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Ich weiß nicht einmal mehr wirklich genau wie es begann, nur das ich heute nicht mehr zurück in das frühere Leben kann. Natürlich war ich auch früher schon immer mit etwas Sport vertraut gewesen, so liebte ich das Inlineskaten, Schlittschuhlaufen, Tennis und Radfahren. Auch schwimmen ging ich jeden Sommer täglich, na ja – eher mehr Sonnenbaden und die Sonne genießen und den anderen beim planschen zu sehen, aber natürlich bin ich auch einige Bahnen geschwommen.
Heute ist das alles etwas vernachlässigt worden, dafür gehe ich fast jeden Tag nach der Arbeit zum joggen oder wie wir Läufer es für unser Tempo Laufen bezeichnen. Wenn ich mal nicht Laufen gehen kann, sei es aus gesundheitlichen Gründen oder weil unbedingt mal eine Regenrationsphase angesagt ist, so merke ich schon nach 3 Tagen das mir etwas fehlt. Ich fühl mich total unwohl, werde zickig und meine Körper quält mich ebenso. Jeder einzelner Muskel fängt an zu schmerzen und ich kann diesen Schmerz noch nicht einmal beschreiben. So wie ich dann meine Laufschuhe anziehe und einfach nur eine kleine Runde Laufe merke ich sofort, jetzt geht es mir gut. Es ist die Leidenschaft – die vielleicht auch mal Leiden schafft. Oft frage ich mich wie lange noch, wie lange mache ich das überhaupt noch und kann ich überhaupt auch aufhören? Ich kann diese Frage noch nicht einmal beantworten, denn wenn es danach ginge, so müsste ich den Laufsport schon längst an den Nagel gehängt haben. Warum fragt ihr euch? Weil ich mir gesagt habe, sobald ich in New York den Marathon gelaufen bin, gibt es für mich nichts mehr was ich erreichen könnte. Diese Aussage ist wohl doch nur so dahin geblättert gewesen, denn nach dem New York Marathon 2010 habe ich mich richtig gut gefühlt. Ich war in einer Welt gelangt, in der ich feststellte, ich könnte alles erreichen wenn ich will. So startete ich dieses Jahr mit neuen Interessen, mit neuen Zielen. Hamburg Marathon war eines meiner Ziele und diesen hätte ich auch noch bei Halbmarathon Distanz erst aufgeben wollen. Da hatte ich einen Tag davor bis zum Zieleinlauf meine Begleitung Migräne und ich dachte mir am Start, das zieh ich nicht durch. HM geht auf jeden Fall, das habe ich schon 2x mitmachen müssen in Oberstdorf beim Gebirgstäler und ich kam ins Ziel. Aber eine Marathonlänge mit der Migräne, das war für mich ein Ding der Unmöglichkeit und wollte deshalb schon vorher mein Ausscheiden bekannt geben. Aber was macht meine Leidenschaft? Ich zog es durch – Kilometer für Kilometer. Dann startete ich einen zweiten Marathon in Sonthofen – ein Bergmarathon. Von den Temperaturen her ganz mein Ding, aber ob ich den Berg schaffe – keine Ahnung. Da ich den Nebelhorn Lauf mit 1405 Höhenmetern auf 10,5 km Distanz schon 2x geschafft habe und zusätzlich auch 2x trainierte, dachte ich mir, wird das schon nicht so schwierig sein die 1600 Höhenmetern auf 43 Kilometer verteilt zu laufen. Von wegen! Ich erfuhr dort zum ersten Mal wie schwer es sein kann nach 30 Kilometer mit viel steilen Aufstiegen aber genauso viele steile Abstiege noch weiter zu laufen. Am schlimmsten war für mich zum ersten Mal auch die Hitze, die ich sonst immer gut vertragen habe. Aber an diesem Tag wünschte ich mir es wären keine 35° sondern nur 20°c. Nach 5 Stunden und immer noch nicht im Ziel war mir klar, das ist mein schlimmster Marathon in meinem ganzen Leben. Ich erfuhr dort wie es ist wenn man dehydrierte, wie man ausgepowert ist bei einem Berg anstieg und wie einem die Muskeln schmerzen können wenn man steil berg ab lief. Aber das ist eben die Leidenschaft, die auch mal Leiden schafft. Meinen dritten Marathon absolvierte ich dann im Oktober und genau 1 Woche davor holte ich mir einen Infekt. Was tun fragte ich mich und meine Leidenschaft war da mal wieder im Weg. Ich konnte nicht aufgeben und ich wollte es auch nicht. Jedem Läufer der bei mir mittrainiert sage ich das, dass sie noch nicht einmal mit einem Schnupfen trainieren sollen, weil es einfach zu gefährlich ist sich eine Herzmuskelentzündung einzufangen. Der plötzliche Herzstillstand und somit bei einigen Lauf- und Sportveranstaltungen der plötzliche Herzstillstand kommt nicht von ungefähr. Dennoch konnte ich nicht mehr mit der Vernunft denken, denn meine Leidenschaft stand überall – es hat mich eingefangen. Dennoch konnte noch ein kleines Fünkchen Vernunft an die Oberfläche treten und ich nahm mir vor, nicht all zu schnell zu laufen, keine Zeiten in den Vordergrund zu stellen, sondern einfach gut ins Ziel zu kommen. Was soll ich sagen, es ist mir eigentlich ja schon ganz gut gelungen. Bei Kilometer 34 spürte ich zwar wieder wie mir alles schmerzte, nur die Beinmuskeln nicht. Dennoch nahm ich da dann mein Tempo heraus und bin immer wieder mal nur gegangen. So kam ich zwar nicht wie gewohnt unter die 4 Std, aber ich konnte mit Stolz sagen ich kam ins Ziel. Der übliche Muskelkater kam bei mir leider nicht wirklich richtig, ich habe mich ja nicht wie sonst verausgabt. Aber die Leidenschaft in mir hat mal wieder gesiegt. Nach dem Marathon wollte ich tatsächlich mal einen Monat aussetzen und mal nichts tun. Na ja, Radfahren und Spaziergänge sind ja erlaubt und ist für mich ja so gut wie nichts tun. Aber leider hielt ich das gerade mal nach dem Marathon 5 Tage aus und ich sehnte mich nach einem Lauf. So lief ich – natürlich vernünftigerweise nur eine kleine Runde – aber genau das war Balsam für mich. Und so werde ich wohl Tag ein und Tag aus weiter für meine Leidenschaft leben.

2.6
Gesamtwertung: 2.6 (5 Wertungen)

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