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Und dann war da noch Korea...

Zwei Dinge werden mir ganz besonders in Erinnerung bleiben, wenn ich an den Ultramarathon des RLT Rodgau 2012 zurückblicken werde. Da bekannt ist, dass ich zu ausufernden Blogs neige, möchte ich die besonderen Highlights gleich vorweg geben:

Da ist zum Einen der Zweitplatzierte, der Japaner Wataru Iino, der ja nur deswegen diese Plüschmütze in Form eines Pferdekopfes trägt, weil er noch ein "Laufanfänger" (sic!) und "kein so guter Läufer" ist (Doppel-sic!). So viel zum Thema Laufanfänger! Platz 18 beim Marathon des Sables, und zwar auch dort mit dieser Plüschtiermütze! Ich befand mich gerade wieder einmal auf den Weg über die Start-/Ziellinie, als sich von hinten ein "ohhh, Hansjügeeeen!" anschickte, an mir vorbei zu stürmen. Wataru, stets mit einem lächeln bewaffnet, stürzte sich gerade mit 3:08 ins Ziel, hatte aber immer noch Zeit, mir ein "Hallo" zu zurufen. Klasse! Und als Augenblicke (oder Ewigkeiten?) später ich die Matte überquerte und meine letzten drei Runden antrat, da löste sich der frisch gekürte Rodgau-Zweite aus dem kleinen Pulk der Offiziellen, nahm einen kleinen Ausfallschritt zur Strecke, winkte mir zu und rief noch "go, Hansjügeeeen!". Ein großes Kino von dem kleinen, sympathischen Ultraläufer, der Deutschland leider verlässt und nach Japan zurückkehrt.

Das andere Kopfkino hinterläßt ein Ultraläufer, der offiziell als DNF geführt wird, obwohl er die 50 km durchzog. Verfluchte Zielschlußzeiten! Als unfreiwilliger Handycapläufer präsentierte sich Steffen aka laeufer74. Bereits in der Umkleidekabine ließ sein niederschmetterndes "das darf doch nicht wahr sein! Ich habe die Laufschuhe vergessen" Herzen zu Tränen rühren. Aber anstatt zu Heulmap abzudüsen, zieht der Bekloppte den Ultralauf mit seinen Straßenschuhen durch!!! Und während den gesamten 50 km ging er nicht einen Moment davon ab, gute Laune zu versprühen, einen Scherz auf den Lippen zu haben und zu lächeln. Auf der Rückfahrt sah er die ganze Sache positiv: er kam ja gottlob nicht mit klobigen Winterstiefeln oder italienischen Designerlackschuhen.

Aber ich war ja auch da, und davon möchte ich ja erzählen...

Nach meinem furiosen Abschluß beim 50 km Albmarathon 2011 - bei 1.070 HM wurde nicht nur meine Vorjahreszeit um 43 Minuten pulverisiert, auch meine bisherige 50 km-"Flachland"-PB mußte um 12 Minuten demütig Platz machen. Aus dieser Euphorie heraus resp. der Neugierde, was auf flachen 50 km möglich sei, meldete ich mich für Rodgau an. Hätte ich besser nicht getan.

Wettkämpfe so früh im Jahr liegen mir nämlich gar nicht. Zudem ging mein Wettkampffieber verloren, und ich habe es auch heute noch nicht wiedergefunden. Ich laufe zwar immer noch gerne, aber von Wettkampfhibbeligkeit keine Spur.

Erschwerend kam hinzu, dass ich eine freiwillige fünfwöchige Laufpause einlegte (pure Faul- und Lustlosigkeit, oder wie MC so schön sagt: "bei dir weiß man auch nie, teils machst du über Wochen gar nichts, und dann spulst du wieder so ein Programm ab"). Erst am 6. Januar stieg ich wieder ins Training ein, zu knapp, um auf gesunde Bestzeitenjagd zu gehen.

Daher wollte ich Rodgau dann auch Rodgau sein lassen, jedoch kam im Training die Überzeugung, das die Grundlagenausdauer da ist und ich, behufs der Tatsache, ich ginge das Rennen ohne Dembbo an, ein sub 5 Finish durchgehen sollte.

Dennoch trat ich völlig spaßbefreit - ohne Schottenrock - die Anreise an.

