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... kann man eigentlich sein? Offensichtlich so blöd, dass ich eine geschlagene Woche benötigt habe, um mich meiner eigenen Beschränktheit zu stellen, öffentlich und hier und jetzt.
Es begab sich am vergangenen Sonntag folgendes: Ich bin im oberen Stockwerk, um das Badezimmer zu inspizieren, Frau Okta mit Samson zu Spazierzwecken unterwegs (unter großem Murren übrigens, mehrfach hatte sie mich energisch aufgefordert, Samson zum Geschäfte machen auszuführen; ich weigerte mich standhaft), Tochter steht an der Haustür, um die Sternsinger mit ein paar Euro und drei Snickers wieder loszuwerden.
Die Haustür schließt sich, Tochter schreit ("Wo bist du? Wieso muss ich mich um die Sternsinger kümmern!?), ich ziehe die Toilettenspülung und rufe gelassen: "Manchmal muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss." Hände waschen, abtrocknen, raus aus dem Bad, hin zur Treppe. Unten die pubertierende Tochter: "Echt mal, das geht gar nicht!" Oben ich, grinsend und einen Fuß auf die Treppe setzend: "Jetzt hab dich nicht sooooohooooo....."
Zack, finde ich mich nach einem üblen Ausrutscher vier Stufen tiefer wieder. Totenstille. Sogar die Tochter verzichtet aufs Lachen. "Alles okay?", fragt sie leise.
"Hm, weiß nicht", sage ich.
Vorsichtig setze ich mich auf. Der Rücken schmerzt. Klar, den musste es ja erwischen. Außerdem ein leichtes Kratzen am Knöchel, nicht der Rede wert. Stöhnend ziehe ich mich am Geländer hoch, schleiche vorsichtig Stufe für Stufe hinunter, immer lauter stöhnend.
"Beeindruckend", sagt das sarkastische Kind und wirkt so gar nicht beeindruckt.
Ich strecke mich, dehne mich. Knackt da was am Wirbel? Knirscht die Bandscheibe? Bewegt sich noch alles?
Es bewegt sich noch alles, aber es tut eben auch alles weh. Vor allem der Rücken, der Hintern (auf dem sich auch jetzt noch, eine Woche später, ein faustgroßer tiefschwarzer Fleck ausbreitet) und, immer mehr, der Knöchel.
Ich schleppe mich wieder nach oben und hieve mich aufs Bett, die geplagten Knochen entlasten. Die Tochter bringt auf mein Bitten hin sogar ein Glas Wasser. So liege ich, und die Schmerzen im Rücken lassen nach. Aaah, wie schön. Sicher, da hat sich was verschoben, ich spüre es genau. Aber bei mir verschiebt sich ständig was. Also keine Panik, das lässt sich auch wieder zurückschieben.
Aber der Knöchel, der macht plötzlich Zicken. Oder, um es klar zu sagen: Er schmerzt wie Sau, minütlich mehr. Ich leide.
Unten höre ich die Haustür, Frau Okta und Samson sind zurück. Kläglich rufe ich nach meiner Gattin, die sogleich herbeieilt und sich das Geschehen schildern lässt. Natürlich reagiert sie mitleid- und verständnisvoll, nämlich so: "Ich hab doch gesagt, du sollst mit Samson gehen. Dann wäre das nicht passiert." Danke auch.
So war das also am Sonntag. Am Montag bin ich zum Arzt, weil es nicht besser werden wollte, trotz des üblichen PECH-Programms. Der sieht, dass ich Privatpatient bin und zieht natürlich gleich das volle Programm ab. Röntgen, Ultraschall - "muss sein, um sicherzugehen" - mir ist alles egal. Ergebnis: Bänder okay, Kapsel okay, aber Sehnen im Knöchel entzündet. Das sei, behauptet der Orthopäde, auch bei akuten Bewegungen möglich. Nicht dramatisch, aber schmerzhaft. Auf Schmerzmittel verzichte ich trotzdem heldenhaft. Die Knöchel-Bandage nehme ich aber dankbar an.
Einen weiteren Tag später humpele ich zur Straßenbahn. 300 Meter, für die ich fast zehn Minuten brauche. Im Büro verzichte ich auf Bewegung, ansonsten auch. Im Laufe der Woche lassen die Schmerzen immer mehr nach, mittlerweile ist normales Gehen problemlos möglich. Heute allerdings saß ich das erste Mal wieder am Steuer. Kupplung treten ist doof. Aua. Mein nächster Wagen wird ein Automatik.
An Laufen ist noch nicht zu denken. Vielleicht in einer Woche, vielleicht auch nicht. Mal abwarten.
Immerhin, Treppensteigen funktioniert wieder. Aber gaaanz vorsichtig. Vor allem abwärts. Man kann nämlich gar nicht vorsichtig genug sein im Leben. Lasst euch das gesagt sein.
Ach ja, um das Ganze mal in die richtige Relation zu setzen: Im erweiterten Bekanntenkreis ist vor einigen Wochen ein junger Mann ´gestürzt, auch auf der Treppe. Er hatte, anders als ich, Pech - er ist jetzt querschnittsgelähmt. So gesehen war ich ziemlich froh, als ich da auf der Treppe saß und spürte, dass ich Schmerzen habe. Nichts zu spüren wäre weitaus schlimmer gewesen.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf!
Gruß, okta

3.2
Gesamtwertung: 3.2 (5 Wertungen)

oh je

gute Besserung!
Sei froh, dass geröntget wurde! Ich- auch Privatpatient - bin nämlich 2009 beim Indiaca-Spielen umgeknickt. Vier Wochen lang hieß es ärztlicherseits, der sei nur verstaucht. Nach vier Wochen endlich geröntget: Sprunggelenksfraktur, für eine OP sei es zu spät. Ich könne von Glück sagen, wenn ich je wieder laufen könnte. Mein heimischer Orthopäde hat sich kaputt gelacht: alles wieder gerade zusammengewachsen, drei Monate später bin ich meinen ersten 100er gelaufen, Glück gehabt.
Und zum Thema Blödheit: ich bin gestern über ein Ästlein geflogen, Knie ist heute so blau wie vermutlich dein Steißbein ;-))

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Oh man,

eine Runde Mitleid - vor allem bei den hämischen Kindkommentaren! Ich hoffe alles wird bald wieder gut.

Oh nein, wie furchtbar.

Oh nein, wie furchtbar. So ein Treppenflieger ist wirklich schmerzhaft und auch völlig überflüssig. Gute Besserung von einer Schokorose, die "Hals" und "Kopf" und "überhaupt" hat und deshalb auch nicht läuft.


Jogmap-Schleswig-Holstein - de neongelen Löper ut´n Norden

Danke...

... für die Anteilnahme.

@strider: okay, tief im Herzen bin ich froh über die Röntgerei. Allein schon des Ergebnisses wegen. Ich hoffe, dein Knie hat die Astattacke abgesehen von der Verfärbung gut überstanden.

@fazer: ehrlich, Mitleid ist nicht angebracht, schließlich orientiert sich das Kind an mir, dem hämischen Vorbild. Die Geister, die ich rief...

@henry: jetzt, wo du es sagst, fällt es mir auch auf - wieder spielt das Bad eine Rolle. Ob ich derlei gefährliche Räumlichkeiten zukünftig lieber meiden sollte?

@schokorose: tja, es hätte wirklich schlimmer kommen können. Dir sowie Kopf, Hals und allem, was da sonst noch für Ärger sorgt, gute Besserung!

Gruß, okta

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