Benutzerbild von Jedwabny

Trotz aller Bemühungen, in diesem Jahr beim Herbstgeheimtipp "Bonner Herbsthalbmarathon 2011" besser bekannt als Reservistenmarathon, im Bonner Kottenforst ein größeres Team an den Start zu bekommen, waren wir wieder einmal zu Dritt im DÄF Running Team.

Es hatte 4,5 Grad, die Sonne schien und wie so oft waren die Rheinläuferin, jedwabny und bonnino am Start.

Die richtige Kleiderwahl beschäftigte zumindest bonnino und die Rheinläuferin stark. Nur im DÄF T'shirt wollten wir alle drei nicht laufen, darüber waren wir uns einig.

Also plante jeder für sich die optimale "Zwiebellage".

Beim Einlaufen gab der "selbsternannte" Coach bonnino die Ziele aus: "Rheinläuferin und jedwabny neue Bestzeit, ich um 01:50 Std.!"

Alles klar, dass bonnino gern tief stapelt wissen wir ja, aber so tief! Also verabschiedeten die Rheinläuferin und ich mich bereits am Start von unserer "Schnecke". Vom Startschuß an legten wir ein sehr flottes Tempo vor. Von den Reservisten waren wir gewarnt, daß es keine Streckenmarkierungen geben würde, nur bei ca. km 10 einen Verpflegungsstand.

Einzige Orientierung fürs Tempo war also meine Herzfrequenz, die mir allerdings immer ziemlich zuverlässig auch Auskunft über mein Tempo gibt. Nach 2-3 km wähnte ich uns bei einer HF von 154 auf ca. 04:45 je km. "Das müssen wir jetzt aber auch Laufen" gab die Rheinläuferin erstmals Ihr eigenes Ziel preis.

Ich interpretierte 'rein, später muß es noch schneller gehen. Das konnte ich mir zwar zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen, machte mir aber keine weiteren Gedanken darüber und rannte einfach weiter.

Den Berg 'runter ließen wir es rollen wie wir im vorigen Jahr vom Altmeister "Joa1960" gelernt hatten. Die Rheinläuferin, von dieser Technik nicht überzeugt, ließ mir den Vortritt und verfluchte mich wahrscheinlich dafür. Geredet haben wir so gut wie gar nicht, dazu hatte ich auch überhaupt keine Luft, war ich doch wegen schniefender Nase auf reine Mundatmung angewiesen.

Ich schätzte die km so vor mich hin und wusste wir sind verdammt flott unterwegs, es überholte uns auch zwischen km 3-8 Niemand und wir sahen immer noch das Ende der von mir "Rest um 01:30 Std." getauften Läufer.

Zwischen km. 8 und 10 liefen wir immer näher an die 2 Roten vor uns heran als plötzlich von hinten ein ganz in schwarz gekleideter "Stampfer" zu und auflief. Der machte mich ziemlich nervös als er uns auch noch überholte. Ich hätte direkt zur Attacke auf alle Drei geblasen, wenn mich nicht die Rheinläuferin zurückgehalten hätte: "Das ist viel zu früh, die holen wir später noch ein!"
Ich kam ins grübeln, was hatte sie noch vor, dieses Tempo (mein Puls inzwischen bei 157 = unter 04:40 je km angekommen) später auch noch steigern? Während ich darüber nachdachte erreichten wir die Verpflegungsstelle nach 45 Min. und 29 Sek. Das hieß für mich, Einstellung meiner 10 km Bestzeit und das während eines Halbmarathons im Gelände, sind wir irre?

