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Was macht man, wenn man die Hälfte vom Marathontraining rumhat und mal ein längere Bewährung zwischendurch braucht. Man nimmt an einer Stadtumrundung einer Nachbarstadt teil.

Um 7 Uhr wartete ich in der Kälte, um mit der Straßenbahn aus der Innenstadt von Leipzig in die Randbezirke zu kommen. Dort hatte ich mich mit dem Organisator der Umrundung verabredet. Zusammen mit anderen Läufern fuhren wir mit dem Auto in den kleinen Ort Moetzlich bei Halle.
Start und Ziel unserer 52 Kilometer langen Tour war ein Friedhof. Wie bezeichnend.
Andere waren bereits da, andere kamen später. 8:40 Uhr ging es los.
Wir waren 11 Läufer, wobei einer nur bis Kilometer 30 mitlaufen wollte und 2 andere sich mit dem Fahrrad abwechseln wollten. In der Gruppe bleiben war Pflicht und Notwendigkeit, da nur einer die komplette Strecke kannte. Mal schauen, ob ich durchhalte oder ob ich mich irgendwo auf der Strecke einsammeln lassen muss.

Mir wurde vorher gesagt, dass ein Tempo von 6:00 min/km gelaufen werden sollte. Es ging natürlich viel zu schnell los. Memme und Spaßbremse wollte ich erst ab Kilometer 35 sein – also mitlaufen. Vielleicht wollen die anderen erstmal warm werden.

Ich war mit Abstand der jüngste und unerfahrenste bei diesem Unternehmen. Es waren an die 400 gefinishten Marathons (ich stellte 1) und noch mehrere Ultras und Triathlons in der Gruppe. Der erfahrenste Läufer war, glaube ich, jenseits der 70. Ich hatte mich schon auf Laufgiganten eingestellt, aber das war dann doch etwas viel. Achso, Transalp habt ihr auch gemacht. Ich schaute zu Hause nach, was das war. Autsch!

Die ersten 12 Kilometer ging es munter etwas zu schnell weiter. Witterung war trocken und für das Laufen gut temperiert.
Bei Kilometer 12 mussten wir etwas warten, da wir die Saale mit der Fähre überqueren mussten und selbige war gerade auf der anderen Seite.
Die Verschnaufpause dauerte etwas länger, da am anderen Ufer auch noch unsere erste Verpflegungsperson wartete.

Es war ein privat organisierter Lauf. So wurden Schwägerin, Neffe, Nichte und Kollegen von Mitläufern an abgesprochenen Punkten mit Tee, Bananen, Schokolade, Kaffee und anderen Leckereien an die Strecke postiert, um uns zu verpflegen. Das war dann eine Erleichterung für mich, da ich sonst meine langen Läufe mit ein bisschen Wasser zwischendurch durchlaufe. Böse Stimmen meinten auch, dass man bei einer solchen Umrundung auch zunehmen könne. Ich esse sonst nie Schokolade, aber heute schmeckt sie. Muss an der frischen Luft liegen. Es gab ca. alle 10km eine Verpflegung.

Ich glaube erfahren zu haben, dass man ab einer bestimmten Laufleistung und Dauer kaum noch über seine eigenen Laufleistungen spricht. Es gibt wichtigeres. Diese Gelassenheit wirkte aber auch verdammt einschüchternd.

Zwischendurch wurde immer wieder munter Fotos geschossen. Ein Mitläufer nahm die Zwischenzeiten dadurch, dass er jedes Ortsein- und ausgangsschild fotografierte. Die Zeitmarken der Fotos waren seine Zwischenzeiten.

Das Fotografieren führte auch dazu, dass wir zwischendurch mal einen Mitstreiter verloren. Er wollte ein paar Häuser fotografieren und hat dann einen Abzweig verpasst. Peinlicherweise fiel uns das erst ein paar Kilometer später auf. Ich war noch mehr angespornt, hier nie abreißen zu lassen. Wollte ich wirklich irgendwo in Mitteldeutschland verloren gehen? Mitnichten. Der Verlorene fand uns dann bei der nächsten Verpflegungsstelle wieder. Er kannte den Weg ungefähr. Etwas doof fanden wir das schon, dass wir den „Verlust“ überhaupt nicht mitbekommen haben. Bei 30 Leuten, okay, aber bei 10. Asche auf unser Haupt. Mehr Aufmerksamkeit war angemahnt.

Das Laufen selbst war sehr angenehm. Ich hatte vorsichtshalber meinen Tempolauf am Tag zuvor wegfallen lassen, damit ich während der Umrundung niemanden zur Last falle. War eine gute Entscheidung!

