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So, Leute, das wird jetzt was Längeres. 4 km in voller Breite.

Die letzten Wochen habe ich mich, so gut es ging, auf den heutigen Staffelberglauf vorbereitet. Habe das ernst genommen, aus purem Respekt vor diesem Berg. So sind im Oktober immerhin 70 km zusammengekommen - so viel wie noch in keinem Monat seit ich hier angemeldet bin. Fast jeder zweite Lauf war ein Berglauf, was ich kaum gewohnt bin. Relativ mutig, direkt nach einer langwierigen Wadenproblematik Umfänge und Intensität so zu steigern. Aber es hat erstaunlicherweise mal geklappt, ohne dass ich mir neue Verletzungen eingefangen habe. :-)))

Was hat es gebracht? Definitiv einen Trainingsfortschritt. Zumindest die "sanfteren" Anstiege liefen nach einer Weile auch ganz gut. Meistens. Sobald es steiler wurde, war ich geliefert und musste gehen. Während sich das im Moment des Laufens natürlich relativ unbefriedigend anfühlte, merkte ich jetzt bei den letzten flachen, kurzen Läufen vor dem Wettkampf, dass die Pace höher war als in der letzten Zeit und dass ich kurze Sprints gut wegstecken konnte.
Und vor allem hat es mich gelehrt, in mich reinzuhören. Ich schrieb oben "ohne mir neue Verletzungen einzufangen", aber es war oft nahe dran. Vor allem die Oberschenkel. Ich habe es geschafft, so gerade eben das nötige Maß an Regeneration einzuhalten, und so wurde aus einem Zwicken nie mehr.

Aber der Respekt vor dem Berg wurde einfach nicht geringer. Viele der Bergläufe waren so anstrengend, dass ich mir echt am Ende gewünscht habe, Chuck Norris würde doch mal kurz mit einem Roundhousekick den Staffelberg ein wenig tieferlegen...doch der kam einfach nicht. :-(

Und so stand ich heute nachmittag in Bad Staffelstein. Parken am Friedhof. Wie passend. Über dem Ort dräute schon der Staffelberg, trotz der diesig-kalten Luft gut zu sehen. Mann, das sind doch gerade mal 260 Höhenmeter, die TAR-Veteranen werden lachen. Aber für mich ist es eben momentan eine ganze Menge.

Eine Kreuzung weiter der Start und die Startunterlagenausgabe. Zwei Tische mitten in einem Wohngebiet, einer für Vor- und einer für Nachmelder, und als Start eine Linie auf dem Asphalt. Ein "Starttor" in Form eines großen Transparents gab es auch, doch das stand längs auf dem Bürgersteig. Also erst mal den Chip an den Schuh binden und die Startnummer ordnungsgemäß montieren. Ich hielt nach Oberfranke Ausschau, eine Viertelstunde vor dem Start hatte ich ihn dann auch endlich erspäht. (Somit habe ich endlich mal meinen ersten "fremden" Jogmapper kennengelernt. :-D)
Nun bestätigte sich, was er mir per SMS schon angedeutet hatte: kein Klo in Reichweite. Argh...und das wo ich mir gestern noch irgendwie leicht den Magen verdorben hatte, das hätte schön schiefgehen können. Ein schönes Gebüsch für Notfälle war leider nicht verfügbar, aber es ging dann schon.
Wir reihten uns ganz hinten ein. Die anwesende Läuferschaft wirkte im Durchschnitt sehr durchtrainiert (und der Eindruck täuschte nicht, wenn man so auf die Ergebnisse schaut). Bei ca. 5 Grad froren wir ganz schön im langen Outfit - während 3 m weiter der eine oder andere Spitzenläufer in ultrakurzer Hose und ärmellosem Shirt stand. Holla! Ich bin ja auch nicht mehr so ne Frostbeule wie früher und weiß, dass zu warme Kleidung die Leistung verringert, aber das wäre dann doch nicht meins.