Mein Wecker klingelte mich um 3:33 Uhr BORN-Zeit aus dem Bett, damit ich die lange Anreise zum vereinbarten Treffpunkt in Leonberg mit laeufer74 auch pünktlich erreichen würde. Von meinen Erlebnissen und Begegnungen beim Umsteigen in Stuttgart möchte ich jetzt lieber nicht reden. Nur soviel: man sollte nicht für möglich halten, wieviel Mageninhalt eines jungen Mannes den Weg durch den Mund auf den Bahnsteig finden kann - morgens um 6:15 Uhr!

Von Leonberg aus ging es u.a. mit MC zu einer kurzweiligen Autofahrt ins Hessische, wo es hieß, 10 mal 5 km im Kreis zu laufen. Die Rundstrecke war teils asphaltiert, teils schlammiger Waldweg, aber immer noch besser, als die benachbarte, kreisförmige Opelteststrecke zu laufen, deren Wach- und Grenzzaun wir 10mal zur linken im Wald bewundern durften.

In Rodgau gab es freudige Wiedersehen und neue Bekanntschaften. Alleine die Anwesenheit von Pferdchen carla-santana oder kawitzi zeigte bereits an, dass dieser beschauliche Ort Ruhramöbenverseucht war! Auch viele Laufgesichter außerhalb der Jogmap-Szenerie konnten begrüßt werden, und viele andere traf ich überhaupt erst auf der Strecke an. marcuskrueger allerdings habe ich nicht laufen gesehen, sondern lediglich beim vertilgen von Nussecken oder Kuchen gesehen. Ich glaube, der ist nur ein Laufposer und meldet sich nur zu Läufen an, um sich ordentlich durch den Winter zu futtern...

Die Organisation war sehr gut, nicht klasse, aber sehr gut. Die Startnummernausgabe funktionierte einwandfrei, auch wenn das kleine Tennisheim dem Andrang der Ultraläufer nicht gewachsen war, wofür aber niemand etwas kann, noch nicht einmal die Römer. Auch die Wertsachenaufbewahrung klappte wie am Schnürchen mit der Ausnahme, dass man ein kleines Detail im Vorfeld verschwiegen hatte. Um mit meiner sozialen Kompetenz anzugeben, erbot ich mich nämlich, die Wertsachen von laeufer74 gleich mit abzugeben. Nach dem Quetschgedränge, bis ich mich endlich vorkämpfen konnte, erfuhr ich dann, dass er das schon selber machen müsse. Ui...

Aber zu den angenehmen Dingen, dem Lauf. Ohne gezielte Wettkampfvorbereitung keine gezielte Wettkampfplanung. Quergedacht ging meine Überlegung dahin, vielleicht so in jeweils max. 28 Minuten die Runden zu durchlaufen. Das ist nicht schnell, und man kann sich immer noch würdig aus Hessen verabschieden.

Im Startbereich registrierte ich wohlwollend, das es gar nicht so kalt war, wie befürchtet. Dazu muß man allerdings wissen, das "kalt" auf der Schwäbischen Alb etwas anderes bedeutet, als für Warmduscher anderer Regionen ;)

Beim Start merkte ich, ich habe mich zu weit nach Hinten eingeordnet. Nach geschlagenen 2:02 Minuten passierte ich erst die Startmatte, und ich hatte im Gedächtnis, das nur die Bruttozeit zählen würde. 2 Minuten verloren! Das war mehr als verhängnisvoll, vor allem wenn man sich nicht mit den Reserven ausgestattet ist, diese wieder zu kompensieren. Zunächst hieß es allerdings, langsam zu laufen, da sich das Läuferfeld naturgemäß nicht sofort entzerren kann. Ich tat mein bestes, nach vorne zu drängen, überholte dabei so beiläufig Kawitzi, chamm66 und Carla-Santana, wobei ich noch Kawis "den lassen wir mal gemütlich ziehen. Den holen wir später" hörte.

Nun, wie kann man diese Strecke wiedergeben? Windig, zugig, rutschig, schmutzig, schlammig, widerlich. Kurz: geil. Spätestens nach der dritten Runde waren die Wege teilweise dermaßen aufgeweicht und durchgepflügt, das man ohne Schwierigkeiten einen Film über den Ersten Weltkrieg in diesem Schlammfeldern von Flandern drehen konnte.

