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Nachdem der letztjährige Versuch im Winter Skiurlaub zu machen nicht so ganz gelungen war -als Flachlandtiroler mit Ursprung aus OWL stell ich mich mit so Brettern halt etwas blöd an- habe ich mich diesmal wieder zu einer Reise auf die Kanaren entschieden. Der Norden Teneriffas lädt zum Wandern und natürlich auch zum Laufen ein.

Der Flug geht schon ziemlich früh am Freitagmorgen und bringt uns aus dem winterlichen Deutschland in den Frühling. Wie immer auf den Kanaren ist es bei ca 20° sehr windig und nach Sonnenschein auf dem Flughafen in Süden folgt dann die Fahrt durch das Teno-Gebirge in den wie üblich am Nachmittag wolkenverhangen Norden. Auf der Fahrt durch das Gebirge kann man die Nachbarinsel Gomera gut beobachten. Je weiter es hoch geht desto trüber wird es jedoch und im hochlegenen Santiago del Teide sind wir dann auch in den Passatwolken angekommen. Jetzt geht es durch kurvenreiche Strassen runter bis an die Küste, wo sich der Wolkennebel dann aber lichtet und man schon wieder Stücke von blauem Himmel sieht. Nach dem doch recht langen Flug und und der anschliessenden Fahrt über die Insel kribbelt es in den Beinen und ich ziehe, nachdem ich ausgepackt habe, die Laufschuhe an. Ich laufe vom Hotel aus Richtung Meer und dann auf einen kleinen Wanderpfad Richtung Osten bis zum Leuchtturm von Buenavista del Norte. Der Weg führt mich über teils steinige, teils sandige Wege an der Steilküste mitten durch die typische kanarische Vegetation. Der Atlantik ist heute ziemlich rauh und die Brecher spritzen den Felsen bis auf den Pfad. Durch den Klimawechsel ist der Lauf doch recht anstrengend, aber es macht Spaß mal wieder in kurz-kurz zu laufen. Nach ca 5 km habe ich dann aber den Leuchtturm erreicht und der Pfad endet kurz danach auch im Nichts, da ich mich noch nicht so umfassend informiert habe laufe ich den gleichen Weg zurück in Hotel. Anschliessend lockt der Pool noch mit einem Bad- alles in allem ein guter Einstieg in den Urlaub.

Am nächsten Tag, dem Samstag, beginnt dann unser Wanderprogramm. Heute ist zum Einstieg nur eine ganz einfache Tour vorgesehen, die uns in die nähere Umgebung führt. Wir starten nach einer kurzen Einführung vom Hotel aus und laufen zuerst den Berg hoch bis zum "Zentrum" von Los Silos. Eine schöne Plaza und ein altes Kloster laden zum kurzen Verweilen ein. Dann geht es aber weiter zuerst die Straße entlang und dann auf einen Wanderpfad durch Bananenplantagen Richtung Osten. Der Weg führt uns am Fusse des Tenogebirges entlang mit Blick aufs Meer über Las Cruces und San Pedro Daute bis nach Garachio. Garachio der Endpunkt unser Wanderung war bis zum 18ten Jahrhundert der bedeutenste Hafen der Insel auf der Nordseite. Wurde dann aber durch einen Vulkanausbruch zerstört und ist heute ein verschlafenes Nest mit netten Stadtbild. Nach einer Pause und einem Imbiss in den netten Örtchen geht es dann am frühen Nachmittag mit dem Bus zurück nach Los Silos. Die Busfahrt selbst ist durch die doch recht eigenwillige Fahrweise des Busfahrers -er muss wohl noch einen wichtigen Termin haben;-) - ein ganz spezielles Erlebniss. Heute merke ich die Klimaumstellung richtig und bin trotz der kurzen Tour müde. Da ich sowieso eine Regenerationswoche einlegen sollte, gehe ich nicht mehr laufen sondern mache am Nachmittag nur noch den Pool unsicher. So ein Pool für mich ganz allein hat schon was, anderes als wie in "Kenianars" Blog über "Winterhallenbäder" kann man in Ruhe seine Runden schwimmen und muss sich nicht den Weg freikämpfen wie sonst;-)

