit zwei Wegsuchpassagen noch nicht übermässig ansträngend durch den Hildesheimer Wald.
Ca. 2,5km lang starker Gegenwind auf freiem Feld zwischen Sibbesse und Eberholzen waren doch nochmal kraftraubend.
Im VP-Zelt war es warm.
Die Ankunfts- und Loslaufzeit wurde notiert.
Die 100meiler, die auf Ihrer 2ten Runde waren liessen sich etwas mehr Zeit und tankten richtig auf, auch mit warmer Suppe.
Ich war bis hierhin mit 3 weitere Läufern zusammen, und da ich glaubte dass sie schneller waren, wartete ich nicht und zog los; sie würden mich schon wieder einfangen.
Das geschah aber erst ~5km weiter, und auch nur weil es blöd ist an einer 5-Wege-Kreuzung mitten im Dickicht zu stehen, der Garmin keinen Satelliten empfing und ich kartenmässig nicht wusste wo ich genau war.
Also hin und her irren und fluchen.
Aber die Rettung nahte in Form der Lauffreunde.
Ich fühlte mich blendent und lief wieder vorneweg bis zu einer langen Steigung, hier lief Thomas auf mich auf (~km 40) und jetzt blieben wir bis ins Ziel zusammen; es passte!
Bald waren wir wieder in Eberholzen zur weiteren Nahrungs-und Getränkeaufname vor Ort, bzw. zum Neubestücken des Rucksacks.
Immerhin lagen jetzt noch 34km vor uns.
Da ich merkte, dass ich heute sehr viel Flüssigkeit brauchte nahm ich für den letzten Abschnitt vorsichtshalber 1,5l mit.
Jetzt hatten wir also ~2,5km Rückenwind, aber pfeilschnell sah das sicher nicht aus wie wir uns fortbewegten.
Endlich wurde es wieder waldig und trailig und damit schön.
Wir überholten einen 100meiler, der nur noch ging, wir munterten ihn auf und ernteten ein verzerrtes Grinsen.
Wir kamen gut voran, waren weiterhin sehr aufmerksam und vergewisserten uns an jedem Abzweig des richtige Weges.
Wir ergänzten uns sehr gut, Thomas hätte etwas schneller gekonnt, wollte aber unbedingt dass wir zusammenbleiben, da er nur die Karte hatte und ich zusätzlich noch die Garmin.
Bei ~km 60 musste man sehr aufpassen den Abzweig nach rechts auf einen gut zu laufenden Singletrail nicht zu verpassen, andererseits war hier die Möglichkeit leicht 1Std "einzusparen"......
Und tatsächlich, nach einigem auf und ab war der 100meiler, den wir vor Urzeiten überholt hatten wieder vor uns; er fragte uns ob wir uns verlaufen hätten...; jedenfalls konnten wir ihm klarmachen, dass er wohl unbewusst abgekürzt hatte.
Dies meldete ER dem Veranstalter und die Zielzeit wurde entsprechend korrigiert.
Nach dem Ort Diekholzen (~km 70) ging es leider raus aus dem Wald und über freies Gelände Richtung Hildesheim.
Auf der Höhe des Ortsteils Ochtersum war es dann so dunkel, dass ich meine Stirnlampe aufsetzte.
Das war ja klasse, keine Karte mehr, nur noch den Leuchtpunken nach.
Von wegen, auch Geocatcher benutzen diese Reflektorspots für ihre Aktivitäten und so standen wir plötzlich im Dschungel und die Markierungen hörten auf.
Prima, aber das kostete uns höchstens 5Min, und wir waren wieder auf dem richtige Weg.
Obwohl wir das Ziel schon rochen, und wir uns auch die 12 Std. abgeschminkt hatten, waren wir nicht sonderlich motiviert, sondern haderten mit uns und der letzten Steigung.
Endlich die Lichter am Sportplatz Blau-Weiss Neuhof und rein ins Zielgebäude.
Jawohl ins Gebäude, warum sollte man Draussen in der Kälte auf die in Riesenabständen eintreffenden Läufer warten.
Also rein und sich eins grinsen, dass man es geschafft hatte.
12:32 Std. Thomas und ich waren zufrieden.

Es wurde noch ein sehr schöner Abend, aber erst nachdem ich den lieben Michael (Veranstalter) darauf aufmerksam machte, dass ja Bier ohne Alkohol kein Bier sei und er diese Wink auch sofort verstand.
Aber auch für alles andere war gesorgt, was der Läufer am Ende eines langen Tages braucht.

Bei Michael ist natürlich auch die Siegerehrung etwas Besonderes.
Die Urkunde ziert ein Totenkopf mit Stirnlampe und die Platzierten heissen Survivor.
Als Medaille gab es einen echten,natürlich gesäuberten, Schweinschulterknochen (Schäufele) auf dem ebenfals dieser Totenkopf eingraviert ist und die Veranstalung.
Ein schöner nicht alltäglicher Lauf den man sich auch 2mal antun kann.
Sehr zu empfehlen, aber Karte lesen üben.

Uwe

3
Gesamtwertung: 3 (1 Bewertung)

Schmerzensgeld - seeeehr nett!

Kartenlesen - noch netter! ***hüstel***

Megastark gemacht und herzlichen Glückwunsch zum - frei nach Jil Sander - Surviven!
;-)

Hammerhartes

Survivaltraining halt - nur habt ihr unterwegs keine Würmer ausgegraben oder ähnliche Dinge.

Gut gemacht - klingt irre verrückt.

Waaaaah!

Bis Du die Totenköpfe auf den Belohnungen erwähntest, stand für mich fest, mir dieses niemalsnicht anzutun und jetzt....
Sehr amüsiert hab ich mich auf Dein Aufmerksammachen über das Bier ohne Alkohol...
Gruß Marco
You'll never kill alone

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Wahnsinn

sehr cooler Bericht ,durchhalten und orientieren und
trotz verlaufen weiter durchhalten ... wahre Größe
und ein bisschen verrückt - gefällt mir.
Grüsse von der Küste

Irgendwas hast Du in der

Irgendwas hast Du in der Ausschreibung falsch gelesen. So wie Du das schilderst, klingt es, als ob Du tierischen Spaß gehabt hättest ;)

Glückwunsch zum erfolgreichen Orientierungsüberlebenskampf im dunkeln. Du bist bekloppt! ;)

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hmm, ...

... das klingt wie nur für doddal Bekloppte. Also quaai genau richtig für dich!
Und irgendwie überlegenswert für mich. Nach Garmin laufen hab ich beim SH-Trail schon geübt. Das kann ich schon. Nur 100mi muß ich dann noch üben.
Gratulation zu diesem bekloppten Lauf und Dnake fürs Aufspüren.
;-)

O.k., also bis zum vorletzten Satz,

hat das Ganze für mich doch etwas mit Töten zu tun;-) Aber gut, der nächste Satz macht wirklich alles wieder wett! Ein wirklich schönes Lauferlebnis mit allem drum und dran. Solch ein Erlebnis mit Freunden ist ein wahres Geschenk! Hildesheim ist ja "fast" bei uns um die Ecke.

Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

*schluck*

ABENTEUER PUR!!!

Dietzrun schlägt sich durch, knallhart und knochentrocken, wie immer!!!

Krass!!!

Lieben Gruß Carla

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