Benutzerbild von klada

Zugegeben, der Plan, 245 Kilometer Streckenlänge mit 4732 Höhenmeter im Aufstieg und 5370 im Abstieg in sechs Etappen an aufeinanderfolgenden Tagen für den guten Zweck zu laufen war reichlich verwegen für einen unerfahrenen Orientierungsläufer wie mich. Aber ich wollte nun mal einfach den kompletten Ruhrhöhenweg von der Ruhrquelle in Winterberg bis zur Mündung der Ruhr in den Rhein in Duisburg laufen. Das Ganze als individuelles Vorhaben in Kooperation mit Spitzenköche für Afrika und Menschen für Menschen veranstaltet, zur Unterstützung des Projekts ABC-2015 in Äthiopien zum Aufbau neuer Schulen.

Der Ruhrhöhenweg ist nicht zu verwechseln mit dem Ruhrtalradweg, der direkt an der Ruhr entlang führt, während der Höhenweg hauptsächlich die angrenzenden Erhebungen mitnimmt. Das Vorhaben basierte auf einem Kindheitstraum, den mein Bruder, mein Vater und ich irgendwann Mitte der 1970er Jahre in Gedanken ausschmückten, wenn wir auf Teilstücken des Ruhrhöhenwegs wandernd unterwegs waren.

Wenn nicht jetzt, wann dann, sagte ich mir. Also jetzt. Und das Abenteuer nahm seinen Lauf.

20.02. // Etappe 1 // Winterberg-Meschede // 44,0 Kilometer // +963/-13o1 Höhenmeter
Am Vortag hatte es im Sauerland geschneit und die vorhandene Schneedecke um eine tiefgeläufige Schicht erhöht. Das traf exakt die Wetterprognose, und so hatte ich natürlich auch meine Yaktrax eingepackt, als mich meine Liebste am Rosenmontag von Bochum nach Winterberg kutschiert, flankiert von unzähligen niederländischen Kraftfahrzeugen, deren Insassen auf historischen Zaunlatten die Pisten im Sauerland hinunterzurutschen gedachten.
Mein Plan ist ein anderer. Ich will mit immer noch leicht schmerzender Ferse Kohle für das Schulprojekt reinholen und natürlich beim Laufen trotz des Handicaps maximalen Spaß haben.
Blauer Himmel, weiße Wege, gelbe Nummernschilder – mit diesem einzigartigen Farbspiel vor den Augen starte ich vom Parkplatz an der Ruhrquelle zunächst zur Quelle selbst und dann weiter Richtung Niedersfeld und Wiemeringhausen über Vossmeskopf, Hengstkopf und einige andere Köppe. Ungefähr 80% der Strecke laufe ich mit Yaktrax. Weil aber immer wieder geräumte Passagen dazwischen liegen, ziehe ich ungefähr 148 Mal die Dinger an und wieder aus.

Die Wege sind gut markiert. Ich muss lediglich dem xR folgen, teilweise auch nur als x gekennzeichnet, dem Symbol für den Ruhrhöhenweg. Kinderspiel, ich kann ja gucken. Irgendwann werden die Wege jedoch ungemütlich. Forstfahrzeuge haben tiefe Rillen im Boden hinterlassen, und der Schnee darauf tut ein Übriges, mir das Fortkommen schwer zu machen. Schwer ist’s ohnehin schon, denn ich laufe nicht nur auf kraftraubender Unterlage sondern habe auch noch einen Rucksack mit 5 Kilogramm Gepäck auf den Schultern. Umgestürzte Bäume liegen auf den Wegen, die so riesig sind, dass ich sie nur großräumig umklettern kann, und irgendwann muss ich erstmals ein x suchen. Da stehe ich nun mitten im dichten großen Wald, alle Wegspuren zugeschneit, nirgendwo Fußspuren nirgendwo ein x. Tolle Wurst. Ich drehe also jeden Baum um, besser gesagt, drehe mich um jeden Baum. Dann endlich, ein x, und da noch eins. Ja, ist denn heut’ schon Ostern?