Der Sonntag ist dann "wanderfrei" und ich nutze die Gelegenheit einen langen Lauf mal wieder in "etwas leichterer" Kleidung zu machen. Da hier Wege ohne heftige Anstiege doch Mangelware sind entscheide ich mich dazu anfangs den gleichen Pfad zu benutzten wie am Freitag. Heute vormittag ist es aber sonnig und man hat von der etwas vorgelagerten Zunge der "Isla Baja" aus einen hervoragenden Blick weit nach Osten bis zum Anagagebirge an der Nordostspitze der Insel. Während die Passatwolken schon das Tenogebirge, das direkt südlich über uns aufragt, und den Teide einhüllen, scheint an der Küste und weiter im Osten noch die Sonne. Laut der Wettervorhersage gestern sollte es heute eigenlich regnen, aber der Wind bläst die Wolken von der Küste in Richtung Gebirge und es bleibt sonnig und trocken. Das macht den Lauf, der mich nachdem ich den Pfad entlang der Steilküste bis zum Leuchturm von Buenavista del Norte gefolgt bin, durch die Bananenplantagen mit einer langgezogenen Steigung nicht gerade leicht und mein Puls steigt schnell höher als er eigendlich sollte. Nach ca 2km in der prallen Sonne wird es aber angenehmer, die Terrassen der Banenenplantagen bieten etwas Schatten. Irgendwann nach schier endlosen Laufen durch Bananen rechts und links erreiche ich dann die kleine Ortschaft Buenavista del Norte. Hier findet heute eine Fiesta zu Ehren irgendeines Heiligen statt und es herrscht Chaos. Ich irre etwas durch die Gegend finde dann aber schliesslich den Weg zum Golfplatz des Ortes der mich dann hinab zum Meer zur Playa de las Arenas führt. Die ganzen bis hierher bewältigten Höhenmeter laufe ich nun also wieder runter. Aber was solls man gönnt sich ja sonst nichts ;-) Von der Playa de las Arenas führt ein Wanderpfad mit reichlich auf und ab an der Steilküste entlang bis zur Playa de las Barqueras. Auf der einen Seite geniesst man den Blick auf die rauhe Steilküste und wird von der Gischt der Brecher etwas abgekühlt und auf der anderen Seite liegt der Golfplatz und der Blick fällt auf die schroffen Felsen des Tenogebirges. Am Ende des Pfades angelangt, geht es jetzt wieder den Berg hoch zurück in die Ortschaft, die ich mit einigen Irrläufen nur durchquere und dann wende ich mich bergauf Richtung La Cuesta und suche dort den Einstieg in den Wanderweg am Fusse des Gebirges. Hier bin ich leider erfolglos und kehre nach ein paar Versuchen um und laufe entlang der Landstrasse zurück Richtung Los Silos. Nach gut 2 1/2Std und ca. 20km erreiche ich dann Los Silos. Hier entscheide ich mich dann doch die Runde noch etwas zu erweitern und laufe weiter Richtung Osten bis zur kleinen Ortschaft La Caleta de Interian direkt am Meer gelegen. Die Küstenstrasse führt mich dann vorbei an kleinen Felsstränden zurück nach Los Silos, wo ich dann nach 27km und fast 3 1/2 meinen Lauf beende. Den Tag lasse ich dann später am Nachmittag mit einer paar Runden im Pool und etwas Entspannung im Wirlpool ausklingen.

Am nächsten Morgen am Montag werde ich recht früh wach. Den langen Lauf, der doch erheblich länger wurde als zu diesem Zeitpunkt schon vorgesehen, habe ich gut verkraftet. Letztes Wochenende war ich nach 5km weniger erheblich platter. Ich werde aber trotzdem die Intervalleinheit, die irgendwo in meinem Hinterkopf rumspukt, heute nicht laufen, sondern erstmal die Wanderung heute abwarten. Auch als Bekloppter ist noch ein Teil Restvernunft erhalten geblieben und ich plane schliesslich diese Woche noch weitere Wandertouren.