Bereits in der zweiten Runde kam die erste Überrundung. Aber nicht nur Läufer #1 und Läufer #2 düsten an mir vorbei, auch das erste "Hansjügeeeeen!" kam von Hinten angebraust. Wataru, gutgelaunt, zog an mir auf (noch) Position #3 vorbei. Und wieder erfüllte sich ein Traum: ich überholte die Position 3 ;) Für knapp hundert Meter machten wir beide ein lustiges Überholspiel; ich zog an, lief an ihm vorbei, und rief noch ein "I'm faster then a horse". Er konterte mit einer gespielten Verzweiflung, "Oh no, I lost", und überholte seinerseits. Das Spielchen machten wir noch einmal, dann näherte sich meine HF dem maximal möglichen, und der japanische Blitz zog von dannen. Mein Garmin zeigte später eine Bestzeit von 3:09/km in dieser Runde an und glaubte wohl für ein paar Augenblicke, er sei an einen echten Läufer verkauft worden.

Die ersten drei Runden liefen zufriedenstellend, abgesehen von den 2 Minuten Startverlust. 29:10 in Runde 1; 25:38 in Runde 2 und 25:29 in Runde 3. Okay, eine Spur zu schnell, aber es geht. Schließlich sind das ja "nur" 5-km-Läufe, auch wenn man die 10 mal hintereinander laufen muß. Sozusagen zehnmal Volkslauf an einem Tag. Geholfen hat tatsächlich der Trick, nur die Runden zu zählen, und nicht die Kilometer.

Mein Malheur begann in Runde 4. Mein Körper sendete unmißverständliche Signale aus, die ich nicht ignorieren konnte. Keine Krämpfe, Schmerzen im klassischem Sinn oder Ermüdungen. Nein, schlimmer...

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Körper: "Ähem, Hallo? 'Tschuldigung, wenn ich hier störe. Aber wir haben hier unten wieder einmal ausgeschlachtete Nahrungsmittel zusammengestellt, deren nichtverwertbare Reste im Darmausgang zur Ausscheidung bereitstehen. Der Prozeß kann sofort durchgeführt werden. Dauert nur ein paar Augenblicke"

Ich: "Bitte W A S?"

Körper: "Ich wiederhole: wir haben hier unten wieder einmal ausgeschl..."

Ich: "Ich habe es verstanden! Ich bin hier in einem Wettkampf! Ich geh' doch jetzt nicht zum k...n!"

Körper: "Habe verstanden. Wir warten dann auf Ihre Abschußfreigabe. Roger und aus"

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Hier schien es sich zu rächen, das ich so früh aufstehen mußte, aber meine Körperfunktionen relativ spät in die Gänge kamen. Auch konnte ich den, dem Geruch nach Rodgauer "Pumakäfig", vor dem Start nicht mehr aufsuchen. Und jetzt hatte ich den Salat!

Runde 4 ging dann schon deutlich langsamer mit 26:28 vorbei. Nun gut, immer noch unter den angestrebten 28 Minuten pro Runde, und ich fühlte mich noch gut.

Zwischenzeitlich konnten limulus und dietzrun die Aufwartung gemacht werden, und, war das möglich? Ich überholte sogar Uusi und konnte mir erlauben, frech zum Laufjoe zu sein ("Hey, du Verkehrshindernis").

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Körper: "Hallo? Die Lage hier unten spitzt sich langsam zu, die Masse hat einen kritischen Punkt erreicht. Ich empfehle dringend das öffnen der Sicherheitsventile, um eine Katastrophe zu verhindern!"

Ich: "Ja leck mich doch!"

Körper: "Würd' ich ja gerne!"

Kurze Pause...

Körper: "Entschuldigung, wenn ich mich gerade gehen ließ. Aber wir hatten eine stressige Woche. Bleiben wir ruhig und vernünftig. Im Startbereich stehen doch zwei Chemotoiletten für die Läufer? Ich schaue mal, das ich diesen Verdauungsarabischen Frühling noch so lange unter Kontrolle halte, und wir lösen das Problem dann dort. Roger und aus."

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Nach der Halbzeitrunde 5, die mit 26:57 min. endete, düste ich an den besagten Toiletten .... vorbei!

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Körper: "Öhem?"

Keine Antwort.

Körper: "Halloho! Da war das Kloho!"

Ich: "Nein! Ich geh doch nicht im Wettkampf auf die widerliche Toilette. Sind doch nur noch 5 Runden. Das stehen wir durch."

Körper: "Oh, oh, oh, markige Worte, mien Klönschnack. Das geht nicht gut aus. Ich lehne jegliche Verantwortung ab. Kategorisch."

