Benutzerbild von marcuskrueger

Bisher gab es immer einen Zeitpunkt während meiner Teilnahme am Laufseminar für den Marathon, an dem ich die Segel streichen lassen musste. Diese Jahr war es gestern soweit.

Schlachtordnung:
Einlaufen
2km in flott-flott (4:15min/km) + 1km in flott (4:45min/km)
Das dann 5x
Auslaufen

Schlachtprotokoll:
18:25 Uhr:
Start von Wohnung. Lockeres Einlaufen. Alles prima. Nicht glatt, nur kalt.
18:50 Uhr:
Einlaufen mit local jogmappern und den restlichen Scharen von Läufern
19:00 Uhr
Erfahre, dass der Laufbetreuer meiner Tempo-Gruppe nicht da ist. Wir sollen deshalb mit einer langsameren Gruppe mitlaufen. Auf Bahn 6-8!
Laufbetreuer rechnet kurz was vor: Auf 1000m sind es pro Bahn weiter raus 20m mehr. Deshalb lauft ihr mit uns 4:30 min/km – nur mehr Strecke.
Hm, denke ich, dass ist nicht nur „nur mehr“ sondern vor allem „mehr“. Weiß der, dass das schwieriger ist als sonst.
Naja, fangen wir mal mit den ersten 2km auf Bahn 6 an…
19:05 Uhr
Ein Läufer auf Bahn 7 überholt mich, um mir zu sagen, dass wir gerade 3:55 min/km laufen. Tröste mich, dass das nicht stimmen kann, da wir im Stadion laufen und die Geschwindigkeitsmessung hier durch Kopfrechnen noch ganz gut funktioniert.
19:09 Uhr:
Ende der 1. flott-flott Phase
Negativ: Ich habe jetzt schon keine Lust mehr. Ich habe keine Schuhe, auf die ich gucken kann, ich muss mich auf mein Tempo konzentrieren. Die Innenseiten meiner Waden tun weh. Luft bekomme ich auch nur alle 30m. Die anderen Außenbahner meinen, dass sie ohne Laufbetreuer wirklich 3:45 min/km laufen müssen und rennen auf Bahn 8 immer 30-40m vor den Innenbahnern.
Positives: Ich bin da. Ich kann noch Kopfrechnen. Jetzt darf ich 1km langsam in 4:55 min/km austrudeln. Möge dieser Kilometer nie zu Ende gehen.
19:14: Och nöö, ne! Halt. Wenn ich mich zu Beginn des 2. Durchgangs über die 1. Runde freue, habe ich ein Problem. Muss mich jetzt schon mit Selbstverarschung ablenken. Ich habe schon 20% des Todestempos geschafft, und jetzt schon ein Fünftel vom 2. Durchgang. Ich habe fast 40% - das ist fast die Hälfte. Hhhm, Hälfte…
Hälft alles nichts, ich kann nicht mehr. Einigen meiner Außenbahnverbündeten geht es ähnlich. Jetzt habe ich endlich Schuhe zum Gucken. Prima.
19:19. Die Schuhe vor mir meinen, das es für heute reicht und wechseln eine Bahn weiter nach innen. Das ist ein ganz fieses verlockendes Angebot. Wenn ich normalerweise nicht mehr kann, sage ich: Aufhören? Non, jamais!! Aber jetzt, es wäre nur eine Bahn, nur 20m weniger, das sind nur 220m weniger insgesamt.
Und wie, bitte schön, soll das im Lauftagebuch aussehen? Nein, Du bleibst jetzt auf Bahn 6? Hättest Du Dir vorher überlegen sollen. Hm, Hälfte…
19:25. So, 40% sind geschafft, jetzt versuch mal dranzubleiben.
19:28. Attacke! Laufen, Laufen, Laufen
Ich kann nicht mehr. Bleib dran. Schnürsenkel auf!! Mist. Asterix-Flüche. 10 Sekunden Pause. Ich stehe, oh, das ist schön. Stehen ist schön. Gibt es standmap.de oder restmap.de?? Weiter. Wieso sind die in 10 Sekunden so weit weg. Sind die jetzt absichtlich schneller geworden? Alleine auf Bahn 6. Keine Schuhe zum Gucken, keine Luft zum Atmen, kein Sinn so schnell zu laufen. Hälfte!! Wirklich…
19:37. Die anderen sind langsamer geworden. Ich muss weiter flott-flott laufen, damit ich wieder rankomme.
19:42. Wieder dran. Jetzt werden die schon wieder schneller. Die mögen mich nicht.
19:51. Ich habe heute eine völlig neue Einstellung zum Tempo 4:50 min/km gefunden. Dies ist, glaube ich, der Trainingsmechanismus.
Intervalle laufen heißt, ein Tempo zu hassen und eins zu lieben. Dir sagt nur keiner, dass das Tempo, das Du liebst, Dein Wettkampftempo wird. Ich sehe in meinem Delirium alle Mitläufer vor dem Start des Marathons jubeln. „Wir laufen die 4:50 min/km“ Alle liegen sich in den Armen und freuen sich: „Wir dürfen den Marathon in Tempo 2 laufen. Mann, Trainer, da hast Du uns aber hops genommen.
19:56. Letzte Mal 2km. Das schaffe ich jetzt auch noch. 5 Runden. Denke nostalgisch an 19:05 Uhr - hach das waren schwere Zeiten. Früher war alles hoffnungsloser
20:05. Auslaufen in irgendwas. Die Uhr mache ich jetzt aus.
20:30. Ab auf den Heimweg. Die anderen hatten es auch nicht leichter.
20:55. Warme Getränke sind toll

