Benutzerbild von marcuskrueger

Manchmal gibt es Läufe, da weiß man gar nicht, was da passiert ist.

Ich wollte meine langen Lauf vom Sonntag nachholen. Das geht ja eigentlich gar nicht – Training kann man nicht nachholen. Wenn der Trainingslauf nicht stattfindet, dann bitte einfach einen Strich machen und am nächsten Trainingstag weiter im Programm laufen.

Aber ich bin unbelehrbar und will diesen langen Lauf. Strecke ausgeguckt, in Schale geworfen und ab geht es.

Erst durch's Stadtzentrum in den nächsten Park und dann Richtung Süden raus aus der Stadt. Es galt den Markkleeberger See zu umrunden. Strecke kannte ich, war ich erst vor ein paar Tagen mit local jogmappern dort gelaufen.

Nach einer guten Stunde war ich am See und begab mich an die Umrundung. Die war auch nach knapp 50 Minuten absolviert. Alles prima, es hatte zu regnen angefangen – es ging mir gut.

Ich wollte nun aber nicht exakt die gleiche Strecke zurücklaufen. Hatte mir eine Strecke durch die dortige Stadt ausgeguckt. Es sollte auf einer größeren Straße nur geradeaus (von Ost nach West) gehen. Irgendwann käme ich dann am Nachbarsee (Cospudener See) heraus. Ab da kannte ich dann den Weg wieder.

Ihr ahnt, wohin die Reise geht?

Die Straße war eine richtige Straße. Mit Autos, Ampeln, 2 Spuren. Einfach nur laut und dreckig. Außerdem machte die Straße meiner Meinung nach so einen starken Nordschwenk. Ich dachte der Nachbarsee läge nun eindeutig links/westlich von mir. Irgendwann verlor ich die Geduld. Ich fand einen Weg nur für Fahrräder und Fußgänger, der nach links abging. Für mich war klar: Der führt zum See.
Ich war bis hier 2:15h unterwegs (km 24).
Der Weg führte in eine Haussiedlung. Ich lief schon etwas zweifelnder. So langsam müsste hier der See kommen. Außerdem schwenkte die Straße jetzt in eine Richtung, die mir eindeutig zu stark südlich war. Aber was weiß ich schon…

Ich nehme nie etwas zu trinken mit. Ist meiner unvernünftigen Eitelkeit geschuldet. Dafür habe ich Geld dabei. Diesmal auch das nicht. Ich bekam Durst.

Bis hierhin wusste ich, dass ich einen kleinen Umweg machen würde. Mein Ziel war jetzt nur noch, irgendwie an diesen See zu kommen.
Zum Glück traf ich zwei Anwohner. Kurz Lage geschildert. „Die Straße da vorne links und dann die große Straße nach rechts bis zum Hafen.“
Okay, danke!

Links gelaufen bis zur großen Straße. Doch dann: Och, jetzt die laute Straße lang laufen? Oh, schau mal ein kleiner Weg und die Bäume sind genau die Art, wie sie auch um den Cospudener See herum angepflanzt sind. Da geht es bestimmt lang!

Während ich laufe, scheine ich nicht dazuzulernen…

Geradeaus in das Wäldchen. Ich rechnete jeden Augenblick damit, den See vor mir zu sehen. Nach 2:35 sah ich den See in einiger Entfernung, aber auch die Gegend, wo ich rausgekommen bin. Sehr, sehr weit im Süden.

Auf einmal hörte der Weg auf. Er hörte nicht wirklich auf, es stand nur alles unter Wasser. Wieder zurück und eine neue Route versucht. Bin über einen kleine Fluss gesprungen.

Nach 2:41 (km 28,5) war ich dann auf einem befestigten und mir bekanntem Laufpfad. Ich wusste nun aber auch, dass es noch 13 km bis nach Hause waren.

Am Telefon:
Ja, hallo, ich bin wahrscheinlich ein bisschen später zu Hause. Nee, alles okay, ich hab nur jemanden getroffen. Ja, weißt ja, dann findet man den Absprung nicht gleich. Ja, hm, klar. Haha, ich verlaufe mich schon nicht. bis später.

Es macht keinen Spaß mehr! Frage mich schon wieder: Ist das noch Training? Nein, ist es nicht. Höchstens für den Kopf. Aber der hat es ja auch bitter nötig

Wo bekomme ich jetzt eine Straßenbahn her? Strecke kann ich umlegen, aber dann warte ich und bekomme auch nicht früher etwas zu trinken.
Das hat alles keinen Sinn. Weiterlaufen.

Du schaffst das, Du packst das, Du läufst das.

Mache meinen Shuffle aus. Ich brauche jetzt Ruhe und Leere in meinem Kopf. Körper übernehmen Sie! Tempo ist gut. Ich bin jetzt in dieser Phase, wo ich das Tempo nicht steuern kann. Ich bin eigentlich nur noch dabei. Ich fühle mich nicht als Handelnder. Wenn ich noch irgend eine Kontrolle über die Geschehnisse hätte, würde ich stehen bleiben und mir ein Taxi rufen.

3:05h gelaufen, noch 9 km. Du läufst jetzt bis zu diesem Parkplatz, das sind 4 km, da ist auch schon wieder Stadt. Dann sehen wir weiter.