Der heutige Tag war ein Tag der gegensätzlichen Eindrücke -Wandern im nebelverhangenen Kiefernwald morgens und Laufen in Bananen über Bananen abends. Morgens ging es los vom Hotel per Bus ins obere Orotavatal. Die Fahrt dauert fast 1 1/2 Std und führt an der Nordküste der Insel entlang von Los Silos über Garachio, Puerto de la Cruz und Orotave nach Aguamanza. Wir beginnen die Wanderung auf ca 1000m, direkt unterhalb der Felsformation "die Orgelpfeifen" und wandern zuerst durch die Kulturlandschaft des Orotavatals und erreichen nach kurzer Zeit die Kiefernwaldzone. Jetzt geht es erstmal bergan und es gilt etwas 150 HM zu bewältigen. Dann erreichen wir einen Galerieweg knapp unterhalb der Orgelpfeifen und wandern durch den Kiefernwald nach Westen bis wir dann von den Weg abzweigen und uns wieder bergan Richtung Süden wenden. Hier gilt es ca 200 HM auf eien recht kurzen Stück zu bewältigen. Damit haben wir den ersten Kamm überwunden und jetzt geht es auf ca 2-3 km Weg bergab und wir ereichen unser Tagesziel schon nach ca 8,5km und knapp 3 Std. Von dort geht es dann wieder mit dem Bus zurück.
Da mich diese doch recht kurze Wanderung mal wieder nicht ausgelastet hat, gehe ich nach der Rückfahrt noch laufen. Da es hier an der Küste, zwar nicht wie auf der Wanderuung nebelig und frisch, aber doch sehr windig ist, entscheide ich mich dafür nicht an die Küste sondern von der Küste weg zu laufen. Das bedeutet zwar von Anfang an eine recht heftige Steigung, aber hier sind die Wege besser und ich kann etwas schneller laufen. Da die "Isla Baja", wie dieser Teil der Insel hier heisst, das Hauptbananenanbaugebiet ist, gelange ich nachdem ich die Ortschaft hinter mich gelassen habe, schnell in die Bananenplantagen. Ich laufe von Luz del Mar über San Jose nach San Bernardo und die Bananen begleiten mich die ganze Zeit, Abwechslung bieten nur ein paar Palmen. Bevor ich dann in den schier endlosen Plantagen und Fincas und den kleinen Strässchen vollkommen die Orientierung verliere, kehre ich um und laufe über Los Silos zurück. Anschliessend lockt noch der Pool und ich drehe noch ein paar Runden. Heute bin ich zwar nicht ganz allein, aber mit meinen beiden Mitschwimmerinnen gehe ich schliesslich jeden Tag wandern.

Am Dienstag geht es dann auf die Wanderung durch die Mascaschlucht, einer der Klassiker auf der Insel. Wir starten schon früh um 8:00 und fahren durch das Tenogebirge Richtung Süden. Anfangs geht es ein kurzes Stück die Küstenstrasse entlang, dann geht es aber mit der "Klapperschlange" über Serpentinen immer weiter hoch. Der Ausblick ist sehenswert. Es geht dann immer weiter hoch bis wir auf ca 1200m dann die Wetterscheide erreicht haben. Hier bricht die im Nodern typischen Wolkendecke auf und es wird sonnig. Jetzt geht es wieder abwärts und wir fahren weiter Richtung Südwesten bis nach Los Gigantes. Dort fahren wir mit einem Boot an den Fuss der Mascaschlucht und wir starten die Tour. Der Weg ist sehr felsig und wir klettern über große und kleine Steinbrocken immer aufwärts durch am Flussbett entlang. Die Felswände rechts und links ragen ca 400m hoch und dadurch ist es im Grunde der Schlucht schattig. Auf dem ersten Teil sind wir ganz allein, die meisten Wanderer steigen nicht durch die Schlucht auf wie wir, sondern ab und werden mit dem Boot abgeholt. Die ersten Wandergruppe treffen wir erst am späten Vormittag. Für uns geht es stetig bergauf, 650m Höhenunterschied wollen überwunden werden. Die Tour ist zwar konditionell nicht so anstrengend wie erwartet, aber technisch nicht ganz einfach, da ein Weg eigendlich garnicht existiert. Die Kraxelei macht aber Spaß und man wird schönen Ausblicken und tollen Eindrücken belohnt. Bis zur Mittagzeit haben wir dann ca 300m Höhe auf den ersten 2/3 des Weges hinter uns gebracht. Jetzt wird es richtig steil, dafür ist der Weg aber langsam auch als Weg zu bezeichnen und wir erklimmen die restlichen Höhenmeter mit bis zu 28% Steigeung inzwischen auch in der Sonne. Auf der letzten halben Stunde wird es noch einmal richtig anstrendend und wir ereichen dann gegen 15:00 das Bergdorf Masca, wo wir in einer Bar einkehren und etwas verschnaufen. Zurück geht es dann wieder quer durchs Tenogebige bis an die Nordküste. Nach der sehr schönen und anstrengender Wanderung heute verzichte ich dann auf meinen Abendlauf und gehe schwimmen.