Ich: "Bla, bla, bla. Jetzt reiß Dich mal zusammen! Wird schon nicht so schlimm werden."

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Sprachs, und schon verkrampfte sich mein Magen, als ob ich einen Faustschlag in den Bauch erhalten hätte. Oumpfh...

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Körper: "Ja, du Arsch! Ich hab' doch gesagt, da unten wird es kritisch. In der nächsten Runde aufs Dixieklo, aber schleunigst!"

Ich: "Schon gut, ist ja schon gut."

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Runde 6 (27:24 min.). Wieder kein Toilettenbesuch. Mein Körper faselte etwas von "Dienstaufsichtsbeschwerde", ich blieb aber stur. Wenn ich jetzt ins Kabinett gehe, so meine Gedanken, dann kann ich es gleich knicken. Womöglich versagen mir dann auch die Beine den Dienst. Zumindest ist die verlorene Zeit nie wieder reinzuholen. Und wer garantiert mir, das mein Garmin nicht hineinplumpst?

Nach Runde 7 (28:12 min.) war ein Aufenthalt erst recht nicht möglich. Wie würde ich vor Wata dastehen, nachdem er mir gerade erst - siehe Anfang - zugejubelt hat? Mein Körper sah das nicht so verbissen...

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Körper: "Das kann doch nicht wahr sein! Jetzt rennt der wieder vorbei! Mir reichts! Ich zähle jetzt bis drei, und dann lasse ich es raus! Eins... Zwei..."

Ich: "Nein! Ist ja schon recht. Beim nächsten Rundenübergang sind wir drin. Versprochen!"

Körper: "Hm. Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Da kommt doch nachher im Wald dieser Holzstapel. Da könnte man doch... ich mein' ja nur..."

Ich: "NEIN! Kommt Ü B E R H A U P T nicht in Frage! Ich bin doch kein Tier! Und ich zahle doch keine 25 Euro Startgeld, um die hessischen Wälder zu düngen!"

Körper: "Grummel"

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Mit Magenkrämpfen und zusammengekniffenen Pobacken läuft es sich nicht entspannt. In meinem Kopfkino sangen imaginäre Chöre Ohrwürmer in einer Mixtur aus "Freude schöner Götterfunken" und der Benny-Hill-Titelmusik zur Beruhigung.

Die Strecke wurde unerträglich. Ständig grüßten die gleichen Steine, nur die Schlammpfützen änderten ihre Form mit jedem Schuhabdruck. Es wurde kalt, die Wind wurde windiger, und ich konnte mich nicht mehr auf den Lauf konzentrieren.

Runde 8 (29:17 min.) ging vorbei. Im Darmausgang machte sich das Gefühl breit, als ob jemand von innen mit einem Rammbock krampfhaft versuchte, sich gewaltsam einen Weg nach Außen zu bahnen. Ich erinnerte mich schemenhaft an Lektionen in Schwangerschaftsgymnastik und Entbindungsübungen, und versuchte, die Situation durch Atmen zu deeskalieren. Vergebens. Die Masse bekam Verstärkung.

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Körper: "Wir haben die Brezel von heute früh jetzt entsprechend verarbeitet und sie zur Ausgangsmasse hinzugefügt. Wir haben jetzt einen mehr als kritischen Level hier!"

Ich: "Dann hättet ihr die Brezel nicht hinzufügen dürfen!"

Körper: "Dann hättest du die Brezel nicht fressen sollen! Also mir ist das jetzt egal, ich mach dir jetzt 'nen Kackstift in die Hose!"

Ich: "Nein! Bleib cool! Sind doch nur noch 2 Runden! Vor der letzten Runde gehen wir, garantiert!"

Körper: "Na gut, aber wehe, wenn nicht..."

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Runde 9 war eigentlich eine schöne Runde, wenn man von den Magenkrämpfen und Bauchschmerzen, dem Wind, der Unterkühlung, dem von Kawitzi überholt werden und dieser verfluchten Jagd nach der Bruttozeit mit den 2 Minuten Startverlust absieht. Denn Trotz allem Ärgers konnte ich die Marathonmarke mit einer neuen Marathon-PB aufstellen, und die alte Zeit um 6 Minuten unterbieten: 3:50:12, zwar selbstgestoppt, aber trotzdem noch deutlich unter meiner Zeit von München.

Der Lauf kotzte mich langsam an. Boah, wie ermüdend, ich kann den Schlamm und den Schnee und den Wind und die anderen Läufer nicht mehr ertragen. "Kämpfe, Vex, kämpfe!" hämmerte ich mir ein.

