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Benutzerbild von doz

Was für ein Jahr - was für ein Abschluss. Nachdem in diesem Jahr nahezu alle geplanten Wettkämpfe aufgrund einer rekordverdächtigen Verletzungsserie ins Wasser gefallen sind (für eine genaue Auflistung meiner Leiden siehe Psychrembel, Seite 216 bis 843), sollte wenigstens ein Wettkampf am Jahresende für einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss sorgen. Aufgrund der langen Trainingspause kam dafür nur eine Lauf über die "Sprintdistanz" in Frage und da im Dezember die enstprechenden Wettkämpfe rar gesät sind, fiel die Wahl auf den Tübinger Nikolauslauf.

Ich hatte mich ehrlich gesagt vor dem Lauf nicht weiter mit der Strecke beschäftigt. Ein Blick auf's Höhenprofil zeigte mir, dass dieses gemsenkompatibel ist - und zack war die Anmeldung draußen.
Deshalb war ich von der Strecke absolut positiv überrascht, denn statt der befürchteten Besichtigungstour von Industriegebieten und architektonischen Verbrechen im Umfeld der Universitätsstadt, sollte sich die Veranstaltung als reinrassiger Waldlauf entpuppen (*Jippieh*).

Doch vor dem Lauf stand erstmal ein großes Fragezeichen. Denn statt Adventsstimmung machten sich in meinem Körper wieder verschiedene Wehwechen breit, so dass das Tapering in der Vorlaufwoche etwas ausführlicher als geplant ausfiel. Und als ich am Samstag auch noch mit dickem Hals und dröhnendem Schädel aufwachte, beschlich mich eine Vorahnung, wieviel Spaß mir der Lauf bereiten sollte. Vom geplanten Start ließ ich mich deshalb aber nicht abbringen: Soviel Schwabismus hatte ich selbst als Neig'schmeckter schon verinnerlicht: Bezahlt ist, also wird auch gelaufen!

Am nächsten Tag waren die Erkältungssymptome glücklicherweise wieder verschwunden, so dass ich mit -für meine Verhältnisse- klarem Kopf gen Tübingen aufbrechen konnte. Ich war ziemlich früh da, so dass Parkplatzsuche, Startnummernabholung und alles andere in Ruhe und noch vor dem großen Ansturm der knapp 2500 Starter erledigt werden konnte. Mit einem Team-Kollegen vertrieb ich mir die Zeit, in dem wir uns gegenseitig über unser Leid und mangelnde Motivation klagten. So richtige Vorwettkampfstimmung wollte nicht aufkommen, wozu das trübe Wetter seinen Teil bei trug, und so schlichen wir uns zum Startbereich.

Dort reihten wir uns in die wartende Menge ein. Die nach Leistungsvermögen vergebene Starteinteilung bescherte mir einen Platz im ersten 1000er-Block. Als der Streckensprecher uns als "die ambitionierten und leistungsstarken" Läufer begrüßte, erntetet er von mir nur ein müdes Lächeln. Um den wirklich schnellen Leuten nicht den Weg zu blockieren sortierte ich mich am Ende des Blocks ein. Auch nach dem Start wollte sich keine besondere Nervosität einstellen und so begab ich mich ungewohnt gleichgültig auf die Strecke. Ich ersparte mir das übliche Zick-Zack um die -trotz Blockeinteilung- anwesenden Schleicher und Bremser und bahnte mir ruhig meinen Weg etwas weiter nach vorn. Und es lief wirklich nicht gut. Ich konnte zwar am Anfang das geplante Tempo erreichen, aber das kostetet mich viel mehr Anstrengung als es sollte. Als dann nach knapp 1.5 km noch leichte Magenkrämpfe anfingen nahm ich Tempo raus, schließlich erwarteten mich neben den paar Restkilometern noch vor allem die kompletten 320 zu absolvierenden Höhenmeter. So schleppte ich mich über die Strecke und fand in meinem Kopf einfach nicht den Schalter, um in den Wettkampfmodus zu kommen. Noch nie hatte ich eine so zähe Anfangsphase zu überwinden. Um mich nicht noch mehr zu frustrieren vermied ich es auf die Uhr zu schauen und versuchte nach Gefühl irgendwie einen erträglichen Schritt zu finden. Ich hängte mich immer wieder an andere Läufer dran, aber irgendwie fand ich keinen passenden Hasen. Bei den Anstiegen war ich meist schneller als die Jungs und Mädels um mich herum, dafür wurde ich bergab immer wieder überholt. Erst als ich nach knapp 6 Kilometern schon beinahe resigniert hatte, fand ich wie durch eine Wunder meinen Rhythmus. Ich fühlte mich wesentlich besser und konnte die Pace anziehen. Zur Halbzeit schaute ich dann doch auf meinen Garmin und als dieser statt der gefühlten > 58:00 eine Zeit von 52:xx anzeigte bekam ich noch eine vage Hoffnung mit einer besseren zweiten Hälfte irgendwie in den Bereich von 1:40 laufen zu können. Naja, Grundlage für diese Hoffnung war wohl weniger eine objekte Einschätzung der verbleibenden Leistungsreserven als viel mehr die Sauerstoffunterversorgung meines Gehirns. Trotzdem machte es jetzt wesentlich mehr Spaß. Ich konnte die tolle Strecke und die Atmosphäre genießen, und gerade an den Anstiegen immer wieder Läufer vor mir einsammeln. Ganz groß vor allem der Anstieg zum Heuberger Tor. Damit meine ich nicht nur die Steigungsprozente, sondern vor allem die Stimmung: Wenn man sich auf den letzten Metern durch ein jubelndes Menschenspalier kämpft, fühlt man sich wie Jan Ullrich auf dem Weg nach Alp d'Huez. (Weniger wie ein Profi-Sportler - aber als ob man schon 150km in den Beinen hätte.)
Dass die zur Halbzeit herbeifabulierte Zeit nicht erreichbar ist, war mir aber ziemlich schnell klar. Meine Gebrechen, die Kränkelei der letzten Tage und das unrunde Laufen auf den Anfangskilometern verlangten ihren Preis. Ich lief halbwegs würdevoll zu Ende, musste aber auf die geplante Tempoverschärfung auf den letzten zwei Kilometern verzichten. Die Beine waren leer, der Kopf müde - erst auf den letzten zweihundert Metern motivierte mich ein Blick auf die Uhr zu einem kleinen Sprint, um wenigstens mein Minimalziel zu erreichen. Am Ende blieb die Uhr bei 1:44:47 stehen, ein Ergebnis mit dem ich leben kann - Dennoch trübt das Wissen auf der Strecke mindestens 4 Minuten liegen gelasssen zu haben die Freude. Und dabei hat der Nikolauslauf definitv eine bessere Erinnerung verdient: Wundervolle Strecke, super Organisation, tolle Atmosphäre, ich kann diesen Lauf jedem nur ans Herz legen, - solange man kein Problem mit einem etwas profiliertem Streckenverlauf hat.

Leider verhinderte der straffe doz`sche Terminkalender ein längeres Verweilen in Tübingen, so dass ich gleich nach dem Zieleinlauf aufbrach und auf ein Treffen mit MC und das Kennenlernen von laeufer74 verzichten musste. Aber das holen wir hoffentlich in Rodgau nach.

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Das Kennenlernen ...

holen wir ganz sicher in Rodgau nach!
Jetzt erhol dich gut, damit du die kommenden Feiertage genießen kannst.

lg
der ebenfalls neig'schmeckte laeufer74

28.01. Rodgau (50km)

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