Recht pünktlich erfolgte der Startschuss. Die Schnellen waren bald weit weg, auch an Oberfranke konnte ich nicht dranbleiben. Anfangs hatte ich ihn noch in Sichtweite, aber ich kam nicht gut voran. Nach zehn Minuten machten bereits beide Waden ziemlich dicht, nach km 2 musste ich schon lange Gehpausen einlegen. Und das ohne zu schnell losgelaufen zu sein, wirklich. Einfach kein guter Tag heute. Vielleicht haben mich die schlecht verdaulichen Leberkässemmeln von gestern Elektrolyte gekostet. Vielleicht war die Kälte noch ungewohnt für die Muskulatur. Hinter mir waren lediglich eine weitere Frau und ein älterer Herr, dessen etwas eckiger Laufstil mir irgendwie bekannt vorkam von meinem letzten Volkslauf...muss ich mal nachforschen ob er das war.

Was war ich froh dass der Lauf nur über 4 km ging! So um km 3 ging gar nichts mehr, da geht es dann ein Stück extrem steil durch den Wald, bis man auf der ersten "Plateaustufe" ankommt. Erst dort konnte ich wieder anlaufen, langsam, schwankenden Schrittes, aber laufen. Umdrehen...da ist doch die Frau hinter mir! Aber ich dachte mir schon, der geht es vermutlich auch nicht besser als mir, die holt mich nicht mehr ein.

Kurz vor dem Ziel kommt noch ein fieser Anstieg, da stand ein Schild mit der Aufschrift "Lass die Sau raus, nur noch 300m" zur Anfeuerung. Aber da war keine Rennsau mehr. Eine Rennsau hätte einen kräftigeren Schinken gehabt. Mit schmerzenden Oberschenkeln drückte ich mich den Berg hinauf. Viele der schnellen Läufer kamen mir schon wieder entgegen... Ich wuchtete mich auf das Gipfelplateau hinauf, irgendwo nahe am Maximalpuls, und sah das Ziel 30m oder so links vor mir liegen. Plateau heißt bekanntlich flach. Das Ziel haben die bestimmt extra so gelegt und nicht einfach direkt ans Ende der Steigung, damit auch die langsamsten Läufer wenigstens am Schluss noch mal antraben können. Über der Zielmatte die Uhr: 34:40 oder so - hey, dachte ich mir, die Zeit ist zwar mies, aber unter 35 bleibst du jetzt. 32 wäre so meine Hoffnung gewesen. Also ein kurzer "Zielsprint" - oder so ähnlich. Wäre das Ziel am Hang gewesen, ich hätte keine Reserven mehr gehabt für sowas und hätte über die Matte gehen müssen.

Im Ziel fand ich Oberfranke wieder. Es gab warmen, pappsüßen Tee und recht trockene Salzbrezen - also im Zusammenklang genau richtig! Nachdem der Puls wieder im Normalbereich angelangt war und wir uns was übergezogen hatten, verabschiedete Oberfranke sich schon mal. Ich wollte unbedingt noch mal kurz an die Klippen des Staffelbergs und die Aussicht genießen.

Naja. Etwas diesig, wie gesagt, von oben nach unten noch mehr als von unten nach oben. Aber immer wieder schön, ein bisschen wie im Flugzeug. :-) Deswegen liebe ich solche Orte.

Irgendwann begab ich mich auf den Weg nach unten. Nicht auf dem gleichen Weg wie nach oben, sondern auf einem etwas kürzeren, aber nicht gerade einfachen Waldweg. Der Staffelberg besteht zu guten Teilen eben doch aus Stein, und der eine oder andere Brocken (unter anderem einer mit Fossilabdruck :-)) liegt dann auch mitten auf dem Weg, derzeit halb von Laub bedeckt...hatte nicht mehr wirklich Kraft in den Beinen und keine Lust mich auf die Nase zu legen. Eigentlich hatte ich geplant, dort herunterzujoggen, so hätte ich nämlich heute ganz nebenbei meinen 500. Jahreskilometer vollbekommen. Ist jetzt halt verschoben. So war es ein wunderschöner ruhiger Spaziergang. Balsam für die Seele.