Nach 4 Stunden war ich dann in der Feierzone. Jede weitere Minute ist eine Steigerung. Noch nie 4 Stunden am Stück gelaufen.
Irgendwann war dann auch die Marathondistanz erreicht. So weit wie noch nie…

Ab Kilometer 40 lief dann jeder sein Tempo. Der Fahrradfahrer fuhr beim letzten mit und weiter vorne wurde Tempo gemacht. Alles andere hätte keinen Sinn gemacht. Jetzt musste jeder seins laufen, weil alles außer mein Trotttempo nur noch viel zu anstrengend war.

Die Verpflegung waren nach 4 Stunden mehr als willkommen, obwohl das Wiederanlaufen bereits keinen Spaß mehr machte. Einige verkürzten die Pausen schon, da sie Angst hatten, sonst nicht mehr vom Fleck zu kommen. Außerdem war es zum längeren Rumstehen doch etwas zu frisch.

Als Leckerbissen 2 Kilometer vor dem Ziel gab es eine Autobahnbrücke mit vielen Stufen rauf und runter. Da half nur Kopf ausschalten und Attacke.

Nach 6 Stunden Bruttozeit kamen wir wieder am Friedhof an. Alle waren geschafft, keiner hatte einen Durchhänger gehabt. Zufriedenheit in allen Gesichtern.

Die Strecke war sehr abwechslungsreich. Es ging über Wiesen und Felder. Auf Bürgerwegen durch Dörfer und teilweise mussten wir auch am Landstraßenrand laufen. Dabei hatten wir Halle von allen Seiten immer im Blick. Landschaftlich eine sehr schöne Strecke.

Im ersten Überschwang wollte ich in den nächsten Wochen auch noch die Umrundung von Leipzig mitmachen. Aber ein weiser Buddy riet mir davon ab, weil es dann doch etwas zu viel wird für den Körper. So wirkt das Erlebnis des letzten Sonntags halt noch länger in mir nach. Ist auch schön.

Danke an den Organisator des Laufes, an die tollen Menschen, die uns verpflegt haben und natürlich Dank an die Mitläufer, die so höflich waren, mich da mitlaufen zu lassen.

marcus

P.S. Wer auch noch den offiziellen Bericht lesen will kann dies hier tun. Da gibt es auch noch ein paar mehr Ortsnamen. Leider kann ich die Strecke nicht mehr auf der Karte eindeutig nachvollziehen. Muss ich halt noch mal mitlaufen…

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Sehr geil. Kann ich nicht

Sehr geil. Kann ich nicht anders sagen. Willkommen im Club der Ultras! Und? Irgendwann nochmal? :-)
Dann erhol dich noch gut und dann Attacke für den H-Marathon! Oder war das schon mal ein Ultra zur Vorbereitung? Der Hammer kann ja jetzt gar nicht mehr kommen :-)
Schönen Gruß
Sascha

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Jogmap Ruhr - DIE GEILSTE GRUPPE DER WELT

Das Ende eines Marathonlaufes streckt sich,
vor allem, wenn man am Ende ist

Du Held!

...bist in Deinen jungen Jahren schon Ultra-weit gerannt.
Ich bin begeistert! Von solchen Distanzen wage ich (noch) nichtmal zu träumen....

Ultra

Hallo Marcus,

als ich im letzten Mai wieder mit Laufen begonnen hatte, nahm ich mir vor, wieder auf einen Marathon zu trainieren. Ein Ultra kam für mich nicht mehr in Frage. Wenn ich aber Deinen schönen Bericht lese, erinnere ich mich an meine früheren Ultraläufe. Und inzwischen lauf ich auch wieder genauso viel wie vor 18 Jahren. Also ausschließen tue ich jetzt schon lange nichts mehr.

Dir wünsche ich alles Gute für Deinen Marathon und auch für weitere schöne Läufe.

Liebe Grüße
Renate

Schöner Bericht!

Interessant und gut zu lesen. Hut ab vor Deiner Leistung!

Will auch!!

Moin Marcus!
Schäm Dich;-)! Läufst gerade mal zweieinhalb Jahre, hast gerade mal einen Marathon auf dem Buckel und dann schon einen Ultra gemacht!
Nee, ich muß mich schämen, das ich das noch nicht hinbekommen habe!
Und aus Deinem Bericht ist sehr schön herauszulesen, das Du noch sehr lange sehr freudig an diesen Lauf zurückdenken wirst.
Gruß, Marco
You´ll never lauferlebnis alone

Danke

Danke für das Feedback.

Das mit dem "Ultra" nehme ich noch nicht gerne an. Dafür war das Lauferlebnis zu behütet. Ich musste ja wirklich nur mitlaufen. Und außerdem waren die Pausen sehr großzügig. An der letzten Station bei km45 standen wir fast 15 Minuten. Das war teilweise nicht mehr schön.

Als Vorschlag: Braunschweig und einige Städte bei den Ruhries bieten sich für so was doch auch prächtig an.

marcus

Laufen in Leipzig (z.B. beim 36. Fockeberglauf am 07. März 10 Uhr)

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