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Beinahe hätte sie gewonnen… meine innere Schweinehündin Lisa.

Schon gestern hat sie mich förmlich auf die Couch genagelt. Während sich Schatz heldenhaft die Laufsachen anzog, fanden Lisa und ich immer mehr Ausreden. „Die Waden tun weh, da ist Radeln besser als Walk’nRun.“ „Radeln ist aber bei dem Sturm auch nicht grad der Hit…. Denk an den Windchill Faktor. Kalt und biestig“ „Schatz, ich mach dann mal Yoga.“

Während Schatz sich grinsend und mit innerer Größe zur Haustür hinaus begab, kämpfte ich mit Lisa um eine Stunde Yoga. „Denk an den morschen Dachbalken, äh ich meine Dein Kreuz. Irgendwann brichst Du in der Mitte durch.“ „Aber Lisa, nur mit Yoga werden wir wieder biegsam.“ „Das klappt doch eh nicht. Du wirst halt alt.“ Lisa fühlte sich in der besseren Position und grinste mich hämisch an. Meine Beine waren wie Blei und ich schaffte es nicht von der Couch hoch. Dann musste ich an das hämische Grinsen von Schatz denken, wenn er mich nach seinem Lauf immer noch auf der Couch vorfindet. Das geht gar nicht und ich hatte gewonnen. Diesmal.

Heute wieder das gleiche Spiel. Morgens geht es ja für eine kurze TaeBo-Einheit noch ganz gut. Ich denke, Lisa ist dann einfach noch nicht richtig wach. Diesen Vorteil kann ich immer gut nutzen. Aber am Nachmittag … Schatz geht provokativ schon wieder Laufen… und ich kann seit März schon nicht mehr… arghh…grmpf. Also Radeln. Gegen den Wind. Wenigstens ist es nicht kalt.

Lisa zieht alle Register. Sie zickt. Stemmt sich in den imaginären Boden und nagelt mich wieder auf die Couch. Dann habe ich die Erleuchtung und versuche einen Trick. „Lisa, wir können doch auf dem Rückweg Kuchen kaufen.“ Lisa lässt kurz ab und schaut mich mit großen Augen an. „Wir fahren zum Bäcker Kuchen kaufen?“ „Ja Lisa.“ „Und dann einen schönen heißen Tee dazu?“ „Ja klar.“ „Worauf wartest Du noch?“ Lisa lässt von mir ab und ich kann endlich aufstehen.

Als ich die Radlerhose anziehe kringelt sie sich vor Lachen auf dem Boden. „Findest Du das nicht etwas overdressed für die 5 Minuten zum Bäcker.“ Ich versuche sie zu ignorieren. Lisas Lachen erstirbt. Sie merkt, dass etwas nicht stimmt. „Zu welchem Bäcker willst Du denn fahren?“ fragt sie misstrauisch. Die Schweineschnauze überlegend gekräuselt. Die Augen konzentriert zu Schlitzen zusammengezogen mustert sie mich. „Hmm, zum Bäcker am Büro.“ „Der Bäcker am Büro? Spinnst Du? Das sind hin und zurück fast 25 Kilometer.“ „Jo, eine schöne Tour, nicht?“. Lisa wird rasend und versucht mich wieder zurückzuziehen. Aber keine Chance. Ich bin schon an der Tür und kann fliehen.

Die Tour wird durch den einsetzenden Regen etwas abgekürzt. Aber allein die Föhnstimmung über den Bergen war es wert, diese Stunde durchs Naturschutzgebiet zu pedalieren. Am Ende bekommen Lisa und ich auch noch unseren Kuchen. Ich fürchte aber, das nächste Mal wird der Trick nicht mehr funktionieren. Ich muss mir dann wohl etwas Neues einfallen lassen.

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