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Quelle: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1106468?query=TOC&

Hallo,
die anerkannte medizinische Fachzeitschrift New England Journal of Medicine hat heute eine erfreuliche Studie veröffentlicht, wie oft bzw. wie selten bei Halb-Marathon und Marathon plötzlicher Herzstillstand auftritt. Jährlich laufen in den USA ca. 2 Millionen Menschen diese Distanzen.

Die Forscher werteten alle Läufe seit dem Jahr 2000 bis Ende 2010 aus mit insgesamt ca. 10,9 Millionen teilnehmenden Läufern aus.

Von den 10,9 Mio. Teilnehmern hatten insgesamt (nur) 59 Menschen einen Herzstillstand. Diese 59 Menschen waren im Schnitt 42 Jahre alt. 51 der 59 Menschen waren Männer.

Umgerechnet bedeutet dies, dass von ca. 200.000 Teilnehmern ein einziger Läufer einen Herzstillstand erlitt. Das Risiko für einen Herzstillstand war beim Marathon 4fach höher (1 Herzstillstand bei 100.000 Teilnehmern), als beim Halbmarathon (1 Herzstillstand auf 400.000 Teilnehmer).

Von den 59 Läufern mit Herzstillstand starben 71 Prozent.

Das Fazit der Autoren:
Marathon und Halb-Marathon haben insgesamt ein geringes Risiko für Herzstillstand und plötzlichen Tod. Herzstillstand - der am häufigsten Folge einer hypertrophen Kardiomyopathie (= Erkrankung, meist Verdickung der Herzmuskulatur) oder einer atherosklerotischen Herzkrankheit(= Herzkrankheit durch "Arterienverkalkung") ist - tritt in erster Linie bei männlichen Marathon-Teilnehmern auf.

Somit allen gutes Laufen,
waldboden

einen habe ich persönlich erlebt

2010 beim Bärenfels Ultratrail vor dem Ende der ersten Runde, d.h. Halbmarathon. Ein Hinterwandinfarkt, wie ich später hörte, der Mann war nicht zu retten und vermutlich tot, bevor er den Boden berührte. Selbst übrigens Arzt und Trainer. Passiert.
Andererseits ist vermutlich die Chance gerade bei einem City Marathon einen Herzinfarkt zu überleben deutlich höher als anderswo. Wo in freier Wildbahn hat man alle paar Kilometer Sanitäter und medizinische Betreuung? Die Gefahr allein in den eigenen vier Wänden zu sterben oder beim Spaziergang im Wald halte ich für deutlich höher!

Saarvoir courir - laufen wie bekloppt im Saarland

Kommt noch etwas hinzu:

Eins kommt noch hinzu und das wird komischerweise selten betrachtet:

Wieviele von 10,9 Millionen Menschen erleiden innerhalb von 10 Jahren einen Herzstillstand, ohne dabei einen Marathon zu laufen?
Wahrscheinlich mehr...
Also ist das Risiko einen Herzstillstand bei einem (Halb-)Marathon zu erleiden sogar geringer als wenn man keinen liefe.
Von der Risiko-Reduktion durchs Lauftraining mal ganz abgesehen.

Noch etwas anders betrachtet und vielleicht deutlicher:
30000 Menschen laufen innerhalb von ca. 6 Stunden einen großen City-Marathon.
Nehmen wir an, einer davon erleidet einen Herzstillstand (was ja nichtmals bei jedem großen M passiert).
Wieviele von 30000 repräsentativ ausgewählten Menschen erleiden statistisch gesehen innerhalb dieser 6 Stunden einen Herzstillstand ohne den Marathon zu laufen?

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

Zitat: "Herzstillstand - der

Zitat: "Herzstillstand - der am häufigsten Folge einer hypertrophen Kardiomyopathie (= Erkrankung, meist Verdickung der Herzmuskulatur) oder einer atherosklerotischen Herzkrankheit(= Herzkrankheit durch "Arterienverkalkung") ist ..."

Die Frage ist doch, ob diese Vorerkrankung nicht auch bei anderen Aktivitäten zu einem Herzstillstand führen würde. Es liegt doch außerdem auf der Hand, dass man mit derartigen Vorerkrankungen keine Belastungen wie einen Marathon laufen sollte. Ein Problem wäre es, wenn diese Vorerkrankungen durch (Halb-) Marathon Läufe verursacht werden würden. Interessant wäre auch, bei wievielen Menschen mit den genannten Vorerkrankungen sich der Gesundheitszustand durch regelmäßiges laufen derart gebessert hat, das sie eben nicht einen Herzstillstand erlitten haben, der ohne Laufsport evtl eingetreten wäre.

