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Benutzerbild von Flitzfritz

„Entschuldigung, sagen Sie mir mal bitte, welche Nummer hier auf dem Schlüssel steht?“ „Ist die 103 – Herr Nachbar, ich hab die 102“ „Danke, ich kann das nämlich nich lesen“ Während wir Tür an Tür unsere Klamotten aus den Schränken holen und in die gegenüberliegenden Umkleiden packen nimmt unsere Unterhaltung ihren Fortgang. Bergmann war er, sein halbes Leben lang. Steillage, Flachlage – dabei sind die Knochen kaputt gegangen.„Geh´auf die 88 zu“ erzählt er mir. „Radfahren geht nicht mehr – hab alles neu – Hüfte – Knie und so – aber 2-3 mal die Woche ins Evinger Hallenbad – das muß!“ Ich habe großen Respekt vor dem Mann, der leicht gebückt aber durchaus fitt da steht. Ich beichte, dass auch ich leichte Zipperlein habe – so ab 40….aber ich merke, dass das echt lächerlich rüberkommen muss. Gegen Ende der Umräumaktion schaut er mich noch mal freundlich an, dann wandelt sich sein Gesichtsausdruck – mit melancholischem Blick sagt er. „Bergbau gibt’s ja nicht mehr“. Ich bin total gerührt und denke < halt die Klappe Fritz, einfach mal Fresse halten > ! Mein Schweigen tut der Situation gut. Wir blicken uns noch einmal in die Augen, wünschen uns gegenseitig ein schönes Wochenende und betreten unsere Kabinen. Ich bin noch immer mit dem Gedanken beschäftigt, wie das wohl so ist, wenn das wofür man seine Gesundheit gegeben hat, oder für das man sich beruflich sein Leben lang eingesetzt hat auf einmal nicht mehr existiert, sich nicht mehr lohnt, gestrichen wird! 88 – ich rechne zurück – Krieg, Wirtschaftswunder, Wirtschaftskrise, Strukturwandel fällt mir spontan ein. Zum 70. meiner Schwiegermama habe ich ne Powerpoint mit uralten Photo´s – hinterlegt mit „für dich soll´s rote Rosen regnen“ zusammengestellt. Kam gut an – vor allem wegen der Bilder. Hier im Pott sah´s zwischen 1950 bis ca 1980 völlig anders aus als jetzt. Ich bin mir sicher, dass auch die Menschen sich sehr verändert haben. Ich mag den Mann. Diese Disziplin! Chapeau mein lieber Alter – bis demnächst beim Fliesenzählen – du bist mein Held!

Flitzfritz

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Es sind die kleinen Dinge im

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die einen zum Nachdenken bewegen ... wie eine kurze Begegnung mit einem fremden Menschen, die uns nachhaltig beeindruckt und viele Dinge so relativiert ... Deine "Geschichte" lässt mich denken an vieles, was man im Alltag so oft vergisst ... wie viel man eigentlich immer hat an Leben, Erfahrung, Mut, Hoffnung, Verzweiflung ... losgelöst von allen Besitztümern.

LG
Troedelliese

"Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist keines da."
Franz Kafka

Danke

Danke Fritz für Deine Zeilen. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Bin als Sohn eines Bergmanns in Gelsenkirchen aufgewachsen. Mein Vater ist heute 80 und kämpft mit der Staublunge. Deine Worte haben mir viele Erinnerungen gebracht. Was hat sich unser alter Herr krummgelegt, damit wir nie in das "Loch" müssen. Es ist ihm gelungen. Seine Gesundheit ist dabei draufgegangen. Aber nicht sein Lebensmut. Als Bergmann 80 werden, datt is doch auch ne Leistung (sagt er).

Glück auf

Danke euch --

--beiden für die netten Rückmeldungen. War mir nicht ganz sicher, ob ich den richtigen "Ton" getroffen habe - nun dank euch, fühl ich mich wieder wohl.

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