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Meine innere Schweinehündin Lisa kugelt sich vor Lachen. Irgendwie werde ich unkonzentriert beim Sonnengruß. Aufschauender Hund und es kracht in meinem Kreuz. Lisa bekommt wieder einen Lachanfall. „Von wegen biegsame Gerte. Du bist inzwischen beweglich wie ein Stück Holz.“ Hinabschauender Hund. Mit ein paar kleinen Schritten auf meine Hände zu, komme ich endlich mit den Fersen auf den Boden. Mann tut das weh.

Lisa hat ja schon recht. 6 Wochen rund um die Uhr gearbeitet. Mit gaaanz wenigen Sportausnahmen. Und drei Kilo mehr auf den Rippen. Das merkt man bei den Vorbeugen schon ganz schön.

Kriegerposition. Kopf zurück und … knirsch im Nacken. Lisa kann sich kaum halten vor Lachen und trommelt mit den Pfoten auf den Boden. „Nein, nicht wie ein Stück Holz. Wie ein morscher Dachbalken. Noch etwas mehr und Du brichst in der Mitte durch…“ Jetzt wird Lisa doch etwas nachdenklicher. „Äh, das war Spaß. Nicht durchbrechen. Einfach gar kein Yoga mehr. Das ist bestimmt gesünder.“ „Na wenigstens die stehenden Positionen. Ich muss ja langsam wieder etwas tun… und heute Mittag gehen wir radeln.“ Lisa wird jetzt richtig nervös. Der Spaß ist vorbei. „Radeln? Hast Du mal aufs Thermometer geguckt? 3 lausige Grad. Ohne mich.“ Trotzig schaut sie mich an.

Aber heute ist Lisa chancenlos. Ich schwinge mich auf mein Rad… na ja. Schwingen ist übertrieben. Eingemummelt wie ein Eskimo hieve ich mich auf den Sattel. Und los geht’s. Die Sonne kommt raus und es ist nuur schön. Am Wendepunkt ist es Lisa die mich fragend ansieht. „Schon zurück?“ Ich lasse mich nicht lange überreden und hänge noch ein paar Kilometer dran. Lisa tut immer noch etwas beleidigt, aber irgendwann sehe ich sie mit weit ausgreifenden Schritten neben mir her rennen.

Am Abend planen wir noch einen Besuch in der Saunalandschaft. Lisa verzieht angewidert das Gesicht und versucht mich abzuhalten. „Da werden Massen sein bei dem Wetter. Und Du wirst schwitzen.“ „Na, dazu ist Sauna doch gut. Das macht die Muskeln wieder weich. Von wegen biegsamer Gerte und so.“ Lisa ist empört. „Hast Du Dich schon im Spiegel angesehen? Trägt man jetzt neuerdings Speckrolle in der Sauna?“ Lisa grinst hämisch.

Auch diesmal ist Lisa wieder chancenlos und wird einfach mitgezerrt. Beleidigt verzieht sie sich zurück ins Körbchen. Während ich in jungsteinzeitlicher Saunahütte schwitze. Am Ende liegen wir zum Abkühlen auf der Liege. Im Freien. Ende November. Bei ca. 5 Grad. Mit dem Sternenhimmel über uns. Die dünne Mondsichel scheint das Dorf auf der anderen Seeseite anzupieksen. Schatz schläft ein. Und ich sehe auf einmal Lisa am Fußende liegen. Die Schweineschnauze auf den Pfoten und neugierig die Sternbilder beobachtend. „Na Lisa, so schlimm war es doch heute gar nicht. Sport und Wellness.“ Sie wackelt kurz mit ihren Schlappohren. Mehr Zugeständnis kann ich heute nicht mehr erwarten und genieße die Szenerie.

4.8
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