Ich passiere den Startbereich zur letzten Runde. Ein mampfender marcuskrueger steht da, bewaffnet mit Backwerk, und ruft mir zu, wie lange ich noch hätte? Noch eine Runde, zeige ich ihm an, er wünscht alles Gute, und mampft weiter. Und ich? Ich kann die Strecke nicht mehr sehen...

Aber: nur noch eine Runde! Eine! Poppelige 5 Kilometer! Das muß doch zu schaffen sein, Darmrebellion hin oder her!

An der Wendestrecke sehe ich MC entgegenkommen, die mich anschaut, aber nicht sieht. Auch sie kämpft heute sehr verbissen, und sie hat ja noch eine Runde Rückstand! Aber Rodgau bekommt man nicht geschenkt, Rodgau muß man sich erkämpfen.

Die letzten Meter seien die Schlimmsten, sagt man so gemeinhin. Das stimmt nicht. Sie sind die Hölle, wenn man nicht perfekt vorbereitet ist. Im Endeffekt war ich froh, ohne Schottenrock gestartet zu sein. Nicht nur aufgrund der Kälte, sondern auch, um meine Ruhe zu haben. Ich glaube nicht, das ich zu überwiegenden Gesprächen und Erklärungen in der Lage gewesen wäre. Mit Hosen konnte man sich richtig aufs laufen konzentrieren. Und heuer war Konzentration das Mittel zum Zweck.

Ich sehe das Ziel, die leuchtende Leuchtanzeige. Die Uhr läuft gnadenlos. Schaffe ich es noch unter 4:40 h? Die Ziffern wechseln sich unbarmherzig ab, ich überhole noch in einem nicht mehr geglaubten Kraftakt 2 andere Läufer, 4:39:35.... 4:39:40... und sie gehen gnadenlos...

Und dann ist es geschafft! 4:39:51 h! Ich bin im Ziel! Geschafft! Und dann noch wenigstens unter 3:40 h, neue PB. Geil! Und ScheiBe. Denn mit der richtigen Vorbereitung wäre es weniger spaßbefreit und mehr entspannt gegangen. Nun gut. Es ist nicht mehr zu ändern. Aber es war ein historischer Wettkampf: erstmals kam ich vor Uusi ins Ziel. Das gab es noch nie!

Ich feuere noch andere Läufer an, dietzrun, laeufer74 oder MC, bevor ich mich dann an dringende Angelegenheiten kümmern kann.

Ich eile den knappen Kilometer zurück ins Wettkampfzentrum, zu den Duschen, stürme die Herrenabteilung. "Hier sind die Duschen aber kalt" - "Mir egal, ich will jetzt nur eine Porzellanschüssel". Stürze ins WC - frei. Rein in die Kabine, Jacke aus.

Körper: "Schneller! Die Lage ist kritisch! Mayday, Mayday! Wir müssen evakuieren!"

Der Knoten der Hose läßt sich nicht lösen! Oh mein Gott, ich fummle verzweifelt...

Körper: "HIIIIILFFFEEEEEEEE. SOS! SOS! Alle Raus hier!"

Endlich! Knoten gelöst, runter mit der Hose! Und dann? "OOOOOOOOOOAOAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA, tut DAS guuuuuuuut!!!!!!!" Nein, muß man nicht beschreiben, das Gefühl ist wohl bekannt....

Auch dieses Drama endete also noch mit Happy End.

Die Duschen waren heiß, die Nachlaufwurst fantastisch. In der Halle erfuhr ich dann, das die Netto- und nicht die Bruttozeit zählen würde, und ich in Wahrheit eine 4:37:48 in der Wertung habe. Ich: "Und warum bin ich dann so gerannt?" Vielleicht war dieses Zielgerenne dennoch gut, da heute auf der DUV-Seite die Bruttozeiten erfasst sind. Ich sehe es pragmatisch: in der Bruttozeit verliere ich zwar einige Plätze, bleibe aber so oder so unter 4:40, und das ist mehr, als ich mir selber zugetraut hätte.

Kuchen gab es keinen. Verschiedentlich wird von mainrenner das Gerücht verbreitet, sie hätte selbstgekauften Kuchen an Jogmapper verteilt, der allen gemundet habe. Das ist eine Falschmeldung! Es gab keinen Kuchen. Wir wissen nicht, wo dieser Kuchen ist! Niemand will wissen, wo dieser Kuchen ist! Ich habe keinen Kuchen gesehen! Habe keinen Kuchen gegessen! Alles nur Lügen! Glaubt ihr kein Wort!