Ich überquere die erste Ruhrbrücke, die so kurz ist, dass ich auch gefahrlos rüberspringen könnte. Also über den Fluss, ähem, Bach, nicht über die Brücke. Assinghausen, Olsberg und Antfeld heißen die nächsten Ortschaften, und ich werde wieder prima mit x-en verwöhnt. Aber das Schneelaufen schlaucht. Und macht Hunger. Drei Käsestullen, ein Outsnack-Riegel, ein Power Gel passieren meinen Schlund und halten mich kräftemäßig auf Kurs. Planungsmäßig ist allerdings schon alles aus dem Ruder gelaufen, weil ich erst mit fünfundzwanzig Minuten Verspätung in Winterberg loskam. Dann endlich erreiche ich Meschede. Es geht ein steiles Stück Straße hinunter, und ich verlasse rechter Hand den Ruhrhöhenweg, um die Abtei Königsmünster anzusteuern. Bei den Benediktinermönchen würde ich meine Liebste treffen, die den Tag über ein paar Skischwünge über die Hänge bei Winterberg absolviert hatte und auch mein Nachtquartier aufschlagen. Ich stoppe die Uhr, schaue aber gar nicht mehr auf die Laufzeit. Denn Zeit sollte bei diesem Lauf mal so gar keine Rolle spielen. Hetzen würde ich mich in diesem Jahr noch genug können, wenn ich wollte. Ich wollte nur ankommen. Und das bin ich, zumindest im ersten Etappenort.

Im Kloster weist uns der freundliche Bruder Jan David unser Quartier zu und serviert uns später Megaportionen Salat und Spaghetti Bolognese. Ich esse bis nix mehr reinpasst. Wer weiß, was mich morgen auf der Strecke erwartet. Plötzlich klopft es, und die Tür zu unserem Speisezimmer geht auf. Eine Frau, offensichtlich Mitarbeiterin des Hauses, fragt, ob ich dieser Läufer sei, der den kompletten Ruhrhöhenweg laufen will. Ich bejahe, und es stellt sich heraus, dass sie von einer guten Freundin über mein Kommen informiert worden war. Mit dieser guten Freundin hatte ich 2008 meinen ersten Ultralauf in Bödefeld bestritten. Die Welt, wieder mal nur ein Dorf.

Apropos Dorf. Okay, Kleinstadt. Die durchqueren wir abends auf der Suche nach einer Kneipe, in der uns kein Karnevalsgetöse auf den Zwickel geht. Irgendwann werden wir auch fündig. Nach vier großen Pils bin ich fertig mit dem Tag. Zurück im Kloster hat mein Ohr kaum die Matratze erreicht, schon ratze ich weg.

Fortsetzung folgt.

ACH JA, WER NOCH SPENDEN MÖCHTE, SCHICKT EINFACH EINE MAIL MIT DEM VORGESEHENEN BETRAG AN: spendenlauf@kompottsurfer.de .

5
Gesamtwertung: 5 (3 Wertungen)

Spendenlauf


Jaja, darfst ruhig Dorf zu Meschede sagen. Ich bin da nämlich wech. Karneval wird dort aber zum Glück eher mit angezogener Handbremse gefeiert. Hast Du die 4 Halben in der Tröte eingenommen? Eigentlich der einzige vernünftige Laden.
Grüsse und gutes Gelingen!

Klasse Aktion, klasse Bericht

Ich freu mich schon auf die Fortsetzung!

yazi

Ganz schön winterlich -

und wenig wanderer- ähm läuferfreundlich diese Markierungen. Kyrill und anderen Stürmen sei Dank, dass sie reichlich Holz am Boden hinterlassen haben.

Im Kloster hatten die kein Bier? Das waren doch mal die besten Brauer und Winzer.

Vermutlich gab es im Kloster auch Bier ...

... aber an einem geheimen Ort ;-).

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Kindheitstraum

Als ich ich dem Alter war und mit meinen Eltern wandern "musste", träumte ich ganz sicher nicht davon, ein vielfaches der gerade zu absolvierenden Strecke zurücklegen zu "dürfen" und auf eine Übernachtung im Kloster schon gar nicht;-) Heute sehe ich das natürlich mit ganz anderen Augen.

Tame:-)

Klingt gut

der erste Teil ,ziemlich locker ohne zeitdruck ,Empfang
durch die Liebste und Bier am Abend ....bin gespannt auf
die nächsten tage.
Grüsse

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links