Platt, Platt, aber immer auf Bahn 6.
Ich bin zwar das Tempo gelaufen, das auf meinem Plan steht. Es waren aber auch 1,5 km mehr. Das nächste Mal laufen ich innen, dann aber vorne weg. Außenbahn ist doppelt blöd!!

marcus

Laufen in Leipzig (z.B. beim 36. Fockeberglauf am 07. März 10 Uhr)

0

Respekt.

War echt eine cooler und kurzweiliger Beitrag muss ich ja mal sagen. Respekt natürlich vor der sportlichen Leistung. Und am meisten dazu, dass du mit deinem Beitrag eine neues männliches Weicheiwort definiert hast. Neben Im sitzen Pinkler und Frauenversteher gibt es jetzt noch den LaufbahninnenLäufer!!!!!!!! Grins

die Gleichschaltungsbeauftragte...

..wäre stolz auf Dich! "LaufbahnInnen..." *grins*
Schönen Gruß, WWConny

Pace 3:45 - kein Problem!

Gib mir ein ordentliches Fahrrad, dann schaff ich das locker!
Ich find schon, dass man fürs Intervalltraining überhaupt ziemlich masochistisch veranlagt sein muss, aber Dein flott-flott-Tempo, das überschreitet meine Vorstellungskraft.
Wahnsinn!
Beste Grüße, WWConny

Hallo Laufbahnaußenläufer!!

Letzten Sonntag noch 4:40 über 20km in aller Ruhe (oder so ähnlich)durchgelaufen (!), dann festgestellt, dass der Winter eher für's km-sammeln da ist und nun das!
Herzlichen Glückwunsch zum Durchhalten.
Gruß Schalk
PS: Intervalltraining ist immer dann besonders anstrengend, wenn man die ersten Einheiten (wo man noch kann, wo es noch geht) schneller ist, als geplant. Das büßt man meist schon weit vor dem Ende! ;-)

Tatsache....

Marcus, Du bist so ein genialer Schreiberling, da habe ich immer das Gefühl, ich wäre in der Geschichte Involvierte! Einfach Super! ;)

Was mir auch noch aufgefallen ist, dass Du ein wahnsiniges Kilometerpensum hast, unter anderem Mal eben 52km Sonntags runterspulen.. Top Zeiten. halt "ein Spitzenläufer!"

Aber warum, brauchst Du ein Marathon Seminar!? Schon alleine wegen Deinen Fachkompetenzen Äußerungen, hier im jogmap. Könntest Du deine eigene Seminarschulung gestalten.

Ok.. Du wirst schon Deine Gründe haben.. :) Gruß Kawitzi..

Ach. ;) Habe hier noch was, womit Du deinen nächsten Blog etwas verschönern kannst *grins*

Comicsocken-Träger
Einfahrtfreihalter
Erstbremser
Käserindenabmacher
Mit-Kuscheltier-ins-Bett-Geher
Nußecken-Eßsüchtiger
Papierkorb-Leerer
Männerimitator
Lenkrad-Zudecker
Badezimmerspiegelfoener
Bodenturner
Nie-ohne-Zähneputzen-ins-Bett-Geher
Marmeladenglasauskratzer
Bankdrücker
Hauszeltcamper

"Der richtige Sport fängt erst da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein."

das wesentliche

und das schönste am bericht sind
zweifelsohne die steigerungen :

flott - flott-flott - platt-platt

:)) christine

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links