Die Odyssee von Rodgau, um 3:33 Uhr begonnen, endete um 21:45 Uhr, als ich endlich wieder im heimischen Wohnzimmer aufschlug. Müde, aber zufrieden.

Heute Vormittag ging ich dann mit sehr schweren Beinen zum entgräten auf eine 20,8 km Strecke. Danach ging es mir endlich wieder gut. Trainingsrückstand vor einem Wettkampf ist kacke. Der nächste 50er läuft besser.

Mein Fazit: Nie wieder Krieg! Nie wieder Rodgau! Wenigstens nie wieder so schlecht vorbereitet!

5
Gesamtwertung: 5 (19 Wertungen)

Boah! Bist Du schnell geworden!

Lag sicher daran, dass Du schnellstmöglich aufs Klo mußtest! Hast wahrscheinlich auch noch Dein Raketentriebwerk gezündet... ;-)
Allerherzlichsten Glückwunsch zur Superzeit!

Liebe Grüße
Renate

"Not Because It Is Easy, But Because It Is Hard" JFK

26.02. Merkers Kristallmarathon

Das ist also dein Erfolgsrezept!

Dringend müssen und sich dementsprechend beeilen!
Grandiose Zeit! Ich hoffe, deine faulen Laufpausen gehören nun der Vergangenheit an! ;-))

Danke für's Warten!
:-)

Melde grinsend:

Bauchmuskeltraining für heute absolviert!

Viele Grüße,
Anja
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Ich will - ich kann - ich werde es schaffen... solange es Spaß macht!!!

ich war nicht so tapfer

ich war zweimal im "übersichtlichen" Wald. Jedes Schamgefühl geht verloren angesichts einer gewissen Dringlichkeit...

Aber ich war ja auch später im Ziel als du ;-))

Glückwunsch!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

ist schon toll, was einem so

ist schon toll, was einem so ein Körper alles erzählt, wenn er viel Zeit hat. Bist zwar ne tolle Zeit gelaufen, aber ob das gesund war? Jedenfalls war ne Menge Schxxxe dabei ;-)

Gruppe "WalkingDays"


manchen bei youtube

wer wenn nicht ich...

...kann diesen deinen dixie-kampf besser nachvollziehen ;-)
oh, du tapferer vex!
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laufend nie ohne dixi: happy

Was bin ich froh

nicht die 50 auf Zeit gelaufen zu sein, sonst hätte ich mich ja hetzen müssen wie Du. Okay Dixies habe ich auch nicht benutzt, wozu auch ich hatte ja kein Brezel im Bauch.

Um genau zu sein hatte ich für diesen Teil nur Funkstille im Körper, mein Darm will dann einfach nicht mit mir reden. Aber ich kann es verstehen, manchmal will man dem Körper nicht nachgeben.

Ansonsten kann ich beschwören, dass Markus auch läuft, habe ihn erkennen können, war ja langsamer unterwegs da hat man zeit für sowas und es gab keinen Kuchen und ich weiss überhaupt nicht was dieser Kuchen ist.

Gratulation zur neuen PB und das so früh im Jahr, was wird da alles noch kommen.

Wenn ich was zu meinem Laufen schreibe dann als
Bambiniläufer

Gibts denn...

... Deinen Blog auch als Hörbuch? Ich danke Dir für einige spannende Minuten Kopfkino in 3D und Farbe :-)) Bist ein toller Kämpfer!

Hofpoet

vielleicht mal reinsehen: Siebengebirgsrun.de meine Laufseite

Nun, Vex....

im Krieg muss man sich schon mal zusammenreißen!;o)
So voll beladen solch eine grandiose PB-Verbesserung in den Schlamm zu treten, im Kampf mit dem japanischen Pferd, das hat was!
Und ich hab jetzt Bauch vom Lachen....nein, nicht vom Kuchen, diesem köstlich samtbraun schokoladigen lecker gefüllten.....;o)))

Hey, es war mir auch in Hosen eine herzliche Ehre, Dich dort endlich persönlich kennen zu lernen und ich freue mich, Dich in Zukunft auf einen Schokokuchen einladen zu dürfen....weil, da gabs ja keinen!;o)

Lieben Gruß Carla

Ich bin ja echt ein Typ, mit

Ich bin ja echt ein Typ, mit dem man über jeden ScheiB reden kann. Wahrscheinlich werde ich deshalb immer wieder von Bekannten/Verwandten/Kollegen mit Geschichten über deren Problemchen mit Stoffwechselendprodukten belästigt. Aber bislang ist das niemanden so unterhaltsam gelungen wie Dir!

no battle - no victory!

du solltest ein Buch schreiben !!!

deine Blogs sind sowas von unterhaltend - meine Arbeitszeit vergeht wie im Flug *schäm*

zu deinem Lauf - siehe hier

Viele Grüße
Uwe

Alter Schwede...