Dann ging es noch kurz zur Siegerehrung und die original Staffelberglauf-/Obermainmarathon-Kaffeetasse abholen. Eigentlich haben die Erwachsenen laut Ausschreibung noch einen Bierkrug bekommen, stattdessen wurde zumindest den Frauen ein Paar Obermainmarathon-Socken angeboten. Den Krug hätte ich aber auch kriegen können. Und da ich bei Bier ein Flaschenkind bin und bleiben werde und die Socken nebenbei auch noch passen ist mir das sogar lieber. Das ist Value for money - Zielverpflegung, Socken, Tasse, all das für 7 Euro Startgeld, und dann hat noch keiner die Organisation gemacht!

Ja...nun sitze ich hier und frage mich noch ein wenig, was ich mit der heutigen Erfahrung anfange. Dabeisein ist alles, sicher. (Und ich bin ja immerhin Gesamt-Dritter. Von hinten. ;-)) Aber so etwas möchte ich auf keinem Wettkampf mehr erleben, dass ich mich so im Eimer fühle schon auf halber Strecke. Also werde ich, falls ich nächstes Jahr wieder teilnehmen sollte, besser trainieren vorher. Und nach Möglichkeit nicht mit einer Verletzung ins Training einsteigen...
Ansonsten hat mich das Training schon vorangebracht. Bis zu 9 km am Stück laufen wieder ganz gut, und das Bergtraining bringt zumindest theoretisch auch Tempo im Flachen. Also werde ich mir jetzt Berg-Entzug verordnen, etwas regenerieren und mich dann doch mal langsam an die Streckenverlängerung machen. Vielleicht geht ja doch ein Halbmarathon nächstes Frühjahr...wenn ich vorsichtig trainiere...

Was ich jedenfalls gemerkt habe: Mir fällt es echt leichter, mich im Flachen zu quälen bei Intervallen oder einem Wettkampf. Ein reiner Berglauf lässt mich, wenn man sich doch mal übernommen hat oder nicht fit ist, nicht mehr richtig runterkommen, und ich kann dort nicht an meine Grenzen gehen, weil eben immer noch ein paar Höhenmeter zu machen sind und ich ja nicht auf halber Strecke umkippen will. Nebenbei ist halt der Staffelberglauf auch verdammt gut besetzt, da werde ich auch in 10 Jahren noch unter "ferner liefen" landen. Mal schauen wie ich in einem Jahr darüber denke.

4
Gesamtwertung: 4 (1 Bewertung)

Sehr schöne Aussicht (auch

Sehr schöne Aussicht (auch fürs nächste Jahr). Aber ist dir aufgefallen, dass du, obwohl du im Eimer warst, das Aufgeben als Option nicht erwähnt hast? Da ist eine Menge Willensstärke, die du am Berg hast und die dich hinauf bringt.
Natürlich geht man am liebsten ohne Verletzung ins Training. Aber du hast gut trainiert und Bergläufe machen nicht nur theoretisch schneller. Du schreibst ja selbst, dass du kleine Sprints nun besser wegsteckst.

Also viel Spass bei der Grundlagenausdauer, damit dein HM bald kommen kann.


Komm Schweinehund - wir gehen laufen.

Nee, stimmt schon was du

Nee, stimmt schon was du sagst. Irgendwo am Steilhang hab ich gesagt, "ich komm schon hoch, die Frage ist nur wann und wie". Hoffe das kann ich auch anderswo nutzen.
Ich hab soooooo Bock drauf, endlich wieder einfach nur nen gemütlichen Zehner durchs Tal zu machen. Wird noch ein paar Tage warten müssen. Muskelkater. Aua. :-)

woohoo!!!

FINISHER! Du hast es durchgezogen!
Du hast die Waden und den Staffelberg besiegt!!!

Ein schöner Blog, den ich sehr gerne gelesen habe, denn man konnte alles bildlich vor Augen sehen und nachfühlen.

