Früh aufgewacht aus einem schlechten, traumlosen Schlaf gehe ich ans Fenster und schaue nach draußen. Es ist dämmrig und grau – genau meine Stimmung. Ich beschließe eine Runde zu laufen mache mich fertig.
Rein in den Laufdress, die Schuhe geschnürt und ab vor die Tür. Ich atme ein. Die Luft ist kalt und feucht und will sofort in meine Kleidung eindringen, also laufe ich los.
Das trap trap trap der Sohlen schallt durch die Straßen und fängt an mich einzulullen während ich versuche mich auf meine Atmung zu konzentrieren.
Die ersten zehn Minuten sind wie immer zäh und wollen erst bezwungen werden aber dann wird der Körper wärmer und spürbar geschmeidiger und wenig später befinden sich Schrittfolge, Atmung und Puls in einem Einklang der wie Balsam für die Seele ist. Einatmen (trap trap trap), Ausatmen (trap trap trap).
So erreiche ich den Waldrand, atme die Luft, die nach feuchter Erde und feuchtem Laub riecht und stelle mich mental auf die kommende Steigung ein. Das Geräusch der Schuhe hat sich auf dem ausgewaschenen Waldweg verändert. Hier säumen Gräser, Blümchen und kleine Sträucher den Weg.
Der Weg wird steiler, Bäume ziehen vorüber, die Steine unter meinen Füßen knirschen und Bänke die zur Rast einladen muss ich leider so stehen lassen – vielleicht ein andermal.
Das Herz schlägt wild und die Atmung wird zu einem keuchen aber ich lasse mich nicht unterkriegen. Ich laufe unbeirrt weiter, stur wie ein Esel nur darauf bedacht diesen scheiß Berg aufs Neue zu bezwingen. Es geht über kleine Zweige, tückische Steine und ausgewaschene Rinnsale immer weiter in Richtung Himmel.
Auf dem kurzen, flachen Stück wage ich einen Blick ins Tal und bemerke dass sich mit zunehmender Höhe der Dunst auflöst während die ersten Sonnenstrahlen versuchen sich einen Weg durch den selbigen zu bahnen. Und weiter bergauf, über Steine und Zweige, an Bäumen und duftenden Sträuchern vorbei in Richtung Bergkamm.
Ich ärgere mich wie jedesmal über meine Dummheit mich mit diesem Berg anzulegen aber vergeblich ich habe es ja nicht anders gewollt. Völlig außer Atem, das Herz wild pochend im Halse glaube ich aufgeben zu müssen aber etwas in mir sagt: Du schaffst das - Du schaffst das. Es ist ein Mantra das mich trägt obwohl Körper und Geist dabei sind aufzugeben und als ob mich eine unsichtbare Macht steuert setze ich einen Fuß vor den anderen, ich schnappe nach Luft wie ein ertrinkender und kann schon bald nicht mehr klar denken als der Berg seine Schuld einlöst und mir einen Anblick schenkt der mich wieder aufs Neue berührt:
Die Sonne streicht sacht über die dunklen Tannen am Horizont, beginnt das Tal sachte in ein goldenes Licht zu tauchen und lässt den Bachlauf silbrig-grau glänzen. Die Luft steht still und die Vegetation scheint vor Ehrfurcht zu erstarren….körperlich völlig erschöpft und völlig außer Atem überfällt mich eine innere Ruhe die mich wünschen lässt bei diesem Anblick sterben zu dürfen…Gott ich danke Dir für dieses Bild, ich danke Dir für die Kraft und diesen Run.
Einen Moment halte ich noch inne, genieße – nein sauge diesen Augenblick in mich auf, bete für die Menschen an meiner Seite und mache mich auf den Heimweg.

0

Sehr schön geschrieben. Ich

Sehr schön geschrieben. Ich glaube das geht jedem leidenschaftlichen Läufer so, zumindest mir. Die Lust in den Sonnenaufgang hinein zu laufen, wenn noch niemand sonst unterwegs ist und die Stille zu genießen, das ist es, was mich auch ständig wieder aufs neue reizt.

DANKE

Vielen Dank das du uns an deinem runner`s high teilhaben lässt. So mancher kennt selbst diese tollen Momente und die, die bisher nicht in den Genuss gekommen sind, werden sich aufgrund deines tollen blogs bestimmt ärgern. ;-)

Michael der laufende Beamte

Oh wie beneidenswert!!!! Bei

Oh wie beneidenswert!!!!
Bei mir hingegen lief es sooo sch.......
Ich kränkel , bekomme wohl ne Erkältung und ich lief,(trotz Jahrzehnte langer Lauferfahrung) wie der erste Mensch!
Aber wer es einmal erlebt hat, dieses High ,gibt das Laufen nicht mehr so schnell auf!
Man könnte die ganze Welt umarmen, es läuft so ruhig so flüssig und trotz Tempoverschärfung hat man das Gefühl die Atmung ist so ruhig wie aufm Sofa..
Schönen Tag Euch noch.....

Gruss von der Küste!

( Du bist aber nicht um 1:55 Uhr gelaufen, oder?
Das wäre ja mehr als Heldenhaft!)

Traumhaft schön

Traumhaft schön geschrieben. Ich danke dir für diesen tollen Einblick in dein Runner´s High und das wir alle daran teilhaben dürfen.

Schönen Gruß
Sascha

---

Jogmap Ruhr - DIE GEILSTE GRUPPE DER WELT

Das Ende eines Marathonlaufes streckt sich,
vor allem, wenn man am Ende ist

träum...

Ich bin ganz gerührt und habe große Lust die Laufschuhe zu schnüren.
Vielen Dank für diesen tollen Blog

alle achtung vor

deiner schriftstellerischen leistung. du hast die beneidende fähigkeit deine gefühle in schöne worte zu fassen und so die stimmung wieder zugeben, als währe man selber gelaufen.
für mich persönlich sind diese schönen läufe motivation genug.

danke für deinen tollen blog

Wunderschöne Läuferprosa...

...dennoch werde ich wohl auch dadurch nicht zum Früh-Läufer. Aber die schönen Lichtspiele gibts auch in der Abendsonne.
Noch viele genussvolle Läufe (und mal wieder was schönes zu lesen von Dir für uns), wünscht WWConny

Sehr schöner blog...

wünsche noch viele solcher Lauferlebnisse!
Gruss
bassmat

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

Google Links