... was für eine Leistung - was für ein Blog - was habe ich gelacht!
Wo Du nur immer Deine Ideen her nimmst *grandios*.

Vielen Dank für's Mitnehmen.
¤¤¤¤¤¤¤ H u B e L i X ¤¤¤¤¤¤¤

ein BORN kommt selten allein...

Grrrooooßartige Geschichte, ein echter Lesespaß ...

... aber mannomann, warum lässt du deinen Körper nicht einfach seinen Job machen? Statt dessen läufst du masomäßig mit Bauchkneifen durch die Gegend. Mensch Vex, in der Matsche, die du beschreibst, wäre so ein Scheißhaufen doch gar nicht aufgefallen.

Ich habe fast jeden Samstag so ein Scheißproblem, weil unsere Truppe schon zwischen 7 und 7.30 Uhr morgens startet, wenn mein Darm noch nix fertig mit seiner Arbeit ist. Mittlerweile bin ich aber beim Streckenscheißen so optimiert, dass ich die anderen ganz fix wieder eingeholt habe. Ich kann nur sagen: Befreiter läuft's gescheiter. Echt gezz. Wenn du willst, schicke ich dir mal meinen Fast Kack Guide, zur Optimierung des Austretens.

Ach ja: Unter diesen verschissenen Umständen ist deine Zeit noch höher zu bewerten als ohnehin schon. Glückwunsch!

"Das wichtigste Argument für den Breitensport ist aber, dass die Menschen davon schön müde werden. Wer des Abends müde ist, geht zu Bett und treibt keinen Unfug." (Max Goldt)

Ich habe mitgelitten

Einen Liter starken heißen Tee and a big bowl of porridge haben mich beim Ultralesen deines Berichtes, welches fast genauso lange dauerte wie der Lauf selbst, gerettet.
Gratuliere zur Bestzeit.

Wie ich erschreckt bei der Anmeldung feststellte...

Du warst dieses mal einfach schneller. Na warte, Du Schlawiner...

may the force be with you when I´m striking back.

Uusi

Was willste jetzt? Mitleid?

Schade, daß ich nicht mit Dir mitlaufen konnte, ich hätte die Lage 4 1/2 Stunden lang durch entsprechende, verdauungsbezogene Witze und Wortspiele noch dramatisch verschärfen können;-)!
Köstlich, Dein Bericht, und im Gegensatz zu der Laufbrezel sehr bekömmlich und leicht verdauulich. Aber sind nicht zusammengekniffene Oarschbacken ganz schlecht für den Laufstil? Grandios durchgehalten. Und auch für Deinen speziellen Fall gibt es Hilfsmittel.
Aber warum muß ich jetzt auf einmal dringend aufs Klo?
Gruß, Marco
You'll never keinkuchen alone


Wir sind BORN - Verstand ist zwecklos

Es stimmt mich ein wenig...

... traurig, mich in Deine Runde 9. negativen Verlauf, mit einzubeziehen :0(-(Runde 9 war eigentlich eine schöne Runde, wenn man von den Magenkrämpfen und Bauchschmerzen, dem Wind, der Unterkühlung,dem von Kawitzi überholt werden)!? Es könnte von anderen falsch verstanden werden!? Aber Du gast recht, lass Sie doch denken was auch immer :0) Für mich war es eine Freude, an Dir vorbeilaufen zu dürfen ;0))))))...

Nää Du, ich hätte nie ne chance gehabt, wenn Dich dieser Bretzen nicht gestoppt hätte!!
Hey, ich gratuliere Dir für diese PB, Wir sehn uns bestimmt bald wieder ;0)

LG, Kaw.

Nachlaufwurst?