Natürlich ist es schade, dass der Lauf an sich nicht so viel Spaß gemacht hat ...
Schwamm drüber, sei einfach stolz auf Deine Leistung. Gebracht hat er Dir die Gewissheit, auch Berge zu schaffen, also einfach etwas zu schaffen, dass du Dir vorgenommen hattest. Du hast jetzt gut trainierte Waden, die Du auch in der Fläche nutzen kannst. ;-)

Bin gespannt, was Du als nächstes in Angriff nimmst!

Mein nächstes Ziel ist der Silvesterlauf in Hannover; wie schon erwähnt bin ich "Flachlandindianer" und es geht einfach nur ein Mal um den Maschsee. Da dies erst mein 2. Wettkampf überhaupt ist, bleibt es dennoch aufregend und spannend. ;-)
Außerdem bin ich noch nicht im Winter gelaufen und die Strecke ist etwas weiter als beim 1. Wettkampf ...

Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Erfolg nach Deiner langen Verletzungsserie,

Tarahumara67

... die mächtig stolz auf ihren Buddy ist!!!

Dankedanke, Tarahumara! :)

Wettkämpfe im Winter scheinen auch zu funktionieren, zumindest wenns nicht superkalt ist. Die kalte Luft in der Lunge war kein Problem gestern.
Ich hätte das nie gedacht, dass ich mal auf Wettkämpfe kommen würde. Aber irgendwie macht es Spaß, ein Ziel zu haben, eine grobe Richtung, und gemeinsam mit Anderen eine Strecke unter den Füßen zu haben. Allein das hat mir gestern gefehlt, ich musste ganz allein laufen und Zuschauer waren auch Mangelware...
Mal schauen was jetzt kommt. Falls mir an Silvester langweilig ist, gäbe es da noch einen Lauf. Im April vielleicht den Obermain-(Halb-)Marathon oder so, aber das entscheide ich erst wenn Streckenlängen auch deutlich über 10 km ohne Verletzungen drin sind, wenn dann gemütlich ohne Zeitdruck, nur GENIESSEN! :-) Beide Veranstaltungen wieder in Staffelstein und unter der selben Federführung wie gestern, da weiß man also was man hat und dass es nicht teurer ist als nötig. Und zu guter letzt hab ich heute gesehen, dass es wieder einen Kaiserdomlauf in Gaustadt geben wird im März, das war mein erster Wettkampf überhaupt. Der Fünfer ist definitiv vorgemerkt, spätestens da wird an der PB geschraubt... :o)
...to be continued...
Leb dein Leben - bevor es zu spät ist.

Bravo

danke für den schönen Bericht und Gratulation zu Deiner Leistung !
ich hatte auch von dem Lauf gelesen und kurz überlegt ... kam dann aber zum Schluss, dass 100 km Anfahrt für 4 km Lauf nicht rentabel sind :-( vielleicht wären sie es doch gewesen ?
Dann bin ich im nächsten Jahr vielleicht dabei ...
LG

edit: achja, in Stadtsteinach wär am 26.11. ein Berglauf www.steinachtallauf.de - seid ihr da evtl. auch dabei ?????

Hmmmm...

...von dem Lauf hab ich auch schon gelesen, aber hab momentan erst mal genug von Bergen. ;-) Falls ich da mitmache, dann nur ganz spontan. Die Lust mich zu quälen ist bislang noch nicht wieder da, und der Hainberglauf ist den Zahlen nach ähnlich anspruchsvoll.
Eigentlich ist der Staffelberg auch ohne Lauf schon die Fahrt wert, finde ich. Tolle Felsen, geniale Aussicht (wenns grad nicht so diesig ist) und so wunderschön ruhig. Und nebenbei historisch recht interessant. Also wenn du mal in der Gegend bist und ein bisschen Zeit hast, ich find ihn gut. Wenn dus laufen willst, park unten in Staffelstein am Friedhof, wenns schnell gehen soll fahr per Auto bis Romansthal hoch. Oder halt du wartest bis nächstes Jahr. ;-)

Leb dein Leben - bevor es zu spät ist.

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