Erstmals dachte ich daran die Rheinläuferin ziehen zu lassen, aber so früh wollte ich mich nicht geschlagen geben. Es kam wie es kommen mußte bei km 12 zog sie an. Ich folgte nicht, über 158 HF wollte ich 9 km vor dem Ziel noch nicht gehen. Ab km 15 vielleicht, die nächsten 3 km einfach noch in diesem Tempo weiterlaufen lautete meine Devise. Da ich die Rheinläuferin in kurzer Sichtweite halten konnte, wußte ich, daß ich nicht langsamer geworden war. Es überholte mich auch niemand, ein weiteres gutes Zeichen. Den Stampfer hatten wir nach seiner Frage "which time you'll finish?" und meiner Antwort "under one fourty" einfach stehen gelassen. Schon lange nichts mehr von ihm gehört, lief ich in meinen Tunnel. Wähnte mich bei 01:08 Std. bereits hinter km 15. Ab jetzt hieß es "alles was geht". Es ging noch eine ganze Menge, wie ich fühlte, obwohl mich gerade 3 gelbe Läufer vom "SV Irgendwas" überholten. In Ihrer Mitte die dritte Frau, nach der Rheinläüuferin und einer Läuferin in "Lila".

Mein Ziel dritter bei den Frauen zu werden, war in Gefahr:-).
Ich wünschte der Rheinläuferin, dass ihr 2. Platz jedoch nicht mehr in Gefahr geriet. Was aber hätte passieren können, denn ich konnte sie noch immer gut sehen.

Gerade rechtzeitig bei ca. km 18, als ich geneigt war ein wenig nachzulassen, hörte ich eine 3 - 4 Läufer starke Gruppe zu mir auflaufen. Ich blickte mich nicht um sondern konzentierte mich auf meinen Kampf die HF bei 158 (= jetzt vielleicht um 04:50 pkm) hoch zu halten. Es gelang mir, ich hörte die Gruppe nicht mehr, doch zwischen km 19 und 20 blickte ich mich kurz um und sah einen Läufer in Orange. Bei ziemlich genau km 2o lief dann, von mir gar nicht so unerwartet, bonnino mit einem "Hi Wolli" , in meinem Takt schnaubend, zu mir auf. Das mobilisierte meine letzten Kräfte, ich setzte zu einem über 1 km langen Endspurt mit brennender Lunge und Beinen an, wir überholten am letzten Straßenübergang, 500 m vor dem Ziel, noch einen der "Roten" und Frank ließ mir im Ziel den Vortritt. Wir finishten in der gleichen Zeit von 01:37:32.

Damit lief ich in Dimesionen, die ich mir selbst nicht so recht zugetraut hatte und Frank erreichte sein Ziel so um 01:50 "ha ha ha"!

Im Ziel empfing uns die Rheinläuferin, die ihre Bestzeit aus dem Vorjahr ebenfalls noch einmal um gut 1 Minute geschlagen hatte 01:36:21.

Wir waren uns einig, es war ein riesen Lauf, mit der wichtigen Erkenntnis für mich:" Man verlernt das Laufen nicht, wenn man eine ganze Woche nicht läuft!"

Danke Claudi Danke Frank

Wolli

5
Gesamtwertung: 5 (1 Bewertung)

Respekt...

...nicht nur ein guter Lauf von Dir, sondern auch höchst amüsant geschrieben. Falls die Finanzwelt weiter schwächelt, in den Sportredaktionen ist noch Platz für ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent.

Leichtsinnige Frage ...

Auf eine solche Frage:

Das hieß für mich, Einstellung meiner 10 km Bestzeit und das während eines Halbmarathons im Gelände, sind wir irre?

gibt es nur eine Antwort: eindeutig ja !

Gratulation zu dieser irren Leistung, oder auch Irrenleistung, je nach Belieben.

Volker



Jogmap Schleswig-Holstein - neongelb beflügelt

Gratuliere!:o) Euch allen!

Der Lauf und auch der Bericht hatten was!
Am besten gefällt mir, dass die Claudi am schnellsten war! Hihiii;o)

Lieben Gruß Carla-Santana

Mir auch

"Am besten gefällt mir, dass die Claudi am schnellsten war! Hihiii;o)"
Mir auch ;-)
Auch wenn jetzt nicht mehr viel fehlt und sie rennt mir davon...

Leeven Jrooß & keep on running

Don Carracho

DON'T PANIC!

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