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...war das schon, irgendwie, im selfkant, wo der starter zuerst auf niederländisch und dann auf deutsch spricht, was aber auch egal ist, da hier wohl jeder nicht nur beides versteht sondern auch mit größtem selbstverständnis lebt. für den ortsfremden ist es zwar verwirrend, wenn schilder und autokennzeichen so gar keine klarheit mehr geben, ob er schon zu weit nach westen gefahren ist oder gerade noch auf dem richtigen weg ist. aber so gesehen ist auch das eine gute erfahrung.
es war mein erster halbmarathon, die marschtabelle verlor ich kurz hinter km 4, als ich die ärmel hochkrempelte, denn obwohl ich wenig trug war es noch zuviel. aber im hinterkopf hatte warnend gewabert "plattes land, wind, regen, pass bloß auf". der regen hatte fünf minuten vor dem start aufgehört, der wind blies teils heftig aber die strecke führte nicht nur übers offene feld, wie erwartet; aber was wusste ich schon vom selfkant.
es lief also ganz gut, zu gut eigentlich, denn ich fing an zu träumen; von gemeinsamen plänen mit der liebsten, rechnete mir eher beiläufig an den km-marken im kopf aus, dass ich eigentlich gut in der zeit liege und wachte bei km 8 auf. die knapp 40 sekunden vorsprung vor der marschtabelle von km 4 waren nicht nur aufgebraucht, ich hatte sogar 80 sekunden verloren; ein glatter 6min-schnitt. ich gab also gas und fing an andere läufer zu überholen. es fühlte sich - ich gebe es zu - gut an. km10 bei 57:40, na bitte, ich hielt die pace, die schritte wurden länger, die arme arbeiteten gut, schön flach hier; ich summte den refrain von carry bag man von the fall, mein metronom. so konnte es weitergehen - bis km14.
es war mir nicht unbedingt unmöglich erschienen, es kam aber doch unerwartet; das erlebnis korrespondierte so gar nicht mit meiner selbsteinschätzng vor dem lauf, meinem körpergefühl bis zum letzten drittel der strecke und den - bescheidenen - erfahrungen aus anderen volksläufen, in denen die zweite hälfte immer die schnellere war.
es war ein moment zenartiger klarheit, eine botschaft, natürlich, unmittelbar, zwangsläufig: so nicht weiter, auf keinen fall. das rechte bein begann zu schmerzen, mit jedem schritt bekam das, was bis dahin für mich flüssig laufen war, eine kante, die atemzüge wurden tiefer und doch nicht versorgender. das schlimmste waren die muskeln; schwer, schmerzend. eine bordsteinkante, die mich gezwungen hätte das bein etwas zu heben, war eine drohung. ich lief um das parkende auto.
war es das krafttraining zwei tage zuvor? war es einfach nur dummheit, die hybris des anfängers?
all die, die ich überholt hatte, zogen an mir vorbei; sie waren klüger gewesen, besser als ich. kluettes achtsames (aus der erinnerung) "du warst ja ganz schön schnell; wir haben eigentlich so einen 6er schnitt versucht", kurz langsamer werdend im vorüberlaufen, fand im moment der schwäche den direkten weg in die nüchtern analytischen hirnareale, offen für erkenntnis.
an der einzig nennenswerten steigung dachte ich kurz daran aufzugeben, dann daran stehenzubleiben, zu dehnen, wie murakami.. ich ließ es; weiterlaufen war meine buße.
ein wenig weiter lief ich zu einem läufer aus den niederlanden auf, auch er zum ersten mal auf dieser distanz. erst bei ihm ließ ich die letzten reste des verbissenen wollens los; erst mit ihm fand ich das tempo, das mich schließlich ins ziel brachte; es waren vier wichtige kilometer, vielleicht die wichtigsten bisher überhaupt. natürlich war da der willen anzukommen, natürlich blieb es ein kampf - aber einer auf meinem niveau, den ich annehmen und vor allem beenden konnte. etwas schneller wäre etwas zuviel gewesen - etwas mehr und ich hätte alles riskiert.
wir liefen gleichzeitig durch das ziel.. ein kollege überraschte mich mit seinem sehr netten besuch und schoß fotos vom zieleinlauf, den sekunden nach der ankunft, als ich mich schwer auf meine beine stütze. meine tochter meint. ich sähe auf dem bild zufrieden aus.

bleibt gesund

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Buch der Erfahrung....

