Am Montag, 25. Juli beginne ich wieder mit dem Training. Zunächst 10 km, in der Woche einmal kurze 4,5 km und am Wochenende dann schon wieder 20 km. Aber alle 5 km kurze Gehpause. Am Schluss bin ich etwas k.o., aber es hat funktioniert: ich bin auf einen Schlag wieder auf 20 km. Diese Methode habe ich vor 2 Jahren mal entwickelt, nenne das Indianerlauf, weil auf diese Weise die Indianer in der Lage sind, mehrere hundert Kilometer an einem Stück zu laufen. Machen immer mal wieder eine kurze Gehpause zwischendurch. So hundert Meter bis maximal eine Minute. Diese Päuschen haben einen enormen Erholungseffekt. Wichtig ist aber, dass man dabei nicht ins Schlendern kommt, sondern dass man sehr stramm weitergeht. Der Körper soll nicht auf die Idee kommen, dass schon Feierabend ist.
In der Woche darauf bin ich wieder voll im Training, allerdings auf Rat von Peter Greif zunächst noch mit verringerter Geschwindigkeit. 4 Läufe, 76 km, mit dem längsten Lauf von 25 km am Sonntag, 7. August.
Die Woche darauf habe ich sonntags Geburtstag, werde 60. Feiere mit Familie und einigen Freunden an einem See in MV. Das Trainingsprogramm kommt etwas durcheinander. Dennoch komme ich in der Woche auf 72 km mit dem längsten Lauf von 28 km am Freitag, 12. August. Geplant hatte ich eigentlich 30, aber irgendwie ging es mir psychisch und auch körperlich nicht so gut, und ich war am Schluss froh, wenigstens 28 geschafft zu haben.
In der Woche darauf ist es dann genau anders herum. Gute Stimmung macht offenbar lockere Beine. Für Samstag hatte ich eigentlich nur 33 geplant, davon die letzten 6 km mit Endbeschleunigung und darin den letzten Kilometer im Marathontempo. Draus geworden ist dann noch etwas mehr: km 32 und 33 im Marathontempo und dann noch 2 km auslaufen. Sorgfältiges Einlaufen und Auslaufen sind sehr wichtig, um Zerrungen und derartige Verletzungen zu vermeiden. Ich sage dass aus eigener Erfahrung, habe das früher oft unterschätzt. Mit dem Resultat, dass 2008 und 2009 die Marathons für mich wegen Meniskusriss bzw. Leistenzerrung ausfallen mussten.
In der Woche bis 21. August laufe ich Insgesamt 84 km.
Am 25. August geschieht etwas mit ungeahnten Folgen. 15 km Regenlauf, anschließend entferne ich aus meinen New-Balance-Schuhen zum Trocknen die Polstereinlagen. Und jetzt kommt das Entscheidende: ich vergesse, sie nach dem Trocknen wieder einzulegen. Nach 2 Läufen in meinen Zweitschuhen (Saucony) mache ich dann also am Montag, 29. August hartes Tempotraining ohne stützende Polster. Darauf sind meine durch gedämpfte Schuhe verwöhnten Kultur-Füße aber noch nicht eingestellt. Einige Läufe von jeweils 2 bis 3 km zwischendurch in den Huarache-Indianersandalen (siehe Bericht) waren nicht genug, um die Fußmuskulatur hinreichend aufzubauen. Einige Monate später werde ich erkennen, dass es sehr lange braucht, um meine Spreizfüße zu sanieren. Doch dazu später mehr zu gegebener Zeit.
Am 29. August, so meine Analyse einige Wochen später, ist es dann passiert. Da ist durch den Lauf ohne Polstereinlage vermutlich der mittlere Mittelfußknochen am rechten Fuß leicht angeknackst. Auch wenn es mir damals noch nicht bewusst geworden ist. Dieses Bewusstsein in Form eines Schmerzes kam dann erst beim Mercesdes-Benz-Halbmarathon am 4. September in Berlin-Tegel. 5 Kilometer vor dem Ziel Schmerzen, werde ich langsamer, komme zwar ins Ziel, verpasse aber mit 1:54 h meine angepeilte Zeit von 1:50 h deutlich. Aber dass etwas am Knochen sein könnte, will ich natürlich nicht wahrhaben. Will ich gar nicht wissen. Zwar habe ich danach bei jedem Lauf Schmerzen im rechten Mittelfuß. Heimtückischer Weise lassen diese Schmerzen aber immer schon ab wenigen Metern nach und verschwinden nach einigen Kilometern meistens ganz. So wiege ich mich in der Sicherheit, dass es sich mal wieder um ein unbedeutendes Zipperlein handelt, dass von selbst weggeht. Das ist das Problem von Schmerzmitteln, auch wenn sie nicht aus der Apotheke kommen, sondern vom Körper in Eigenproduktion.
Und so nimmt das Unheil, buchstäblich, seinen Lauf. Ich trainiere also weiter auf den Berlin Marathon hin. An dem Wochenende davor laufe ich sogar mit 37 km meine bislang längste Trainingsstrecke überhaupt. Laut Greifplan standen eigentlich 35 km auf dem Programm, aber ich bin gut drauf und entscheide mich am Schluss spontan, noch 2 km Auslaufen in regenerativem Tempo dranzuhängen. Übrigens eine gute Idee, finde ich. Kann ich auch bei so langen Strecken nur empfehlen. Vielleicht sogar gerade dann. Ich denke, das ist wie bei einem Automotor, der bei einer langen Fahrt lange heiß gelaufen ist. Den sollte man auch besser erstmal noch etwas in niedrigerer Drehzahl laufen lassen, ehe man ihn abschaltet.
Bei meinem nächsten Bericht geht es dann um den Marathon am 25. September, wie ich dort mit einem waschechten Ermüdungsbruch 32 Kilometer gelaufen bin. Und wie ich dann damit umgegangen bin.

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