Ich bin jetzt in so einer arroganten Phase, wo ich entgegenkommende Läufer nur noch innerlich müde belächle. Glaubst Du, das Du hier was leistest. Der Regen macht Dich jetzt auch nicht zum tollen Läufer. Du läufst doch vielleicht gerademalso 2-stellig

Parkplatz: Ich überrasche mich und laufe einfach weiter.
Nächstes Ziel: Das Ende des Parks, das sind jetzt noch 3 km. Mal sehen, was ich dann mache.

Ich nehme mir nichts vor, wenn es mir schlecht geht. Ich mache keine Monologe über das Durchhalten oder Aufgeben. Ich überrasche mich. Mal sehen, was in 3 km passiert. Diese unbeteiligte Spannung lenkt mich ab. Ich kann mich prima verarschen. Vorallem nach 40 gelaufen Kilometern.

Innenstadt: Rote Ampeln sind okay. In die Gänge kommen etwas komplizierter.

Die letzten 600m sind Zielgerade. Sorry, Fußgänger, ich will jetzt High Fives. Hier wird jetzt abgeklatscht. Einige machen auch mit. Schön.

3:59:24 (42,09 km). Arme hoch und schnell wieder runter. Zu erschöpft und leer. Innerlich lauf ich noch mal 10 km aus…

Wenigstens habe ich ein Laufmotto:
Zu bekloppt, um geradeaus zu laufen.

Die Karte verdeutlicht nochmals meine Beklopptheit.

Lost in Markkleeberg

marcus

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Hallo Marcus, sorry, aber

Hallo Marcus,
sorry, aber über Deinen Blog mußten wir schmunzeln.
Aber ich glaube, für Dich war das gar nicht lustig.
Aber, man lernt ja nie aus. Und den inneren Schweinehund hast Du auch besiegt. Kannst stolz auf Dich sein. Ich glaube, wenn Du Dir ein Taxi gerufen hättest, hättest Du Dich im nachhinein geärgert.
Liebe Grüße
Sylke

Aha - so ist das also!

Nun weiß ich endlich, wie du auf deine imposanten Umfänge kommst! ;-))

Was du Selbstverarschung nennst, ist übrigens die Haltung der Meditation. Vielleicht läufst du mal aus Versehen 60 Km - Gelegenheiten um nicht geradeaus zu laufen, findest du bestimmt genug - und bist danach erleuchtet.

Leben ist Bewegung

Ohne Worte! Wie bekloppt ist DAS denn?! ;-)

Lieber Marcus,

es wäre mir eine außerordentliche Ehre, Dich endlich auch offiziell bei den Bekloppten begrüßen zu dürfen.

High-End-Bericht! Nach einem - wenn auch zufälligen - Hig-End-Lauf!

Bis demnächst.

Lu

Gruppenduell Bornies vs. Ruhries

Hi Marcus nimm das nächste

Hi Marcus nimm das nächste mal ein paar Leuchtraketen mit und rufe mich an, dann helfe ich dir aus der Großstadt Markkleeberg.
Den Lauf müssen wir nochmal auswerten am Sonntag.

Bis Donnersatg
und verlauf dich nicht
Torsten

High-Five

Hallo Marcus.
Von mir ein virtuelles Abklatschen, das es nur so dröhnt.
Ich lehen mich mal aus dem Fenster und behaupte, das keiner der Bekloppten Dir damit die Beklopptheit absprechen kann --Willkommen im Club!!
Ungewollter Marathon im Training in Sub4 Punktlandung: Herrlich!!!
Gruß, Marco
You´ll never lost alone

Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Willkommen im Club...

..der Orientierungslosen.
Und beste Grüße! WWConny

noch zwei Blogs auslaufen

und der M wäre dann wirklich komplett - das wäre doch auch noch drin gewesen! Gruß Schalk
PS: Seit die das Renaturiert haben, müßte ich da auch Leuchtraketen mitnehmen. Kennt sich doch kein Mensch aus da in der Pampa - aber schön issses da. ;-)

Da bin ich...

...tatsächlich völlig begeistert. Versehentlich Marathon. Toll. Ich find's noch schicker, weil ich die Gegend Deiner genialen Wegeinfälle so halbwegs kenne, wenn auch nicht laufend.

Härrlisch! Glückwunsch!

---
Wir sind BORN. Verstand ist zwecklos. Sie werden bekloppt.

Der Gruppenwettstreit: RUHR vs. BORN

Wunderbar.

Schön auch die Vorstellung "es läuft mich". Mal sehen wie schnell und wohin...

Gruppenduell BORN vs. Ruhr
Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos!

Am Besten

Am Besten find ich das Abklatschen mit - wohl fremden - Fußgängern. Mit sowas gehen andere (ohne Trainingsmarathon) ins TV.

Werd ich mir jetzt auch angewöhnen, z.B. nach meinem nächsten gemächlichen 40-min Lauf;-)

DankeDoppelDrei

Langer Atem

Hochachtung vor Deiner mentalen Stärke (kann ich mir noch ne Scheibe abschneiden)...oder wie Du es nennst, die Fähigkeit sich selbst zu verarschen...was Dir mit der Streckenplanung zumindest gelungen ist ;)

Was mich jetzt noch interessieren würde, wie Du das Problem mit dem Durst/Hunger gelöst hast? Deinen Kopf in den Cossi gehalten?

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