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... war das in 2011 bei mir, dass es eine helle Freude ist. Was natürlich allein daran liegt, dass ich 2010 nicht einen Kilometer gerannt war. Und 2009 auch nicht. Und überhaupt noch nie.

Also noch mal eine kleine Rekapitulation: Die ersten drei Januarwochen im üblichen Tran verbracht. Futtern, faulenzen, fabulieren. Dann beschlossen: Es muss sich was tun. Warum? Na, darum: 178 Zentimeter hoch, 122 Zentimeter rund, 107 Kilogramm schwer - so war das, am 16. Januar 2011.

Laufen ist doof, langweilig, spaßfrei, kommt für mich also nicht infrage. Ein Rudergerät muss her. Das Geld geht, das Gerät kommt, ich quäle mich frühmorgens vor dem Fernseher und weiß nicht, was schlimmer ist: Rudern oder Cherno Jobatey im Morgenmagazin zu ertragen. Nach ein paar Tagen weiß ich - die Kombination ist's, die sich kaum toppen lässt. Wie auch immer, die Ruderei nervt, ist doof, langweilig und spaßfrei.

Und dann passiert es: Der Hund muss raus, Frau okta ist müde, also melde ich mich feiwillig trotz früher Morgenstund. Hauptsache nicht rudern. Aus mir bis heute schleierhafte Gründen beschließe ich, einen Trainingsanzug anzuziehen, einen Pulli, Mütze und meine uralten Laufschuhe, die von dichten Spinnweben umhüllt einem Kokon gleich in der hintersten Ecke des Kellers auf bessere Zeiten warten.

Und dann laufe ich los.

Den Rest hat vermutlich fast jeder in dieser liebenswerten, kleinen Internetgemeinde schon erlebt. Nach ein paar Minuten gepumpt wie ein Maikäfer, nach drei Kilometern völlig fertig heimgeschleppt, nur von der Pflicht aufrecht erhalten, Samson, meinen wuscheligen Lieblingshund, irgendwie nach Hause bringen zu müssen. Es folgen quälende Wochen, gepaart mit der Faszination, die sich einstellt, wenn man immer ein paar Meter weiter laufen kann, 20 Minuten am Stück, recht schnell sogar eine halbe Stunde.

Die nächsten vier Monate passiert nicht viel. Ich laufe jede Woche viermal, mein Wochenschnitt bewegt sich irgendwo zwischen 20 und 30 Kilometer. Dazu kommen zwei unschöne Stürze: Ein dämliches Umknicken und ein noch dämlicheres Stolpern - beim Kurzsprint über die Hundeleine. Aus vollem Lauf haut es meinen voluminösen Körper auf einen Schotterweg. Samson findet's toll. Endlich mal Pause und dann auch noch mit mir auf Augenhöhe. Erst leckt er mir das Gesicht ab, dann lechzt er nach dem Blut an Knie, Oberschenkel und Hand. Hunde sind echt pervers!

Im Juni entdecke ich Jogmap, am 6. Juni folgt er erste Eintrag. Bis dahin dürfte ich in 2011 etwa 400 bis 500 Kilometer zurückgelegt haben. Doch mit jogmap bekommt die Rennerei eine neue Dimension. Aber wem sage ich das, ihr kennt das ja alle... Wertvolle Tipps, beeindruckendes Schalks, witzige Vexiliums und stets ein guter Überblick über die eigenen Läufe. Selbst Samson ist begeistert. Wenn er bei Jogmap lesen kann, muss er schon nicht laufen, der Faulpelz.

Im Oktober dann mein erster Volkslauf, zehn Kilometer in 54:47. Ich kann kaum glauben, dass ich so schnell bin. Und Samson ist wieder froh: Er liegt am Streckenrand in der Herbstsonne und pennt, während ich im Endspurt an ihm vorbeisause. Ginge es nach ihm, wäre jeden Tag Volkslauf. Dann müsste er nicht mit.

Das zweite Rennen dann Anfang Dezember in Rheinzabern. Nach vier schnellen Kilometer geht fast nichts mehr, ich breche fast zusammen, weil ich so einen Hunger habe. Kuchen, Spaghetti, Rindersteak - vor meinem inneren Auge hat sich das Schlaraffenland breitgemacht. HUNGER! Ich schleppe mich mit letzter Kraft ins Ziel, 52:09 Minuten habe ich gebraucht. Erstaunlich, angesicht der Umstände.

Und gestern schließlich der Abschluss, Silvesterlauf in Forchheim, wieder 10 Kilometer. Am Anfang stecke ich im Pulk fest, dann in tiefen Pfützen und schlammigen Waldwegen. 05:34 für die ersten, 05:17 für die zweiten 1000 Meter. So war das zwar nicht gedacht, aber egal, es macht Spaß. Und es bleibt ja noch Zeit, sich zu steigern. Was ich dann auch schaffe. Ins Ziel hetze ich in 50:59 - laut Garmin war ich dafür sogar 10,1 Kilometer unterwegs. Meine Garmin-10-km-Zeit war 50:35. Und das, obwohl ich ein Jahr zuvor noch nicht einmal entfernt daran gedacht habe, mich anders als im Auto oder schlimmstenfalls langsam spazierend zu bewegen.

Heute habe ich 1130 km auf der Jogmap-Uhr, dazu die nicht erfassten Läufe der ersten vier Monate. Ich bin immer noch 178 Zentimeter hoch, aber nur noch 102 Zentimeter rund und 88,2 Kilo schwer. Weit entfernt vom Idealgewicht, aber noch viel weiter von den Horrorzahlen vergangener Jahre.

Und dieses Jahr? Da will ich den Halbmarathon in Freiburg laufen, den einen oder anderen Zehner (sub50? Man wird ja noch träumen dürfen), vielleicht im September noch den HM in Karlsruhe. Außerdem will ich weiter den Spaß behalten, gesund 40 werden und einmal erleben, das Samson morgens um 7 Uhr fröhlich die Leine anschleppt, weil er laufen und mich auf meiner Runde ziehen will. Anstatt sich, wie üblich ziehen zu lassen. Nachher kann er das gleich mal üben... Dann gibt es ein kleines Neujahrsläufchen. Tja, wie sich die Zeiten ändern...

Euch allen ein erfolgreiches, glückliches, gesundes und fröhliches neues Jahr wünschen:

okta (und ein laufgeplagter Samson)

5
Gesamtwertung: 5 (2 Wertungen)

Kommt mir bekannt vor

Moin,
kommt mit irgendwie bekannt vor.
Nur bei mir ist das nun 4 Jahre her und mein erster Wettkampf, ausser der übliche mit Schweinehund, war erst 2 Jahre später. Mach weiter so es wird immer mal mehr oder weniger gut gehn, aber drann bleiben ist alles.

Gruß jürgen

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