Da kam doch wohl nur noch Brei?!
Ich schmeiss mich weg, wie kann man sich denn 3 Stunden mit seinem A..loch unterhalten.
Ich hab mich schon ob Deines roten Kopfes gewundert, ich dachte das Laufen strengt Dich so an.
Gratulation zu Deiner Riesenleistung (Lauf und Blog) einschl. neuer M-PB.

drei stunden, ja, das...

...hab ich mich auch gefragt!
bei mir dauert dieserart unterhaltung allenfalls drei minuten und verläuft so:

körper: ey, alte, ich hab die schnxxze voll von dem gerumpel, ich mach gezz die entladeklappe auf!
happy: hömma, gezz nich! erstens hattest du vor dem start entladen und zweitens sind's nur noch zehn kilometer!
körper: zehn kilomter???!!! falsche antwort! aaachtung! ladeklappenverschluss lockern uuuuuund...

____________________
laufend grüßt auch mal vom dixi: happy

Grandioses Kopfkino

Mir kam glatt wieder ein Bild vor mein inneres Auge, wo es einem Halbmarathonläufer nicht bis zum Schluss gelungen war...und er und es dann aber doch über die Ziellinie liefen...
Und du rennst so eine großartige PB, herzlichen Glückwunsch!!! Vielen Dank für diesen amüsanten Wettkampfbereicht!

Sonnenblume2
Die Fitrenner. Laufend fit und gut drauf!

ein SKK nur für dich

lieber Vex!

Act like a horse. Be dumb. Just run.

bleibende Schäden ... " NON SCHEIxx Intervalle " ...

.

ich weis nicht, ich weiss NICHT, ...

in Herrn Laufastra's La's unmögliches Lauf-Lexikon - Buchstabe I wurde das irgendwie etwas anders Beschrieben.
Vorallem kommentierte ein gewisser VEX irgenetwas von "beibenden Schäden" ...

.

ich weis nicht, ich weiss NICHT, ...

wo bei es ja auch noch einen Kawitzi ist so blööööööd..."Teil 2" gibt,
den auch ich "meiner einer" versucht hat zu testen. Ohne Erfolg !

.

ich weis nicht, ich weiss NICHT, ...

ob man bei einem solchen WETTKAMPF mangeldes Training nachholen sollte,
bzw. mit einer ganz neuen Trainingsmethode anfangen sollte ...

Wie fühlen sich die SCHLIESSMUSKELN nach solchen "5Km Runden NON-SCHEIxx-INTERVALLEN" ???

.

ich weis , ich weiss , ... - dieser Bericht iss nich "beschissen" !

Glückwunsch zu deinem "SCHLIESSMUSKEL-Training" und deiner tollen WETTKAMPF-LEISTUNG !!!

Gruss runner_hh, der "S.-H. Gruppen"

Du hattest

also statt Schottenrock einen Pferdekopf dabei und Deinen Mageninhalt noch vor dem Start beim Bahnhof auf des laeufer74 Laufschuhe geschüttet, der somit in Straßenschuhen laufen musste. Du bist das Ganze auch noch völlig untrainiert angegangen, quatscht mit etlichen Lauffreunden sowie stundenlang mit Dir selbst und finisht in unter 4:40h??? Ich finde, das ist eine Frechheit!!!

Fetten Glückwunsch
von Tame:-)
BORN - denn sie wissen nicht was sie tun!

Ich war nicht untrainiert,

Ich war nicht untrainiert, sondern schlecht vorbereitet!

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Tanz auf dem Vulkan

Endete das Drama wirklich mit Happy End oder war es der Charmin-Bär?
Das war ja fast der Tanz auf dem Vulkan!
Danke für das Amusement (das Prädikat köstlich passt hier nur bedingt) und für Dich einen fetten Glückwunsch zur PB.

@hofpoet: Sei froh, dass das Kopfkino nur in 3D und in Farbe, aber nicht mit Geruch abgelaufen ist.

cherry65

Jeder, der vor mir läuft, hat es sich verdient

Grandios - wie immer :)

Ein toller Lauf und dann noch dieses Highlight von einem Blog. Unser Vex ist back;)
Eine ähnliche Unterhaltung hatte ich auch während des Laufes - meist im Bereich der Wendestelle. Beim Start-Ziel war dann meist Ruhe und ab der 5. Runde war Stille.

Es freut mich, dass die Brezel bis zum Schluss durchgehalten hat. Beim nächsten Mal, gibts die für dich erst nach dem Lauf!

Dank dir für die sehr lustige und unterhaltsame Zusammenfassung ;)

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