Ich könnte mir gut vorstellen, das jemand mit Osteoporose sich beim stolpern während des laufens einen Bruch eines Knochens zuziehen könnte. Daraus aber abzuleiten, dass laufen zu einem höheren Risiko für Knochenbrüche führen kann, wäre irgendwie an den Haaren herbei gezogen.

a) hypertrophe

a) hypertrophe Kardiomyopathie
sie würde auch bei anderen körperlichen Aktivitäten zu Herzstillstand führen; allerdings scheint es einen deutlichen Zusammenhang zw. Intensität der körperlichen Belastung und Häufigkeit des Herzstillstands zu geben (sh. oben bei Marathon im Vergleich zu Halb-Marathon 4faches Risiko);
diese Vorerkrankung lässt sich durch regelmäßiges Laufen nicht verbessern;
leider ist diese Erkrankung (mit ziemlich starker familiärer Belastung) oft unentdeckt, Menschen mit der Erkrankung leben im Alltag völlig unauffällig, deshalb machen manche damit Sport/Marathon, weil sie davon nichts ahnen; erst bei Leistungssport oder Sport mit Maximalbelastungen (oft Mannschaftssport) zeigt sich die Erkrankung plötzlich und dann oft massiv;

b) atherosklerotische Herzkrankheit
diese Erkrankung lässt sich durch regelmäßiges Laufen teils drastisch verhindern (nebst Diabetes-mellitus Typ-2, Bluthochdruck, Blutfettstoffwechselstörung, Übergewicht etc.); je mehr Bewegung, desto stärker die Vorbeugung, der Schutz vor der Entwicklung einer Atherosklerose; auch bei bereits bestehender Herzkrankheit kann Laufen schützen;

Aber: bei bestehender (atherosklerotischer und manch anderer) Herzkrankheit kann das Laufen - vor allem zu intensiver Wiedereinstieg oder Start nach langer sportarmer Zeit - und kann körperliche Überlastung gefährlich sein; deshalb ist bei vorhandener koronarer Herzerkrankung eine (sport-)ärztliche Abklärung (von Arzt, der was von Sport versteht) wichtig und sinnvoll;

schöne Übersicht dazu bei der Dt. Herzstiftung:

Zitat: "Da Sport zu den besten Möglichkeiten gehört, einer solchen koronaren Herzkrankheit entgegenzuwirken, zählt regelmäßiger Sport auch zu den besten Mitteln, um einen plötzlichen Herztod ab dem 35. Lebensjahr zu verhindern.
Zwar kann das Risiko für einen plötzlichen Herztod während der sportlichen Belastung in der Tat etwas ansteigen, allerdings übertrifft der schützende Effekt durch regelmäßigen Sport deutlich die Gefahr, während der körperlichen Belastung einen plötzlichen Herztod zu erleiden, weshalb die Deutsche Herzstiftung Sport als eine der besten Möglichkeiten empfiehlt, um das Risiko für einen plötzlichen Herztod zu senken, vorausgesetzt es werden dabei ein paar einfache Regeln beachtet"

Zitat-Quelle und nach Herzstiftung zu beachtende Regeln für Ausdauersport:
http://www.herzstiftung.de/Ploetzlicher-Herztod-Sport.html

Gruesse,
Waldboden

Nicht schlüssig!

Ich stimme makesIT zu. Die Beschreibung des Studienablaufs und die Schlussfolgerung der Autoren sind nicht unbedingt schlüssig. Die Beobachtung allein auf ein Zeitfenster von 2 bis 6 Stunden zu begrenzen, um dann Rückschlüsse für das gesamte Infarktrisiko in allen Lebenslagen zu ziehen, ist etwas hergeholt.

Ich glaube zwar auch, dass Marathonläufer ein geringeres Infarktrisiko in sich tragen als jemand, der keinen Ausdauersport betreibt, aber ich denke, dass es dafür auch aussagekräftigere Studien gibt. Allerdings wissen wir nicht, ob der Inhalt der Studie von den Medien überhaupt korrekt wiedergegeben wurde.

Gruß

Sirius
... der hoffentlich ohne Stillstand rennt.

Nach der Lektüre des Artikels

komme ich zu dem Schluß, dass die Autoren aus der Studie heraus keinen Rückschluß auf andere LEbenslagen ziehen.

Sie schlußfolgern:

Das Risiko während eines (Halb)Marathons einen plötzlichen Herztod zu erleiden ist sehr niedrig.
Marathonrisiko höher als halbmarathon.
Männerrisiko höher als Frauen.
Zeitpunkt des höchsten risikos liegt im 4. Quartil des Rennens.
Hohes Risiko des tödlichen verlaufs.
Fast alle hatten eine Vorerkrankung.

Mehr nicht.

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