Der Mittwoch, der letzte Wandertag dieser Woche, bringt nochmal gänzliche andere Eindrücke. Heute geht es auf eine Panoramawanderung ins Tenogebirge. Wir starten an einen Asusichtspunkt mit Blick auf das Bergdörfchen Masca und wandern auf dem äusseren Kamm, der Cumbre, Richtung Nordwesten. Anfangs kann man in der Ferne einen Blick auf die Nachbarinsel La Gomera im Westen erhaschen und später erblick man dann im Osten den Teide. Das Wetter heute ist wirklich herrlich und es bauen sich auch am Nachmittag nicht die typischen Wolken auf, so dass uns der Teide auf dem ganzen Weg über den Kamm bis nach Los Bailaderos, einen ursprünglichen Örtchen im Teno Alto, das wir am frühen Nachmittag erreichen. Nach einer Einkehr in einer kleinen Bar geht es dann auf die Rückfahrt, die wir in Buenovista del Norte kurz unterbrechen. Später breche ich dann noch zu einem Lauf auf. Heute lockt mich die Strecke am Meer entlang Richtung La Caleta, das ist als einigermaßen flaches Stück im Einlaufen gerade richtig. Aber nach ca 2-3km geht es dann den unvermeidlichen Berg hoch und ich laufe bergan, bis ich auf den Wanderweg zwischen Los Silos und Garachico treffe, dort laufe ich erst noch bis zum kleinen Nest Las Cruces, wo ich dann umkehre und mich wieder in Richtung Los Silos wende. Dort angelangt mache ich noch einen Abstecher bergauf Richtung Talavera bis der Weg dann so schlecht wird, dass man nicht mehr gefahrlos laufen kann und laufe dann durch die unvermeidlichen Bananen zurück Richtung Meer. Zum Schwimmen ist es heute leider etwas spät geworden, so dass ich schweren Herzen daruf verzichte und zum Essen gehe.

Am Donnerstag, dem leider schon letzten Tag, ist keine Tour mehr geplant und ich möchte den Tag mit Laufen und relaxen verbringen, bevor es morgen zurück ins winterliche Deutschland geht. Als es gegen 8:00 hell wird breche ich zu einen kleinen Morgenläufchen an der Steilküste auf. Die Sonne wird noch von den Bergen verdeckt und taucht in den Teide in ein ganz besonderes Licht. Leider habe ich heute etwas Pech und stolpere nach ca 2km auf der sehr unebenen Strecke und fliege voll auf die Nase. Früher hätte ich mir anhören müssen "Was baselst Du denn auch so durch die Gegend", heute kann ich nur die Zähne zusammenbeissen und mich freuen, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Die Schürfwunden auf Knien, Händen und Armen werden schon wieder heilen. Meinen Lauf setze ich fort, zwar etwas langsamer ;-), aber gekniffen wird nicht. Nachdem die Sonne jetzt über den Bergen steht, kündigt sich noch ein schöner Tag an. Nachdem ich meine Blessuren versorgt habe, begebe ich mich zum Frühstück und inzwischen tut es auch nicht so höllisch weh. Ob ich heute noch Schwimmen gehe weiss ich noch nicht, aber einen Abendlauf werde ich wohl noch machen. Vorher werde ich aber mal versuchen irgendwie ins Netz zu kommen...

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Neid, neid, neid...

Während ich hier krank zu Hause sitze läufst du in der Sonne mit kurzen Hosen, wanderst durch wunderschöne Landschaften und schwimmst in leeren Pools. Und schreibst noch schöne Berichte darüber!
Diese Tage waren wohl nicht zu retten!

Zum träumen

Mensch Ulli, hättest mal bescheid sagen können! Hast ja die zarte Frühlingssonne gefunden, die ich mir neulich in meinem Blog so gewünscht habe. Überhaupt hört sich alles perfekt an. Genieße es und die Erinnerungen sollen dich an trüben Tagen wärmen.
L G Fairy

Schick!

Hallo Ulli.
Ich würde auch immer das Wandern gegenüber dem Skifahren vorziehen.
Das klingt ja nach einem rundum gelungenen Urlaub (selbst auf die Nase musstest Du Dich legen).
und nächste Woche dann wieder viele bekloppte KM in der Kälte;-).
Schöner Bericht.
Gruß, Marco
You´ll never wander alone

Neid ohne Ende!

Was für ein schöner Urlaub! Man hört's immer wieder, dass die Kanaren sehr schön sind!

Väterchen Frost hat uns immer noch kräftig im Griff! Auf den Laufstrecken gibt's immer noch die tückischen Eisplatten, die einem beim Tempomachen hindern!

Bring' uns am besten den Frühling gleich mit, bzw. erkält' dich nicht bei der Umstellung auf unser kaltes Wetter!

LG

MC :-)

laufend fit und gut drauf!

Das Gruppenduell Ruhr vs. Born

Gelb

Da werde ich Frühlingssonnenfetischist ganz gelb vor Neid!!
Es sei dir gegönnt!!! Und ich kann dank deines schönen Blogs vom Warmen träumen...

:-) cc

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