Hehehehe... Den Lauf, kannst Du in das der Buch der Erfahrungen notieren!!! ;0)
Bei km.8 schon Ernten zu wollen, passiert Dir hoffentlich nur einmal! Für die Zukunft weniger Musik und mehr beherrschung beim Wettkampf!!!

Ich wünsche Dir für die Zukunft noch viel Erfolg! ;0) Kawitzi

"Der richtige Sport fängt erst da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein."

Bittere Erfahrung

die Du da hast machen müssen. Aber auch eine, die Du für Deine zukünftigen Wettkämpfe nie wieder vergessen wirst.
Es wird Dich nur besser machen....
Das hilft jetzt nicht wirklich oder
;-) ???

Adieda
Spindoc
Der mit dem Hund läuft!

Besser so...

...als andersherum, finde ich.

Wer bei seinen ersten längeren Wettkämpfen stets vorsichtig ist und nie zu sehr über die Grenzen geht, den erwischt es als scheinbar erfahrenen Läufer irgendwann mal richtig heftig.

Von daher: Lieber im ersten als im zehnten... :)

Aber Glückwunsch zum Beißen, zur Gelassenheit und Analyse. Und Glückwunsch zum ersten HM.

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Wir sind BORN. Verstand ist zwecklos. Sie werden bekloppt.

Der Gruppenwettstreit: RUHR vs. BORN

Sieh' das nicht so eng!

Mag sein, dass du mit dem Verlauf deiner Premiere nicht ganz zufrieden warst, aber entscheidend ist doch, dass du sehr hart gekämpft und wohlbehalten im Ziel angekommen bist! Darauf solltest du stolz sein, denn das verdient doch allerhöchsten Respekt! Dazu kann man nur gratulieren!

Ich bin mir sicher, beim nächsten Mal wirst du anders vorgehen, weil du weißt, was passieren kann! Mit Premieren ist das immer so eine Sache, oft geht's nach dem Motto "Versuch und Irrtum"! Doch selbst wenn - Fehler sind dazu da, um daraus zu lernen!

Dein Bericht erinnert mich teilweise an mein HM-Debüt in Stuttgart 2007, wo ich - trotz Warnungen - viel zu schnell losgelaufen bin und dann auch bei Km 14 meinen Einbruch hatte und nur noch die nächsten Km-Schilder herbeifieberte! Das hat man davon, wenn man seinen eigenen Kopf hat! ;-) Ich konnte den HM zwar auch zu Ende bringen, aber seit diesem Lauf passe ich höllisch auf!

LG

MC :-)

laufend fit und gut drauf!

Das Gruppenduell Ruhr vs. Born
Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos!

danke für

... die glückwünsche, den zuspruch und die einschätzungen; tatsächlich ist diese frühe erfahrung sehr lehrreich gewesen. eigentlich bin ich, wie einige schrieben, auch froh, dass mich die selbstüberschätzung jetzt erwischte und dieses erlebnis hoffentlich nachhaltig wirkt. und zufrieden bin ich auch. angekommen und nur drei minuten über der zielzeit in der zuvor unbekannten +19km-zone, wieder mit beiden beinen auf dem boden der realität - ohne eifer, ohne zorn.

herzliche grüße,

mojo

- auch das geht vorüber -

Kein Grund zerknirscht zu sein

...immerhin hast Du für's erste Mal immer noch eine gute Zeit hingelegt, die Deiner ursprünglichen Einschätzung ja auch entsprach. Die Erfahrung, in der Euphorie der Gruppe überpact zu haben, hat wohl jeder von uns schon gemacht, daraus lernt man nur. Hauptsache, Du hast nicht aufgegeben, das wär ein Sch...gefühl gewesen. So war's nur eine Lektion.
Toi-toi-toi für's nächste Mal!
Liebe Grüße
Kluette

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